seitweích

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 14:36

ruhst liegst
bei mir
einzig
darf dich
schauen spüren
berühren
gedankengleich
deine wärme
umfängt

stumm
die frage:
ich?
Zuletzt geändert von Oldy am 19.09.2011, 11:08, insgesamt 2-mal geändert.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 13.09.2011, 18:23

Hi Uwe,

bei deinem Gedicht habe ich zwei Assoziationen:

LI steht am offenen Sarg des Du. Durch dieses "ruhst" und den Titel komme ich auf diese zugegebenermaßen etwas morbide Assoziation, die jedoch durch die letzte Strophe nicht mehr für mich aufgeht.

Die zweite Assoziation:
Das LI betet eine andere an, wagt jedoch nicht, sie anzusprechen, obwohl er spürt, dass eine Wärme von ihr ausgeht. Und er fragt sich, ob sie ihn meint mit ihrer Wärme, sprich, ob sie das gleiche fühlt, wie er.

Saludos
Gabriella
P.S: Im Titel ist ein Akzent auf den i, ist wohl ein Tippfehlerchen.

Oldy

Beitragvon Oldy » 14.09.2011, 08:04

Hallo Gabriella,

es ist das Bild eines / einer Liebenden.

Aus der männlichen Perspektive:
Die Frau, die ich liebe, liegt neben mir, ich allein darf sie auf eine bestimmte Art ansehen, darf sie berühren, unsere Gedanken bewegen sich auf den gleichen Bahnen und ihre Wärme (im übertragenen Sinne) umgibt und behütet mich.
Ich stelle mir die Frage, warum sie gerade mich gewahlt hat.

Das alles mit dem Versuch einer extremen Verdichtung.
Ruhen hat für mich etwas leises, angenehmes, aber ich kann verstehen, dass man bei diesem Wort erst einmal andere Assoziationen hat.

Danke fürs Lesen und die Auseinandersetzung mit dem Text.

lg
Uwe

Niko

Beitragvon Niko » 14.09.2011, 16:57

hallo uwe,

wie würdest du "seitweich" umschreiben?

insgesamt sehr dichter text, der mir in passagen gefällt. allerdings nicht durchgängig. ich kann es nicht erklären oder gründe liefern. aber das wort "schauen" haut mich jedesmal raus. das ist für mich ein so künstliches wort und ohne jede wärme, dass ich da gar nicht mit kann. aber - das ist halt mein problem...

liebe grüße: niko

Oldy

Beitragvon Oldy » 14.09.2011, 18:45

Hallo Niko,

wie würdest du "seitweich" umschreiben?

Nicht körperlich, sondern als Gefühl. Immer an meiner Seite (im übertragenen Sinne), angenehm. Etwas, wo ich ich geistig anlehnen und ausruhen kann.
aber das wort "schauen" haut mich jedesmal raus

Kann ich irgendwie nachvollziehen. Das ist wieder so altertümliches Wort, das ich gerne benutze. Möglicherweise hier nicht wirklich passend, fiel mir aber auch nicht auf.
Wie formuliert man das glückliche, nur mir gewährte Blicken auf den Partner?
Anschauen ist mir zu profan.

lg
Uwe

Niko

Beitragvon Niko » 14.09.2011, 20:23

wie wäre es mit "sehen"? mit oder ohne "an"? sehen hat zum einen die seh-tätigkeit drin, aber auch jemanden verstehen, ihn "sehen" (wie er ist). oder kreatives: zuäugen, einsehen, einblicken, augtauchen sehtauchen - irgendwie irgendsowas.......du machst das schon! :mrgreen:

liebe grüße: niko

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 19.09.2011, 09:16

Hallo Oldy,

nur als Rückmeldung. Das kommt bei mir überhaupt nicht deiner Intention gemäß an.
Das "ruhst" klingt auch für mich nach "Tod", das "einzig" nach Besitzanspruch und Eifersucht und im Zusammenhang mit dem "schauen" als wäre die Person isoliert und eingesperrt. Ein Psycho-Mörder, der die letzte Körperwärme seines "geliebten" Opfers aufsaugt. Auch das "gedankengleich", das in dieser Behauptung auch noch diesen Bereich in Besitz nehmen möchte, empfinde ich hier sehr unangenehm.
Die letzten Zeilen erscheinen dann eher wie die fehlende Frage nach der Schuld.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Oldy

Beitragvon Oldy » 19.09.2011, 11:14

Hallo,
ich habe nun zwei kleine Änderungen vorgenommen. Das schauen habe ich dürch spüren ersetzt (ich denke, man das auch mit den Augen).
Das ruhst habe ich durch liegst ersetzt, was auch meine Intention war (obwohl ich das altertümliche Wort ruhst für schalfen mag).
Flora, wo du hier den Psycho-Mörder erkennen willst, ist mir ein Rätsel. Auch deine Einlassung in Sachen gedankengleich kann ich nicht einmal ansatzweise nachvollziehen.

lg
Uwe
Zuletzt geändert von Oldy am 19.09.2011, 16:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Ylvi » 19.09.2011, 13:51

Hallo Uwe,

Flora, wo du hier den Psycho-Mörder erknnen willst, ist mir ein Rätsel. Auch deine Einlassung in Sachen gedankengleich kann ich nicht einmal ansatzweise nachvollziehen.
Das dachte ich mir schon. ;-) Ein Problem ist sicher, dass ich, auch wenn ich deiner Intention nach lesen würde, ziemliche Schwierigkeiten damit hätte.
Ich denke auch, dass der Psycho-Mörder am äußeren Ende einer Interpretationsmöglichkeit steht, aber von dort winkt er immerhin. :o) Das Gedicht enthält durch die starke Verdichtung einfach sehr wenig "Substanz", es steht nur noch ein Wortgerüst. Es entsteht keine "Satz-" oder Versmelodie. Optisch und klanglich evoziert das Kurze, Abgehackte bei mir von sich aus keine weiche oder liebevolle Stimmung. Das Gedicht enthält auch keine Bilder, die mir ein Gefühl für die Situation geben könnten, oder gibt mir eine Ahnung von der Art der Beziehung oder der Seite und Sicht des LDu ...
Wenn dir wichtig ist, dass man deiner Intention nach liest, würde ich es weniger reduziert versuchen.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 19.09.2011, 14:06

Hallo Oldy!

Ich dachte zwar nie an etwas Gewaltsames bei Deinen Zeilen, muss aber zugeben, dass das "Abgehackte", von dem Flora spricht, auch bei mir eher unangenehm ankommt.
Dein Gedicht lese ich als eine Art Wunschbild, wie eine Fensterscheibe schiebt sich eine unbehagliche Distanz zwischen Ich und Du. Dass da Wärme ist, die das ich umfängt, glaube ich zwar, aber ich fühle mich so, als läse ich einen Bericht: Spüren tu' ich Kälte.

moonlight

Beitragvon moonlight » 01.04.2012, 16:10

Wunderschöne Worte die berühren.

LG
Moonlight


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