o.T.
Danke, Eule. 
Hallo Franz,
ja, der ionisch ironische Vers hat sicher mitgewirkt, ich habe bei Ferdi eine Weile gebraucht, bis ich das fehlende "r" bemerkte. .-)
Mich beschäftigt dieser mir fremde Zugang zu Texten über eine vorgegebene Versstruktur, sowohl vom Lesen, als auch von der Schreibseite. Bei Ferdi klingt das alles immer so selbstverständlich und "leicht". Ich komme mir eher wie beim Fingerrechnen in der Grundschule vor. Ionisch ist Oberstufe, das kommt mir nicht bewusst über die Lippe. :o))
Liebe Grüße
Flora

Hallo Franz,
ja, der ionisch ironische Vers hat sicher mitgewirkt, ich habe bei Ferdi eine Weile gebraucht, bis ich das fehlende "r" bemerkte. .-)
Mich beschäftigt dieser mir fremde Zugang zu Texten über eine vorgegebene Versstruktur, sowohl vom Lesen, als auch von der Schreibseite. Bei Ferdi klingt das alles immer so selbstverständlich und "leicht". Ich komme mir eher wie beim Fingerrechnen in der Grundschule vor. Ionisch ist Oberstufe, das kommt mir nicht bewusst über die Lippe. :o))
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Hallo Flora,
als ich sah, dass du Langverse geschrieben hast, versuchte ich natürlich gleich, sie als Hexameter zu lesen
Beim ersten ging das auch,
In ihrer / Seele / wohnt ein / Scherz, doch / über die / Lippe
- nur kam mir dieser Vers von der Versbewegung her sehr eigenartig vor. Ich habe dann in den letzten Tagen mal in den Hexameter-Texten, die ich so lese, darauf geachtet, ob dieser ja vom Versbau her mögliche Hexametertyp irgendwo vorkommt, und musste feststellen, dass er das bei einer deutlich vierstelligen Zahl von Versen bisher nicht getan hat. Da hast du dich für eine echte Seltenheit entschieden
Am nächsten kommen deinem
X x x / X x // X x / X / x / X x x / X x (rot = metrische Einheiten, grün = Sinneinheiten)
noch Verse wie Hölderlins
Immer, Gewaltiger! / lebst du noch / und ruhest im Schatten
oder Mörikes
Göttlich befruchtet, / atmet sie Geist / und himmisches Leben
- aber da ist dann doch immer die rote Silbe zuviel. Da hast du mich auf eine spannende Sache gestoßen, da bleibe ich dran - irgendwo werden solche Verse ja wohl aufzufinden sein.gif)
Vielleicht hast du den Anfang des Verses ja auch alternierend gedacht? In ihrer Seele wohnt ein Scherz, doch ... Wenn nicht, und es doch hexametrisch zu lesen wäre, würde ich für meinen Teil wahrscheinlich doch noch ein, zwei Silben hinzunehmen. So vielleicht:
Lang schon wohnt in der Seele ein Scherz ihr, doch über die Lippe
Wobei das "ihr" der Widerhall deines "ihrer" ist - vom Gefühl her müsste es doch auch ohne gehen? Oder ist das eine besonders weiblichen Seelen eigene Erscheinung
Wenn nicht, ginge
Lang schon wohnt in der Seele ein Scherz, doch über die Lippe
was immerhin ein ziemlich ausgewogener Vers wäre. Wobei ich, wie gesagt, weder weiß, ob das überhaupt ein Hexameter sein soll noch mir inhaltliche Freiheiten wie das "Lang schon" herausnehmen sollte. Sieh es daher bitte als Ausfluss meiner Neugier!
("In ihrer" ist mir etwas verdächtig, weil mir die Eingangssilbe zu schwach erscheint, um das folgende zweisilbige Wort zu "drücken", aber ich gehe mehr und mehr dazu über, das als Vorliebe eines Einzelnen zu sehen ... Aber ist es nicht wirklich so, dass in Lange bewohnt ihre Seele ein Scherz schon, doch ... das "-wohnt" das "ihre" besser im Griff hat als das "in"?)
Beim zweiten Vers möchte ich auch hexametrisch lesen, ungeachtet der Tatsache, dass du nur fünf Betonungen verwirklicht hast - die sechste steckt in der durch den Gedankenstrich gekennzeichneten Pause. Obwohl, könnte man diese Hebung nicht auch verwirklichen?
Will er nicht gehen, bezeugt: des Schöpfers ironische Ader.
Auch hier könnte man dann vieles andere versuchen, zum Beispiel, die kleine, im Doppelpunkt steckende Pause in eine unbetonte Silbe umzuwandeln:
Will er nicht gehen, bezeugt so des Schöpfers ironische Ader.
Oder in dieser Verteilung dann noch den Schnitt leicht versetzen?
Will er nicht gehen, verweist auf des Schöpfers ironische Ader.
Aber nötig ist natürlich nichts davon - deine Verse, so wie sie oben stehen, tragen schließlich.
Ferdigruß!
als ich sah, dass du Langverse geschrieben hast, versuchte ich natürlich gleich, sie als Hexameter zu lesen
Beim ersten ging das auch,In ihrer / Seele / wohnt ein / Scherz, doch / über die / Lippe
- nur kam mir dieser Vers von der Versbewegung her sehr eigenartig vor. Ich habe dann in den letzten Tagen mal in den Hexameter-Texten, die ich so lese, darauf geachtet, ob dieser ja vom Versbau her mögliche Hexametertyp irgendwo vorkommt, und musste feststellen, dass er das bei einer deutlich vierstelligen Zahl von Versen bisher nicht getan hat. Da hast du dich für eine echte Seltenheit entschieden
Am nächsten kommen deinemX x x / X x // X x / X / x / X x x / X x (rot = metrische Einheiten, grün = Sinneinheiten)
noch Verse wie Hölderlins
Immer, Gewaltiger! / lebst du noch / und ruhest im Schatten
oder Mörikes
Göttlich befruchtet, / atmet sie Geist / und himmisches Leben
- aber da ist dann doch immer die rote Silbe zuviel. Da hast du mich auf eine spannende Sache gestoßen, da bleibe ich dran - irgendwo werden solche Verse ja wohl aufzufinden sein
.gif)
Vielleicht hast du den Anfang des Verses ja auch alternierend gedacht? In ihrer Seele wohnt ein Scherz, doch ... Wenn nicht, und es doch hexametrisch zu lesen wäre, würde ich für meinen Teil wahrscheinlich doch noch ein, zwei Silben hinzunehmen. So vielleicht:
Lang schon wohnt in der Seele ein Scherz ihr, doch über die Lippe
Wobei das "ihr" der Widerhall deines "ihrer" ist - vom Gefühl her müsste es doch auch ohne gehen? Oder ist das eine besonders weiblichen Seelen eigene Erscheinung
Wenn nicht, gingeLang schon wohnt in der Seele ein Scherz, doch über die Lippe
was immerhin ein ziemlich ausgewogener Vers wäre. Wobei ich, wie gesagt, weder weiß, ob das überhaupt ein Hexameter sein soll noch mir inhaltliche Freiheiten wie das "Lang schon" herausnehmen sollte. Sieh es daher bitte als Ausfluss meiner Neugier!
("In ihrer" ist mir etwas verdächtig, weil mir die Eingangssilbe zu schwach erscheint, um das folgende zweisilbige Wort zu "drücken", aber ich gehe mehr und mehr dazu über, das als Vorliebe eines Einzelnen zu sehen ... Aber ist es nicht wirklich so, dass in Lange bewohnt ihre Seele ein Scherz schon, doch ... das "-wohnt" das "ihre" besser im Griff hat als das "in"?)
Beim zweiten Vers möchte ich auch hexametrisch lesen, ungeachtet der Tatsache, dass du nur fünf Betonungen verwirklicht hast - die sechste steckt in der durch den Gedankenstrich gekennzeichneten Pause. Obwohl, könnte man diese Hebung nicht auch verwirklichen?
Will er nicht gehen, bezeugt: des Schöpfers ironische Ader.
Auch hier könnte man dann vieles andere versuchen, zum Beispiel, die kleine, im Doppelpunkt steckende Pause in eine unbetonte Silbe umzuwandeln:
Will er nicht gehen, bezeugt so des Schöpfers ironische Ader.
Oder in dieser Verteilung dann noch den Schnitt leicht versetzen?
Will er nicht gehen, verweist auf des Schöpfers ironische Ader.
Aber nötig ist natürlich nichts davon - deine Verse, so wie sie oben stehen, tragen schließlich.
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
-
Sam
Hallo Flora,
mir ging es wie Franz, nur dass ich anstatt ionisch/ironisch zunächst Schmerz statt Scherz gelesen habe. Wahrscheinlich weil in Gedichten die Seele um vieles mehr vom Schmerz, als vom Scherz bewohnt wird.
Um so schöner, dass es hier der Fall ist, denn so sind diese zwei Zeilen für mich wirklich gelungen. Von Versmaß und Metrik habe ich keine Ahnung, aber der Inhalt gefällt mir sehr gut und auch die Form erscheint mir sehr passend und ansprechend. Vor allem, die Doppeldeutigkeit des "Schöpfers". Mann kann es auf einen vermeintlichen Schöpfer (Gott) beziehen, der zwar in die Menschen die Fähigkeit zum Scherz gelegt hat, aber in mancher seiner Geschöpfe nicht die Fähigkeit, diesen auch über die Lippen zu bringen.
Das Wort Schöpfer könnte sich aber auch auf den Schöpfer des Scherzes beziehen, also jenes "Sie", in deren Seele der Scherz wohnt (bzw. dort geschaffen wurde), der aber nicht Willens ist, über die Lippen zu gehen, also laut ausgesprochen zu werden. Über einen Scherz, den man für sich behält, kann man auch nur selbst lachen. Ein Aussenstehender mag eine solche Person vielleicht für völlig humorlos halten, für verbiestert und verkniffen. Dem Sie des Gedichtes aber scheint es zu genügen, den Scherz in der Seele zu haben, unabhängig von dem, was andere denken oder erwarten. Die zuschau gestellte Ernsthaftigkeit wird zu Ironie, weil hinter den geschlossenen Lippen der eingesperrte Scherz lebt.
Gruß
Sam
mir ging es wie Franz, nur dass ich anstatt ionisch/ironisch zunächst Schmerz statt Scherz gelesen habe. Wahrscheinlich weil in Gedichten die Seele um vieles mehr vom Schmerz, als vom Scherz bewohnt wird.
Um so schöner, dass es hier der Fall ist, denn so sind diese zwei Zeilen für mich wirklich gelungen. Von Versmaß und Metrik habe ich keine Ahnung, aber der Inhalt gefällt mir sehr gut und auch die Form erscheint mir sehr passend und ansprechend. Vor allem, die Doppeldeutigkeit des "Schöpfers". Mann kann es auf einen vermeintlichen Schöpfer (Gott) beziehen, der zwar in die Menschen die Fähigkeit zum Scherz gelegt hat, aber in mancher seiner Geschöpfe nicht die Fähigkeit, diesen auch über die Lippen zu bringen.
Das Wort Schöpfer könnte sich aber auch auf den Schöpfer des Scherzes beziehen, also jenes "Sie", in deren Seele der Scherz wohnt (bzw. dort geschaffen wurde), der aber nicht Willens ist, über die Lippen zu gehen, also laut ausgesprochen zu werden. Über einen Scherz, den man für sich behält, kann man auch nur selbst lachen. Ein Aussenstehender mag eine solche Person vielleicht für völlig humorlos halten, für verbiestert und verkniffen. Dem Sie des Gedichtes aber scheint es zu genügen, den Scherz in der Seele zu haben, unabhängig von dem, was andere denken oder erwarten. Die zuschau gestellte Ernsthaftigkeit wird zu Ironie, weil hinter den geschlossenen Lippen der eingesperrte Scherz lebt.
Gruß
Sam
Hallo Ferdi,
Ich hatte gehofft, dass du hier vorbeischaust. Dank dir für deine Beschäftigung damit!
Also Gedanke war, dass man es als Hexameter lesen kann, schon mit der Betonung, die du auch gefunden hast, aber nicht muss. Dass das "In" schwach ist, hatte ich aus deinen anderen Beiträgen noch im Ohr und kann dem auch gut folgen. Die Schwierigkeit ist nur, dass ich sie hier bewusst eingesetzt habe, weil ich wieder interessant fand, wie der Vers Tempo aufnimmt, drängender wird und einer anderen "Wellenbewegung" folgt, wenn man eine andere Betonung wählt.
In ihrer Seele / wohnt ein Scherz / doch über die Lippe
Mörikes Vers gefällt mir klanglich sehr. Allerdings klingt er ohne "sie" für mich spannender (unabhängig vom Inhalt), noch weniger "aufgelöst", oder in sich abgeschlossen, nicht so ruhend?
es könnte auch "seiner" heißen, aber die Distanzierung und das Sichtbarwerden einer Person, wäre mir schon wichtig. Sonst verschiebt sich der Gedanke für mich zu einem "Universalscherz", den einfach noch niemand ausgesprochen hat? Hm, das hätte natürlich auch was.
will er nicht gehen - des Schöpfers ironische Ader
Soweit mal meine ersten Überlegungen dazu, ich werde mir deine Vorschläge aber sicher noch eine Weile anschauen und durch den Kopf gehen lassen.
Hallo Sam,
erstaunlicherweise .-) liest du hier ziemlich genau das, was ich mir auch gedacht hatte. Das freut mich. Ich bin tatsächlich auch vom "Schmerz" ausgegangen. Dank dir für die Rückmeldung!
Liebe Grüße euch beiden
Flora
Ich hatte gehofft, dass du hier vorbeischaust. Dank dir für deine Beschäftigung damit! Also Gedanke war, dass man es als Hexameter lesen kann, schon mit der Betonung, die du auch gefunden hast, aber nicht muss. Dass das "In" schwach ist, hatte ich aus deinen anderen Beiträgen noch im Ohr und kann dem auch gut folgen. Die Schwierigkeit ist nur, dass ich sie hier bewusst eingesetzt habe, weil ich wieder interessant fand, wie der Vers Tempo aufnimmt, drängender wird und einer anderen "Wellenbewegung" folgt, wenn man eine andere Betonung wählt.
In ihrer Seele / wohnt ein Scherz / doch über die Lippe
*lach* Ha, ich habe den Hexameter neu erfunden! :o)) Das ist natürlich interessant bis peinlich, weil ich mir der Eigenartigkeit nicht bewusst war.- nur kam mir dieser Vers von der Versbewegung her sehr eigenartig vor. Ich habe dann in den letzten Tagen mal in den Hexameter-Texten, die ich so lese, darauf geachtet, ob dieser ja vom Versbau her mögliche Hexametertyp irgendwo vorkommt, und musste feststellen, dass er das bei einer deutlich vierstelligen Zahl von Versen bisher nicht getan hat. Da hast du dich für eine echte Seltenheit entschieden
Mörikes Vers gefällt mir klanglich sehr. Allerdings klingt er ohne "sie" für mich spannender (unabhängig vom Inhalt), noch weniger "aufgelöst", oder in sich abgeschlossen, nicht so ruhend?
Ich wäre gespannt, vor allem, ob dann der Einstieg auch "schwach" ist.- aber da ist dann doch immer die rote Silbe zuviel. Da hast du mich auf eine spannende Sache gestoßen, da bleibe ich dran - irgendwo werden solche Verse ja wohl aufzufinden sein
Es war nicht als weibliches Seelenphänomen gedacht,Wobei das "ihr" der Widerhall deines "ihrer" ist - vom Gefühl her müsste es doch auch ohne gehen? Oder ist das eine besonders weiblichen Seelen eigene Erscheinung Wenn nicht, ginge
Lang schon wohnt in der Seele ein Scherz, doch über die Lippe
was immerhin ein ziemlich ausgewogener Vers wäre.
es könnte auch "seiner" heißen, aber die Distanzierung und das Sichtbarwerden einer Person, wäre mir schon wichtig. Sonst verschiebt sich der Gedanke für mich zu einem "Universalscherz", den einfach noch niemand ausgesprochen hat? Hm, das hätte natürlich auch was.Doch könnte man sicher, aber mir schien die starke oder betonte Pause hier wichtig. Ein Bruch. Vor allem von der schnellen Leseweise aus gesehen, die hier weiterdrängt, um dann in einer ganz sicheren und ruhigen, aber auch augenzwinkernden Bewegung (ohne betonten Anfang) ab- oder aufgefangen zu werden, was mir auch zum Inhalt zu passen schien?Beim zweiten Vers möchte ich auch hexametrisch lesen, ungeachtet der Tatsache, dass du nur fünf Betonungen verwirklicht hast - die sechste steckt in der durch den Gedankenstrich gekennzeichneten Pause. Obwohl, könnte man diese Hebung nicht auch verwirklichen?
will er nicht gehen - des Schöpfers ironische Ader
Soweit mal meine ersten Überlegungen dazu, ich werde mir deine Vorschläge aber sicher noch eine Weile anschauen und durch den Kopf gehen lassen.
Hallo Sam,
erstaunlicherweise .-) liest du hier ziemlich genau das, was ich mir auch gedacht hatte. Das freut mich. Ich bin tatsächlich auch vom "Schmerz" ausgegangen. Dank dir für die Rückmeldung!
Liebe Grüße euch beiden
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
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