Liebgehabter

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Jelena

Beitragvon Jelena » 12.02.2012, 08:08

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Niko

Beitragvon Niko » 12.02.2012, 12:54

hallo jelena,

es ist nicht leicht zu sagen für mich, was mich genau an dem text fasziniert und was nicht. sicherlich ist es eine spürbare emotionale offenheit, die ich darin zu lesen glaube. gleichzeitig aber empfinde ich das gedicht als zu wenig lyrisch, zu sehr mit den bildern an der oberfläche bleibend. und unter dem aspekt erreicht mich dieses gedicht nicht. da ist keine textzeile (wie sonst bei dir gewohnt) die mich emotional berührt, oder die mir auf grund eines guten bildes ein "wow" entlockt.

nicht einer deiner starken texte, wie ich finde...

liebe grüße: niko

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Eule
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Beitragvon Eule » 12.02.2012, 13:39

Hallo Jelena, wenn Beziehung zerbrechen, ist dies wohl immer mit Schmerzen verbunden. Insofern kann ich den Text gut verstehen und finde ihn auch formal gelungen. Herzliche Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 12.02.2012, 14:22

Hallo Jelena, mein Eindruck ist Nikos ähnlich: Für mich ist zuviel drin, was "man" schon kennt - oder jedenfalls zu kennen meint.

Einzig die Doppelzeile

es war ein ganzer Planet
zu dem ich keinen Zutritt hatte


gibt für mich das Erfülltsein vom (bitteren) Ende gut wieder, hier wird schön mit den überbordenden Emotionen gespielt, die sogar in den Weltraum reichen - ohne dass es pathetisch wird.

Und dann dieses (für mich:) kleinliche Bild mit den Steinen ... das enttäuscht. In anderem Kontext könnte ich es vielleicht komisch finden; hier wirkt es, wie gesagt, ziemlich bieder.

Schade, beim Lesen Deiner Überschrift hatte ich ganz anderes erwartet.

Jelena

Beitragvon Jelena » 13.02.2012, 10:21

Vielen Dank.

Ja, kein großer Wurf vielleicht. Ein tänzerischer Beginn, der in Ernüchterung mündet. Am Ende reduziert auf...Steine.

Ich kann mit den Kommentaren oder den Lesarten, die nach dem Besonderen suchen, nicht mehr so viel anfangen. Ich denke, dass man einem Gedicht im Zusammenklang nachspürt. Der Liebgehabte war ja nichts Besonderes hier, in dem Sinne. Er war vielleicht verklärt als etwas Besonderes. Ein besonderes, noch nicht gelesenes Bild ist natürlich immer auch eine Bereicherung. Aber warum sollte es immer eine Intention sein? Ist nicht eben das dann gewollt? Künstlich? Etwas, was mit dem Leben, wie es sich in seiner Eintönigkeit gibt, nichts mehr zu tun hat? Ich glaube der Schreibende bewegt sich zwischen den Welten. Er dosiert, wie es zu ihm passt, wie es ihm in dem gewählten Sujet authentisch vorkommt. Natürlich muss er dadurch Bandbreite beweisen. Hier habe ich nur wenige Gewürze benutzt und kein besonderes haben wollen. Ein wichtiges war für mich der Bogen zwischen "habter" und "harter". Wahrscheinlich einen homöopathische Dosis, die nur zu mir passt.

Außerdem verstehe ich nicht mehr, was du, Amanita, unter bieder verstehst. Das ist das zweite Mal, dass ich dieses Wort in einer deiner Antworten finde. Eine Verlegenheitsvokabel? Fast möchte ich das meinen. Ich kann damit in diesem Zusammenhang nichts anfangen. Biederer Sex wäre auch Ernüchterung, oder?
(Übrigens: Nur der wird enttäuscht, der einer Täuschung unterliegt. Ich sehe es nicht als Aufgabe an, mit meiner Schreibe zu beglücken.)

Liebe Grüße, Jelena.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 13.02.2012, 10:36

Wahrscheinlich ein Verlegenheitsbegriff, ja :)

Ich meine: brav, konventionell.

Niko

Beitragvon Niko » 13.02.2012, 14:20

aus deinen worten spricht für mich etwas verbissenheit und trotz, jelena. nun gut. das mag dein recht als autor sein. allerdings sollte man neben der sicherlich wichtigsten sache eines gediichtes, die grundempfindung des autors, auch nicht vergessen, dass ein text, den man veröffentlicht, ja auch eine leserschaft trifft und sie im günstigen falle auch erreichen sollte.

du weißt aus eigener erfahrung nur zu gut, dass du beispielsweise die erste strofe deines textes, hätte sie jemand anderes geschrieben, völlig verrissen hättest. und du hättest recht daran getan.

die bilder müssen weiß gott nicht permanent neu sein. aber sie müssen den leser erreichen. zu sehr oberflächlich beschriebenes oder zu oft genutzte metaphern ermüden den lyrikinteressierten. gottlob sind die geschmäcker da unterschiedlich. der eine macht bei "sternenstaub" oder "flügel der poesie" dicht, dem anderen sind "gewölk" und "mäandern" zuviel respektive zu wenig. zu sehr abgegriffene, bemühte begriffe prallen beim versuche, einen text empfinden zu wollen, oft genug beim leser ab. weil diese verhäuftheit dem ganzen eine art uniform überstülpt. und dann ist es wieder zu verallgemeinernd in der wirkung.
deine erste strophe beispielsweise ist für mich absolut nichtssagend. weil es über das blose erwähnen der worte nichts sagt über alles, was an empfindungen in einer wortansammlung stehen kann. und ein text will nicht gelesen, sondern gespürt werden.

liebe grüße: niko

Jelena

Beitragvon Jelena » 13.02.2012, 16:41

Niko, Punkt Eins: Du bist nicht die Leserschaft. Du hast nur eine Meinung zu dem Gedicht, die du ja auch gesagt hast. Ist doch völlig in Ordnung. :klugscheiß:
Punkt Zwei: Ich kann nicht hellsehen, so wusste ich nicht, dass dir die erste Strophe nicht zusagt. Mir gefällt sie übrigens. Eben weil sie so stereotyp liedhaft daher kommt, nach dem Motto: immer wieder das Gleiche mit der Liebe. Also kannst du wohl genauso wenig hellsehen. :pfeifen:

scarlett

Beitragvon scarlett » 13.02.2012, 18:09

hallo jelena,

den titel finde ich wirklich klasse!

ansonsten teile ich aber die ansicht meiner vorschreiber/innen- er verspricht mehr, als der text dann einlöst.

wobei die strophe "es war ein ganzer planet" schon was hat, aber schon das folgende lässt mich aufhorchen: ein ganzer planet voller steine, zu dem das li keinen zutritt hat. woher weiß es dann, wie es dort ausschaut?

dennoch, etwas berührt mich, etwas geht von deinen zeilen aus, das mich nicht unbeteiligt lässt.
und sei es auch nur die ahnung, dass du das entschieden besser kannst.

liebe abendgrüße,
scarlett

Gerda

Beitragvon Gerda » 14.02.2012, 09:52

Liebe Jelkena,

für mich ist es schwierig, zu diesem Text etwas zuschreiben, da du meiner Meinung nach die zurecht kritisierte Teile schon in einem doch sehr bestimmten Ton verteidigst.
Es beschleicht mich ein Gefühl, als ob du dich, auch berechtigter Kritik zu diesem Thema, diesem Text (noch) nicht öffnen könntest.
Vielleicht ist alles noch zu frisch, etwas mehr zeitliche Distanz wäre möglicherweise nötig, um den Text und die Rückmeldungen "objektiver" betrachten zu können.
Ich hoffe, dass du meine Worte nicht als grenzüberschreitend empfindest.

Dieser aussagestarke Satz, dem eine weite Erfahrung zugrundeliegt ...

Jelena hat geschrieben:es war ein ganzer Planet
zu dem ich keinen Zutritt hatte


... und der für den Text Dreh- und Angelpunkt ist, findet im Text nicht den richtigen Platz will mir scheinen, zu allgemein ist mir das "Gerüst", die Verankerung nicht im Gleichgewicht.
Damit möchte ich zu bedenken geben, dass allein diese gute Idee, den Text nicht tragen kann.

Liebe Grüße
Gerda

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Eule
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Beitragvon Eule » 14.02.2012, 10:08

Ich finde es durchaus ungewöhnlich, ein "starkes Thema" wie Trennung mt einfachen, leichten, fast alltäglichen Worten zu beschreiben. Gerade den Gefühlen sprechen wir manchmal gerne eine gewisse Banalität zu, die wir dann aber oft ungern zulassen. Hier gibt es aber nicht nur diese, deshalb ist der Text für mich zwar subjektiv eingefärbt, aber nicht mißlungen.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.02.2012, 12:25

Hallo Eule! Ich verstehe Dich so, dass ein schwieriges Thema - das eben auch unendliche Male voll mit schwerem Schmerz abgehandelt wurde - hier lapidar angegangen wird. Das wäre ein Konzept, mit dem ich mich durchaus arrangieren könnte; nur sehe ich hier das Lapidare nicht ausgearbeitet genug. Der Anfang des Gedichtes ist m. E. ein Gemeinplatz, den man vielleicht mit Ironie lesen können müsste; ich kanns leider nicht.
Von "misslungen" hat hier glaube ich niemand gesprochen. Es ist nur so, dass Jelena tatsächlich zu den kritischsten Köpfen hier im Forum gehört, was dann wiederum unsere Erwartungen in die Höhe schraubt.

Ich finde die Sprache des Gedichts übrigens nicht "leicht" (wenn auch nicht bleischwer), sondern - zu - indifferent. Aber das ist mein persönlicher Eindruck.
Übrigens assoziiere ich Ich habe dich so lieb von Ringelnatz mit Deinem Gedicht, Jelena
http://www.yolanthe.de/lyrik/ringeln03.htm

wo das Lapidare, das Du vielleicht meinst, Eule, gut herauskommt. Ringelnatz geht da aber ein paar Schritte weiter ins Alltägliche, so dass das Ganze schon was Absurdes kriegt.

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Eule
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Beitragvon Eule » 14.02.2012, 12:53

Ja, das Ringelnatz-Zitat passt ganz gut. Banalität klingt mir zu negativ, die Leichtigkeit, Gefühle zuzulassen und zu beschreiben, finde ich bei dem Gedicht von Jelena auch in Aufbau und Metrik des Textes.
Zuletzt geändert von Eule am 14.02.2012, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

Jelena

Beitragvon Jelena » 14.02.2012, 15:17

Wahrscheinlich hat Gerda Recht. Ich müsste das Gedicht etwas sacken lassen, damit ich es verbessern kann.
Das Ringelnatzgedicht ist ja süß! Gefällt mir. Danke fürs Zeigen.


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