Hinter der Brandmauer

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 21.07.2011, 22:42

Hinter der Brandmauer

haust der walter wacht am rhein alle asis
schlagt sie tot kreuzhacke mitten rein
ins türkenhirn fahne hat er hoch
den hemdknopf fest geschlossen

haust der michi mösenschleck vom tattoo
bestöhnverein im dauergruppenficker cabrio
innen schwänze schwarz und rot die teaser
kostenlos volle länge nur bei mitgliedschaft

haust der ruud underground fentanyl zum selberkochen
n-phenethyl-piperidon achtung exotherme reaktion
unter vakuum nicht über sechzig grad für
heroin mit lactose eins zu hundert strecken

haust die petra kummerkasten lieblings
vornamen und fröhliche geburtstagsspiele und
rezepte mit zitronengras und nagelpilz was nun
und das gedicht passendes für jeden anlass

hausen die vier reiter reizen karten
twittern lachen essen kekse und davor
vor dem löchlein in der mauer sitzt
nur einer und kuckt zu nur du nur du

moonlight

Beitragvon moonlight » 22.07.2011, 12:01

Hallo RäuberKneißl,
die Nazis die Zuhälter die Drogendealer und die Petra....wer ist die Petra ....polieren die Hufen der Apokalypse....

Räuber das ist ein erstklassiges Gedicht. Daran gibt es nichts zu deuteln.

LG
Moonlight

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 23.07.2011, 19:43

Hallo Franz,

einerseites ist das ein dichter Text, der den Leser hineinzieht, eine gewisse Atemlosigkeit erzeugt, durchschüttelt.

Andererseits stehen sich die Worte oftmals auf den Füßen, oft kommt ein inhaltsschwerer Begriff, bevor sich der Leser über den Begriff davor überhaupt Klarheit verschaffen konnte.

Von meinem ganz eigenen Standpunkt aus, der mehr auf Ausgewogenheit Wert legt und den Worten gerne Platz gibt, überwiegen die Nachteile die Vorteile. Andere sehen das sicher ganz anders - und wohl zu Recht :-)

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 24.07.2011, 13:28

Hallo Moonlight,

die Namen und Figuren sind nur willkürliche - eher symbolische Sites, Stellvertreter für all die Dinge, die sich im Netz eben so tummeln. "Erstklassig" war meine Tochter bis gestern, sie kommt jetzt in die Zweite :smile: .
@ferdi: ja, verstehe ich gut. Ich wünsche mir auch, luftigere Gedichte mit mehr Atem schreiben zu können, vielleicht /hoffentlich kommt das mit der Übung noch. Hier hatte ich mindestens zweimal z.B. die Satzzeichen rein und wieder raus genommen, die - resp. ihr Fehlen - sind am atemlosen Charakter nicht unschuldig. Hier gefiel es mir letztlich wegen des zerfasernden Charakters, den Dinge wie Hyperlinks im Netz, die ja oft bindungslos in Texten stehen, hierin vermute ich auch eine der Ursachen für das 'Schlüsselloch'-Bewußtsein, das sich bei Netz-Usern einstellt. So inhaltsschwer war es übrigens gar nicht gedacht, beinahe hätte ich es unter Satire eingestellt (aber die Kategorie ist so mißverständlich ....)
Danke für die Rückmeldung und Grüße
Franz

Sam

Beitragvon Sam » 06.08.2011, 13:58

Hallo Franz,

unter deinen druchweg guten Gedichten für mich eines der besten. Eine Sprache, wie mit dem Hammer geschlagen, aber deswegen noch lange nicht grobklotzig, sondern hinter dem Haudrauf eine Menge an Subtilität. Und Aktualität sowieso. Es ist ja wahrlich nicht leicht, sich gerade in lyrischer Form mit Gegenewartsthemen auseinanderzusetzen. In der Zeit erscheinen seit einigen Monaten Gedichte bekannter Lyriker zu aktuellen politischen Themen. Ich habe aber da noch keines gelesen, das an dein Gedicht herankäme.

Gruß

Sam


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