Lange Nacht
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poeta
Lange Nacht
Die Sonne ging im Osten unter, heute früh,
denn blutrot sank dein Lebenslicht.
Die lange Nacht ertrank in Stille,
die blauen Lippen öffneten sich nicht.
Ich wiegte dich und hielt dich warm.
Ein schlaffes Bündel, an mein Herz gedrückt,
hat unversehens meine Welt verrückt.
Dein Leben, ausgeknipst, liegt schwer in meinem Arm.
Hallo Flora,
für eine wirklich verdichtete Fassung zu diesem Thema halte ich diese für sehr gelungen:
Damit ist alles gesagt.
Deine komplette Version ist sehr laut, ja. Sie schreit richtig und lässt sich Zeit dabei, durch die Abstände.
Saludos
Gabriella
für eine wirklich verdichtete Fassung zu diesem Thema halte ich diese für sehr gelungen:
Flora hat geschrieben:Die Sonne ging im Osten unter, heute früh
gebar die lange Nacht der Schreie
nur Stille
Damit ist alles gesagt.
Deine komplette Version ist sehr laut, ja. Sie schreit richtig und lässt sich Zeit dabei, durch die Abstände.
Saludos
Gabriella
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Jelena
Liebe Poeta, ich möchte noch sagen, dass es manchmal Jahre braucht, um Traumatisches verdichten zu können. Ich würde das Gedicht einfach weglegen, wirklich gar nicht mehr anschauen!, und nach ein paar Wochen oder Monaten wieder vorholen. Dann wird dir viel einfallen.
(Solange eigene Betroffenheit vorliegt - wenn es denn überhaupt so ist, kann ich ja gar nicht behaupten - kann man diese nicht wirklich teilen.)
(Solange eigene Betroffenheit vorliegt - wenn es denn überhaupt so ist, kann ich ja gar nicht behaupten - kann man diese nicht wirklich teilen.)
Hallo Poeta,
die Frage, woran es hier hängt, lässt mich noch nicht so richtig los. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir die Schwierigkeit darin zu liege, dass du ganz verschiedene Trauerphasen und "Absichten" in diesen einen Moment reinnimmst, die ich zwar in sich verstehen kann, die ich aber so einfach nicht zusammenbekomme? Das "heute früh" ist da wahrscheinlich für mich wirklich der Knackpunkt?
Auch denke ich, dass das Festhalten an den Reimen als Stützkorsett, wie du es beschreibst, eher eines an fremden (aber vertraut klingenden) Zeilen, also Zitaten, wäre und nicht die Schaffung eigener, was ja eine Kreativität und keine Sprachlosigkeit voraussetzen würde? Wie man das eben auch in Traueranzeigen sieht?
Hm, viele Fragezeichen für mich, aber vielleicht ist ja trotzdem noch ein Gedanke dabei, der dich weiterbringt für dein Gedicht. (Wenn dir mein Denkanstoß unangenehm ist, nehme ich ihn natürlich wieder raus, sag das dann ruhig.)
Liebe Grüße
Flora
die Frage, woran es hier hängt, lässt mich noch nicht so richtig los. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir die Schwierigkeit darin zu liege, dass du ganz verschiedene Trauerphasen und "Absichten" in diesen einen Moment reinnimmst, die ich zwar in sich verstehen kann, die ich aber so einfach nicht zusammenbekomme? Das "heute früh" ist da wahrscheinlich für mich wirklich der Knackpunkt?
Auch denke ich, dass das Festhalten an den Reimen als Stützkorsett, wie du es beschreibst, eher eines an fremden (aber vertraut klingenden) Zeilen, also Zitaten, wäre und nicht die Schaffung eigener, was ja eine Kreativität und keine Sprachlosigkeit voraussetzen würde? Wie man das eben auch in Traueranzeigen sieht?
Hm, viele Fragezeichen für mich, aber vielleicht ist ja trotzdem noch ein Gedanke dabei, der dich weiterbringt für dein Gedicht. (Wenn dir mein Denkanstoß unangenehm ist, nehme ich ihn natürlich wieder raus, sag das dann ruhig.)
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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poeta
hallo ihr lieben,
verzeiht, ich habe euch warten lassen und damit, wie ich spüre, ein wenig verunsichert. die letzten tage waren sehr dicht und ich fand einfach nicht die ruhe, adäquat zu antworten. außerdem wollte und musste ich eine grundsätzliche entscheidung treffen.
ich will euch nicht länger im unklaren lassen: ja die beschriebene szene gab es wirklich in meinem leben. das steckt also schon ein stückweit persönliche erfahrung und betroffenheit mit drin. das heißt aber nicht, dass ihr an diesen text anders herangehen sollt als an jeden anderen. ich möchte nicht, dass ihr euch aus lauter mitgefühl nicht mehr zu sagen traut, was sache ist.
jelena, ich empfinde weder deine kommentare noch sonst irgendeinen beitrag als unsensibel. im gegenteil, ich bin berührt von der feinfühligkeit, mit der hier "gearbeitet" wird und glaube, dass ich mir das richtige forum ausgesucht habe. du hast natürlich auch recht, wenn du dazu rätst, das ganze ruhen zu lassen und mit zeitlichem abstand erneut zu betrachten. und ich kann euch alle beruhigen, es liegt schon fast 20 jahre zurück. da sind narben, mit denen ich ganz gut lebe, aber keine frischen wunden.
mir fehlt auch leider jetzt die zeit, detailliert auf alles einzugehen, wollte euch aber nicht länger über den grund meines schweigens im ungewissen lassen. es liegt nicht an euch und euren überlegungen, anregungen, hinweisen . . . ! ! !
zu deinem "außenanreiz", liebe flora, werde ich später noch genauer stellung nehmen, heute abend, vielleicht auch erst morgen. wird ein langer tag.
liebe grüße euch allen, poeta
verzeiht, ich habe euch warten lassen und damit, wie ich spüre, ein wenig verunsichert. die letzten tage waren sehr dicht und ich fand einfach nicht die ruhe, adäquat zu antworten. außerdem wollte und musste ich eine grundsätzliche entscheidung treffen.
ich will euch nicht länger im unklaren lassen: ja die beschriebene szene gab es wirklich in meinem leben. das steckt also schon ein stückweit persönliche erfahrung und betroffenheit mit drin. das heißt aber nicht, dass ihr an diesen text anders herangehen sollt als an jeden anderen. ich möchte nicht, dass ihr euch aus lauter mitgefühl nicht mehr zu sagen traut, was sache ist.
jelena, ich empfinde weder deine kommentare noch sonst irgendeinen beitrag als unsensibel. im gegenteil, ich bin berührt von der feinfühligkeit, mit der hier "gearbeitet" wird und glaube, dass ich mir das richtige forum ausgesucht habe. du hast natürlich auch recht, wenn du dazu rätst, das ganze ruhen zu lassen und mit zeitlichem abstand erneut zu betrachten. und ich kann euch alle beruhigen, es liegt schon fast 20 jahre zurück. da sind narben, mit denen ich ganz gut lebe, aber keine frischen wunden.
mir fehlt auch leider jetzt die zeit, detailliert auf alles einzugehen, wollte euch aber nicht länger über den grund meines schweigens im ungewissen lassen. es liegt nicht an euch und euren überlegungen, anregungen, hinweisen . . . ! ! !
zu deinem "außenanreiz", liebe flora, werde ich später noch genauer stellung nehmen, heute abend, vielleicht auch erst morgen. wird ein langer tag.
liebe grüße euch allen, poeta
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poeta
liebe flora,
ich will nicht verhehlen, dass mich dein "außenanreiz" sehr getroffen hat, was nicht an dir und deiner herangehensweise, sondern an meiner ganz persönlichen empfindlichkeit liegt. ich merke, dass es mir total widerstrebt, "gebären" von der mutter auf die nacht zu übertragen. es ist, als ob man mir etwas absprechen würde, was zu den schwersten "kämpfen" meines lebens zählt.
@all
ich hoffe, ich bin jetzt nicht doch zu persönlich geworden, mir gehts schon immer noch ums gedicht. ich bin sehr froh über eure sachlichen anmerkungen, eure außensicht und kann auch gut verstehen, dass floras verse bei euch "punkten" konnten. es ist, glaub ich, ein wirklich gutes gedicht, nur stimmt es für mich persönlich so nicht mehr.
liebe grüße, poeta
ich will nicht verhehlen, dass mich dein "außenanreiz" sehr getroffen hat, was nicht an dir und deiner herangehensweise, sondern an meiner ganz persönlichen empfindlichkeit liegt. ich merke, dass es mir total widerstrebt, "gebären" von der mutter auf die nacht zu übertragen. es ist, als ob man mir etwas absprechen würde, was zu den schwersten "kämpfen" meines lebens zählt.
@all
ich hoffe, ich bin jetzt nicht doch zu persönlich geworden, mir gehts schon immer noch ums gedicht. ich bin sehr froh über eure sachlichen anmerkungen, eure außensicht und kann auch gut verstehen, dass floras verse bei euch "punkten" konnten. es ist, glaub ich, ein wirklich gutes gedicht, nur stimmt es für mich persönlich so nicht mehr.
liebe grüße, poeta
Hallo Poeta,
auch wenn das sehr persönlich ist, was du schreibst, tust du es doch auf eine Weise, die einen nicht verstummen lässt, auch nicht im Hinblick auf den Text und die Arbeit daran. Ich denke in dem, was du jetzt geschrieben hast, steckt sehr viel, was ins Gedicht hineinmüsste, damit man als Leser überhaupt sehen und "verstehen" kann und auch die von dir gewählte Form und Sprache ihre Wirkung entfalten kann. Vielleicht steckt darin das, was auch Max ansprach.
An meiner "Version" siehst du, dass sich mir ein ganz anderes "Bild" gezeigt hat. Das "Gebären" wäre für mich nicht von der Mutter auf die Nacht übertragen, denn das Kind ist ja viel mehr als die Stille, aber es tut mir Leid, wenn dich das getroffen hat. Es wäre für mich eine Möglichkeit, die Geburtssituation ins Gedicht hineinzutragen, sichtbar werden zu lassen, denn in deinen Versionen war mir das wie gesagt gar nicht klar.
Liebe Grüße
Flora
auch wenn das sehr persönlich ist, was du schreibst, tust du es doch auf eine Weise, die einen nicht verstummen lässt, auch nicht im Hinblick auf den Text und die Arbeit daran. Ich denke in dem, was du jetzt geschrieben hast, steckt sehr viel, was ins Gedicht hineinmüsste, damit man als Leser überhaupt sehen und "verstehen" kann und auch die von dir gewählte Form und Sprache ihre Wirkung entfalten kann. Vielleicht steckt darin das, was auch Max ansprach.
An meiner "Version" siehst du, dass sich mir ein ganz anderes "Bild" gezeigt hat. Das "Gebären" wäre für mich nicht von der Mutter auf die Nacht übertragen, denn das Kind ist ja viel mehr als die Stille, aber es tut mir Leid, wenn dich das getroffen hat. Es wäre für mich eine Möglichkeit, die Geburtssituation ins Gedicht hineinzutragen, sichtbar werden zu lassen, denn in deinen Versionen war mir das wie gesagt gar nicht klar.
Das ist interessant, ich weiß nicht, ob man heutzutage noch davon ausgehen kann, dass Reime so vom Leser empfunden werden? Ich denke für die meisten sind sie in moderner Lyrik wie Ferdi schrieb eher mit "Humorigem" oder Kinderreimen verbunden? Eher würde vermutlich für mich eine rhythmische Gestaltung und eine entsprechende Wortwahl etwas Feierliches hineintragen, wobei feierlich für mich immer auch mit einer Distanzierung und "Künstlichkeit" verbunden ist.mein festhalten an den reimen hat auch damit zu tun, diesen übergang feierlich zu gestalten, dem einen würdigen rahmen zu geben
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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poeta
liebe flora,
Flora hat geschrieben:Ich denke in dem, was du jetzt geschrieben hast, steckt sehr viel, was ins Gedicht hineinmüsste, damit man als Leser überhaupt sehen und "verstehen" kann...
sieh mal, ich denke, dass es schon drin steckt, nur für die leserin nicht aufspürbar ist, weil einfach der erfahrungshintergrund fehlt und weil selbst unter objektiven gleichen bedingungen, das subjektive empfinden, die be- und verarbeitung ganz unterschiedlich ablaufen.
du schriebst in einem vorangegangenen beitrag
Flora hat geschrieben:...es will noch zu "schön" sein, es plätschert klanglich so nett und harmlos vor sich hin...
so dein völlig legitimer eindruck, weil das eben für dich so wie beschrieben nicht stimmt, du in dieser situation etwas viel gewaltigers, lauteres... erwarten würdest(?).
mein empfinden dagegen ist stille, ist abschiednehmen vom kind, von all den hoffnungen, ist innigkeit und zärtlichkeit, die schrecken klingen in diesem moment höchstens sehr entfernt im morgenrot an und da auch wieder "geschönt", die eine schlacht ist geschlagen und die nachfolgenden kämpfe liegen zwar schon als schwere in der luft wie die ruhe vor dem sturm, sind aber "ausgesetzt"...
mir wird, während ich dir all das schreibe, bewusst, dass ich nicht den schmerz, nicht die unfassbarkeit des todes beschreiben wolte, sondern einen abschied, von dem ich denke, dass er geglückt ist. vielleicht kann man dieses zeitfenster unmittelbar nach der geburt mit dem auge des hurrikans vergleichen. ich weiß nicht.
was mir darüber hinaus klar wird, dass es nicht gelingen wird und kann, meine empfindungen in einem noch so guten gedicht jemandem mitzuteilen, der da ganz anders fühlt. das ist ja grundsätzlich auch nichts neues, in der lyrik nicht, wie auch sonst nicht im leben.
ich denke, dass mich die thematik noch nicht loslässt, ich nun aber eine wenig zeit brauche, um zurückzutreten und aus etwas mehr abstand zu betrachten. den titel werde ich wohl ändern. und sonst(?) weiß ich noch nicht!
ich danke dir ganz herzlich für deine anregungen, durch die mir selbst vieles bewusst wurde, was bisher einfach da war, ohne benannt worden zu sein.
liebe grüße, poeta
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Niko
mir geht es wie einigen vorrednern. mir wird es ab mitte des textes zu flachsig mit dem thema tod.
leise muss es sein, dein gedicht. nicht laut. das ist ok. jeder empfindet anders bei tod, sterben, verlust. aber du nimmst der stille nichts weg, wenn du ein wenig veränderst. im gegenteil. sie kann auch dadurch gewinnen.
und ich finde, es ist immer ein guter weg, dinge, die einen beschäftigen auch aus eigenem erleben, so zu verarbeiten, wie du es tust. jedes wort darüber, ob gesprochen oder geschrieben, bringt uns immer näher an die eigene wahrheit heran. und ich persönlich finde, dass emotionaler abstand zu dem, was man schreibt, dem text ohnehin eher schadet als nutzt. aber die dosierung ist wichtig, die balance. und die finde ich hier völlig in ordnung.
dennoch erlaube ich mir, eine veränderte variante dir zu zeigen. nur an ein paar stellen. ich weiß, dass das bei einem so am herzen liegenden stoff noch problematischer ist, als es ohnehin immer ist. ich hoffe, du bekommst das in den richtigen lyrischen hals.....musst ja nichts übernehmen. soll eher verdeutlichen, was ich meine. kann aber überdies sein, dass das reimschema jetzt nicht mehr ganz passt.
liebe grüße: niko
Die Sonne ging im Osten unter, heute früh,
denn blutrot sank dein Lebenslicht.
Die lange Nacht ertrank in Stille,
die blauen Lippen öffneten sich nicht.
Ich wiegte dich und hielt dich warm.
Was leblos an mein Herz gedrückt,
hat meinen Mittelpunkt verrückt.
Dein Leben und meines verloren. Wir liegen uns im Arm.
(wobei "in armen" sicher besser wäre)
leise muss es sein, dein gedicht. nicht laut. das ist ok. jeder empfindet anders bei tod, sterben, verlust. aber du nimmst der stille nichts weg, wenn du ein wenig veränderst. im gegenteil. sie kann auch dadurch gewinnen.
und ich finde, es ist immer ein guter weg, dinge, die einen beschäftigen auch aus eigenem erleben, so zu verarbeiten, wie du es tust. jedes wort darüber, ob gesprochen oder geschrieben, bringt uns immer näher an die eigene wahrheit heran. und ich persönlich finde, dass emotionaler abstand zu dem, was man schreibt, dem text ohnehin eher schadet als nutzt. aber die dosierung ist wichtig, die balance. und die finde ich hier völlig in ordnung.
dennoch erlaube ich mir, eine veränderte variante dir zu zeigen. nur an ein paar stellen. ich weiß, dass das bei einem so am herzen liegenden stoff noch problematischer ist, als es ohnehin immer ist. ich hoffe, du bekommst das in den richtigen lyrischen hals.....musst ja nichts übernehmen. soll eher verdeutlichen, was ich meine. kann aber überdies sein, dass das reimschema jetzt nicht mehr ganz passt.
liebe grüße: niko
Die Sonne ging im Osten unter, heute früh,
denn blutrot sank dein Lebenslicht.
Die lange Nacht ertrank in Stille,
die blauen Lippen öffneten sich nicht.
Ich wiegte dich und hielt dich warm.
Was leblos an mein Herz gedrückt,
hat meinen Mittelpunkt verrückt.
Dein Leben und meines verloren. Wir liegen uns im Arm.
(wobei "in armen" sicher besser wäre)
Hallo Poeta,
Liebe Grüße
Flora
Wie du aber weiter oben geschrieben hast, wolltest du ja auch die "Nichtbetroffenen" ansprechen und dafür sensibilisieren? Vielleicht schaust du dir das Gedicht nochmal unter dem Gesichtspunkt an, dass du dir vorstellst, dass man es ohne jegliches Vorwissen, Rahmenkontext oder eigene Erinnerung liest.sieh mal, ich denke, dass es schon drin steckt, nur für die leserin nicht aufspürbar ist, weil einfach der erfahrungshintergrund fehlt
Hm... sehe ich nicht so. Ich kann ja auch deinen Erklärungen gut folgen und verstehen, dass es so für einen sein kann. Meine Erwartung wäre tatsächlich eine andere, aber ich halte es eigentlich gerade für eine Stärke von Lyrik, dass sie uns Türen in andere Wahrnehmungswelten öffnen kann.was mir darüber hinaus klar wird, dass es nicht gelingen wird und kann, meine empfindungen in einem noch so guten gedicht jemandem mitzuteilen, der da ganz anders fühlt. das ist ja grundsätzlich auch nichts neues, in der lyrik nicht, wie auch sonst nicht im leben.
Freut mich. Zeit nehmen und irgendwann noch mal anschauen ist sicher eine gute Idee.ich danke dir ganz herzlich für deine anregungen, durch die mir selbst vieles bewusst wurde, was bisher einfach da war, ohne benannt worden zu sein.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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poeta
hallo niko
Niko hat geschrieben:. . . mir wird es ab mitte des textes zu flachsig mit dem thema tod.
das ist sehr interessant für mich, weil ich selbst es so überhaupt nicht empfinde. ich überlege gerade woran das liegen könnte und seh mir deine veränderte Version dazu an.
Niko hat geschrieben:Die Sonne ging im Osten unter, heute früh,
denn blutrot sank dein Lebenslicht.
Die lange Nacht ertrank in Stille,
die blauen Lippen öffneten sich nicht.
Ich wiegte dich und hielt dich warm.
Was leblos an mein Herz gedrückt,
hat meinen Mittelpunkt verrückt.
Dein Leben und meines verloren. Wir liegen uns im Arm.
empfindest du das "schlaffe Bündel", die "verrückte Welt", "das ausgeknipste Leben" als flapsig?
und, tut mir leid, das "hat meinen Mittelpunkt verrückt" stimmt so für mich überhaut nicht. ich hatte das gefühl dass die welt weggrückt, verschoben war, ich selbst aber vielleicht "mehr in meiner mitte" als in weniger dramatischen zeiten. auch von "mein leben verloren" war ich noch sehr weit weg, auch wenn in dem kind ein stück von mir ging. "wir liegen uns im arm" ist für mich auch schwer vorstellbar, das hat für mich was partnerschaftlich gleich großes, wenn du verstehst, was ich meine? im übrigen finde ich schade, wenn da im letzten vers das metrum aufgebrochen wird. ich könnts, glaub ich, noch verstehen, wenn alles in einem ganz kurzen vers zusammenfallen würde . . .
ich finde es wunderbar, dass du dich bemüht hast, aber auch deine version trifft nicht ganz auf mich zu. leider.
Niko hat geschrieben:und ich finde, es ist immer ein guter weg, dinge, die einen beschäftigen auch aus eigenem erleben, so zu verarbeiten, wie du es tust. jedes wort darüber, ob gesprochen oder geschrieben, bringt uns immer näher an die eigene wahrheit heran. und ich persönlich finde, dass emotionaler abstand zu dem, was man schreibt, dem text ohnehin eher schadet als nutzt.
ich weiß nicht, das ist wohl auch individuell sehr unterschiedlich. ich glaube, ich schreibe meine texte meistens schon, wenn ich emotional noch sehr nahe dran bin, würde sie aber niemals sofort einstellen, fremden blicken aussetzen. ich muss erst etwas distanz zur situation und zum text, weil ich sonst das gefühl hätte, mich viel zu verletzlich zu machen. außerdem dauert es oft sehr lange, bis ich einen "bauchtext" mit dem kopf so bearbeitet habe, dass ich ihn für präsentabel halte.
Niko hat geschrieben:. . .dennoch erlaube ich mir, eine veränderte variante dir zu zeigen. nur an ein paar stellen. ich weiß, dass das bei einem so am herzen liegenden stoff noch problematischer ist, als es ohnehin immer ist. ich hoffe, du bekommst das in den richtigen lyrischen hals.....musst ja nichts übernehmen. soll eher verdeutlichen, was ich meine. kann aber überdies sein, dass das reimschema jetzt nicht mehr ganz passt.
da muss du dir keine gedanken machen. ich freue mich über jede anregung, auch wenn ich sie verwerfe, weil sich mich dem, was ich eigentlich sagen möchte, immer näher, mir mehr gewissheit bringt.
vielen herzlichen dank für deinen beitrag, den ich in diesem sinn als große bereicherung empfinde.
beinahe hätte ich vergessen: was sagst du eigentlich zu dieser zweiten version:
poeta hat geschrieben:Lange Nacht
Die Sonne ging im Osten unter, heute früh,
mit deinem Licht versank der Tag,
und diese lange Nacht ertrank in Stille,
die blauen Lippen blieben stumm.
Ich wiegte dich und hielt dich warm,
so schlaff im Arm, so klein.
Ich ließ dich gehn,
allein.
hallo flora,
Fora hat geschrieben:Wie du aber weiter oben geschrieben hast, wolltest du ja auch die "Nichtbetroffenen" ansprechen und dafür sensibilisieren? Vielleicht schaust du dir das Gedicht nochmal unter dem Gesichtspunkt an, dass du dir vorstellst, dass man es ohne jegliches Vorwissen, Rahmenkontext oder eigene Erinnerung liest.
ich schreibe eigentlich nie im hinblick auf irgendwelche leser_innen, ich fürchte das kann ich auch gar nicht. denkst du, überhaupt darüber zu schreiben, könnte auch schon ein bisschen für das thema sensibilisieren? siehst du, ich kann schon damit leben, dass nicht all das, was ich meine und empfinde, "ankommt"; natürlich, je mehr da bei den leser_innen mitschwingt, umso besser! doch meine ich, wenn ich nicht zu 100% bei mir bleibe, verliert das ganze. es ist wie immer ein spagat auf ganz dünnem eis.
Fora hat geschrieben:ich halte es eigentlich gerade für eine Stärke von Lyrik, dass sie uns Türen in andere Wahrnehmungswelten öffnen kann..
ich doch auch, aber auch dem sind grenzen gesetzt. mir gehts doch auch so, dass mich ein gedicht mehr, das andere weniger anspricht, was an form und inhalt, an meiner vorerfahrung, meiner erwartungshaltung... liegen kann! auch in diesem faden zeigt sich, dass das individuelle empfinden sehr unterschiedlich ist, für die einen passt "ausgeknipst" für andere überhaupt nicht.
ich verspreche aber, weiter dran zu bleiben und mit etwas abstand jedes wort noch einmal zu prüfen.
dir ein herzliches danke, dass du dir so viel zeit dafür genommen und dich so intensiv mit dem gedicht und der themakt beschäftigt hast.
euch beiden liebe grüße, poeta
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