Sterbende Gegend

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 13.05.2011, 09:21

Sterbende Gegend


Wie dieser arme Kellergeruch
mit Knoblauchsrauken
im Maischatten wuchert
schütteres Plastik vor
nutzlosen Mauern liegt + spleißt
und sich Rostiges
über die Namen streut -

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Eule
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Beitragvon Eule » 14.05.2011, 12:52

Hallo Amanita, unter "Sterbender Gegend" stelle ich mir (zumindest gegenwärtig) etwas drastischeres vor als verfallende Mauergewölbe, zumal diese ja keinesfalls trost- oder leblos sein müssen, wie Dein Text das in poetischen Worten auch beschreibt, trotz einer vielleicht vorhandenen Gruseligkeit. Herzliche Grüße !
Zuletzt geändert von Eule am 15.05.2011, 10:57, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 14.05.2011, 21:02

Ja, man denkt (aus aktuellem Anlass) vielleicht mehr an die Folgen des Atom-GAU ... wie wäre es mit "Sterbender Vorort" oder Stadtteil?

Niko

Beitragvon Niko » 15.05.2011, 01:46

also ich habe nicht an fukushima gedacht, amanita.

aus (m)einer sicht als schreibender hätte ich das ganze vielleicht aufzählender, nüchterner gemalt. eher eine beschreibung. vielleicht in der art:


dieser arme Kellergeruch
mit Knoblauchsrauken
wuchert im Maischatten
schütteres Plastik liegt
+ spleißt vor nutzlosen Mauern
und Rostiges streut sich
über die Namen -

eigentlich nur hie und da etwas umgestellt. naja..vielleicht ist es nur geschmacksache. urteile selbst. ach....könnte es sein, dass es ohne "s" geschrieben wird, die "knoblauchrauken"?

liebe grüße: niko, dem der text ungeachtet dessen sehr gefällt!

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 15.05.2011, 09:03

Danke, Niko.

Ich denke, es ist wirklich Geschmackssache, mir gefällt "mein" Rhythmus etwas besser.
Es heißt übrigens wirklich KnoblauchSrauke/n, ein Frühlingsblüher, der nach Knoblauch riecht und nicht besonders interessant aussieht.

Bleibt noch die Überschrift, Du fandst sie also nicht irreführend?

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Beitragvon Eule » 15.05.2011, 10:59

... oder vielleicht einfach "Gewölbe" (?!). Herzliche Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Niko

Beitragvon Niko » 15.05.2011, 11:58

nein, fand ich nicht irreführend, amanita! fukushima ist für mich zudem eher eine tote gegend. nicht eine sterbende...
zu fukushima würde ich dann einen bezug herstellen, wenn das gedicht einen eindeutigen hinweis in die richtung geben würde. aber schon allein die knoblauchsrauken treiben mich, würde ich noch bis dato an japan gedacht haben, ganz weit weg davon!

liebe grüße: niko

Gerda

Beitragvon Gerda » 15.05.2011, 12:27

Hallo in die Runde,

ich glaube ein kleines Missverständnis klären zu können.
Amanita wollte, wenn ich es richtig verstehe, keinen Text über die Gegend um Fukshima schreiben, sondern über eine m. E. real in der Nähe befindliche verlassene Gegend. Arne schrieb, dass er die Wortwahl für zu drastisch halte.
Dem schließe ich mich an.
Menschen neigen in letzter Zeit dazu (mich eingeschlossen), Dinge schnell, beispielsweise als "katastrophal" zu bezeichen. Ähnlich sehe ich hier das Wort "sterbend" gesetzt, für einen im Grunde natürlichen und harmlosen Verfall.

Liebe Grüße
Gerda

Niko

Beitragvon Niko » 15.05.2011, 12:40

das sehe ich anders, gerda!
der verfall einer gegend, die wahrnehmung eines verfalls ist eine subjektive empfindung, die im einzelfall durchaus dramatisch sein darf. es mag sein, dass dramatische zuspitzungen als stilmittel ein wenig überhand nehmen. aber ich finde nicht einmal hier im text eine dramatisierung.

was ich hier im text als schwingung lese, ist ehr trauer, melancholie gemischt vielleicht mit einer spur angst und entsetzen vielleicht. unter umständen auch, weil verfall, vergänglichkeit ein thema ist, das jeden menschen, der nicht gerade 20 ist und sich für den könig der welt hält, in irgendeiner form umtreibt.
ich sehe auch amanitas gedicht mehr als einen gedanken, der beim betrachten einer gegend kurz durch den kopf, bzw durch das herz fährt, und sich wieder verflüchtigt.

liebe grüße: niko

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Beitragvon Amanita » 15.05.2011, 19:59

Ich schließe mich Dir an, Niko (bzw. Du Dich meinem Anliegen!).

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Beitragvon Amanita » 15.05.2011, 22:33

Hallo Gerda, diesen Verfall empfinde ich zwar nicht als Katastrophe, da gebe ich Dir recht; aber dieses Wort kommt ja auch gar nicht vor. "Sterbend" im Zusammenhang mit einer Sache oder mit einem ziemlich allgemeinen Begriff weist ja nun nicht gerade auf das Sterben (eines) menschlichen Lebens hin. Gleichwohl sehe ich Verfall nicht immer als harmlos an! Wenn Lebensspuren verblassen, wenn Namen verschüttet werden, dann ist das - für mich jedenfalls - nicht "natürlich". Ich sehe es schon als Auftrag an, wenigstens einen Teil dieser Spuren zu erhalten, neue hinzuzufügen und damit eine "natürliche" Metamorphose anzustreben, die nicht bloß destruktiv ist (indem sie das Frühere vergisst).


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