was bleibt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 05.02.2012, 13:43

was bleibt

schlecht geviertelte teilchen
vom edeka
ein dutzend dieser hemden
dazu nirvana
weggebügelt
pokergeld in rauen mengen
das maul
voll krähenfedern
Zuletzt geändert von RäuberKneißl am 18.02.2012, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.02.2012, 13:48

Hallo Franz,

auch nach mehrmaligem Lesen bleibt dies ein rätselhafter Text für mich. Ich verstehe ihn schlichtweg nicht. :12:
Ich hole ihn mal hoch, in der Hoffnung auf erhellende Kommentare.

Liebe Grüße
Gabi

Niko

Beitragvon Niko » 18.02.2012, 14:38

als wolle man das unglück fressen, es mit gewalt vernichten. und dabei nährt es einen und macht immer hungriger. und es bleibt somit bei den fluchten: spielsucht, nirwana steht für mich für flüchten in eine heilversprechende religion. schwieriger die ersten drei zeilen: schlecht gevierteltes aus dem edeka und ein dutzdend dieser hemden aus dem edeka(?). immer erkennen, sich bewusstmachen, dass man es doch nicht schafft? dass man nicht in edelboutiquen kaufen kann, nicht viel geld hat und kleidung von nicht einmal der berühmten stange kaufen kann. die schlecht geviertelten teilchen entweder spießigkeit aus der man nicht herauskommt oder ein bild, das ich nicht verstehe. womöglich das hadern mit der ungleichen verteilung. das eigene elend wiegt doch immer schwerer als das elend anderer.
somit wird der titel für mich mit lesen von zeile zu zeile bei dem zweiten lesen immer deutlicher und passender.

für mich baut sich der text verkehrt herum auf. zunächst erzählst du und zählst auf. dinge, die beim erstmaligen lesen keinerlei zusammenhang ergeben. nach lesen des schlusses dann MUSS man nochmal lesen, damit verbunden die hoffnung, dass man auf grund der letzten zeilen den rest für sich erschließen kann. was mir mehr oder weniger schlüssig dann gelungen ist.

besonders das letzte bild finde ich extrem gut!

liebe grüße: niko

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Eule
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Beitragvon Eule » 18.02.2012, 14:45

Da war wohl ein Raubtier dabei. Und jetzt scheint Frieden zu sein, oder Leere. Für mich ein gelungener Schnellschuß.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.02.2012, 15:01

Also das "Raubtier" sehe ich nur in den letzten beiden Zeilen (die ich für sich auch klasse finde).
Könnte das eine Art "Jahresbilanz" sein? Der Titel wäre eine Indiz dafür.
Da war doch dieser Deutsche, der das amerikanische Pokerturnier gewonnen hat.
Aber der übrige Text passt m.E. nicht zu einer Art Jahresbilanz. Klamotten gibt es beim Edeka meines Wissens nicht. Also beziehen sich die "schlecht geviertelten teilchen" auf Edeka. Hm.

Immer noch ratlose Grüße
Gabi

Gerda

Beitragvon Gerda » 18.02.2012, 15:26

Ich versuche es mal:

... nach einer Trennung ... was bleibt ...

schlecht geviertelte teilchen vom Edeka - (früher gab es selbstgebackenen Kuchen)

ein dutzend dieser hemden dazu nirwana weggebügelt - Früher brauchte Lyrich nicht bügeln. Bei der Musik von Nirwana, die es an die Beziehung erinnert, lässt sich notgedrungen die ungewohnte Arbeit besser bewältigen ...

pokergeld in rauen mengen - das Einzige, was ich nicht verstehe

das maul voll krähenfedern - Nun denn, vielleicht wurde ein Täubchen während einer Beziehung zur Krähe ???

Vielleicht eine Möglichkeit

Liebe Grüße
Gerda

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 18.02.2012, 17:29

pokergeld in rauen mengen



Glück im Spiel ( - Pech in der Liebe) als Umkehrung von Pech im Spiel - Glück in der Liebe

wäre meine Lesart

Gerda

Beitragvon Gerda » 18.02.2012, 19:38

Danke Amanita, genau!

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 18.02.2012, 20:43

Hallo,

habe den Typo nirwana auf nirvana berichtigt, Kurt Cobains Band war gemeint (Bügelmusik, perfekt für Business Hemden: http://www.youtube.com/watch?v=auTwQcuYzdk). Ansonsten ist ja fast alles gesagt, glaube ich, was den Text ein bißchen erschließen kann, auch dass das Vierteilen im Untergrund bleibt finde ich nicht schade.

Stoppelbärtig dankende Grüße aus dem Feinripp sendet den Kommentatoren/innen

(der immer noch liierte) RäuberKneißl

Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.02.2012, 21:28

Hallo Franz,

dann ist es also so gemeint?

was bleibt (nach der Trennung)

schlecht geviertelte teilchen
vom edeka (nur noch Teilchen vom Edeka, nichts frisch Gebackenes mehr)
ein dutzend dieser hemden
dazu nirvana
weggebügelt (er bügelt die Hemden nun selbst, hört dabei nirvana)
pokergeld in rauen mengen (hat Glück im Pokerspiel)
das maul
voll krähenfedern

und die letzten beiden Zeilen? Dazu schrieb Gerda:
"Nun denn, vielleicht wurde ein Täubchen während einer Beziehung zur Krähe ???"

Also, auf mich wirkt das Ganze nicht, wie soll ich es ausdrücken, "geschmeidig", es ist irgendwie holprig und mühsam in einen Kontext zu bringen.
Du hast ja gelesen, wie viele hier an der "Entschlüsselung" deines Textes beteiligt waren.

Liebe Grüße
Gabi

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 20.02.2012, 11:16

Hallo Gabi,
ich will deine Deutung nicht wegbügeln, es ist grundsätzlich ja legitim, ein Gedicht zu zerteilen und die Teilchen mit Bedeutungsetiketten zu bekleben - nur wenn das das Ende der Beschäftigung ist: dann machen wirklich zwölf Gedichte ein Dutzend und jedes besteht nur aus einzelnen Stückchen Falschgeld. Resümee bliebe: Dichter halts Maul, sind nur dunkle zerrupfte Federn drin, das fliegt nicht.
Schöne Grüße
Franz

Gerda

Beitragvon Gerda » 21.02.2012, 12:43

Hallo Räuber,

die Deutung war wohlhier zunächst notwendig um den Text zu durchdringen.
Freu dich doch, dass wir ihn entschlüsselt haben. :-)
Gern gebe ich auch noch das Feedback zur Ausführung.
Nachdem ich die die Edeka-Zeile zu den "Stückchen" (im Rheinland heißen sie Teilchen) gefügt hatte und mir klar war dass du Nirvana (Band, es fiel mir nicht auf, dass die sich ja mit v schreibt) meinst, war es relativ einfach.
Ich finde den kleinen Text zutreffend, ja, finde mich sogar darin wieder. Denn was macht man wenn eine gute Zeit (Beziehung) vorbei ist und man die Trauer noch nicht wirklich überwunden hat?
Also ich (kann natürlich nur von mir sprechen), habe mich liebend gern in Musik gesuhlt, ja und die Bügelwäsche macht sich auch nicht von allein genauso wenig wie beispielsweise die Steurerklärung, die auch jder für sich machen muss.

Dass Bild der Krähenfedern gefällt mir besonders, weil es in mancherlei Richtung interpretierbar ist.
Es kann u. a. für ein schlechtes Gefühl der Leere oder des Sich-wertlos-Fühlens, des Lyrich stehen. Denn kostbar, sind Krähenfedern nicht gerade. Die Idee, die ich in meinem Interpretationsversuch darlegte, finde ich darin ebenso enthalten.

Mir gefällt es.

Liebe Grüße
Gerda


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