Morgenstelle
Die Sonne bricht
Kristalle in die Tropfen.
Im Strahlengriff gießt die Fontäne
die hellste Krone in ihr Wasser aus.
Es rauscht und spricht der Brunnen.
Morgenstelle [M]
Hallo Jelena,
ich mag dein Gedicht, weil es bei mir den Eindruck erzeugt, dass du an diesem Morgen an diesem Brunnen vorbeigingst, dann stehenbliebst und es genauso beobachtet hast. Es kommt mir sehr authentisch vor. Ich sehe die Fontäne direkt vor mir.
Saludos
Gabriella
ich mag dein Gedicht, weil es bei mir den Eindruck erzeugt, dass du an diesem Morgen an diesem Brunnen vorbeigingst, dann stehenbliebst und es genauso beobachtet hast. Es kommt mir sehr authentisch vor. Ich sehe die Fontäne direkt vor mir.
Saludos
Gabriella
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Max
Hallo Jelena,
ich stehe dem Text wohl etwas kritischer gegenüber. Vielleicht dneke ich dabei zu sehr in physikalischen Bildern, aber eine Strophe wie
lässt bei mir eher Unbehagen als einen Eindruck entstehen.
Den Rest des Textes lese ich leichter, da ahne ich die Momentaufnahme.
Liebe Grüße
Max
ich stehe dem Text wohl etwas kritischer gegenüber. Vielleicht dneke ich dabei zu sehr in physikalischen Bildern, aber eine Strophe wie
Die Sonne bricht
Kristalle in die Tropfen.
lässt bei mir eher Unbehagen als einen Eindruck entstehen.
Den Rest des Textes lese ich leichter, da ahne ich die Momentaufnahme.
Liebe Grüße
Max
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Jelena
Max hat geschrieben:Hallo Jelena,
ich stehe dem Text wohl etwas kritischer gegenüber. Vielleicht dneke ich dabei zu sehr in physikalischen Bildern, aber eine Strophe wieDie Sonne bricht
Kristalle in die Tropfen.
lässt bei mir eher Unbehagen als einen Eindruck entstehen.
Hallo Max, hallo Gabriella,
hätten alle Dichter physikalisch gedacht, hätten wir heute kaum Lyrik. Bei Mörike würde der Frühling kein blaues Band flattern lassen, bei Rimbaud hätten die Vokale keine Farben, Celan hätte nie ein baumhoher Gedanke ergriffen.
Physik und Lyrik sind fast Antipoden. Aber zurück zum Text.
Morning has broken. Die Sonne ist gerade über den Rand der Hügel geklettert und fasst mit ihren horizontalen Strahlen in die Fontäne hinein. Das ist der Sonnengriff. Nach dieser Vokabal hatte ich lange gesucht. Es wäre eine prosaische Erklärung geworden, wenn ich das hätte beschreiben müssen.
Die Fontäne ist zu Beginn ein dicker Strahl, dann zerfällt sie wie ein umgedrehter Kristallkronleuchter in die Tropfen, versprüht, verregnet. Im Sonnengriff glitzert alles magisch, das war an diesem Morgen für mich "der Wahnsinn". (Ich gehe, wenn ich frei habe, morgens gerne eine halbe Stunde joggen und habe auf der Bank vor dem Brunnen den Sommermorgen genossen, wie wir sie jetzt noch zahlreich hatten. Insofern hast du Recht, Gabriella, denn ich habe diese Morgenstelle in mich aufgesogen und musste sie dichterisch festhalten. Danke dir!)
Mit dem Beginn "Die Sonne bricht Kristalle in die Tropfen" ist also gemeint, dass sie sich in das Versprühen einmischt, ihren Strahlenfinger hineinlegt, kurz nachdem sie aufgegangen ist. Damit bricht sie Kristalle hinein, muss sie brechen, weil Kristalle ja eigentlich hart sind. (Bricht-spricht, dieser Reim lässt sie fast ein bisschen mitsprechen, wenn man so will.)
Muss ja nicht jedermanns Sache sein.
LG, Jelena.
-
poeta
hallo jelena,
ich hatte an der gleichen stelle wie max ein größeres vorstellungsproblem. so wies da steht, liest es sich für mich, als ob von der sonne kristalle in tropfen gebrochen würden. das umgekehrte, tropfen in kristalle zu brechen leuchtet mir dann schon ein. wenn dus umdrehst "...bricht tropfen in kristalle" ist aber der unaufdringliche metrische fluss durch zwei aufeinanderfolgende hebungen: "bricht - tropfen" unterbrochen, wäre schade!
vielleicht wäre
"die sonne bricht
kristalle aus den tropfen"
eine möglichkeit, die stelle ein wenig leichter fassbar zu machen?
liebe grüße, poeta
ich hatte an der gleichen stelle wie max ein größeres vorstellungsproblem. so wies da steht, liest es sich für mich, als ob von der sonne kristalle in tropfen gebrochen würden. das umgekehrte, tropfen in kristalle zu brechen leuchtet mir dann schon ein. wenn dus umdrehst "...bricht tropfen in kristalle" ist aber der unaufdringliche metrische fluss durch zwei aufeinanderfolgende hebungen: "bricht - tropfen" unterbrochen, wäre schade!
vielleicht wäre
"die sonne bricht
kristalle aus den tropfen"
eine möglichkeit, die stelle ein wenig leichter fassbar zu machen?
liebe grüße, poeta
Hallo Jelena,
ich habe Schwierigkeiten das von dir gezeichnete Bild so zu sehen, wie du es nach deiner Beschreibung intendiert hattest, oder selbst gesehen hast.
Ich weiß natürlich nicht, wie wichtig dir hier ist, ob man deiner Intention nach liest.
Was ich las fand ich jedenfalls spannend, weil es für mich einen ganz anderen, ungewöhnlichen und düsteren Blick zeigt.
"Morgenstelle" hat schon klanglich etwas sehr Nüchternes und Hartes für mich, was mich wenig auf "Begeisterung" und Sommer einstimmt. Ich werde hingestellt.
"Die Sonne bricht" bestätigt das Eingangsgefühl für mich. Etwas Gewalttätiges (Zerstören) oder äußerst Unangenehmes (Erbrechen) wird hier vom Betrachter assoziiert. Auch hier wieder der harte Klang.
Die Kristalle nehme ich dadurch nicht "positiv" glitzernd oder schön wahr, sie werden für mich zu scharfen Splittern.
Der "Strahlengriff" reiht sich dann wunderbar ein. Für mich schwingt darin sehr stark der Würgegriff mit, was auch der Text für mich bildlich gut weiterträgt.
Am Ende dann der rauschende und sprechende Brunnen... eine dunkle und gewaltige Stimme höre ich aus der Zeile. Die Sonne ist gewichen.
Liebe Grüße
Flora
ich habe Schwierigkeiten das von dir gezeichnete Bild so zu sehen, wie du es nach deiner Beschreibung intendiert hattest, oder selbst gesehen hast.
Ich weiß natürlich nicht, wie wichtig dir hier ist, ob man deiner Intention nach liest.
Was ich las fand ich jedenfalls spannend, weil es für mich einen ganz anderen, ungewöhnlichen und düsteren Blick zeigt.
"Morgenstelle" hat schon klanglich etwas sehr Nüchternes und Hartes für mich, was mich wenig auf "Begeisterung" und Sommer einstimmt. Ich werde hingestellt.
"Die Sonne bricht" bestätigt das Eingangsgefühl für mich. Etwas Gewalttätiges (Zerstören) oder äußerst Unangenehmes (Erbrechen) wird hier vom Betrachter assoziiert. Auch hier wieder der harte Klang.
Die Kristalle nehme ich dadurch nicht "positiv" glitzernd oder schön wahr, sie werden für mich zu scharfen Splittern.
Der "Strahlengriff" reiht sich dann wunderbar ein. Für mich schwingt darin sehr stark der Würgegriff mit, was auch der Text für mich bildlich gut weiterträgt.
Am Ende dann der rauschende und sprechende Brunnen... eine dunkle und gewaltige Stimme höre ich aus der Zeile. Die Sonne ist gewichen.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Hallo Flora (und natürlich Hallo Jelena!) - Du schreibst, wie so manches Mal, genau das auf, womit ich noch befasst bin. Ich habe auch sofort diese Härte empfunden - das Wasser schneidet für mich regelrecht, die Sonne ist eher ein physikalischer Faktor (wobei ich das "Kristalle brechen" auch als falsch formuliert empfinde). Dazu passt der Strahlengriff in der Tat gut; andererseits habe ich beim Lesen immerzu das Gefühl, dass Du es anders meintest, liebe Jelena.
-
Jelena
Ich war doch nur mal kurz joggen.
(Allerdings nicht so früh. Auf meinem Bildschirm gehen die Uhren anders.)
Poeta, mit "aus den Tropfen" könnte ich mich anfreunden, hatte ich auch einmal so stehen, dann geändert. Ich werde darüber nachdenken.
Flora und Amanita:
Das Spitze und Scharfe hatte ich beim Schreiben nicht so empfunden, interessant das ihr das so lest. Ich muss auch hier erst nachdenken, ob ein anderes Verb das ausdrücken kann, was ich gesehen habe. Schließlich war es ein dichtes Regnen aus stark funkelnden Kristallen. Ich weiß nicht, ob ein schwächeres Verb mir ausreichen würde. Die Sonne holt Kristalle aus den Tropfen, lässt Kristalle aus den..., bringt Kristalle in die...., das klingt alles ziemlich öde.
Vielen Dank, vielleicht fällt mir dazu noch was ein, Jelena.
-
Max
Hallo Jelena,
rein prinzipiell bin ich der Meinung, dass Physik und Lyrik sich nicht widerpsrechen müssen bzw. Lyrik nciht physikalisch unisnnig sein muss, um gültig zu sein (und übrigens kann der Frühling ein blaues Band flattern lassen ... und bei einem baumhohen Gedanken ist ja klar, dass es sich um ein Bild handelt, das ist bei der von mir angesprochenen Zeile nicht klar). Ich halte es für zu billig, Lyrik und Physik zu Antipoden zu erklären, warum auch ... Aber sei es drum.
Version II gefällt mir auf jeden Fall besser.
Liebe Grüße
Max
rein prinzipiell bin ich der Meinung, dass Physik und Lyrik sich nicht widerpsrechen müssen bzw. Lyrik nciht physikalisch unisnnig sein muss, um gültig zu sein (und übrigens kann der Frühling ein blaues Band flattern lassen ... und bei einem baumhohen Gedanken ist ja klar, dass es sich um ein Bild handelt, das ist bei der von mir angesprochenen Zeile nicht klar). Ich halte es für zu billig, Lyrik und Physik zu Antipoden zu erklären, warum auch ... Aber sei es drum.
Version II gefällt mir auf jeden Fall besser.
Liebe Grüße
Max
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Jelena
Lieber Max!
Veto: Und was ist dann mit der Hermetik? Konkrete Poesie? (Mehr fällt mir spontan nicht ein, obwohl es sicher noch mehr gibt. Bin keine Germanistin.)
Der Wind kann etwas flattern lassen. Sonst könnte auch der Sommer sein blaues Band flattern lassen, ein blauer Herbsttag genauso.
Außerdem: Physik ist eine Wissenschaft. Es gibt Poetikwissenschaft. Lyrik ist keine Wissenschaft.
Da gehe ich also nicht mit, aber schön, dass die neue Version dir gefällt. LG, Jelena.
Veto: Und was ist dann mit der Hermetik? Konkrete Poesie? (Mehr fällt mir spontan nicht ein, obwohl es sicher noch mehr gibt. Bin keine Germanistin.)
Der Wind kann etwas flattern lassen. Sonst könnte auch der Sommer sein blaues Band flattern lassen, ein blauer Herbsttag genauso.
Außerdem: Physik ist eine Wissenschaft. Es gibt Poetikwissenschaft. Lyrik ist keine Wissenschaft.
Da gehe ich also nicht mit, aber schön, dass die neue Version dir gefällt. LG, Jelena.
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Jelena
Max hat geschrieben:bei einem baumhohen Gedanken ist ja klar, dass es sich um ein Bild handelt, das ist bei der von mir angesprochenen Zeile nicht klar
DAS stimmt übrigens leider auch nicht. Das Ganze ist voller Bilder! Morgenstelle, Strahlengriff, Krone, der Brunnen, der spricht. Wie willst du "wissen wollen", dass die etwas brechende Sonne kein Bild ist? Du hast es nicht so gelesen. Das ist sicher richtig.
Hallo Jelena,
die Ursprungsfassung ist besser, vor allem, da du die beiden Hauptstörer, "bricht" und "-griff" ja unverändert drin hast. Gegen die Verbindungen, die sich ergeben, kann man halt nicht viel tun (bei mir war's "Polizeigriff") - das muss dein Text dann eben aushalten ...
Das einzige, was mich etwas stört, ist dieses altbackene "Rauschen"; es passt nicht zum Rest und ist ein schwacher Schluss.
Ferdigruß!
PS Ein Gedicht und eine Naturbeschreibung (=Physik) sollen nichts miteinander zu tun haben? Hm. Schwer vorstellbar.
die Ursprungsfassung ist besser, vor allem, da du die beiden Hauptstörer, "bricht" und "-griff" ja unverändert drin hast. Gegen die Verbindungen, die sich ergeben, kann man halt nicht viel tun (bei mir war's "Polizeigriff") - das muss dein Text dann eben aushalten ...
Das einzige, was mich etwas stört, ist dieses altbackene "Rauschen"; es passt nicht zum Rest und ist ein schwacher Schluss.
Ferdigruß!
PS Ein Gedicht und eine Naturbeschreibung (=Physik) sollen nichts miteinander zu tun haben? Hm. Schwer vorstellbar.
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
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Jelena
ferdi hat geschrieben:PS Ein Gedicht und eine Naturbeschreibung (=Physik) sollen nichts miteinander zu tun haben? Hm. Schwer vorstellbar.
Lieber Ferdi!
Die Natur ist physikalisch vorhanden, die Lyrik schafft neue Bilder von der Natur. Sie spiegelt mit eventuell neu gefundenen Spiegeln. Mag sein, dass die Physik Begründungen findet, die die Lyrik schon gesehen hat. Ok. Aber prinzipell sind für mich Lyrik und Physik zwei Paar Schuhe.
LG, Jelena.
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