thomas milser
27/01/2006
tafelsilber (für frank zappa)
ein räumungsverkauf
raus damit und ab dafür
sabbernde hände grabschen nach
meinen hostien der vinyl-epoche
dreizweieins
und meinsistdeins
im ausverkauf von sitte und moral
verzeih mir frank
ich hab's vermasselt
und rückgrat ist ein weiches holz
wenn dir die felle schwimmen
und nun tauchen sie ab
die granitgeword'nen riffs
in die untiefen aus sammlergier und geiz
und der jazz from hell
verklingt in den bibeln einer zeit
die nicht mehr meine ist
aber es ist, als wär es gestern gewesen
als wir captain beef in helsinki
auf das mettbrötchen wichsten
und der abends gesungen hat wie ne trockene qualle
oder mit der limo durch st. pauli kreuzten
den backseat voller kerosin
and in lingerie we trust
geweint haben wir, frank, bei deinen soli
und gebummst und gesungen und getanzt
und gekifft und geträumt
und der wahn stand immer in der tür und griente
so wie jetzt.
und während sich paketschnüre um meinen hals winden
und ich mich fast um kopf und kragen frankiere
und es zum letzten mal berühre
bevor ich es bestatte
im äther der insolvenz einer welt
die längst auf den knien liegt
lacht sich dhl ins fäustchen, der gewinner
aber du, du bist elend verreckt
und hast uns sitzenlassen mit deinen platten, mann,
aber das alles hier hilft keinem weiter
und dir schon gar nicht
und nun verscherbel ich deine bootlegs,
weil mir auch schon der sack auf grundeis geht
und im auge sind die tränen
und im arsch die rohrkrepierer
Tafelsilber
- Thomas Milser
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Zuletzt geändert von Thomas Milser am 09.07.2006, 03:16, insgesamt 1-mal geändert.
- Thomas Milser
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Hi Jürgen. Naja, ganz so dramatisch wie in deinem ersten Kommentar ist's nicht. Ich habe so an die 40 Bootlegs vertickt. Sammlerstücke, Photoplatten, zig-verschiedene Konzertmitschnitte, teils in grauenhafter Soundqualität. Die habe ich eh nie gehört, deswegen haben die auch Hammerpreise erzielt, weil die noch wie neu waren. Und bevor sie nur noch weitere 20 Jahre vollstauben... einige Schätzchen habe ich ja auch behalten....
Trotzdem war es seltsam, sie einzupacken und zu verschicken. So Dinge, die Einen die ganze Jugend begleitet haben, abzugeben... aber pah!! verklärte Romantik... als Abschluss das Gedicht, und das war's.

Trotzdem war es seltsam, sie einzupacken und zu verschicken. So Dinge, die Einen die ganze Jugend begleitet haben, abzugeben... aber pah!! verklärte Romantik... als Abschluss das Gedicht, und das war's.

- Thomas Milser
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Jo, da is was dran.
Allerdings habe ich damit schon vor 20 Jahren aufgehört. Als ich erfahren habe, dass weit über 1.000 verschiedene Vinyls in Umlauf sind. Aber damals war das harmlos, weil die Platten kaum verfügbar waren und man nur gelegentlich ein Teil auf einer Börse erwischte.
Aber spätestens seit den Zeiten der globalen Märkte (ebay...) müssen die Hard-Core-Sammler ja wahnsinnig werden, weil nahezu ALLES verfügbar ist. Wohl dem, der einen Goldesel sein eigen nennt.

Allerdings habe ich damit schon vor 20 Jahren aufgehört. Als ich erfahren habe, dass weit über 1.000 verschiedene Vinyls in Umlauf sind. Aber damals war das harmlos, weil die Platten kaum verfügbar waren und man nur gelegentlich ein Teil auf einer Börse erwischte.
Aber spätestens seit den Zeiten der globalen Märkte (ebay...) müssen die Hard-Core-Sammler ja wahnsinnig werden, weil nahezu ALLES verfügbar ist. Wohl dem, der einen Goldesel sein eigen nennt.

-
steyk
Hallo Tom,
ich machte das vor über 20 Jahren durch. Gerlinde und mir ging es finanziell ziemlich dreckig und wir mußten die Vinyl-Sammlung verscherbeln. Waren fast 500 LPs, sorgsam gepflegt und die Cover regelmäßig vom Staub befreit. Als sie dann weg waren, war ich tagelang geknickt. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich auch die eine oder andere Träne vergossen. Dein Poem hat mich berührend für einen Augenblick in diese Zeit zurückversetzt.
„Ich legte dich ein letztes Mal ans Ohr
bevor ich deine schwarze Stimme
aus meinem Herzen riß.“
Gruß
Stefan
PS. Wäre mit Sicherheit mein Vorschlag für den Text des Monats Juli geworden, wenn ich ihn hätte lesen können.
ich machte das vor über 20 Jahren durch. Gerlinde und mir ging es finanziell ziemlich dreckig und wir mußten die Vinyl-Sammlung verscherbeln. Waren fast 500 LPs, sorgsam gepflegt und die Cover regelmäßig vom Staub befreit. Als sie dann weg waren, war ich tagelang geknickt. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich auch die eine oder andere Träne vergossen. Dein Poem hat mich berührend für einen Augenblick in diese Zeit zurückversetzt.
„Ich legte dich ein letztes Mal ans Ohr
bevor ich deine schwarze Stimme
aus meinem Herzen riß.“
Gruß
Stefan
PS. Wäre mit Sicherheit mein Vorschlag für den Text des Monats Juli geworden, wenn ich ihn hätte lesen können.
- Thomas Milser
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Hey Steyk.
Seltsam, dass Texte, denen man beim Schreiben in literarischer Hinsicht überhaupt kein Augenmerk geschenkt hat, die aber ein Herzensbild höchster erlebter Intensität widerspiegeln, oftmals so treffen.
Freu mich, dich getroffen zu haben.
Tom.
Seltsam, dass Texte, denen man beim Schreiben in literarischer Hinsicht überhaupt kein Augenmerk geschenkt hat, die aber ein Herzensbild höchster erlebter Intensität widerspiegeln, oftmals so treffen.
Freu mich, dich getroffen zu haben.
Tom.
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