Feuerdornliebe
Wohl wahr, dass die Blüte schon hinter uns lag,
wer fragte danach, als dein rotes Geschmeide
mich lockte, dein sinnlicher Tauwimpernschlag.
Schon stürmte ich vor gleich dem Wind und wir beide
verfingen uns, jäh für einander entflammt.
Ich machte zum Sommer den Herbst und vergaß,
die Tage zu zählen, uns schien nichts zu fehlen
zum Glück, alle Welt war nur Freude und Spaß.
Schon wollte ich ewigen Frühling befehlen,
da hat man mir Dornen ins Blattherz gerammt.
Der Winter kam plötzlich und hat mich verdammt,
mit eisigem Atem mein Leben gefrostet,
im Schnee meine hitzigen Träume gekühlt.
Soeben noch hab ich die Jugend gekostet,
mich beinah wie Gott und unsterblich gefühlt.
Feuerdornliebe
-
Niko
...ich mag feuerdorn sehr. gerade jetzt. und mir liegt red column wesentlich mehr als orange glow oder solei d´or.
und ich finde die verknüpfung mit persönlichem sehr gelungen. das reimen scheint mir auch gut geraten. wobei ich mir denke, dass die letzten beiden zeilen - vom reimen mal abgesehen - für mich eher an den anfang der letzten strophe gehören...
sehr gern gelesen: niko
und ich finde die verknüpfung mit persönlichem sehr gelungen. das reimen scheint mir auch gut geraten. wobei ich mir denke, dass die letzten beiden zeilen - vom reimen mal abgesehen - für mich eher an den anfang der letzten strophe gehören...
sehr gern gelesen: niko
Hallo poeta, starr und sperrig passt zwar gut zum Titelgeber und wer möchte schon bestimmen, was zwischen den Zweigen an Leben alles möglich wäre ... von den Strophenmotiven sehr schön komponiert, lese ich den Text doch fast wie in Zement gegossen. Deshalb würde ich einige Zwischenräume freimeißeln, damit die Bilder mehr Kontur gewinnen und deutlicher sichtbar werden.
Anfangen würde ich vielleicht so:
Die Blüten lange hinter uns/
wer fragt danach, dein rotes Geschmeide/
lockte, sinnlicher Tauwimpernschlag.
[...]
Viele Grüße !
Anfangen würde ich vielleicht so:
Die Blüten lange hinter uns/
wer fragt danach, dein rotes Geschmeide/
lockte, sinnlicher Tauwimpernschlag.
[...]
Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.
Hallo poeta,
das liest sich so richtig klasse! Man muss es laut lesen. Wie "in Zement gegossen" (Eule) empfinde ich es überhaupt nicht.
Wunderbar durchkomponiert, auch die Reihenfolge passt hier für mich sehr trefflich.
Nur eine Kleinigkeit:
auf "fehlen" reimst du "befehlen". Hier würde ich ein anderes Wort suchen, da zu ähnlich.
Sehr gern gelesen!
Saludos
Gabriella
das liest sich so richtig klasse! Man muss es laut lesen. Wie "in Zement gegossen" (Eule) empfinde ich es überhaupt nicht.
Wunderbar durchkomponiert, auch die Reihenfolge passt hier für mich sehr trefflich.
Nur eine Kleinigkeit:
auf "fehlen" reimst du "befehlen". Hier würde ich ein anderes Wort suchen, da zu ähnlich.
Sehr gern gelesen!
Saludos
Gabriella
-
poeta
hallo ihr lieben,
ich danke euch herzlich für eure rückmeldungen und bemühe mich, auf eure jeweiligen eindrücke und anregungen detailliert einzugehen.
@niko,
den feuerdorn finde ich auch ganz toll und sehr inspirierend.
für mich ist die abfolge schon stimmig, die letzten beiden verse sehe ich als eine art "erinnerndes resümee";
wichtig ist mir auch, dass der wintereinbruch unmittelbar auf die dornen folgt, sodass ich mir kaum vorstellen kann, da umzustellen. aber es freut mich, dass du diese zeilen gern lesen mochtest und sie einen insgesamt doch ausgewogenen eindruck hinterlassen zu haben scheinen.
@eule,
ja natürlich könnte man es formal auch so auflösen, wie du es andeutest, klingt für mich reizvoll und spannend.
was du anreißt, würde ich dann aber nicht feuerdornliebe nennen sondern irgendwie "freier"..., und vokalbel wie geschmeide vermeiden,...
ich habe mich hier für eine recht klassische form entschieden, für metrische reimstrukturen, die dem ganzen, wie ich sage, wurzeln und stamm geben, da wo du von "in zement gegossen" sprichst. für mich ist diese form schon ein wenig im charakter des lyr. ichs grundgelegt, das die "blüte" schon hinter sich hat, dessen leben (verwurzelt und zurechtgeschnitten) in geregelten bahnen, nach gewissen normen und wertvorstellungen verläuft. für mich ist es gerade spannend zu erleben, wie sich LI in diesem rahmen "entwickelt", wie in den ersten beiden strophen durch die enjambements, diese starre aufgeweicht wird und bewegung über die zeilengrenze hinaus fließen kann, die dritte strophe dann wirklich im eis erstarrt. die feuerdornliebe ist halt bei aller "entflammtheit" mit dem boden verwachsen... so jedenfalls empfinde ich das.
doch freue ich mich, dass du dich so eingehend mit dem text beschäftigen und sogar mit ihm "arbeiten" mochtest.
@gabriella,
deine worte gehen runter wie...
danke!
ach, wie schön, dass du die klanglichen qualität ansprichst, an der sich wahrscheinlich die geister scheiden werden, denn der ist wohl ein wenig "gestrig", vielleicht sogar "erhaben", "pompös"...? sowas ist auch schnell mal zuviel, hier glaub ichs grade noch themenbezogen vertreten zu können.
besonders freut mich, dass dus nicht als allzu starr empfunden hast und auch meiner reihenfolge zustimmen kannst.
zu deinem kritikpunkt: da hast du dir zielsicher eine "regelbeugung" herausgepickt, der reim ist ja eigentlich kein reim, oder wenn mans umschreiben möchte ein "identischer reim". ich habs hier nicht als manko, sondern als stärke des textes gesehen (möglicherweise ein irrtum?), da mir hier in dieser steigerung vom "nicht fehlen" zum "befehlen" die entwicklung des LI (hin zum über-mut), gerade an diesem einen wort festgemacht, besonders augenfällig erscheint.
ich hätte da noch zwei varianten, die ich im vorfeld verworfen habe im angebot.
würde dir etwas wie
*die Tage zu zählen, wir waren zwei Seelen
im Glück...."
"Wir machten zum Sommer den Herbst ohne Maß,
und ewige Sonne schien uns zu beseelen
mit Glück,..."
besser gefallen? oder hättest du einen ganz neue idee?
wie auch immer, dein kommi ist mir eine echte freude!
euch allen ein herzliches danke und liebe grüße, poeta
ich danke euch herzlich für eure rückmeldungen und bemühe mich, auf eure jeweiligen eindrücke und anregungen detailliert einzugehen.
@niko,
den feuerdorn finde ich auch ganz toll und sehr inspirierend.
für mich ist die abfolge schon stimmig, die letzten beiden verse sehe ich als eine art "erinnerndes resümee";
wichtig ist mir auch, dass der wintereinbruch unmittelbar auf die dornen folgt, sodass ich mir kaum vorstellen kann, da umzustellen. aber es freut mich, dass du diese zeilen gern lesen mochtest und sie einen insgesamt doch ausgewogenen eindruck hinterlassen zu haben scheinen.
@eule,
ja natürlich könnte man es formal auch so auflösen, wie du es andeutest, klingt für mich reizvoll und spannend.
was du anreißt, würde ich dann aber nicht feuerdornliebe nennen sondern irgendwie "freier"..., und vokalbel wie geschmeide vermeiden,...ich habe mich hier für eine recht klassische form entschieden, für metrische reimstrukturen, die dem ganzen, wie ich sage, wurzeln und stamm geben, da wo du von "in zement gegossen" sprichst. für mich ist diese form schon ein wenig im charakter des lyr. ichs grundgelegt, das die "blüte" schon hinter sich hat, dessen leben (verwurzelt und zurechtgeschnitten) in geregelten bahnen, nach gewissen normen und wertvorstellungen verläuft. für mich ist es gerade spannend zu erleben, wie sich LI in diesem rahmen "entwickelt", wie in den ersten beiden strophen durch die enjambements, diese starre aufgeweicht wird und bewegung über die zeilengrenze hinaus fließen kann, die dritte strophe dann wirklich im eis erstarrt. die feuerdornliebe ist halt bei aller "entflammtheit" mit dem boden verwachsen... so jedenfalls empfinde ich das.
doch freue ich mich, dass du dich so eingehend mit dem text beschäftigen und sogar mit ihm "arbeiten" mochtest.
@gabriella,
deine worte gehen runter wie...
danke!ach, wie schön, dass du die klanglichen qualität ansprichst, an der sich wahrscheinlich die geister scheiden werden, denn der ist wohl ein wenig "gestrig", vielleicht sogar "erhaben", "pompös"...? sowas ist auch schnell mal zuviel, hier glaub ichs grade noch themenbezogen vertreten zu können.
besonders freut mich, dass dus nicht als allzu starr empfunden hast und auch meiner reihenfolge zustimmen kannst.
zu deinem kritikpunkt: da hast du dir zielsicher eine "regelbeugung" herausgepickt, der reim ist ja eigentlich kein reim, oder wenn mans umschreiben möchte ein "identischer reim". ich habs hier nicht als manko, sondern als stärke des textes gesehen (möglicherweise ein irrtum?), da mir hier in dieser steigerung vom "nicht fehlen" zum "befehlen" die entwicklung des LI (hin zum über-mut), gerade an diesem einen wort festgemacht, besonders augenfällig erscheint.
ich hätte da noch zwei varianten, die ich im vorfeld verworfen habe im angebot.
würde dir etwas wie
*die Tage zu zählen, wir waren zwei Seelen
im Glück...."
"Wir machten zum Sommer den Herbst ohne Maß,
und ewige Sonne schien uns zu beseelen
mit Glück,..."
besser gefallen? oder hättest du einen ganz neue idee?
wie auch immer, dein kommi ist mir eine echte freude!
euch allen ein herzliches danke und liebe grüße, poeta
Hallo poeta,
stimmt, da ist was dran. Dann würde ich es auch so lassen.
Die Alternativen hast du zu Recht verworfen. ,-)
Saludos
Gabriella
poeta hat geschrieben:zu deinem kritikpunkt: da hast du dir zielsicher eine "regelbeugung" herausgepickt, der reim ist ja eigentlich kein reim, oder wenn mans umschreiben möchte ein "identischer reim". ich habs hier nicht als manko, sondern als stärke des textes gesehen (möglicherweise ein irrtum?), da mir hier in dieser steigerung vom "nicht fehlen" zum "befehlen" die entwicklung des LI (hin zum über-mut), gerade an diesem einen wort festgemacht, besonders augenfällig erscheint.
stimmt, da ist was dran. Dann würde ich es auch so lassen.
Die Alternativen hast du zu Recht verworfen. ,-)
Saludos
Gabriella
Hallo Poeta,
ich denke, an Eules "Zement" ist etwas dran. Nichts gegen die Reimverse an sich, aber wenn du in einem so schnellen Vers wie diesem (lauter doppelt besetzte Innensenkungen) keine Zäsur setzt, dann rauscht einfach alles durch und der Text gewinnt keine Gestalt. Von daher würde ich mir mehr Verse der Art "wer fragte danach, als dein rotes Geschmeide" und deutlich weniger der Art "Schon wollte ich ewigen Frühling befehlen," wünschen. Sonst, siehe Zement, gleicht das ganze einem begradigten Fluss in einer künstlichen Rinne, der zwar schnell ist, aber ohne Leben. Da würde vielleicht auch helfen, nicht so viele streng fallende Daktylen drinzuhaben (betont, nebenbetont, unbetont = Blattherz ge-) und dafür mehr wiegende (betont, unbetont, nebenbetont = Blüte schon)?!
Ferdigruß!
ich denke, an Eules "Zement" ist etwas dran. Nichts gegen die Reimverse an sich, aber wenn du in einem so schnellen Vers wie diesem (lauter doppelt besetzte Innensenkungen) keine Zäsur setzt, dann rauscht einfach alles durch und der Text gewinnt keine Gestalt. Von daher würde ich mir mehr Verse der Art "wer fragte danach, als dein rotes Geschmeide" und deutlich weniger der Art "Schon wollte ich ewigen Frühling befehlen," wünschen. Sonst, siehe Zement, gleicht das ganze einem begradigten Fluss in einer künstlichen Rinne, der zwar schnell ist, aber ohne Leben. Da würde vielleicht auch helfen, nicht so viele streng fallende Daktylen drinzuhaben (betont, nebenbetont, unbetont = Blattherz ge-) und dafür mehr wiegende (betont, unbetont, nebenbetont = Blüte schon)?!
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
-
poeta
hallo gabriella, dank dir
. liebe grüße, poeta
hallo ferdi,
ich selbst empfinde es zwar nicht so, aber da du nun schon der zweite bist, der von "zement" spricht, wird wohl was dran und ernstzunehmen sein und sinnvoll, dem nachzugehen.
andererseits sprichst du davon, dass alles "so durchrauscht und der text keine gestalt gewinnt". das verwirrt mich ein bisschen, zementiert und keine gestalt muss ich irgendwie erst zusammenbringen
.ich bin dir sehr dankbar, dass du versuchst, diesen eindruck am formalen festzumachen, dem nachzuspüren, was mitverantwortlich dafür sein kann, weil ich ja daraus für die zukunft lernen und das gegebenenfalls beim nächsten gedicht berücksichtigen kann.
ich hab mich schon bemüht, die Starre einerseits mit enjambements ein wenig aufzubrechen, andererseits durch zäsuren das durchrauschen abzubremsen.
in S1 ist jeder vers durch eine deutliche zäsur gegliedert bis auf "Schon stürmte ich vor gleich dem Wind und wir beide " - (da hätte ich ein "abbremsen" aber auch für kontraproduktiv gehalten). S2 nimmt nach meinem empfinden fahrt auf, was ja auch thematisch zu passen scheint. S3 kommt mir dagegen trotz fehlender zäsuren langsamer vor, erstarrt in akzentuierten versenden...
ich denke also, da muss wohl noch mehr dahinterstecken, zusammenwirken...? Und vielleicht hängt es mit der von dir angesprochenen verteilung von nebenbetonungen zusammen? da werde ich noch eine weile dran zu studieren haben.
meine nur halbbewusste absicht und auch mein leseeindruck (nach mehrmaligen lauten vortrag) ist, dass die verse sehr wuchtig (ich schrieb oben pompös), starkt, dominant und vielleicht ein wenig aufdringlich daherkommen (dem flammenden rot des feuerdorns und der persönlichkeit des LI, das ich vor augen hatte, geschuldet).
aber das ist ziemlich sicher zurechtgebogen im sinne meiner intention. zum glück schreibe ich reimgedichte dieser art sehr selten, auf die dauer wär mir das selbst zu viel
.vielen herzlichen dank, ferdi, für deine "zweckdienlichen" und anschaulichen hinweise, die von sehr viel sachkenntnis zeugen
.liebe grüße, poeta
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 9 Gäste