Dissonanz

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 28.08.2011, 16:14

Dissonanz
Zuletzt geändert von AkustischeSchärfe am 16.09.2011, 01:26, insgesamt 1-mal geändert.

Louisa

Beitragvon Louisa » 30.08.2011, 17:49

Hallo AkustischeSchärfe!

Den Scharfsinn vermisse ich hier irgendwie.

"Selbst sich verratender Lügner"

Huch! Das klingt für mich sehr umständlich und holprig. Wieso nicht:

Ein Lügner verrät sich

?

Was ist denn ein "Wachsinn" ? Auch das Wort "wahrheitsbildender" stört mich eher, als das es meine Gedanken philosphisch beflügeln würde - Was ist denn "Wahrheit" ?

Die Antwort darauf ist viel zu abstrakt, als dass sie in diesem Gedicht enthalten sein könnte. Deshalb würde ich solche Abstrakta meiden!

Vielleicht meinst du mit "Wachsinn" einen wachen Geist. Vielleicht meinst du "Wahnsinn" und hast dich nur verschrieben... das wäre ja doof.

Oh! "Ewige Suche" - Eine tolle Zeitangabe! Nee, nee, nee - mit solchen Begriffen kann ich ooch nischt anfangen - Also es erweckt kein Bild in mir, es berührt mich nicht- leider! "Suche" reicht mir vollkommen aus! Alles andere hat den Anklang von Amateur-Dichterei oder Übertreibung bzw. Kitsch für mich! Du kannst das natürlich anders sehen. Ich gebe ja nur meine Empfindungen wieder.

"dem Irrpfad treu langwandernder"

Arrrgh! Mir kräuselts da die künstlichen Fingernägel! Das ist doch keine schöne Sprache! Findest du, dass sich das schön anhört? Vergleiche es mit Lyrik der Weltliteratur! Wenn es wenigstens Bilder wären! Aber so!

"treu langwandernder"

Das kann ich nicht lesen. Pardon!

Vielleicht ginge ja:

"Suche auf dem Irrpfad, treuer Trugschluss"

Wobei auch das mir nicht viel gibt. Klingt aber etwas runder.

"NIEMALS satt an ERKENNTNIS, die WAHRHEIT wehrt sich dem SCHARFSINN"

Also wirklich! Entschuldige die Frage, aber es würde mir sehr viel weiterhelfen, wenn ich dein Alter kennen würde :smile: ! Wenn du unter 15 bist, kann ich sehr gut verstehen, dass man seine Texte mit solchen geheimnissvollen Abstrakta schmücken möchte. Das habe auch ich getan... und irgendwann gedacht: Das Große liegt im Kleinen. Bei deinem Gedicht scheint es andersherum zu sein (...)

Warum wehrt sich denn die Wahrheit dem Scharfsinn?

Auch ein interessantes Deutsch.

Warum wehrt sich denn die Anna dem Peter?

Aha!

Gehen wir weiter zum krönenden Abschluss:

"Sämtlicher Dinge ihr Wesen ist Ordnung: dem Sucher sein Sinntod"

Stammst du zufällig aus einem Integrationshintergrund? Wirklich! Das wäre interessant zu erfahren... Dann fände ich das gar nicht übel!

Also...

Sämtlicher Dinge -

und jetzt kommt es -

IHR WESEN

ist Ordnung!

Ja! Das würde meine Oma auch so ähnlich behaupten!

Aber ich sage in deiner Sprache:

Nee, sämtlicher Dinge ihr Wesen ist Chaos!

Genauso wie sämtlicher Käse sein Wesen Milch ist!

Dem Sucher sein Sinntod!

Aha! Das bringt mich auf die Fährte: Vielleicht ist das ganze Gedicht ein "Sinntod"! Aber huch! Gott und aller Sinn der Welt sind schon im letzten Jahrhundert ausgestorben! Diese Erkenntnis wäre also etwas veraltet für mich.

Aber auch hier die Grammatik! Sehr faszinierend!

Dem Sucher sein Sinntod

Dem Bäcker sein Brot

Alle sind se tot, tot, tot!

Siehst du, ich habe auch ein sinnloses Gedicht geschrieben!

Falls dieser Text doch einen ganz besonders philosophischen, wahren, tieferen und natürlich scharfsinnigen Sinn enthalten sollte, bin ich sehr gespannt darauf!

Bis dahin liebe Grüße! Und nehme mich nicht zu persönlich!

:blumen:

l, der das Kommentieren heute richtig Spaß gemacht hat. Schön

Louisa

Beitragvon Louisa » 30.08.2011, 17:57

PS: Der musikalische Titel ist natürlich auch ein Hingucker! Dissonanzen sind unterschiedliche auseinander driftende Töne, die sich (noch) nicht aufgelöst haben, ja?

Also nichts Halbes und nichts Ganzes - oder einfach nur etwas Unterschiedliches? Das würde mich noch interessieren... Manche Leute geben ihren Gedichten gerne sehr hochtrabende Namen. Aber mir gefällt das nicht so gut. Mensch, das mir aber auch nur so wenig gefällt! Auch gemein.

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 30.08.2011, 18:08

Hallo!

Louisa, die Sache mit der Grammatik ist manchmal nicht so einfach... "Dativ statt Präposition", hier "wehrt dem Scharfsinn" statt "wehrt sich gegen den Scharfsinn", war eigentlich immer Bestandteil der deutschen Dichtersprache?! Natürlich muss man beim Verwenden seeehr vorsichtig sein ;-)

Beim "ihr" der Schlusszeile, das man vom Inhalt her ja besser wegließe, vermute ich ganz stark Metrums-Gründe.

Tayfun, wie wäre es daher mit sowas wie "Sämtlicher Dinge Natur ist die Ordnung"? Das hält auch die leidige "Amphybrachenschaukel" an, in der dein letzter Vers sitzt ;-)

Sonst weiß ich nicht wirklich viel zu deinen Versen zu sagen, da mir leider veschlossen bleibt, worum es gehen könnte... Über die Gefahren, die das Unsinnliche dem Hexameter beschert, haben wir uns ja schon ausgetauscht :-)

Daher nur noch die Anmerkung, dass der zweite Hexameter mir zu unbeweglich ist, was einmal an seiner Schwere liegt und zum zweiten daran, dass ihm eine deutliche Zäsurierung abgeht. Die Versschlüsse wirken durch das viermalige Kompositum auf den beiden Endsilben etwas mechanisch?!

Ferdigruß!
Zuletzt geändert von ferdi am 30.08.2011, 18:24, insgesamt 1-mal geändert.
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Louisa

Beitragvon Louisa » 30.08.2011, 18:16

Ja, genau :smile: !

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 30.08.2011, 21:18

hallöle louisa ;)



"ja genau?" war das jetzt ein hilfloses schutzsuchen bzw. diente es der verstärkung/bestätigung? oder war das kritik? was ich davon halte, drücke ich jetzt lieber nicht in worten aus.

deine "kritik" finde ich eher nur gehässig, als stilvoll sarkastisch, da der sarkasmus ja noch eine als konstruktive kritik wertbare information enthalten kann. leider muss ich deinen "sarkasmus" - und der ist das einzige element deiner "kritik" - als wertlos ausblenden.

doch will ich mal nicht so sein.

hast du die verse laut gelesen?

mir ging es hier besonders um die auswirkungen der rhythik auf die parallel ablaufende sinnausbreitung.

auch will ich mit dem gedicht weder was erklären, noch soll es eine direkte aussage haben, es soll - dem solchen themen verstehenden und geneigten hörer - zum nachdenken anregen und die möglichkeit bieten, sich in einem breiten spektrum zu positionieren, wo, sagen wir mal, lediglich die farbe des lichts und weite des horizonts künstlerisch bzw. philosophisch stilisiert sind, um den hörer zu einen difussen, aber bestimmten fokus hinzugeleiten.

nochmals - mir ist auch der klang wichtig, die stimmung, die entsteht:

akustische - und, vielleicht noch mehr, weil regelmäßig strukturiert, - sprachliche signale haben unweigerlich eine der musik ähnelnde wirkung, die man durch bewusste anordnung noch weiter steigen kann; das geht schon in die sprachpsychologie, aber ich nehme an, das ist dir zu theoretisch, vielleicht verweigerst du das sogar, da die künstlerische wahrnehmung ja nur allein durch das intuitiv wahrgenommene einzelner individuen entstehen kann - dass sich irgendwie alle einig sind im groben, was düster wirkt, was heiter wirkt, ist natürlich eine sache des guten geschmaks.

schade, dass dir meine wortkreationen zu frei sind. mir ist z.b. bei "wahrheitsbildender" der sinn/informations gehalt und dessen veranschaulichung wichtiger, als die verwendung "gängigerer", manchmal trockener und abgenutzer alternativen - meine kunstwörter sind ungewöhnlich (das lasse ich mir gern unterstellen), kein falsches deutsch oder gar unverständlich.

es geht mir nicht darum, mein gedicht zu verteidigen, ich bin mir nur nicht sicher, ob du dir der obigen punkte bewusst bist, oder ob du sie verstanden hast. meine sachen sind keine massenware, das kann man nicht immer einfach aufs können oder den stil schieben.


grinsenden grußes dir für deine persönliche einschätzung dankend,



tayfun.



ferdi:


du hast zu viele erwartungen an deine lieblingsversart, du verbindest sie mit epischer, sinnlicher ausbreitung.

wie war das noch: man kann durch zerstückelung ganzer verse gesonderte teilverse und strophen erhalten?

ich denke, ich muss jetzt nicht deine methodik anwenden, wie du es in deinen schlagkräftigen letzten beitrag "verse in versen" in deinen hexameter faden tatest, um aus diesen versen plötzlich andere strophen und verse zu zaubern - vielleicht kämen da sogar experimentelle, freie verse bei raus: würdest du diese dann noch als hexameter auffassen, und würdest du dann noch dein übliches :"ich bin nicht satt" schreien?

es sind kompakte verse in einer kurzen komposition - ferdi, hand aufs herz: dort macht epik um der epik willen keinen sinn. hier wir nix reales projektiert. und das metrum hat sich mir hier trotzdem als helfender freund erwiesen.

die ambryachen sind mir formal aufgefallen, aber sie stören mich hier nicht weiter.

ach ja, die schweren kadenzen sind ein stilmittel, die setzung und reihenfolge der sinnwörter ist hierbei nicht ganz unerheblich.

ich denke solche diskussionen erübrigen sich, ich kenne den hexameter und beherrsche ihn, und nehme ihn mit auf meinen weg.

du hast mit den metrischen mängeln untertrieben, ich werde dir in einen gesonderten beiträg davon berichten, weil ich glaube, dass dich das interessieren könnte und dass du befähigt bist, oder dich an den minimalen aber essentiellen metrischen feinheiten zu begeistern bzw. drüber zu diskutieren weist - ich jedenfalls zerbreche mir gerne den kopf :)


liebe grüße,




Tayfun.

Louisa

Beitragvon Louisa » 01.09.2011, 12:22

Wie gesagt: Es ist ja nur meine persönliche Wahrnemung deines Textes. Ob du deshalb etwas an ihm verbessern willst oder ob du eine zweite Version erstellst oder ob das alles schon so stimmt wie es ist - ist dir gerne überlassen!

Sarkasmus? Gehässigkeit? Ich habe das alles ganz konstruktiv gemeint!

Adieu!
l

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 01.09.2011, 12:26

Ach du hast auch noch moderationsfunktion, wie mir gerade auffällt?

Louisa

Beitragvon Louisa » 01.09.2011, 15:26

Ja! Ich bin auch eines der ersten Mitglieder hier! Wieso? Interessierst du dich für mein Werk :smile: ?

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 01.09.2011, 15:27

Nein.

Max

Beitragvon Max » 02.09.2011, 22:51

Hallo AS,

ich kann nicht finden, dass Louisas Kritik nur gehässig ist. Ihr Hinweis, dass der Text an Abstrakta überlastet ist, trifft sicherlich zu.
Man kann aus den Zeilen eien Aussage schälen, aber der Text verhüllt sie eher als sie herauszuschälen. Letzteres wäre doch eher seine Aufgabe, oder?

Liebe Grüße
Max

AkustischeSchärfe

Beitragvon AkustischeSchärfe » 02.09.2011, 23:05

Nicht unbedingt, aber ich weiß was du meinst! Danke für die Einschätzung.

Louisa

Beitragvon Louisa » 03.09.2011, 16:21

Wie schade :smile: !

Max

Beitragvon Max » 03.09.2011, 16:32

Danke AS,
das ist natürlich ein anderer (und vielleicht interessanterer ;-) Ansatz als meiner.

Liebe Grüße
Max


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