der himmel spannt sein trauertuch
seit tagen geht ein junger regen
weicht alte wunden wieder auf
die leute jammern, reden
von müdigkeit und grauer last
von gliederschmerz und
quellender erwartung
das amsellied knallt auf asphalt
und schlaflos windet, unerhört
sich weiter nacht um nacht
und bringt doch niemals mehr zurück
was man verlor in einem winter
es spurt die zeit jetzt zeigerlos und
hat für alles nur ein zwinkern
/c/ monika kafka, 03/12
vorfrühling
-
Herby
Liebe Monika,
das gefällt mir ausgesprochen gut, ich finde mich in íhm wieder. Ich mag die Gegensätze im Text, das Zwinkern der Zeit am Schluss finde ich ein besonders schönes Bild, welches das Schwermütige und Negative wieder relativiert, versöhnlich stimmt.
Zwei kleine Anmerkungen noch: den Begriff "Trauertuch" empfinde ich als etwas zu stark im Kontext des Gedichtes, ohnen dass ich dir im Moment eine Alternative bieten könnte; irgendetwas mit "grau" fällt ja raus, da das Wort zu Beginn der zweiten Strophe schon auftaucht.
Und an folgender Stelle sitze ich auch beim wiederholten Lesen noch immer auf dem Kabel:
Stimmt hier syntaktisch alles? Ich finde das Subjekt zu "windet" einfach nicht.
Herzliche Grüße,
Herby
das gefällt mir ausgesprochen gut, ich finde mich in íhm wieder. Ich mag die Gegensätze im Text, das Zwinkern der Zeit am Schluss finde ich ein besonders schönes Bild, welches das Schwermütige und Negative wieder relativiert, versöhnlich stimmt.
Zwei kleine Anmerkungen noch: den Begriff "Trauertuch" empfinde ich als etwas zu stark im Kontext des Gedichtes, ohnen dass ich dir im Moment eine Alternative bieten könnte; irgendetwas mit "grau" fällt ja raus, da das Wort zu Beginn der zweiten Strophe schon auftaucht.
Und an folgender Stelle sitze ich auch beim wiederholten Lesen noch immer auf dem Kabel:
scarlett hat geschrieben:das amsellied knallt auf asphalt
und schlaflos windet, unerhört
sich weiter nacht um nacht
Stimmt hier syntaktisch alles? Ich finde das Subjekt zu "windet" einfach nicht.
Herzliche Grüße,
Herby
Liebe Monika,
ich mag den Rhythmus und die Stimmung in deinem Gedicht. "trauertuch" finde ich auch ein bisschen zu dicke.
Vllt. findest du da ein etwas milderes Wort, das jedoch das Gleiche ausdrückt.
Hier:
nehme ich an, dass das "amsellied" das Subjekt ist, würde hier evtl. umstellen:
das amsellied knallt auf asphalt
und windet schlaflos, unerhört
sich weiter nacht um nacht
Liebe Grüße
Gabi
ich mag den Rhythmus und die Stimmung in deinem Gedicht. "trauertuch" finde ich auch ein bisschen zu dicke.
Vllt. findest du da ein etwas milderes Wort, das jedoch das Gleiche ausdrückt.
Hier:
scarlett hat geschrieben:das amsellied knallt auf asphalt
und schlaflos windet, unerhört
sich weiter nacht um nacht
nehme ich an, dass das "amsellied" das Subjekt ist, würde hier evtl. umstellen:
das amsellied knallt auf asphalt
und windet schlaflos, unerhört
sich weiter nacht um nacht
Liebe Grüße
Gabi
-
poeta
hallo scarlett,
so direkt sind wir beide uns hier noch nicht begegnet, aber du warst einer der hauptgründe, warum ich mich angemeldet habe, du und die weibliche neugierde! (gelöschte texte und einige versteckte übten gradezu magnetische kraft aus!)
leider habe ich festgestellt, dass ich zeitlich nicht so frei bin, um hier rege mitzumischen, deshalb hab ich mich wieder zurückgezogen, lese aber sehr gern hier mit.
jetzt hat mich einer deiner texte bewogen mich hier einzuloggen, um ein paar worte dazu zu sagen.
er ist abgesehen von der inhaltlich "abseitigen" betrachtungsweise des vorfrühlings auch äußerst raffiniert gewebt und klangfarbig gestaltet. Für derart sorfältig gestaltete texte kann ich mich immer begeistern. die streng metrische ausrichtung bildet sozusagen den Grundstoff auf dem du hauptsächlich mit assonanzen (an stelle von endreimen), ein paar aliterationen ( z.B. "weicht alte wunden wieder..." ; "zeit jetzt zeigerlos...zwinkern) und weiteren stilmitteln farbe aufgetragen hast; Der binnenreim "knallt auf asphalt" ist mit der häufung der "a"- laute und der parallelstellung von "nacht auf nacht" ein weiteres highlight in dieser strophe.
ganz besonders raffiniert finde ich aber den missklang, den du mit dem einsilbig unbetonten "und" am versende den gliederschmerzen zugesellt hast, das mit "der quellenden erwartung" eine wunderbar schiefe allianz (assonanz) eingeht. mir fiele dazu noch einiges mehr ein, wie die verkürzten verse jeweils am strophenende, die sich mittels strophenenjambement eng an die jeweils folgen strophe klammern.... und... Punkt.
Ich hab das sehr, sehr gern gelesen, und ein wenig (ich hoffe nicht zu pietätlos zerpfückt), weil es für mich immer wieder spannend ist zu sehen, was sich alles an technik dahinter verbergen kann, wenn ein Gedicht so wunderbar klingt und bis in kleinste details veranschaulicht, worum es stimmungemäßig und metaphorisch geht (mit dem trauertuch, ...nicht mehr zurück bringen, was man verlor und der zeigerlosen Zeit bringst du auch eine sehr persönlich menschliche dimension ins spiel.
zwei winzige anmerkungen:
Das trauertuch gleich im ersten Vers empfinde ich auch als ein bisschen heftig; mir fiel dazu ein, dass man mit dem Begriff vielleicht ein bisschen spielen könnte: "grauertuch" ; "schauertuch" ... was meinst du? ein bisschen ernst wegnehmen an dieser stelle - als gegenpol zum zwinkern am ende? (nur so eine spontane idee!)
die umstellung beim Amsellied, wie gabriela sie vorschlägt, würde ich befürworten, deine erste elliptische fassung (ein "es" fehlt) gefällt mir nicht ganz so gut.
doch was wiegt das schon im großen wundervollen ganzen!
liebe grüße, poeta
so direkt sind wir beide uns hier noch nicht begegnet, aber du warst einer der hauptgründe, warum ich mich angemeldet habe, du und die weibliche neugierde! (gelöschte texte und einige versteckte übten gradezu magnetische kraft aus!)
leider habe ich festgestellt, dass ich zeitlich nicht so frei bin, um hier rege mitzumischen, deshalb hab ich mich wieder zurückgezogen, lese aber sehr gern hier mit.
jetzt hat mich einer deiner texte bewogen mich hier einzuloggen, um ein paar worte dazu zu sagen.
er ist abgesehen von der inhaltlich "abseitigen" betrachtungsweise des vorfrühlings auch äußerst raffiniert gewebt und klangfarbig gestaltet. Für derart sorfältig gestaltete texte kann ich mich immer begeistern. die streng metrische ausrichtung bildet sozusagen den Grundstoff auf dem du hauptsächlich mit assonanzen (an stelle von endreimen), ein paar aliterationen ( z.B. "weicht alte wunden wieder..." ; "zeit jetzt zeigerlos...zwinkern) und weiteren stilmitteln farbe aufgetragen hast; Der binnenreim "knallt auf asphalt" ist mit der häufung der "a"- laute und der parallelstellung von "nacht auf nacht" ein weiteres highlight in dieser strophe.
ganz besonders raffiniert finde ich aber den missklang, den du mit dem einsilbig unbetonten "und" am versende den gliederschmerzen zugesellt hast, das mit "der quellenden erwartung" eine wunderbar schiefe allianz (assonanz) eingeht. mir fiele dazu noch einiges mehr ein, wie die verkürzten verse jeweils am strophenende, die sich mittels strophenenjambement eng an die jeweils folgen strophe klammern.... und... Punkt.
Ich hab das sehr, sehr gern gelesen, und ein wenig (ich hoffe nicht zu pietätlos zerpfückt), weil es für mich immer wieder spannend ist zu sehen, was sich alles an technik dahinter verbergen kann, wenn ein Gedicht so wunderbar klingt und bis in kleinste details veranschaulicht, worum es stimmungemäßig und metaphorisch geht (mit dem trauertuch, ...nicht mehr zurück bringen, was man verlor und der zeigerlosen Zeit bringst du auch eine sehr persönlich menschliche dimension ins spiel.
zwei winzige anmerkungen:
Das trauertuch gleich im ersten Vers empfinde ich auch als ein bisschen heftig; mir fiel dazu ein, dass man mit dem Begriff vielleicht ein bisschen spielen könnte: "grauertuch" ; "schauertuch" ... was meinst du? ein bisschen ernst wegnehmen an dieser stelle - als gegenpol zum zwinkern am ende? (nur so eine spontane idee!)
die umstellung beim Amsellied, wie gabriela sie vorschlägt, würde ich befürworten, deine erste elliptische fassung (ein "es" fehlt) gefällt mir nicht ganz so gut.
doch was wiegt das schon im großen wundervollen ganzen!
liebe grüße, poeta
-
scarlett
ihr lieben,
ich danke euch herzlich für die intensive beschäftigung mit meinem gedicht, in dem ich versucht habe, den frühling ein wenig anders zu gestalten ...
ganz besonders dank an dich, poeta, das zerpflücken hat mich begeistert, und ja, es zeigt einiges von der machart des textes, wo nichts dem zufall überlassen wurde.
zu euren kritikpunkten: ich gebe euch unumwunden recht, das trauertuch /hach ... dieses tolle wort!/ ist too much und muss/wird weichen.
gedacht war es schon als gegensatz zum zwinkern am schluss, aber ich sehe ein, dass es dennoch einfach zu .. stark ist.
das "schauertuch" würde mir schon gefallen, ja ja ...
auch über eine andere verbindung, die sich allerdings nicht aufs erste erschließt, denke ich noch nach: taubes tuch.
taub im sinne von leer/ohne inhalt/zu dünn/durchsichtig- auch im übertragenen sinn/ aber auch im sinne von taub- nicht hören, was mit dem unerhört korrespondieren würde.
ich bin aber noch nicht fertig mit denken diesbezüglich ...
ferner was die syntaktische konstruktion in s2 anbelangt, ich meine, da ist alles ok, wobei es mir natürlich schon zu denken gibt, wieso das so unklar rüberkommt ...
die nacht ist subjekt - nacht um nacht windet sich unerhört weiter ...
könnte es am unerhört liegen, das sowohl zum amsellied gehört als auch zur nacht?
wie gesagt, ich denke noch ...
viele liebe grüße euch allen,
scarlett/monika
ich danke euch herzlich für die intensive beschäftigung mit meinem gedicht, in dem ich versucht habe, den frühling ein wenig anders zu gestalten ...
ganz besonders dank an dich, poeta, das zerpflücken hat mich begeistert, und ja, es zeigt einiges von der machart des textes, wo nichts dem zufall überlassen wurde.
zu euren kritikpunkten: ich gebe euch unumwunden recht, das trauertuch /hach ... dieses tolle wort!/ ist too much und muss/wird weichen.
gedacht war es schon als gegensatz zum zwinkern am schluss, aber ich sehe ein, dass es dennoch einfach zu .. stark ist.
das "schauertuch" würde mir schon gefallen, ja ja ...
auch über eine andere verbindung, die sich allerdings nicht aufs erste erschließt, denke ich noch nach: taubes tuch.
taub im sinne von leer/ohne inhalt/zu dünn/durchsichtig- auch im übertragenen sinn/ aber auch im sinne von taub- nicht hören, was mit dem unerhört korrespondieren würde.
ich bin aber noch nicht fertig mit denken diesbezüglich ...
ferner was die syntaktische konstruktion in s2 anbelangt, ich meine, da ist alles ok, wobei es mir natürlich schon zu denken gibt, wieso das so unklar rüberkommt ...
die nacht ist subjekt - nacht um nacht windet sich unerhört weiter ...
könnte es am unerhört liegen, das sowohl zum amsellied gehört als auch zur nacht?
wie gesagt, ich denke noch ...
viele liebe grüße euch allen,
scarlett/monika
Liebe Monika,
dass die Nacht das Subjekt sein könnte, hatte ich auch kurz überlegt, aber es liegt tatsächlich am "unerhört", dass ich das Subjekt schließlich im Amsellied las, da "unerhört" direkt zum Amsellied passt. Zudem las ich das Amsellied als Metapher, als Sehnsucht des LI nach dem Frühling ("quellender erwartung").
Liebe Grüße
Gabi
dass die Nacht das Subjekt sein könnte, hatte ich auch kurz überlegt, aber es liegt tatsächlich am "unerhört", dass ich das Subjekt schließlich im Amsellied las, da "unerhört" direkt zum Amsellied passt. Zudem las ich das Amsellied als Metapher, als Sehnsucht des LI nach dem Frühling ("quellender erwartung").
Liebe Grüße
Gabi
-
Herby
Liebe Monika,
du schreibst
Wie du ja aus eigener Anschauung weißt, zähle ich von meiner äußeren Physiognomie her ja nicht gerade zu den Gazellen; will sagen: wenn ich denn mal auf der Leitung sitze, dann sitz ich auch da und mach es mir bequem...
Ich hab's inzwischen, bitte entschuldige!
Herzlich,
Herby
du schreibst
scarlett hat geschrieben:ferner was die syntaktische konstruktion in s2 anbelangt, ich meine, da ist alles ok, wobei es mir natürlich schon zu denken gibt, wieso das so unklar rüberkommt ...
Wie du ja aus eigener Anschauung weißt, zähle ich von meiner äußeren Physiognomie her ja nicht gerade zu den Gazellen; will sagen: wenn ich denn mal auf der Leitung sitze, dann sitz ich auch da und mach es mir bequem...
Ich hab's inzwischen, bitte entschuldige!
Herzlich,
Herby
-
scarlett
lieber herby,
was hast du doch für eine herzerfrsichende art, du meine güte, ich seh und hör dich förmlich ...
nun denn, dann scheint es zu passen, in meinem textlein???
und ja gabi, das amsellied ist schon verbunden mit der erwartung- nur dass das ich nicht glaubt, das sie erfüllt wird ... nech?
lg euch,
monika
was hast du doch für eine herzerfrsichende art, du meine güte, ich seh und hör dich förmlich ...
nun denn, dann scheint es zu passen, in meinem textlein???
und ja gabi, das amsellied ist schon verbunden mit der erwartung- nur dass das ich nicht glaubt, das sie erfüllt wird ... nech?
lg euch,
monika
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 25 Gäste
