wo ist gott

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
moonlight

Beitragvon moonlight » 27.10.2011, 20:14

wo ist gott


der rausch hat mich ergriffen
mein inneres ruptiert
gemeuchelt meine zukunft
riech fordernd übeltier

er brandet voller tücke
erzählt von meinem tod
im schlafe muss mich schützen
sonst nimmt er alles fort

such zweifelnd nach den brücken
halt mir die augen zu
sein spottgesang wird lauter
bringt leiden keine ruh

er brandet voller tücke
erzählt von meinem tod
bewacht von hölzern vögeln
im traum am goldnen ort

die zunge dick geschwollen
mein mund schäumt voller blut
kann nimmer mehr bewegen
die angst sie jagt mich tot

er brandet voller tücke
erzählt von meinem tod
es grünt hysterisch lachen
wo ist er unser gott

bin mäuschenstill ganz leise
noch dieses eine mal
lass darben seine drachen
umringt im vogeltal




© Moonlight 2011
Zuletzt geändert von moonlight am 30.10.2011, 20:49, insgesamt 1-mal geändert.

Jelena

Beitragvon Jelena » 28.10.2011, 16:02

Hallo moonlight,

das Gedicht erreicht mich in seiner Eindringlichkeit. Aber ich verstehe es nicht.

Wollte ich es verstehen, muss ich die Bedeutung der Worte überdenken. Dann wird "brandete" zu verbrannte. Dann stinkt das "übeltier", weil das verbrannte Fleisch stinkt. Der "rausch" wäre gleichzeitig Rauch.

Oder ist es vielleicht die Geschichte eines Trinkers? Das könnte ja auch sein. Dann passten die Wasserworte doch.

Liest sich wie die Verzweiflung eines, der hingerichtet wird, obwohl er unschuldig ist.
Die Vögel und Drachen habe ich gar nicht verstanden.

Ist nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Gedicht so unklar bleibt. Aber der Rhythmus hat mich angesprochen, die Sprachmelodie.

LG, Jelena.

Mucki
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Geschlecht:

Beitragvon Mucki » 28.10.2011, 23:38

Hallo moonlight,

es geht mir wie Jelena. Ich denke, dass hier ein Sterbender sehr intensiv seine letzten Gedanken ausruft, doch verstehe ich den Inhalt bzw. die Figuren, die hier auftauchen, nicht. Bei einigen Zeilen habe ich das Gefühl, dass hier von einem Mythos die Rede ist, doch welcher das sein könnte, verschließt sich mir.
Eindringlich ist dieser Klageruf allemal.

Saludos
Gabriella

moonlight

Beitragvon moonlight » 30.10.2011, 10:14

Hallo Jelena,
ich versuche meine Worte aufzuschlüsseln...

z.B. "wenn eine Welle an den Felsen brandet und dann zurückschlägt" ist eine Metapher die du jetzt vielleicht besser verstehen kannst.

Die Vögel und Drachen kommen aus der Mythologie.

LG
Moonlight

moonlight

Beitragvon moonlight » 30.10.2011, 10:16

Hallo Gabriella,

Herzlichen Dank für deinen Kommentar und du hast recht.......

....Vögel haben auch ansonsten eine große Bedeutung in der finnischen Mythologie. So bringen sie dem Menschen bei seiner Geburt seine Seele und bringen sie beim Tod wieder weg. Um seine Seele im Schlaf zu schützen, musste man eine hölzerne Vogelfigur in seiner Nähe haben. Dieser Seelenvogel, Sielulintu genannt, verhindert, dass die Seele in den Träumen verloren geht....

LG
Moonlight

Gerda

Beitragvon Gerda » 30.10.2011, 10:56

Liebe Moonlight,

ein dramatisches Gedicht über den Tod. Hier geht es allerdings offenbar nicht um den natürlichen Vorgang des Lebensendes, des Vergehens, sondern um ein gewaltsames Ende, vor dem sich Lyrich schützen möchte.
Es ist unheimlich auf eine Art und Weise, wie ich als junger Mensch auch "Die Bürgschaft" empfunden habe.
Eine Verständnisschwierigkeit, in der ersten Strophe geht es einerseits um den eigenen "rausch" andererseits um das "übeltier", jedefalls lese ich es nicht eindeutig.
Der Bezug in den Strophen ab Strophe 2 schwankt für mich zwischen dem "rausch" aus Z. 1 und dem "übeltier" aus Z. 4.
Ich bin hin-und hergerissen, wem ich die hauptsächlich unheilvolle kraft zurechnen soll, dem eigenen Ruasch oder dem Übeltier, oder ist beides "Einunddasselbe"?

Liebe Grüße
Gerda

moonlight

Beitragvon moonlight » 30.10.2011, 13:15

Liebe Gerda,
herzlichen Dank für deine Worte.

Du hast es auf den Punkt gebracht.... ein gewaltsames Ende, vor dem sich Lyrich schützen möchte......

Die unheilvolle Kraft ist der Rausch der dem Übeltier Einlass gewährt ..........

LG
Moonlight


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