[M] macht der natur

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
pjesma

Beitragvon pjesma » 02.02.2012, 12:25

macht der natur


sie hinge
an den rissigen lippen
des windstoßes,

die regenklarinette,

an den wurmlöchern
der nacht
und splittrigen nüstern
des unsichtbaren dritten.

es grünte
früher oder später
ein jeder finger

allegro moderato
für sich

Quoth
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Beitragvon Quoth » 03.02.2012, 16:22

Hallo Pjesma,

"Der unsichtbare Dritte" ist der deutsche Verleihtitel des Hitchcockfilms "North by Northwest" mit Cary Grant und Eva Marie Saint, die zum Schluss über die Präsidenten-Konterfeis am Mount Rushmore fliehen ... Diese Erinnerungen drängen sich in das zarte Gewebe Deines Textes, aber vielleicht nur für mich???? Daher die "splittrigen Nüstern"????

Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Sam

Beitragvon Sam » 03.02.2012, 17:23

Der Konjunktiv der ersten Strophe führt ins Nirgendwo. Aber vielleicht ist es nur ein E zuviel.

Regenklarinette ist ein Wort, das nur Dichter erfinden können!!


Gruß

Sam

Quoth
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Beitragvon Quoth » 03.02.2012, 17:48

Hallo, Sam,
dem muss ich widersprechen. Wenn Du die Güte hast, hier mal reinzuschauen, da findest Du bereits eine Regenklarinette! Aber was für eine völlig andere! :smile:
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

pjesma

Beitragvon pjesma » 03.02.2012, 19:45

o manno, bin gleich zweimal unoriginell gewesen

erstens muss der unsichtbare dritte sofort weg und umgekrempelt werden, weil ich auf keinen fall auf einen film deuten wollte...mehr an das, was im dunkeln des bildes verborgen bleibt, tiere, ungeheuer, sonstwas---alles vorstellbare und unvorstellbare... das ist das kreuz mit alten filmen, die ich noch unter kroatischer betitelung geschaut habe---oft hab ich keine ahnung, wie sie in deutsch heissen---und wenn der titel so eingebürgert ist, so "stark", dass das gedicht davon beinflusst wird, ist das gar nicht gut...

konditional...hm, möchte ich gerne drinnenlassen. (jetzt soll mir nur noch einer bitte sagen, ob ich e rausschmeissen soll oder nicht...?). ich denke, dass das konditional mit dem bild zusammen funktioniert... man schaut sich das bild (also, ich sah es auf diese art---flora sah es etwas anders---aber das ist die schöne vielfalt der inspiration ) und fragt sich, wie könnte man sich diese finger weg denken, diesen haltend-berührenden handschuh---dieses "künstlich" erschaffene, eingreifende...woran hinge dann das holzstück...? und was stellt das holzstück dar, das dann so da hinge? und so ging es weiter...

den unsichtbaren dritten tausch ich gern für ein noch unsichtbaren anderen vorschlag

lg, pjesma

Quoth
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Beitragvon Quoth » 04.02.2012, 13:37

Nein, die "Regenklarinette" ist, wie Sam schon sagte, sehr schön erfunden, in dem (von Google gefundenen) Link berichtet ein Musiker, dass er, wenn er bei Wind und Wetter draußen Klarinette spielen muss (wahrscheinlich in einem Spielmannszug), dann seine weniger wertvolle "Regenklarinette" nimmt, um die es ihm nicht leidtut, wenn sie nassgeregnet wird ...

Wie der "Unsichtbare Dritte" ersetzt werden könnte, weiß ich auch nicht. "... des Schattenspielers"? Ich habe mich mit so einem Hinweis schon mal sehr unbeliebt gemacht, ich glaube, es war hier, Scarlett hat den Text dann sogar gelöscht, ich weiß nicht, ob wegen meines Hinweises ... Das machst Du aber bitte nicht, liebe Pjesma, ich bin sicher, dass Dir eine Alternative - oder auch Umarbeitung - einfällt!

Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 06.02.2012, 10:53

Hallo pjesma,

man schaut sich das bild (also, ich sah es auf diese art---flora sah es etwas anders---aber dass ist die schöne vielfallt der inspiration ) und fragt sich wie könnte man sich diese finger weg denken, dieses haltend-berührendes handschuh---dieses "künstlich" erschaffenes, eingreifendes...woran hinge dann der holzstück...? und was stellt der holzstück dar der dann so da hinge? und so ging es weiter...
Da ich etwas ganz anderes gesehen und gar nicht auf diese Idee gekommen wäre, fehlt mir das im Text, um verstehen zu können, wie es zu dem "hinge" kam. Eine Möglichkeit wäre vielleicht eine Zeile wie: "wäre da nicht diese hand" mit aufzunehmen?

Was ich mich noch frage, ob die Nüstern wirklich selbst "splittrig" sind, da bin ich zumindest bildlich hängengeblieben, oder nicht eher sich Splitter vom Holz eingefangen haben, also "splittergesäumt" oder so ähnlich sind?

Beim "unsichtbaren" würde ich einfach "den Dritten" weglassen, wenn dich diese Assoziation stört?

Das würde dann zusammengefasst so aussehen.

macht der natur

sie hinge
an den rissigen lippen
des windstoßes

die regenklarinette

an den wurmlöchern
der nacht
und splittergesäumten nüstern
des unsichtbaren

wäre da nicht diese hand

der grünte
früher oder später
ein jeder finger

allegro moderato
für sich


Interessant ist auch das Zusammenspiel von Titel und Text und Text und Foto und die Regenklarinette finde ich sehr fein "gesehen", vor allem, da sie im Bild schweigt.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

pjesma

Beitragvon pjesma » 06.02.2012, 15:55

hallo :-)

splittergesäumten ist fanstastisch, da hast du es sehr richtig erkannt, liebe flora, was ich eigentlich sagen wollte und nicht wusste wie, übernehm ich glatt ;-). anders mit der hand, ich hoffe du findest mich nicht undankbar jetzt...hand hat mich schon am bild irritiert, aber da ich mein gedicht nicht erschaffen wollte als "kritik" des bildes, so ---aus respekt zum autor, sozusagen, hab ich die hand in dem gedicht einfach weg gedacht...hab sogar aus den fingern gleich die natur sprießen lassen....die gedanke dass wir ohne die natur nicht da wären, aber die natur ohne uns auch weiter, schon (obzwar wir ein teil von der natur sind) war mir zu verlockend ;-)

das wäre dann :


macht der natur


sie hinge
an den rissigen lippen
des windstoßes,

die regenklarinette,

an den wurmlöchern
der nacht
und splittergesäumten nüstern
des ungreifbaren dritten.

es grünte
früher oder später
ein jeder finger

allegro moderato
für sich


liebe grüße und danke euch für die hilfe :-)
pjesma


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