Schlafbuch
10.01.2011
22:45
Die Nacht entkleiden:
Ihre schwarzen Brüste
und den finsteren Schoß,
aus dem Träume fallen
wie die Tränen Ungeborener
(denn
was sind sie sonst
die Träume
als Tränen
von Un-
von Tot-
von Niegeborenen?)
berühren.
Die entkleidete Nacht
Der Tag soll zur Ruhe fahren, doch lange zappelt er noch im Abendrot. Scharfkantig wie der Tod, zielt der Wind aufs Kinn. Niemand wagt Prophezeiung noch Gebet, bis das Dunkel wie Schildpatt gekocht und geformt ist. Ein Baum, in mächtiger Erregung, stemmt sich gegen die Uhr. Eine Stunde schneit herab und schickt zu Bett.
Im Liegen geschmiedete Übereinkunft:
1. Du sollst nicht
2.
3.
(…)
Eingewiesen
in das kleine Nest
der Zirbeldrüse
fresse ich die Pest
Abgewiesen
fern dem dunklen Fest
dem lakmussüßen
fresse ich den Rest
Warum trägt mein Vater eine Augenklappe? Er ist ein stattlicher Mann, der niemals ohne Krawatte das Haus verlässt. Seine Augen waren immer unversehrt und klar und blau. Aus dem gesunden Auge schwappt Wasser über sein Gesicht. Die Augenklappe bebt, als wolle sich darunter etwas hervortun. Das Meer oder Ärger, ich weiß es nicht. Wo ich doch so tief…
A.C. Seymor schreibt über das Nacktsein im Traum:
„Wo alles sich in Bewegung, im Strudel befindet, fühlt das Ich sich ständig fortgerissen. Nicht die erlebten Ereignisse beunruhigen es, sondern die ständige Bewegung. Eine Zielgerichtetheit, die der Träumende verspürt, als wäre sie von einer Gottheit verordnet, die ja tatsächlich vorhanden der Traum selbst ist. Das Grundbedürfnis besteht darin, einen Ort zu finden, der als Anker dient. Ist dieser gefunden, dient die Nacktheit, sich diesem im selben Augenblick wieder zu entfremden. Steht man dem Bekannten gegenüber, wird man selbst durch Entkleidung und Bloßstellung zum Unbekannten, auf dass der Traum sich nicht auflöst. Während wir als bekleidetes und fest definierbares Ich durch eine unbekannte Traumwelt wandern, sehen wir als Nackter uns stets mit Bekanntem konfrontiert.“
…schlafe und das Zimmer vom Wind durchwandert wird, vom Atmen meiner Frau, vom Mondlicht, von einer Axt, die allem Leben den Kopf abschlägt. Und so denke ich eine Welle, die der Bibel noch fünfzig Psalmen und einige Prophezeiungen hinzufügt. Gott sitzt in seinem Sessel. Er hat auf mich gewartet. „Dein Vater“, sagte er, „hat was am Auge.“
Den Traum glaub ich meinem Spiegel nicht
Solange meinen Schlaf das Ich noch blendet
Die Furchen in dem Traumgesicht
Sind Lebenslinien unvollendet
Unvollkommen wie alles Sein und Werden
Wie der Schall, der im Wind verfliegt
Wie das Rohr, das im Wind sich biegt
Und bricht, aus Angst vorm Sterben
Doch gänzlich sind sie nicht verschwendet
Gänzlich ziellos nicht verwendet
Die Linie ist sich selbst das Ziel
Der Götter böses Spiel
Denen der Göttlichkeit zu viel
Die Göttlichkeit entwendet
Die Frau ist bereit zum Beischlaf. Aber sie wehrt sich, als ich ihr meinen Schwanz in den Mund schieben will.
„Was ist los?“, will ich wissen.
„Du könntest wenigstens fragen“, sagt sie und aus dem Kissen, auf dem sie liegt, wird ein Krokodil.
dasblauegründerwiesen ∙ diewolkenringsobendrüber ∙ windderanhemdknöpfenknabbert ∙ ichfliegeaufdemfahrrad ∙ ichfliegedurchdiefelder ∙ rapsrapsrpasprapsraps ∙ meinemuttermachteinziemlichernstesgesicht ∙ wiehießdiegroßbusigeausdemsechtenschuljahrnochmal ∙ ichfliegeindiewolkendurchsiehindurchundausihnenhinausinrichtungerde ∙ diedickbusigeistirgenwieverliebtundböseundichgreifeimfliegennachihrentitten ∙ dasblaugründerwiesen ∙ diewolkenobendrüberdurchdieichfliege∙ diedickbusigeumarmtmich ∙ ichhabeangst ∙ meinemutterverbindetdiehanddiemirverletztwurde ∙ diedickbusigelächeltirgendwoimhintergrund ∙ ihrefotzescheißescheißescheißescheiße ∙ einpräserrolltsichvomschlaffenschwanz ∙ meinemutter:diewaraberleicht zuhaben ∙ ich:jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
5:30
Piep piep piep piep usw.
Die Nacht
Wickelt ein graues Tuch um ihre Brüste
Bedeckt den Schoß mit Tau
Nicht so, dass vielleicht sie’s wüsste
Nein, sie weiß es ganz genau
Dass nichts, was im Arm sie hielte
Länger währt, als ihr fahles Kleid
Und wer vom Tag zur Nacht hin schielte
Doppelt sieht.
5:39
Guten Morgen…
Schlafbuch
-
african queen
Hallo Sam,
Traumbuch, einmal las ich Traumbruch!!!.....
faszinierende Traumsequenzen, mal stockend, mal fließend, abgleitend, wie
eben oft Traumsequenzen in unsere Träume fallen, aber sie so aufzubereiten,
für mich meisterhaft. Du läßt einen sogleich in einen Tagtraum fallen.
interessant auch wie Träume sich aus Erlebtem, aus dem Unterbewußtsein gespeicherten,
nicht realen, vielleicht Gewolltem, nicht Gewolltem zusammensetzt. Unerforschte Ebenen,
all dies finde ich in deinem Text. Das Verschwimmen von Grenzen, fragmentarisch, finde ich
großartig. Jeder Mensch träumt anders, mache gar nicht, oder sie wissen es nicht mehr.
Das Träumen ( Verarbeiten?) an sich ein wichtiges Thema an sich, dein Traumbuch, " Traumbruch"
gefällt mir sehr sehr gut und ich kann mich ohne weiteres da hineinträumen, sehe zwar andere
Bilder, sie zu beschreiben, keine leichte Aufgabe.
lg
african queen
P.S. Eine Motivation, doch mal zu versuchen, solch eigenartige Träume aufzuschreiben.
Traumbuch, einmal las ich Traumbruch!!!.....
faszinierende Traumsequenzen, mal stockend, mal fließend, abgleitend, wie
eben oft Traumsequenzen in unsere Träume fallen, aber sie so aufzubereiten,
für mich meisterhaft. Du läßt einen sogleich in einen Tagtraum fallen.
interessant auch wie Träume sich aus Erlebtem, aus dem Unterbewußtsein gespeicherten,
nicht realen, vielleicht Gewolltem, nicht Gewolltem zusammensetzt. Unerforschte Ebenen,
all dies finde ich in deinem Text. Das Verschwimmen von Grenzen, fragmentarisch, finde ich
großartig. Jeder Mensch träumt anders, mache gar nicht, oder sie wissen es nicht mehr.
Das Träumen ( Verarbeiten?) an sich ein wichtiges Thema an sich, dein Traumbuch, " Traumbruch"
gefällt mir sehr sehr gut und ich kann mich ohne weiteres da hineinträumen, sehe zwar andere
Bilder, sie zu beschreiben, keine leichte Aufgabe.
lg
african queen
P.S. Eine Motivation, doch mal zu versuchen, solch eigenartige Träume aufzuschreiben.
-
Sam
Hallo african queen,
vielen Dank!
Traumbruch - auch gut. Traumbruchstücke sozusagen, die sich im Traum selbst betrachten.
Leider kann man sich während des Träumens keine Notizen machen. Und was hinterher aufgeschrieben wird, ist ja durch den Wachzustand schon wieder verfälscht oder zumindest eingetrübt.
Gruß
Sam
vielen Dank!
Traumbruch - auch gut. Traumbruchstücke sozusagen, die sich im Traum selbst betrachten.
Leider kann man sich während des Träumens keine Notizen machen. Und was hinterher aufgeschrieben wird, ist ja durch den Wachzustand schon wieder verfälscht oder zumindest eingetrübt.
Gruß
Sam
Hallo Sam,
vielleicht wirkt es ein wenig verrückt, erst habe ich so lange nichts dazu geschrieben und jetzt schreib ich doch etwas zum Text, aber ich musste mich mit diesem Text erst anfreunden und meine Erfahrung sagt mir, nach Tagen lesen sich Texte nüchterner,
Ein anfänglicher Einwand hat Bestand gehalten - er wirkt auf mich während des Lesens - vordergründig wegen seiner Länge, wohl eher wegen seiner Dichte - mit zunehmender Dauer anstrengend. Natürlich seh ich, dass er von vorne bis hinten durchkomponiert ist, doch seine Feinheiten stecken für mich in den einzelnen Sätzen, ich finde
viele Sätze drin, die auf mich nicht geplant wirken, sondern für mich Freude am Schreiben ausdrücken, weil sie mir halt gefallen.
So Sätze, die für mich die "realen" Zeitangaben kontakarieren, letztere ja auch wiederum für mich ein wenig ironisch diese Traumbeschreibung einrahmen.
So, jetzt klingelts an der Tür und ich muss diesen Bericht hier vorzeitig beenden.
Erwähnt haben möchte ich unbedingt noch, dass mir besonders ins Auge stechen die verschiedenen Sprachstile,
die hier im Text Eingang gefunden haben, eine sprachliche Augenweide, die man nicht alle Tage liest.
Namaste, Stefan
vielleicht wirkt es ein wenig verrückt, erst habe ich so lange nichts dazu geschrieben und jetzt schreib ich doch etwas zum Text, aber ich musste mich mit diesem Text erst anfreunden und meine Erfahrung sagt mir, nach Tagen lesen sich Texte nüchterner,
Ein anfänglicher Einwand hat Bestand gehalten - er wirkt auf mich während des Lesens - vordergründig wegen seiner Länge, wohl eher wegen seiner Dichte - mit zunehmender Dauer anstrengend. Natürlich seh ich, dass er von vorne bis hinten durchkomponiert ist, doch seine Feinheiten stecken für mich in den einzelnen Sätzen, ich finde
viele Sätze drin, die auf mich nicht geplant wirken, sondern für mich Freude am Schreiben ausdrücken, weil sie mir halt gefallen.
Sam hat geschrieben: Der Tag soll zur Ruhe fahren, doch lange zappelt er noch im Abendrot. Eine Stunde schneit herab und schickt zu Bett. Im Liegen geschmiedete Übereinkunft: 1. Du sollst nicht .. Aus dem gesunden Auge schwappt Wasser über sein Gesicht. Das Meer oder Ärger, ich weiß es nicht.
So Sätze, die für mich die "realen" Zeitangaben kontakarieren, letztere ja auch wiederum für mich ein wenig ironisch diese Traumbeschreibung einrahmen.
So, jetzt klingelts an der Tür und ich muss diesen Bericht hier vorzeitig beenden.
Erwähnt haben möchte ich unbedingt noch, dass mir besonders ins Auge stechen die verschiedenen Sprachstile,
die hier im Text Eingang gefunden haben, eine sprachliche Augenweide, die man nicht alle Tage liest.
Namaste, Stefan
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