in deiner fäustegalerie ... (aus dem lyrischen Dialog)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 18.03.2011, 08:00




in deiner fäustegalerie – regenerierende energie


sie wachsen dir nach, sagst du. sammelst die abgestoßenen
(da spukt schon ein neues gesicht in den frischen
fingerspitzen, so fällt es dir leicht) und du reihst sie
auf den sichtbalken, den graulasierten, unter der decke

wenn jemand danach fragt, sagst du nur: "ach, die"
und winkst (manchmal zuckt dein abgewandtes
auge) und eine bildet sich ein, in dieser minute
eine hand legte sich um ihr herz und es schlug

irgendwann brauchst du sie, weißt nicht wie (brichst
die starre, die knochen, die haut blättert
flüchtig wie blattgold) du
baust auf ihre notizen, die dich wiegen, die dich lieben
aufs wort - und du liest den zettel
den sie hielt - weil sie dir abstirbt vor der zeit
und du noch keinen neuen namen weißt







Änderung: und du liest zitternd den Zettel - "zitternd" gelöscht
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 18.03.2011, 11:48

Hallo, Flora,

ein starker Text mit einem ungewöhnlichen, surrealen Motiv! Aufgereihte Fäuste, ja? Ich denke unwillkürlich, damit wurden Menschen geschlagen oder das lyrische Ich wollte sie zumindest schlagen, hatte die Faust schon geballt, den Hass darin eingeschlossen. Dann kommt zum Schluss das Motiv mit dem zerknüllten Zetteln in der abgestorbenen Faust. Unverarbeitete Gedanken wurden in einer Art Totenstarre eingeschlossen. Toll!

Diese Stelle ist mir nicht ganz stimmig:

Flora hat geschrieben:und eine bildet sich ein, in dieser minute
eine hand legte sich um ihr herz und es schlug


Wer ist diese Eine? Ich dachte, das LI winkt zu den Fäusten, also eine Faust? Aber um das Herz der Faust kann sich doch keine Hand legen, das ist irgendwie gedoppelt.

Flora hat geschrieben:die dich wiegen, die dich lieben


Das würde ich weglassen oder das wiegen irgendwie zeigen durch eine Szene. Das LI könnte sich z.B. auf die Fäuste legen. Dann würde es allerdings merken, dass da nichts mehr wiegt und liebt, denn die sind ja abgestorben.

Viele Grüße
fenestra

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 19.03.2011, 13:23

Hallo Fenestra,

danke für die Rückmeldung!
(Ich warte noch ein wenig, ob noch jemand dazu schreibt, bevor ich auf die Fragen eingehe.)

Liebe Grüße
Flora
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 22.03.2011, 10:08

Hallo Fenestra,

(da kommt wohl nix mehr. .-))

Spannend ist für mich, dass du die Fäuste automatisch mit "Schlagen" und "Hass" assoziierst. Das war gar nicht mein Gedanke. Ausgangspunkt und Inspiration war Nifls Gedicht viewtopic.php?p=165419#p165419 , aber das muss meines ja alleine erzählen können. Da muss ich noch überlegen, wie ich das stärker betonen könnte, oder ob ich das auch in deinem Sinn lesen kann.
Diese Stelle ist mir nicht ganz stimmig:
Flora hat geschrieben:und eine bildet sich ein, in dieser minute
eine hand legte sich um ihr herz und es schlug


Wer ist diese Eine? Ich dachte, das LI winkt zu den Fäusten, also eine Faust? Aber um das Herz der Faust kann sich doch keine Hand legen, das ist irgendwie gedoppelt.
Diese "eine" ist bewusst so gesetzt, weil mir die doppelte Lesemöglichkeit wichtig war. Die eine Frau (dann eher die Beziehungsebene aufgreifend, was dann auch andere "sie" doppelt lesbar macht) oder die eine Faust (dann auf das Schreiben bezogen). Das Herz der Faust wäre für mich die darin eingeschlossene Notiz. Am schönsten wäre für mich natürlich, wenn beide Leseweisen zugleich sichtbar wären und ineinandersprechen könnten, was aber wohl so noch nicht gelingt.
FLora hat geschrieben:Flora hat geschrieben:
die dich wiegen, die dich lieben



Das würde ich weglassen oder das wiegen irgendwie zeigen durch eine Szene. Das LI könnte sich z.B. auf die Fäuste legen. Dann würde es allerdings merken, dass da nichts mehr wiegt und liebt, denn die sind ja abgestorben.
Hm, das ist mir sehr wichtig, weil es wieder den Kreis schließt zum dem, was ich oben geschrieben habe? Weil es mir hier auch um die Frage der Hoffnung/Sehnsucht geht, die sich um das Schreiben dreht. Dieser Gedanke, dass darin etwas "lebendig" bleibt, dass man sich daran "festhalten" kann und darauf "bauen" kann? Denn es sind ja die Notizen (eigene/die der Frau?), die wiegen und aufs Wort lieben und nicht die Fäuste.
Wenn das natürlich nicht ankommt, fällt irgendwie alles zusammen.

Also ich werde das alles nochmal mit etwas Abstand anschauen, in welche Richtung es für mich gehen muss. Dank dir für die Anmerkungen!

Liebe Grüße
Flora
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leonie
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Beitragvon leonie » 22.03.2011, 21:38

Liebe Flora,

ich komme irgendwie überhaupt nicht richtig klar mit dem Text, weil immer irgendetwas bleibt, das nicht aufgeht oder meine Lesart falsch erscheinen lässt. Ich war bei Ideen/Notizzetteln, Ideen, die man zum Leben erweckt in einem Text oder eben verwirft, aber dann komme ich mit der letzten Strophe und dem zweiten "sie" darin nicht klar.

Es ist auf der einen Seite etwas Liebevolles in dem Text, aber dann auch wieder etwas so Brutales, sich-Gefügig-Machen-Wollendes, ich kriege das schwer zusammen...

Liebe Grüße

leonie

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 22.03.2011, 23:41

Liebe Flora,
für mich geht das ganz spontan auf; ich sehe sogar eine Parallele zu meiner "Anfänge"-Geschichte, wenn auch natürlich auf einer ganz anderen Ebene; ich sehe ein Festhalten von nicht zu Ende gedachten Möglichkeiten, eine Galerie unbenutzter Türen quasi - offene Türen gehen natürlich nicht ganz zusammen mit Fäusten, aber das Bild der Fäuste bringt noch zusätzlich etwas sehr Persönliches hinein; es geht um Möglichkeiten, die im erzählenden Ich eingeschlossen sind. In der von fenestra schon angesprochenen Mittelstrophe sehe ich auch eine Mehrdeutigkeit - aber spontan dachte ich zuerst an eine außenstehende Person, die eine der niedergelegten Möglichkeiten als vielleicht für sich "gemeint" erkennt; vielleicht auf ganz ähnliche Weise, wie es mir als Leserin mit diesem Gedicht geht ...
Ich mag das sehr!
Nachtgruß von Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 23.03.2011, 07:39

Hallo Zefi,

deine Leseweise gefällt mir sehr und es freut mich, dass es für dich aufgeht!

Hallo Leonie,

danke Leonie, dass du dazu schreibst, obwohl es für dich so gar nicht passt!
aber dann auch wieder etwas so Brutales, sich-Gefügig-Machen-Wollendes, ich kriege das schwer zusammen...
Huch, wo steckt das für dich drin? Ich sehe schon auch eine Gewalt in der Szene des Aufbrechens der Hand, aber keine Brutalität (Rücksichtlosigkeit/Grausamkeit?) und beim "sich-Gefügig-Machen-Wollen" steh ich ganz auf dem Schlauch, worin sich das für dich zeigt und gegen wen es sich richtet?

Liebe Grüße euch zwei
Flora
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leonie
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Beitragvon leonie » 23.03.2011, 09:30

Hm, ich glaube, es sind die Bilder, die zusammenspielen: erst einmal:die Fäuste und später die Hand, die sich ums Herz legt, für mich hat das durch die Überschrift etwas Bedrohliches.

Dann der Satz: du brauchst sie: dadurch dass nicht deutlich ist, wer jetzt "sie" ist, klingt es für mich nach "benutzen" wollen

Dann das Bild vom Brechen, insbesondere der Knochen: da wird etwas "geschmeidig" gemacht durch ein sehr brutales Vorgehen, so klingt es für mich. Das hat auch wieder mit dem "sie" zu tun, das ja auch eine Person benennen könnte. In dem Zusammenhang tut mir das Knochenbrechen und auch das Haut abblättern fast richtig weh.

Liebe Grüße

leonie

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 23.03.2011, 10:26

Hallo Leonie,

Hm, ich glaube, es sind die Bilder, die zusammenspielen: erst einmal:die Fäuste und später die Hand, die sich ums Herz legt, für mich hat das durch die Überschrift etwas Bedrohliches.
Dann funktioniert die Überschrift wohl einfach nicht, wie ich mir das dachte, denn das "regenerierend" und "Energie" sollten ja den positiven Aspekt schon im Titel anklingen lassen. Wobei es natürlich etwas Bedrohliches haben kann, wenn man sich eine Hand ums Herz vorstellt/einbildet, aber hier sehe ich das im Kontext erst einmal nicht als "bedrohlich" empfunden, sondern durch das Spüren des Schlagen des Herzens und das "wiegen und lieben" eher als Hinweis auf die Lebendigkeit, die Energie.

Dann der Satz: du brauchst sie: dadurch dass nicht deutlich ist, wer jetzt "sie" ist, klingt es für mich nach "benutzen" wollen
Wenn ich das "sie" als Person lese, stimme ich dir zu, das schwingt im "brauchen" sicher immer als latente Gefahr mit, wäre für mich aber eben nur eine Seite davon.

Dann das Bild vom Brechen, insbesondere der Knochen: da wird etwas "geschmeidig" gemacht durch ein sehr brutales Vorgehen, so klingt es für mich. Das hat auch wieder mit dem "sie" zu tun, das ja auch eine Person benennen könnte. In dem Zusammenhang tut mir das Knochenbrechen und auch das Haut abblättern fast richtig weh.
Da wird etwas gelöst, eine Starre und ja, manchmal muss da wohl auch eine Gewalt, Kraft sein, ein "aufbrechen", wobei ich das "Knochenbrechen" nicht wörtlich auf eine Person bezogen lesen kann, dazu spielt sich das alles für mich zu sehr auf einer surrealen, oder inneren (aber durchaus schmerzhaften) Ebene ab. Das "echte" Herz liegt ja auch nicht tatsächlich in der Hand. Und "flüchtig wie blattgold" und "abblättern" kann ich auch nicht auf verletzte, "lebendige" Haut beziehen, wie auch das Ende für mich von etwas ganz anderem spricht.
Ich habe den Eindruck, dir geht es hier ähnlich wie bei "köpfe sie vor dem schlüpfen", dass einzelne Worte in dir Bilder wecken, über die das Gedicht dann gar nicht mehr hinwegsprechen kann, egal, was es erzählt?

Vielleicht geht diese doppelte Möglichkeit von "sie" aber hier wirklich nicht auf, das war ja auch fenestras Schwierigkeit. Hmmm... im Moment würde mir das aber fehlen... muss ich sich erst setzen lassen.

Liebe Grüße
Flora
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Beitragvon leonie » 23.03.2011, 10:58

Für mich hängt es wirklich an dem "sie" das personalisiert gelesen werden kann. Da hilft es mir auch wenig, wenn er surreal ist.
Wäre der Text eindeutiger auf die Ideen bezogen, ginge es mir nochmal anders damit, denke ich.

Liebe Grüße

leonie

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 26.03.2011, 16:19

Hallo Leo, alle

ich habe jetzt alle möglichen Varianten ausprobiert. Wenn ich es nur auf den "Schreibgedanken" beschränke und die Beziehungsebene ganz rausnehme, zerfällt es für mich, weil dann auch der "Erzähler" in seiner Haltung für mich nicht mehr funktioniert. Das müsste ich dann nochmal ganz neu versuchen.
Hier könnte ich mir eher vorstellen, dass ich den Erzähler selbst einbinde und die "sie" eindeutig zuordne.
Das würde dann so aussehen:

in deiner fäustegalerie - regenerierende energie

sie wachsen dir nach, sagst du. sammelst die abgestoßenen
(da spukt schon ein neues gesicht in den frischen
fingerspitzen, so fällt es dir leicht) und du reihst sie
auf den sichtbalken, den graulasierten, unter der decke

wenn jemand danach fragt, sagst du nur: "ach, die"
und winkst (manchmal zuckt dein abgewandtes
auge) und ich bilde mir ein - in diesen momenten
rauscht die erinnerung - deine hand legte sich wieder
wärmend um mein herz und es pocht!

irgendwann brauchst du sie, weißt nicht wie (brichst
die starre, die knochen, die haut blättert
flüchtig wie blattgold) du
baust aufs geschriebene, das dich wiegt, das dich liebt
aufs wort - und du liest zitternd den zettel
den sie hielt - weil sie dir abstirbt vor der zeit
und du noch keinen neuen namen weißt


Wäre es damit für dich/euch anders lesbar?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Nifl
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Beitragvon Nifl » 03.04.2011, 10:46

Huhu Flora.

Ein „Nicht –zulassen-können“ mündet in Einsamkeit. Diese Warnung steht (auch) auf jeder Notiz in jeder Faust, hätte er sie nur vorher geöffnet, die Finger vorsichtig auseinandergerollt und gelesen. Nicht erst, wenn es zu spät ist, denn dann bleiben Fäuste Fäuste und ihre Notiz ist eine andere, haut rein…

sie wachsen dir nach, sagst du. sammelst die abgestoßenen
(da spukt schon ein neues gesicht in den frischen
fingerspitzen, so fällt es dir leicht) und du reihst sie
auf den sichtbalken, den graulasierten, unter der decke


Würde auf das „und du“ verzichten.
Warum ist vor unter ein Komma?

Bei der zweiten Strophe bin ich eindeutig für die alte Fassung. Rauschen ist mir viel zu „lyrisiert“ und entlarvt sich schnell als bloßes „Streckwort“. Passt auch überhaupt nicht zum „ach die“, die ä das für mich die aller aller aller stärkste Stelle im Text markiert und mich heftig anspringt. Da steckt so viel Ausdruck und Kraft drin, wunderbar!
Abgesehen davon, dass ich Zeichensetzung bei Gedichten nicht mag, weil sie einengt,
und eine bildet sich ein, in dieser minute

würde ich hier auch kein Komma setzen .
Auch diese Ich-Perspektive gefällt mir nicht so, kommt lange nicht an die „Mystik“ von dem Unspezifizierten eine heran.
Überdies würde ich abwinken.

Und! Es sind Notizen! Nichts Geschliffenes ä Geschriebenes (blass) … Notizen sind die echten Tage, das echt Gelebte, die echten Gefühle. Geschriebenes ist abstrahiert/reflektiert und in gewisser Weise künstlich.
Das „zitternd“ würde ich streichen, das ist „Dramatico“, den gerade diese Strophe überhaupt nicht braucht.
Ä, die Nifleien sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich diesen Text gerne als Monatsgewinner sähe. Ganz groß.

LG
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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leonie
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Beitragvon leonie » 03.04.2011, 12:59

Liebe Flora,

für mich hilft das nicht so wirklich weiter. Aber das kann auch an mir liegen. FÜr Dich muss es stimmen...

Liebe Grüße

leonie

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 03.04.2011, 16:58

Hallo Leonie,

danke, dass du dich nochmal gemeldet hast. Natürlich muss es für mich stimmen, aber es wäre eben schön, wenn es dann auch für den Leser aufgehen würde. Wenn die Änderungen, vor allem die eindeutige Zuordnung der "sie", für dich jedoch nichts bewirken, dann zeigt mir das, dass es an etwas Grundsätzlicherem liegt, woran ich dann einfach nichts ändern kann.

Liebe Grüße
Flora


Hallo Nifl,

wie schön, dich hier zu lesen!
Würde auf das „und du“ verzichten.
Das war immer wieder drin und dann wieder draußen und dann doch wieder drin. Wenn ich es laut lese brauche ich es für den Klang und den Tonfall. Rein schriftlich "gesehen", könnte es wegfallen.
Warum ist vor unter ein Komma?
Damit man eine Pause macht. :) "den graulasierten" ist ein "Gedankeneinschub". (Für mich wichtig, weil darin eine "Vertrautheit" und damit auch ein emotionales Hineinweben des Erzählers anklingt. Wenn ich es weglasse wird es einfach zur Feststellung... nö?) Ich wollte ihn aber nicht auf Gedankenstriche aufpieksen, weil das für mich nicht passt.
Bei der zweiten Strophe bin ich eindeutig für die alte Fassung. Rauschen ist mir viel zu „lyrisiert“ und entlarvt sich schnell als bloßes „Streckwort“. Passt auch überhaupt nicht zum „ach die“,
Die Verlyrisierung sollte etwas von der Härte wegnehmen, die Stimme auch bildlich weicher machen. Geht mir aber ähnlich.
Abgesehen davon, dass ich Zeichensetzung bei Gedichten nicht mag, weil sie einengt,
Zitat:
und eine bildet sich ein, in dieser minute

würde ich hier auch kein Komma setzen .
Wieder ein Pause-Gedanken-Ansprache-Komma... Natürlich will ich damit das Lesen "lenken", aber nicht so, dass man das merkt. :( Machst du denn ohne Komma eine Pause, oder machst du mit Komma auch keine? Dann wäre es natürlich unnötig.
Überdies würde ich abwinken.
Ahhh, nein, das geht nicht! Es schwingt natürlich mit, aber es muss schon offen bleiben, sonst wird es mir zu hart, abschätzig und vorwurfsvoll in der Haltung und im Blick des Erzählers auf das Du, was das Ganze für mich kippen lassen würde. Der Anschluss würde dann für mich auch nur noch im negativ-gemeinten Sinn funktionieren. Das "Zuwinken" und ein liebevoll, "völlig unschuldig" und erinnerndes "Ach die" muss schon zumindest als Möglichkeit in der Luft liegen. Da brauche ich das Verschwommene, auch um den Interpretationsspielraum des Erzählers sichtbar werden zu lassen.
Und! Es sind Notizen! Nichts Geschliffenes ä Geschriebenes (blass) … Notizen sind die echten Tage, das echt Gelebte, die echten Gefühle. Geschriebenes ist abstrahiert/reflektiert und in gewisser Weise künstlich.
Das „zitternd“ würde ich streichen, das ist „Dramatico“, den gerade diese Strophe überhaupt nicht braucht.
Ja und ja. :) Streich ich gleich.

Dank dir und liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)


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