Im Glockenturm

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Max

Beitragvon Max » 15.08.2011, 19:30

Weil ich auch mal wieder was einstellen mag ;)


Im Glockenturm

für Bruno
der die Welt entdeckt


Die Herzen der großen Tiere schlagen langsam

Dies hier pumpt nur einmal am Tag
Dann
darfst du nicht bei ihm sein

Geh, sagt es
G, lockt es
G G
Und komm
komm-komm
komm-komm

Doch wenn du bei ihm bist
schweigt es

Warum bist du so dick
staunst du
Damit du mich besser hören kannst
flüstert die Glocke

Wie sie wohl klingt

Bleib, sagt sie
bleib-bleib

Doch dich zieht es fort
zu schnell hüpft noch dein Herz

Zu viel ist zu erleben
von einem Schlag
bis zum nächsten



*Z16. war vorher. Warum hast du so dicke Wände ... geändert auf Vorschlag vieler, vor allem Klaras :)

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 15.08.2011, 20:24

Lieber Max,

das finde ich ganz wunderbar, was du eigenwillig und doch kerntreffend daras gemacht hast, dass ich (darf ich sicher verraten) dir erz#ählt habe, das Bruno voller Staunen hier beim Rathaus die Glocke angesehen hat (aber gerade wenn sie schlägt darf man nicht bei ihr sein). Du gehst von dieser Schilderung und "dem Kind" aus, erzählt etwas viel weiteres (vom Hören und Nichthören, den Wänden und Herzen und der Zeit damit) und kommst dann genau dort an, was es mir wert war, dir davon zu erzählen. Wie man eben hineinsieht.

Ein ganz einfacher aber erzählender Text.

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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Eule
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Beitragvon Eule » 15.08.2011, 20:44

Hallo Max, ein schöner Text. Mir gefallen die vielen Anspielungen und rhetorischen Mittel, die Du darin verwendest. Herzliche Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.08.2011, 20:59

Hallo Max,

diese Zeilen gefallen mir sehr. Sie sind voller Wärme und beschreiben so herzlich auf fast kindliche Art, wie viel Großes man im Kleinen erleben kann.
Fein geschrieben!

Saludos
Gabriella

Max

Beitragvon Max » 15.08.2011, 21:32

Liebe alle,

danke für diese schöne, erste Rückmeldung .. ich hatte gehofft, dass ich mich nicht um Wort streiten muss und wäre doch neugierig, ob etwas besser, einfacher oder dichter geht.

Liebe Grüße
Max

Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.08.2011, 21:35

Hi Max,

nein, kein Wort würde ich daran ändern.

Saludos
Gabriella

Max

Beitragvon Max » 15.08.2011, 22:38

Gracias :)

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 15.08.2011, 22:47

Hallo Max,

ein netter, verglockender Text. Worte stören mich nicht - nur die Frage nach den Mauern, quasi inhaltlich: sind die Mauern nicht so dick, weil die Glocke auch gerne mal ausbüxen würde, rein physikalisch, weil es sie ebenso fortzieht (und fürs gute Hören sind die Löcher in den Mauern, oben im Glockenturm)?
Grüße
Franz

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 15.08.2011, 23:00

hallo max,

mir gefällt der text, weil er erklärungen und beschreibungen/deutungen verbindet. soll heißen: kindgerechte erklärungen und deutungen kindlichen verhaltens.

ich mag die lautmalerischen elemente, weil sie erwachsenen- und kinderperspektive gewissermaßen vereinen.

rein drucktechnisch: könnte man nicht überschrift, widmung und text ein bisschen klarer voneinander trennen?

lga

Max

Beitragvon Max » 16.08.2011, 10:51

Liebe a.,

herzlichen Dank für Deinen Kommentar!

Mit dem drucktechnischen hast Du Recht. In der Worddatei ist die Überschrift auch fett .. also kugelrund. Bis hierher ist sie abgemeagert .. das versuche ich gleich mal zu ändern.

Liebe Grüße
Max

Max

Beitragvon Max » 16.08.2011, 10:55

Lieber Räuber,

durch den kleinen Netbookbildschirm wäre mir Dein Beitrag durch die Frontallappen gegangen.

Dein Einwand zeigt mir eine Schwachhstelle des Textleins auf: Gemeinst sind nicht etwa die Wände ders Turmes (damit die Glocke nicht ausbüchsen kann, ist eine herrliche Erklärung), sondern die der Glocke. Ich muss mal überlegen, wie ich das deutlicher machen kann.

Liebe Grüße
Max

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 16.08.2011, 11:25

Für mich waren es auch die Turmwände, keine Frage.

Vielleicht könnte man "Haut" oder so etwas nehmen, mit Rückbezug zum Tier.

Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 11:41

Amanita hat geschrieben:Für mich waren es auch die Turmwände, keine Frage.

Vielleicht könnte man "Haut" oder so etwas nehmen, mit Rückbezug zum Tier.

Warum hast du so einen dicken Mantel
staunst du
Damit du mich besser hören kannst


Ein Mantel, der umschließt, behütet, schützt. Würde auch zum Kontext passen, wie ich finde.

lg
Uwe

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 16.08.2011, 11:46

Ja, genau, etwas in der Art


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