der versuch einer annäherung an die farbe
der versuch einer annäherung an die farbe
wir schreiben das jahr 2011
noch immer fühle ich mich
bei diesen zahlen in einen science fiction
versetzt | schwarzweiß
pappmacheeraumschiffe + heldenhafte lösungen
für jedes interstellare problem - japan
ist kein lichtjahr entfernt
sag ich mir das meer
himmel das meer
voll strahlender fische
menschen - wasserrisse
welche farbe hat die ohnmacht
frage ich - skype
mit freunden in tokio
sie schließen am abend auch nur
die augen zu und sehen
ihre neugeborene enkelin yukiko
in zwanzig frühlingen im schneetreiben
unter dem verblühenden
wildkirschbaum stehen
wie erwachsen sie sein wird
sie wird
Alternativversion 1:
der versuch einer annäherung an die farbe
wir schreiben das jahr 2011
noch immer fühle ich mich
bei diesen zahlen in einen science fiction
versetzt | schwarzweiß
pappmacheeraumschiffe + heldenhafte lösungen
für jedes interstellare problem - japan
ist kein lichtjahr entfernt
sag ich mir das meer
himmel das meer
voll strahlender fische
menschen - wasserrisse
welche farbe hat die ohnmacht
Alternativversion 2:
welche farbe hat die ohnmacht
im jahr 2011
science nonfiction – der prolog
von der natur geschrieben
japan
in aller kürze
erschüttert - überflutet - verstrahlt
nichts ist mehr schwarz-weiß
menschen
erleben live
was zerstört ist
unvorstellbar
was|wer noch zu retten ist
unvorstellbar
was|wer tot ist
unvorstellbar
was überleben ist
unvorstellbar
+ wie
auf lange sicht
nach windberechnung, wasserrissen, wahnsinn
der versuch einer annäherung an die farbe
in fukushima
schließen zwei menschen
am abend die augen und sehen
ihre neugeborene enkelin yukiko
in zwanzig frühlingen im schneetreiben
unter dem verblühenden
wildkirschbaum stehen
Zu Quoths Kirschknospe und der Diskussion
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Nicole
Hallo Flora,
gefällt mir gut, wobei ich (und das erstaunt mich selbst) in diesem Fall den "menschlich / persönlichen Teil " also ab "skype" gar nicht brauche. Es würde für mich stärker wirken, wenn du davor enden würdest.
Irgendwie kommt es mir so vor, als würde der für mich so starke Beginn durch dieses Ende aufgeweicht.
und
Die Frage nach der Farbe der Ohnmacht wirkt auf mich stärker (sehr viel stärker) als das Bild von Yukiko....
Gruß in Deinen Tag, Nicole
gefällt mir gut, wobei ich (und das erstaunt mich selbst) in diesem Fall den "menschlich / persönlichen Teil " also ab "skype" gar nicht brauche. Es würde für mich stärker wirken, wenn du davor enden würdest.
Irgendwie kommt es mir so vor, als würde der für mich so starke Beginn durch dieses Ende aufgeweicht.
pappmacheeraumschiffe + heldenhafte lösungen
für jedes interstellare problem - japan
ist kein lichtjahr entfernt
und
welche farbe hat die ohnmacht
frage ich
Die Frage nach der Farbe der Ohnmacht wirkt auf mich stärker (sehr viel stärker) als das Bild von Yukiko....
Gruß in Deinen Tag, Nicole
Hallo Nicole,
danke, dass du mir Rückmeldung gibst. Was du schreibst finde ich interessant (<- keine Floskel! .-)) und habe darüber nachgedacht. Ich bin mir selbst unsicher, was stärker wirkt, und ob es den Blick nicht zu sehr verändert, wenn ich es weglasse. Die Wegnahme des ersten Teils des Titels geht aber für mich schon in eine ähnliche Richtung. Ich setze es mal als Alternativversion oben dazu.
Liebe Grüße
Flora
danke, dass du mir Rückmeldung gibst. Was du schreibst finde ich interessant (<- keine Floskel! .-)) und habe darüber nachgedacht. Ich bin mir selbst unsicher, was stärker wirkt, und ob es den Blick nicht zu sehr verändert, wenn ich es weglasse. Die Wegnahme des ersten Teils des Titels geht aber für mich schon in eine ähnliche Richtung. Ich setze es mal als Alternativversion oben dazu.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Liebe Flora,
für mein Empfinden ist der Text noch zu nah am Empfinden dran, hat zu wenig Distanz zu sich selber. Daraus scheint mir zu resultieren, dass er eigentlich noch "Verdichtung" bräuchte. Der Anfang zum Beispiel, das ist, als würdest Du jemandem in einem Brief mitteilen, was die Katastrophe in Japan mit Dir macht.
In der Skype-Szene ist es ähnlich. Für mich klingt zuviel Betroffenheit durch und das steht mir im Wege, um mich einlassen zu können.
Liebe Grüße
leonie
(Ich frage mich auch, ob man überhaupt schon ein gutes Gedicht darüber schreiben kann... Ein wütendes vielleicht?
für mein Empfinden ist der Text noch zu nah am Empfinden dran, hat zu wenig Distanz zu sich selber. Daraus scheint mir zu resultieren, dass er eigentlich noch "Verdichtung" bräuchte. Der Anfang zum Beispiel, das ist, als würdest Du jemandem in einem Brief mitteilen, was die Katastrophe in Japan mit Dir macht.
In der Skype-Szene ist es ähnlich. Für mich klingt zuviel Betroffenheit durch und das steht mir im Wege, um mich einlassen zu können.
Liebe Grüße
leonie
(Ich frage mich auch, ob man überhaupt schon ein gutes Gedicht darüber schreiben kann... Ein wütendes vielleicht?
Hallo Leonie,
ich hatte selbst beim Schreiben eher das Gefühl, dass ich viel zu weit weg bin, um wirklich darüber schreiben zu können. Von daher weiß ich jetzt nicht, ob es gut ist, dass es sich von außen so liest, als sei ich zu nah dran, weil ich ja schon eine Nähe herstellen wollte, es eben um den Versuch einer Annäherung geht, die Distanz thematisiert wird.
Liebe Grüße und danke für die Rückmeldung
Flora
ich hatte selbst beim Schreiben eher das Gefühl, dass ich viel zu weit weg bin, um wirklich darüber schreiben zu können. Von daher weiß ich jetzt nicht, ob es gut ist, dass es sich von außen so liest, als sei ich zu nah dran, weil ich ja schon eine Nähe herstellen wollte, es eben um den Versuch einer Annäherung geht, die Distanz thematisiert wird.
Ein Brief würde bei mir aber anders aussehen. .-) Stärker verdichten könnte man vielleicht, auch wenn ich selbst im Moment nicht wüsste wie, aber stärker verschlüsseln wollte ich hier nicht.Der Anfang zum Beispiel, das ist, als würdest Du jemandem in einem Brief mitteilen, was die Katastrophe in Japan mit Dir macht.
Auf was kannst du dich denn nicht einlassen, auf das gezeigte Einzelschicksal, oder auf die Haltung des Textes zur Thematik? Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten mit deiner Antwort, weil ich den Eindruck habe, dass du mich als Person viel zu stark hineinliest und die Autorenebene vergisst und ich dann nicht mehr unterscheiden kann, ob dir das im Weg steht, oder etwas im Text.Für mich klingt zuviel Betroffenheit durch und das steht mir im Wege, um mich einlassen zu können.
Das weiß ich auch nicht, ich wollte es aber versucht haben. Ich weiß auch nicht, ob es schon möglich ist im Moment ein Gedicht darüber "zu lesen", oder ob dieses Gedicht sich dann 1:1 mit der eigenen Empfindung und Sicht decken müsste, damit es ankommen kann, weil wir eben alle auf irgendeine Weise "betroffen" sind. Wut wäre für mich auch eine Form von Betroffenheit, die im Gedicht gezeigt wird? Warum denkst du, dass du dich darauf besser einlassen könntest?(Ich frage mich auch, ob man überhaupt schon ein gutes Gedicht darüber schreiben kann... Ein wütendes vielleicht?
Liebe Grüße und danke für die Rückmeldung
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Gerda
Guten Morgen flora,
ich finde deine 2. Version sehr viel stärker als die erste.
Mir gefällt (blödes Wort) diese sehr gut. Nicht dick aufgetragen, sondern sehr zurückgenommen, kann sie einen Platz als kritische Gegenwartslyrik behaupten.
Ich las die erste V. schon vor ein paar Tagen und war wieder sehr uneins mit mir, mit dem Text, wegen der Symbolik, die eben gerade in unserem Kulturkreis keine Verankerung hat (Kirsch-Blüte - Baum ... ob nun wild- oder Kultur ist ziemlich gleich). für mich geht, das im Zusammenhang mit der Katastrophe, so glaube ich nur auf, wenn es ein Japanischer Dichter in Worte fassen würde/könnte ...
Sehr interessant, nahezu minimalistisch, das "Plus" und das "Minus" in deinem Text, aber genau passend und auch die "Ohnmacht der Farben" ... und die "strahlendn" Fische.
Die Kunst kommt gegen diese Katastrophe kaum an, vielleicht wird diese in ihrer ganzen Tragik aber aussprechbar, auf der Vorstufe der Verarbeitung.
Ein etwas untypisches Flora-Gedicht, nichtsdestoweniger für mich besonders gelungen!
Ja, ja wir haben Distanz, in Westeuropa ... Das ist zunächst einmal wertfrei zu sehen, räumlich.
Die Distanz im Geist ist etwas anders ...
Liebe Grüße
Gerda
ich finde deine 2. Version sehr viel stärker als die erste.
Mir gefällt (blödes Wort) diese sehr gut. Nicht dick aufgetragen, sondern sehr zurückgenommen, kann sie einen Platz als kritische Gegenwartslyrik behaupten.
Ich las die erste V. schon vor ein paar Tagen und war wieder sehr uneins mit mir, mit dem Text, wegen der Symbolik, die eben gerade in unserem Kulturkreis keine Verankerung hat (Kirsch-Blüte - Baum ... ob nun wild- oder Kultur ist ziemlich gleich). für mich geht, das im Zusammenhang mit der Katastrophe, so glaube ich nur auf, wenn es ein Japanischer Dichter in Worte fassen würde/könnte ...
Sehr interessant, nahezu minimalistisch, das "Plus" und das "Minus" in deinem Text, aber genau passend und auch die "Ohnmacht der Farben" ... und die "strahlendn" Fische.
Die Kunst kommt gegen diese Katastrophe kaum an, vielleicht wird diese in ihrer ganzen Tragik aber aussprechbar, auf der Vorstufe der Verarbeitung.
Ein etwas untypisches Flora-Gedicht, nichtsdestoweniger für mich besonders gelungen!
Ja, ja wir haben Distanz, in Westeuropa ... Das ist zunächst einmal wertfrei zu sehen, räumlich.
Die Distanz im Geist ist etwas anders ...
Liebe Grüße
Gerda
Hallo Flora!
Seit Quoths kleinem Dreizeiler köchelt in mir mal wieder (sie tat es früher schon) die Frage, warum sich Lyrik im 21. Jahrhundert so schwer tut mit Unglücken wie Fukushima: warum es eigentlich unmöglich ist, Stunden oder auch Tage nach einem schrecklichen Ereignis darüber zu schreiben.
Ich vermute, es hat auch damit zu tun, dass die moderne Lyrik das "Sich-einem-Sachverhalt-gegenüberstellen" fast vollständig aufgegeben hat. Das entstandene Gedicht spricht daher immer - auch - über den Schreibenden; und das wirkt dann oft so, als würde das Unglück benutzt, als sei es ein Stückweit Aufhänger. Und daran stößt sich der Leser, der noch unter dem Einfluss der Ereignisse steht.
Die Gegenüberstellung von Schreibendem und Beschriebenem führt natürlich auch zu einer Gegenüberstellung von Leser und Beschriebenem; und meine Vermutung ist, ein Gedicht, das solches leistet, könnte auch sofort nach dem entsprechenden Ereignis geschrieben werden.
Dementsprechend, Leonie: Vielleicht ist das Gedicht ja nicht "zu nah am Geschehen dran", sondern nur "nicht weit genug vom Schreibenden weg"?
Entsprechend würde ich nicht "Yukiko" aus dem Text drängen, sondern das "ich" und nicht über Freunde aus Tokio schreiben, sondern die Freunde aus Tokio schreiben lassen.
Und klar, das ist alles weit weg; und das könnte dann wirklich ein Grund sein, zu schweigen - die Unkenntnis der wirklichen Lage vor Ort. Was aber die grundlegende Frage nicht berührt - wenn ich einen Tag nach einem Zugunglück in Deutschland mit hundert Toten ein Gedicht schreibe, ist die lyrische Ausgangsage dieselbe.
Ferdigruß!
Seit Quoths kleinem Dreizeiler köchelt in mir mal wieder (sie tat es früher schon) die Frage, warum sich Lyrik im 21. Jahrhundert so schwer tut mit Unglücken wie Fukushima: warum es eigentlich unmöglich ist, Stunden oder auch Tage nach einem schrecklichen Ereignis darüber zu schreiben.
Ich vermute, es hat auch damit zu tun, dass die moderne Lyrik das "Sich-einem-Sachverhalt-gegenüberstellen" fast vollständig aufgegeben hat. Das entstandene Gedicht spricht daher immer - auch - über den Schreibenden; und das wirkt dann oft so, als würde das Unglück benutzt, als sei es ein Stückweit Aufhänger. Und daran stößt sich der Leser, der noch unter dem Einfluss der Ereignisse steht.
Die Gegenüberstellung von Schreibendem und Beschriebenem führt natürlich auch zu einer Gegenüberstellung von Leser und Beschriebenem; und meine Vermutung ist, ein Gedicht, das solches leistet, könnte auch sofort nach dem entsprechenden Ereignis geschrieben werden.
Dementsprechend, Leonie: Vielleicht ist das Gedicht ja nicht "zu nah am Geschehen dran", sondern nur "nicht weit genug vom Schreibenden weg"?
Entsprechend würde ich nicht "Yukiko" aus dem Text drängen, sondern das "ich" und nicht über Freunde aus Tokio schreiben, sondern die Freunde aus Tokio schreiben lassen.
Und klar, das ist alles weit weg; und das könnte dann wirklich ein Grund sein, zu schweigen - die Unkenntnis der wirklichen Lage vor Ort. Was aber die grundlegende Frage nicht berührt - wenn ich einen Tag nach einem Zugunglück in Deutschland mit hundert Toten ein Gedicht schreibe, ist die lyrische Ausgangsage dieselbe.
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
Hallo Ferdi,
ich weiß nicht, ob ich das richtig verstanden habe. Du meinst ein solches Gedicht dürfte nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben sein? Gerade das wäre für mich doch aber die Gegenüberstellung. Hier ein "Ich" dort das "Geschehen" und der Text, der sie in Beziehung zueinander stellt?
Hallo Gerda,
Danke für eure Gedanken zum Text!
Liebe Grüße
Flora
ich weiß nicht, ob ich das richtig verstanden habe. Du meinst ein solches Gedicht dürfte nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben sein? Gerade das wäre für mich doch aber die Gegenüberstellung. Hier ein "Ich" dort das "Geschehen" und der Text, der sie in Beziehung zueinander stellt?
Ich würde es eher nicht daran festmachen, dass es den Schreibenden ins Licht stellen soll, weil er ein LIch sprechen lässt, sondern am grundsätzlichen Gefühl, dass es unangebracht ist, angesichts solcher Ereignisse überhaupt etwas anderes als einen Sachtext zu schreiben, also die Ablenkung vom Thema, bzw. dem menschlichen Leid hin zu einem künstlerischen Aspekt zuzulassen. Das Gefühl, dass aus "fremdem" Leid nichts (sprachlich) "Schönes" entstehen darf. Da muss man sich erst einmal drüberwegsetzen, was ich wirklich schwierig finde. Und je zeitlich näher am Geschehen, umso unangebrachter und respektloser erscheint es mir sowohl als Lesende, als auch als Schreibende. War das früher anders?Das entstandene Gedicht spricht daher immer - auch - über den Schreibenden; und das wirkt dann oft so, als würde das Unglück benutzt, als sei es ein Stückweit Aufhänger. Und daran stößt sich der Leser, der noch unter dem Einfluss der Ereignisse steht.
Kannst du mal zeigen, wie du das meinst? Darfst gerne wild streichen und umschreiben. Würde mich wirklich interessieren, auch wie das dann auf mich wirkt. Ich sehe da die Gefahr der Anmaßung, wenn man in einem solchen Fall, der das normale Erleben zu einem unvorstellbaren Grad übersteigt, vorgibt, dass man darüber schreiben könnte, als sei man vor Ort, als wüsste man, was in den Menschen vor sich geht. Insofern war mir hier schon wichtig das Ich als "Filter" dazwischen zu setzen. Falls das einen Sinn macht. :o)Entsprechend würde ich nicht "Yukiko" aus dem Text drängen, sondern das "ich" und nicht über Freunde aus Tokio schreiben, sondern die Freunde aus Tokio schreiben lassen.
Hallo Gerda,
Hier ist für mich die Frage, ob die Natur, das Vorkommen von Kirschbäumen hier wie dort, das Hinausschauen und den Kirschbaum sehen, anfassen können, nicht ausreicht jenseits aller Symbolik und er so zu einem gemeinsamen Bild werden kann?Ich las die erste V. schon vor ein paar Tagen und war wieder sehr uneins mit mir, mit dem Text, wegen der Symbolik, die eben gerade in unserem Kulturkreis keine Verankerung hat (Kirsch-Blüte - Baum ... ob nun wild- oder Kultur ist ziemlich gleich). für mich geht, das im Zusammenhang mit der Katastrophe, so glaube ich nur auf, wenn es ein Japanischer Dichter in Worte fassen würde/könnte ...
Danke für eure Gedanken zum Text!
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Gerda
Hallo Flora,
Ich sag es mal gerade aus: Entweder wird es dann banal oder unmöglich.
Ich kann doch nicht eine Jahrtausende alte Tradition abgleichen.
Ein solches Gedicht wird zwangsläufig in der Tradition verankert sein und es wird sich es gefallen lassen müssen, genau daran gemessen zu werden.
Was ferdi schreibt, vielleicht führt er noch detaillierter aus, trifft es gut.
Nichts desto trotz, ist die verkürzte Variante für mich gelungen.
Liebe Nachtgrüße
Gerda
Flora hat geschrieben:Gerda hat geschrieben:Ich las die erste V. schon vor ein paar Tagen und war wieder sehr uneins mit mir, mit dem Text, wegen der Symbolik, die eben gerade in unserem Kulturkreis keine Verankerung hat (Kirsch-Blüte - Baum ... ob nun wild- oder Kultur ist ziemlich gleich). für mich geht, das im Zusammenhang mit der Katastrophe, so glaube ich nur auf, wenn es ein Japanischer Dichter in Worte fassen würde/könnte ...
Hier ist für mich die Frage, ob die Natur, das Vorkommen von Kirschbäumen hier wie dort, das Hinausschauen und den Kirschbaum sehen, anfassen können, nicht ausreicht jenseits aller Symbolik und er so zu einem gemeinsamen Bild werden kann?
Ich sag es mal gerade aus: Entweder wird es dann banal oder unmöglich.
Ich kann doch nicht eine Jahrtausende alte Tradition abgleichen.
Ein solches Gedicht wird zwangsläufig in der Tradition verankert sein und es wird sich es gefallen lassen müssen, genau daran gemessen zu werden.
Was ferdi schreibt, vielleicht führt er noch detaillierter aus, trifft es gut.
Nichts desto trotz, ist die verkürzte Variante für mich gelungen.
Liebe Nachtgrüße
Gerda
Hallo Gerda,
Ich sehe es so: Entweder der Leser kennt die japanische Tradition und Symbolik die sich darin verbirgt, und liest das Gedicht in diesem Kontext, was ja durchaus möglich ist, oder er sieht einen Kirschbaum und entwickelt eine eigene Vorstellung, ein eigenes Gefühl, was dieses Bild für die Eltern bedeuten könnte, was für mich auch aufgeht. Und das wäre auch nicht anders bei einem japanischen Schriftsteller. Solche selbstgesetzten "Unmöglichkeiten" führen denke ich nicht weiter, auch nicht im Schreiben. Und so kritisch ich dieses Gedicht selbst anschaue, die Kirschblüte ist für mich sicher nicht der Knackpunkt.
Liebe Grüße
Flora
Hui, da hast du aber rigorose Ansichten. Ich finde Kirschbäume weder banal noch unmöglich und es geht auch nicht darum etwas abzugleichen.Ich sag es mal gerade aus: Entweder wird es dann banal oder unmöglich.
Ich kann doch nicht eine Jahrtausende alte Tradition abgleichen.
Ein solches Gedicht wird zwangsläufig in der Tradition verankert sein und es wird sich es gefallen lassen müssen, genau daran gemessen zu werden.
Ich sehe es so: Entweder der Leser kennt die japanische Tradition und Symbolik die sich darin verbirgt, und liest das Gedicht in diesem Kontext, was ja durchaus möglich ist, oder er sieht einen Kirschbaum und entwickelt eine eigene Vorstellung, ein eigenes Gefühl, was dieses Bild für die Eltern bedeuten könnte, was für mich auch aufgeht. Und das wäre auch nicht anders bei einem japanischen Schriftsteller. Solche selbstgesetzten "Unmöglichkeiten" führen denke ich nicht weiter, auch nicht im Schreiben. Und so kritisch ich dieses Gedicht selbst anschaue, die Kirschblüte ist für mich sicher nicht der Knackpunkt.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
-
Gerda
Hallo flora,
ich habe nicht geschrieben, dass ich Kirschbäume "banal, unmöglich", finde, sondern dass dein Ansinnen für mich nicht aufgeht.
Darauf habe ich mich bezogen:
Bitte, bitte meinen Komm.so lesen wie er da steht und den Bezug nicht Außen vor lassen.
Nochmal:
Es soll nichts anderes heißen, als dass m. M. n. ein Gedicht oder überhaupt etwas Geschriebenes, was mit "Japan und Kirsche" zu tun hat nie nur eine Naturbetrachtung sein kann, sondern immer der Tradtion verpflichtet bleibt ... da kann man noch so viele Verbindungeslinien zwischen einer Kirsche in Japan und einer in Europa herleiten ...
Sollte es tatsächlich sein, dass ich mich derart missverständlich ausdrücke?
Liebe Grüße
Gerda
ich habe nicht geschrieben, dass ich Kirschbäume "banal, unmöglich", finde, sondern dass dein Ansinnen für mich nicht aufgeht.
Darauf habe ich mich bezogen:
flora hat geschrieben:Hier ist für mich die Frage, ob die Natur, das Vorkommen von Kirschbäumen hier wie dort, das Hinausschauen und den Kirschbaum sehen, anfassen können, nicht ausreicht jenseits aller Symbolik und er so zu einem gemeinsamen Bild werden kann?
Bitte, bitte meinen Komm.so lesen wie er da steht und den Bezug nicht Außen vor lassen.
Nochmal:
Es soll nichts anderes heißen, als dass m. M. n. ein Gedicht oder überhaupt etwas Geschriebenes, was mit "Japan und Kirsche" zu tun hat nie nur eine Naturbetrachtung sein kann, sondern immer der Tradtion verpflichtet bleibt ... da kann man noch so viele Verbindungeslinien zwischen einer Kirsche in Japan und einer in Europa herleiten ...
Sollte es tatsächlich sein, dass ich mich derart missverständlich ausdrücke?
Liebe Grüße
Gerda
Hallo Gerda,
Liebe Grüße
Flora
Ich glaube wir reden ein wenig aneinander vorbei. Du hattest geschrieben, dass die Kirschblüte hier in unserem Kulturkreis keine Verankerung hat und daraufhin habe ich geschrieben, dass es für mich auch über die Natur funktioniert. Ich habe nicht geschrieben, dass es nur Naturbetrachtung sein soll, aber es braucht meiner Ansicht nach ein Bild, das sowohl in seiner Symbolik als auch ohne diese zu kennen aufgeht. Etwas, was verbindet, gerade auch im Rahmen eines persönlichen Gespräches in dem es hier im Gedicht auftaucht. Welche Schwierigkeit siehst du denn mit der Tradtion in diesem Gedicht?Es soll nichts anderes heißen, als dass m. M. n. ein Gedicht oder überhaupt etwas Geschriebenes, was mit "Japan und Kirsche" zu tun hat nie nur eine Naturbetrachtung sein kann, sondern immer der Tradtion verpflichtet bleibt ... da kann man noch so viele Verbindungeslinien zwischen einer Kirsche in Japan und einer in Europa herleiten ...
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 11 Gäste