Ein Schritt

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.10.2011, 00:46

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Niko

Beitragvon Niko » 30.10.2011, 01:17

ich muss gestehen, amanita, dass ich beim ersten lesen die erste strofe las und dann gleich die letzten beiden. und für mich sind sie, genau wie andererseits der mittelteil, ein gedicht für sich. ich brauche den mittelteil nicht um das gedicht zu erfassen. die erste strofe ist erklärend genug.

die erklärenden beiden strofen 2 und 3 sind für mich ein ebenso tolles gedicht, die ohne zu genau zu werden, einen zustand beschreiben.

es ist dein gedicht. aber ich würde wirklich mit ein wenig abstand unter diesem aspekt das ganze nochmal betrachten und abwägen.

nichts desto trotz: sehr lesenswert. wie (fast) immer.

liebe grüße: niko

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.10.2011, 09:06

Hallo Niko, es muss nicht so bleiben! Die Trennung der beiden Teile habe ich ja schon bewusst vollzogen, aber so weit zu gehen, zwei Gedichte draus zu machen ... hm, das muss ich mir doch noch überlegen. Ich glaube nicht, dass das aufgeht.


Ein Schritt

Ich habe verloren.
Die Zimmer der Freiheit sind winzig
und teuer.

Ich brachte die Früchte zum Reifen
nun passt meine Ernte
in zwei Kartons

Eine Hausfrauenehe war das -
sagt man mir über den Tisch.
Sie müssen sich eine Arbeit suchen.





Als der lichtlose Korridor
am Ende jedes Wort schluckte
hatte ich längst blutend
im Keller gesessen, aufs Gebären gewartet
die Bitternis mir mit Selbstgesprächen vertrieben
und zwischendurch irre gelacht

Wenn ich Staub wischen wollte
sah ich die Jahre darunter verborgen
als noch die Worte nicht brüchig
auf Wäscheleinen zum Trocknen gespannt
sondern schön waren



Nee ... oder? Bin gespannt!

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 30.10.2011, 21:56

Schade, dass "ich" so schnell aus dem Blickfeld geraten bin - hatte gehofft, noch mehr dazu lesen zu dürfen.

Niko

Beitragvon Niko » 30.10.2011, 23:11

hey, amanita,

kritik welcher art auch immer kann man nicht einfordern. sei doch ein wenig geduldig, dein gedicht steht noch nicht einmal einen tag im salon...

ich habe manchmal deutlich länger auf reaktionen gewartet. und manchmal auch vergebens, bis ich es aufgegeben habe, zu warten....

liebe grüße: niko

Mucki
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Beitragvon Mucki » 30.10.2011, 23:44

Hallo Amanita,

zwei Gedichte lese ich da nicht, jedoch würde ich kürzen (die letzte Strophe z.B. halte ich für redundant) und alle Zeilen in der gleichen Schrift setzen, so dass es ein Ganzes wird. Auch die Interpunktion würde ich einheitlich setzen. Entweder ganz raus oder konsequent rein. Dies wäre meine Idee, vllt. kann sie dir Anregung sein:

Ein Schritt

Ich habe verloren
Die Zimmer der Freiheit sind winzig
und teuer

Als der lichtlose Korridor
am Ende jedes Wort schluckte
hatte ich längst im Keller gesessen
die Bitternis mir mit Selbstgesprächen vertrieben
und zwischendurch irre gelacht

Wenn ich Staub wischen wollte
sah ich die Jahre darunter verborgen
als die Worte noch nicht brüchig
auf Wäscheleinen zum Trocknen gespannt
schön waren

Ich brachte die Früchte zum Reifen
nun passt meine Ernte
in zwei Kartons



Saludos
Gabriella

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 31.10.2011, 07:21

Hallo Niko, es ging mir um das, was DU "losgetreten" hast - da war ich einfach gespannt, wie andere das sehen :rolleyes:

Liebe Gabriella, ich hatte mir das auch überlegt, ob es den letzten Teil überhaupt braucht. War dann allerdings der Ansicht, dass zumindest die Überschrift sonst nicht "geht", weil man sie nicht oder nur "fast nicht"??) verstehen kann. Vielleicht sollte man sie ändern ...

Gerda

Beitragvon Gerda » 31.10.2011, 10:35

Liebe Amanita,

ich habe dein Gedicht wie einen "Entwicklungsroman" gelesen, also als Erzählgedicht.
Mich stört eigentlich nur der "Prolog", weil der das "Ende" vorwegnimmt.

Ich habe verloren.
Die Zimmer der Freiheit sind winzig
und teuer.


Das lese ich als eine Art Schlussfolgerung, die das Lyrich aus seinem Leben zieht.
Nach einer wahrscheinlich unglücklichen Ehe, die eine (kreative) Entfaltung unmöglich machte, nun die Freiheit, aber ohne (materielle) Sicherheit.
Ich würde überlegen umzustellen, nicht kürzen, denn ich halte gerade die Beschreibung in Strophe zwei und drei als eigentliche Erzählung für substantiell und gut in der Dichte der Bilder.
.
Schau mal, nun hast du eine dritte Meinung. ;-)

Liebe Grüße
Gerda

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Beitragvon leonie » 31.10.2011, 10:37

Liebe Amanita,

klar sind das zwei Gedichte, aber ich finde, sie passen gut so ineinander, wie Du sie gefügt hast. Das wortkarge Rahmengedicht lebt von dem, was da wortgewaltig eingeschoben ist und die Geschichte erzählt und auf diese Weise die so nüchterne Bilanz aufbricht, finde ich.

Liebe Grüße

leonie

Mucki
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Beitragvon Mucki » 31.10.2011, 12:18

Hallo Amanita,
Amanita hat geschrieben:ich hatte mir das auch überlegt, ob es den letzten Teil überhaupt braucht. War dann allerdings der Ansicht, dass zumindest die Überschrift sonst nicht "geht", weil man sie nicht oder nur "fast nicht"??) verstehen kann. Vielleicht sollte man sie ändern ...

gestern dachte ich schon, dass bei der verkürzten Version der Titel nicht mehr so ganz passt. "Einschnitt" ginge da als Titel gut, finde ich. Er besagt inhaltlich im Prinzip das Gleiche, wäre aber m.E. stimmiger.
Dies natürlich nur, wenn du verkürzt.

Saludos
Gabriella

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 31.10.2011, 22:14

Vielen Dank an alle, die sich mit meinem Text befasst und mir ihre Meinung kundgetan haben. Ich sehe doch, so ganz einheitlich ist die Reaktion nicht.

Mal schau'n ...

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Eule
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Beitragvon Eule » 01.11.2011, 01:18

Hallo Amanita, für beide Gedichtsversionen (1- oder 2-teilig) gibt es aus meiner Sicht gute Argumente. Mit dem kursiven Teil wird in dem Text eine zweite Ebene sichtbar, die auf mich emotionaler und poetischer wirkt.

In der Zeile ... /als noch die Worte nicht brüchig/... würde ich: "... als die Worte noch nicht brüchig ..." schreiben.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 01.11.2011, 12:12

Danke, Eule, ja - hatte ich erst, das noch an gewohnter Stelle, empfand das aber als etwas (zu) holpernd.

pjesma

Beitragvon pjesma » 01.11.2011, 19:33

hallo amanita,
für mich lesen sich beide versuche stimmig. ja---man kann zwei gedichte draus machen. ich muss aber zugestehen, es hat für mich mehr zauber als eine, genau so wie du es ganz oben eigestellt hast: weil: es ist gewagter, ungewöhnlicher. es wirkt wie eine collage in der sich "unpassende" teile wundersam "passend" zueinander fügen. es verstärkt sich die zweistimmigkeit durch die selbstgespräch zeile und irres lachen... doch, ich bevorzüge die obere version...wenn eine welt bricht, dann eh nie in gleiche teile...
lg


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