mein reden (an deinem sockel lässt sich sitzen wie bei eine

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 09.03.2012, 11:05


mein reden
(an deinem sockel lässt sich sitzen wie bei einem mammutbaum)


je näher ich dir komme
umso höher streckst du dich
als wolltest du mir den himmel reichen
so scheint es mir
du bist mein freund geworden
davon gibt es nicht viele
du ding du
lass dir die sonne
auf den beton strahlen
die erde über deinem fundament ist weich
ich pflanzte ein veilchen hinein
heute blüht eine kleine familie
ich lehne mich
an dich und erzähl dir
seit sieben jahren
was mich bewegt
ja, an manchen tagen
wendest du dich ab
dann sage ich: du siehst aus
wie eine beleidigte leberwurst
und sehe dich schon
mit den rotorblättern einen vogel zeigen
den ich beerdigen muss
aber dafür muss ich die augen
zusammenkneifen

schon seltsam
als sie dich aufbauten
fand ich dich einfach hässlich
du warst mir so fremd
störtest nur den blick
über die weiten weichen wiesen
meiner kindheit erinnerungen
die der wind zerstreute als robert kam
und sagte: du wärst wahrlich ein wunderwerk
und wir uns unter deinem kreisen küssten

weißt du, was mit uns geschah
wo er seinen samen heute vergießt
ohne kinder zu zeugen
wohin es ihn zieht
der mit den dingen spricht
nein, du weißt nichts
du ding du
aber an deinem sockel
lässt sich sitzen
wie bei einem mammutbaum




Inspiriert von Leonies Mein Schweigen und Quoths Romantik/Technikfaden
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Quoth
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Beitragvon Quoth » 09.03.2012, 22:11

Hallo Flora,
sehr interessant, freue mich, dass Du Dich hast anregen lassen. Am Anfang wird mir etwas zu viel erklärt, und später wird dann eine Geschichte erzählt - es ist ein Material, in dem das Windrad einen durchaus ehrenwerten, aber mich noch nicht völlig überzeugenden Platz einnimmt.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.03.2012, 00:14

Hallo Flora,

den Titel finde ich sehr einladend. Ich hab mir dein Gedicht mehrfach laut vorgelesen. Ich werde nicht warm mit der Sprache. Es berührt mich nicht und ich frage mich, woran das liegen könnte. Ich glaube, es ist zum einen die Melodie, die ich hier vermisse. Und zum anderen habe ich das Gefühl, als ob hier zwei verschiedene "Sprachen" verwendet werden:
einmal "weiche" und erzählerische Sätze wie:
Flora hat geschrieben:als wolltest du mir den himmel reichen

Flora hat geschrieben:die erde über deinem fundament ist weich

Flora hat geschrieben:über die weiten weichen wiesen
meiner kindheit erinnerungen

Flora hat geschrieben:weißt du, was mit uns geschah

und dann Passagen wie
Flora hat geschrieben:du ding du

Flora hat geschrieben:dann sage ich: du siehst aus
wie eine beleidigte leberwurst

Flora hat geschrieben:schon seltsam
als sie dich aufbauten
fand ich dich einfach hässlich
du warst mir so fremd
störtest nur den blick

Für mich passt das irgendwie nicht zusammen, bildet keine harmonische Einheit oder eine Art Linie.
Und dadurch fehlt mir eine Melodie.

Soweit meine Gedanken.

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 11.03.2012, 13:43

Hallo Quoth

sehr interessant, freue mich, dass Du Dich hast anregen lassen. Am Anfang wird mir etwas zu viel erklärt, und später wird dann eine Geschichte erzählt - es ist ein Material, in dem das Windrad einen durchaus ehrenwerten, aber mich noch nicht völlig überzeugenden Platz einnimmt.
Hat Spaß gemacht, mich damit auseinanderzusetzen. Dank also für dein Anstoßen :) und die Rückmeldung dazu.

Hallo Gabriella,

den Titel finde ich sehr einladend. Ich hab mir dein Gedicht mehrfach laut vorgelesen. Ich werde nicht warm mit der Sprache. Es berührt mich nicht und ich frage mich, woran das liegen könnte. Ich glaube, es ist zum einen die Melodie, die ich hier vermisse. Und zum anderen habe ich das Gefühl, als ob hier zwei verschiedene "Sprachen" verwendet werden:
Schön, dass das sichtbar wird, aber natürlich schade, dass es sich dann für dich als Mangel des Textes zeigt und er so nicht "wirken" kann. Die unterschiedlichen Sprachen sind bewusst angelegt, auch wenn sie für mich ineinandergreifen (und wenn ich es laut lese auch ineinander übergehen), und aus einer Person kommen, sie eine Bewegung erzeugen, die aber von einem (inneren) Hin und Her geprägt ist (zwischen himmeligweichschwebend und auf den Teppich holend und dazwischen eine Spur Kopfschütteln über sich selbst .-)) und nicht harmonisch in eine Richtung fließt.
Das "du ding du" ist für mich für diese beiden Seiten, die ich ausloten wollte, vielleicht kennzeichnend. Darin steckt für mich als Anrede etwas Liebevolles, Vertrautes, Nahes. Es klingt fast wie ein neckender Kosename und dabei bleibt doch immer das Wissen des LIch und die bewusste Klarstellung, die Betonung, dass es eben ein "Ding" ist und nicht "beseelt" ... dass man (mit sich) selbst "redet".

Dank dir für die Rückmeldung!

Liebe Grüße euch
Flora
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 11.03.2012, 13:56

Hallo Flora,
Flora hat geschrieben:Die unterschiedlichen Sprachen sind bewusst angelegt, auch wenn sie für mich ineinandergreifen (und wenn ich es laut lese auch ineinander übergehen), und aus einer Person kommen, sie eine Bewegung erzeugen, die aber von einem (inneren) Hin und Her geprägt ist (zwischen himmeligweichschwebend und auf den Teppich holend und dazwischen eine Spur Kopfschütteln über sich selbst .-))

jeder liest ja einen Text anders, betont ihn auch anders.
Ich würde hier ja sehr gerne eine Vertonung von dir hören und wie du z.B. "du ding du" sprichst. Vllt. verstehe bzw. höre ich dann, wie diese zwei verschiedenen Sprachen ineinander übergehen.

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 12.03.2012, 23:25

Hallo Gabriella,

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Liebe Grüße
Flora
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 12.03.2012, 23:40

Wow, Flora!

Ich bin ja hin und weg von deiner Lesung. Du hast eine so samtweiche Stimme und wie liebevoll du das "du ding du" betonst und überhaupt setzt du Pausen, wo ich überhaupt keine gelesen hätte. Auch wechselst du beim Lesen immer wieder die Tonlage.
Toll, ganz toll!
Und ja! Mein Eindruck ändert sich zu 100 %. Es passt total zusammen, jetzt weiß ich, wie du es gemeint hast.
Super! :daumen:

Angetane Grüße
Gabi
P.S: Ich versteh überhaupt nicht, wieso du dich ungern reden hörst. Du hast eine wunderbare Lesestimme, echt!

Quoth
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Beitragvon Quoth » 13.03.2012, 08:22

Ja, schön gelesen, Flora, für meinen Geschmack fast zu sehr "gesäuselt", eine Prise mehr Beton (den ich übrigens auf der zweiten Silbe betonen würde) täte der Stimme gut!
Gruß
Quoth
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.03.2012, 12:25

Quoth hat geschrieben:eine Prise mehr Beton

*lach* Quoth
Ich finde, dass Flora das genau richtig liest, teilweise verträumt und sehr weich und teilweise nachdenklich und mit der Stimme eine Tonlage runtergehend, stiller, ernster.
Übrigens, wenn du genau hinhörst: sie betont "Beton" auf der zweiten Silbe.

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 13.03.2012, 14:50

Quoth hat geschrieben:eine Prise mehr Beton
*lach* Ich fürchte, ich lese zu selten, als dass ich so fein dosieren könnte ... außerdem ist doch der Windräderich für den Beton zuständig. .-) Danke für die Rückmeldung.

Freut mich Gabriella, dass es so für dich aufgeht.

Säuselgrüße :o))
Flora

(Was ich übrigens wirklich fein finde, dass sich die Vögel einfach in den Hintergrund gezwitschert haben. Es wird Frühling!)
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 13.03.2012, 14:53

genau! ich wollte gleich schreiben flora hat einen vogel ;-))) aber so gut kennen wir uns nicht, nicht dass ich ein satz heiße ohren von dir kriege!!! ;-)
und schöne säuselstimme, muss nicht mehr beton...
lg

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 13.03.2012, 15:04

hallo flora,

ich finde, dass der text (der mir ohnehin gefällt) durch die lesung noch einmal sehr gewinnt. ganz wunderbar.

lga

Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.03.2012, 15:17

Hallo Flora,
Flora hat geschrieben:Ich fürchte, ich lese zu selten, als dass ich so fein dosieren könnte ...

nachdem ich jetzt zum ersten Mal eine Lesung von dir gehört habe, habe ich beschlossen, dass du viel mehr deiner Texte lesen solltest! *g* Das macht einfach Lust auf mehr!
Zum Beispiel: "die sanftheit der dinge ..." ;-)

Liebe Grüße
Gabi

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 14.03.2012, 12:05

Danke Pjesma, *lach* ich habe sogar einen ganzen Garten voller Vögel.

Freut mich Allerlei!

Gabriella, das ist süß, aber ich höre lieber anderen zu ... :hide: dir zum Beispiel. .-) Aber es wäre schön, wenn die Hörbar wieder belebter wäre. Unsere Lesekönigin Elsa fehlt einfach. :sad:

Liebe Grüße
Flora
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