Missraten

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 13.08.2011, 12:31

Missraten

Das wird nicht mehr fest. Und wenn
krieg ich es nicht aus der Form.
Ein Fehler im Rezept? Die Eier zu dick?
Oder das alte Problem mit der Heißluft.

Kommt aus demselben Grundstoff,
irgendein Silikat. Mit Stärke und Natron
wird‘s Backmischung, mit Aluminium und Natron
Gasbeton und mit Schlämmkreide: Zahnpasta.

Zwölf Zeilen im Mittel, freier Umbruch.
Knackig für den lässigen Leser.
Sprünge für den Sprunghaften. Innen luftig locker.
72 Seiten, geniale Sprache, liest sich so weg.

Oldy

Beitragvon Oldy » 13.08.2011, 16:54

Was habe ich nun hier nicht verstanden?
Worum geht es?

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Eule
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Beitragvon Eule » 14.08.2011, 01:03

Da entspricht etwas nicht den Erwartungen, dann werden die Zutaten variiert und am Ende wirds zum Erfolg in der angestrebten Zielguppe. Oder: die Geschichte vom missverstandenen Misserfolg. Aber doch etwas zum mitraten. ;-) Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 14.08.2011, 14:51

Hm, ich lese hier einen ironischen Text bzw. eine "Anleitung", wie man Trivialliteratur schreibt, um dem 'vermeintlichen' Mainstream zu gefallen.
Oder liege ich damit ganz falsch, Franz?

Saludos
Gabriella

Oldy

Beitragvon Oldy » 14.08.2011, 14:53

Ich lese das immer im Kontext mit der Rubrik hier (Lyrik und Kultur). Das ist mein Problem.

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 14.08.2011, 21:27

Hallo,

die Kuchenbäcker kennen den Aufhänger vielleicht, danach hatte ich die Thematik missratener Gedichte genügend offengelegt geglaubt.
Ich hatte nicht unbedingt Trivialliteratur vor Augen, Gabriella, genial glattes gibt es auch mit Niveau, es sind eher Varianten des Nicht-Gelingens dargestellt.
Ob das Ironie ist - ich gerate bei dem Begriff regelmäßig ins Schwimmen - von mir her würde ich es eher nicht so sehen, aber das ist bei anderen anders.
@Oldy: ich hatte die lyrische Publizistik als Teil der Kultur behandelt und deshalb diese Ecke gewählt.
Schöne Grüße
Franz

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 14.08.2011, 23:37

Hi Franz,
ich backe zwar viel Kuchen und kenne zwei Arten des Misslingens: entweder der Kuchen quabbelt auseinander, oder er geht nicht aus der Form. Aber ich habe in dem Gedicht auch primär erst mal einen anderen Schwerpunkt vermutet, nämlich den, dass es im Belieben des Herstellers steht, ob er aus den Grundzutaten Kuchen oder Zahnpasta macht. Bis kurz vor dem Zielfähnchen stehen quasi beide Endlösungen offen.
Das ist eine Schlussfolgerung, die mich sehr anspricht.
Wie kommst Du nun auf 72 Seiten? Ich erinnere mich da an eine Anfrage, die ich vor Zeiten mal ans Forum gerichtet habe, in der es darum ging, wie lang eigentlich eine standardmäßige Heftchenlänge ist. 72 Seiten ist mehr Heftchen- als Bücherlänge. Aber Heftchen haben keinen freien Umbruch. Wie hat man sich nun eigentlich das in der letzten Strophe angesprochene Druckwerk vorzustellen?

Gruß von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

Oldy

Beitragvon Oldy » 15.08.2011, 14:54

Vielleicht habe ich ja gerade das besagte Brett vor dem Kopf, aber ich steige da immer noch nicht hinter. :12:

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 15.08.2011, 18:18

Hallo Franz,

ich habe das vollkommen auf sich selbst bezogen gelesen, also wenn dann selbstironisch. Ein wenig scheint es mir Gedanken aus der Diskussion mit Lagunkel unter Zwielicht aufzugreifen.
Da das Gedicht zwar 12 Zeilen hat aber keine 72 Papier-Seiten, habe ich die Seiten in ihrer anderen Bedeutung gelesen und auf die Interpretationsvielfalt, sprich die oft gewünschte Offenheit des Textes bezogen.
Schön, wie man sich selbst als Leser in der letzten Strophe irgendwie "ertappt" fühlt. Auch der Titel ist herrlich zweideutig durch das "raten". Man mag ja fast nicht mehr schreiben, dass einem das Gedicht gefällt. ;-)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 15.08.2011, 19:11

Flora hat geschrieben:Da das Gedicht zwar 12 Zeilen hat aber keine 72 Papier-Seiten, habe ich die Seiten in ihrer anderen Bedeutung gelesen und auf die Interpretationsvielfalt, sprich die oft gewünschte Offenheit des Textes bezogen.

Genauso habe ich es auch interpretiert.

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 15.08.2011, 23:09

Hallo Flora,

ein Zusammenhang mit der Diskussion zu Zwielicht besteht höchstens insofern, dass die dort offengelegte latente Unzufriedenheit, die mich nicht selten einen vielleicht selbstironischen Blick auf die eigenen "Werke" werfen lässt, hier auch thematisiert ist, gebastelt hatte ich an dem Gedichtchen schon um einiges länger.
Die 72 Seiten sind eher willkürlich, sechs dutzend, ich hatte einige dünne Lyrikbändchen mit ähnlichem Umfang gelesen, die oft sehr nette sprachliche Elemente enthielten - aber als Buch dann doch an mir vorbeirauschten, spurlos, und hatte nach dieser Erfahrung das lyrische Schaffen inklusive meines Eigenen befragt.

Grüße
Franz

Oldy

Beitragvon Oldy » 16.08.2011, 07:44

Klick. :16: :banana_1:
In meinen Alter dauert das etwas, aber jetzt habe ich es verstanden.
Danke für die "Hilfskrücken".

lg
Uwe


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