Nur Einer streunte durch die Gegend,
mit zugekniff'nem Aug', abwägend
das ärmliche Licht der Lupinen;
auch die Passanten
verzogen ihre Minen,
die seinen Blick wohl missverstanden,
die glaubten wohl: er gelte ihnen.
Zwei Augenblicke, die gleich einem
in einem Blickwinkel erscheinen,
im ärmlichen Licht der Lupinen;
auch die Bekannten
erwogen bloß, was ihnen
in ihrem Aug' einmal erschienen,
bevor sie seinem Blick entschwanden.
Ohne Titel
Abgesehen davon, dass ich das Wort Lupinen mag und irgendwie "brauchbar" finde: Deine Sprache ist mir hier einfach zu "altertümelnd" (sorry). Mag sein, dass Du Dich auf etwas beziehst, was ich nicht kenne (und was zu kennen alles erklären/ relativieren würde); mit meinem derzeitigen Wissensstand komme ich hier nicht weit.
-
Max
Lieber Last,
das ist ganz komisch: Ich habe beinahe den entgegengesetzten Eindruck wie Amanita.
Ich lese in dem Gedicht den Versuch veschiedene Perspketiven in Deckung zu bekommen, was in meinen Augen ja ein generelles Problem von Literatur ist. Die Reimform macht in diesem Fall für mich den Text nicht künstlich oder schwer (leicht empfinde ich es anders), sondern eher leichter.
Allerdings die Lupinen erscheinen mir, ummit Amanita zu sprechen "irgendwie unbrauchbar" - weil die Idee ja originell ist - aber zumindest nicht neu. Ich habe den Eindruck, wenn Bachmann die Lupinen in der gestundeten Zeit auslöschen mag, kann man sie 50 Jahre später nicht kalt lächelnd weiterscheinen lassen ... wennn man mit einer Idee arbeitet, dann müsste das in meinen Augen eine Reklektion des Bachmannschen Bildes sein.
Liebe Grüße
max
das ist ganz komisch: Ich habe beinahe den entgegengesetzten Eindruck wie Amanita.
Ich lese in dem Gedicht den Versuch veschiedene Perspketiven in Deckung zu bekommen, was in meinen Augen ja ein generelles Problem von Literatur ist. Die Reimform macht in diesem Fall für mich den Text nicht künstlich oder schwer (leicht empfinde ich es anders), sondern eher leichter.
Allerdings die Lupinen erscheinen mir, ummit Amanita zu sprechen "irgendwie unbrauchbar" - weil die Idee ja originell ist - aber zumindest nicht neu. Ich habe den Eindruck, wenn Bachmann die Lupinen in der gestundeten Zeit auslöschen mag, kann man sie 50 Jahre später nicht kalt lächelnd weiterscheinen lassen ... wennn man mit einer Idee arbeitet, dann müsste das in meinen Augen eine Reklektion des Bachmannschen Bildes sein.
Liebe Grüße
max
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Last
Hallo ihr beiden,
ja, was soll ich dazu sagen? Die Kritikpunkte sind natürlich nachvollziehbar.
Wenn der Umgang mit dem Zitat missrät, weil er nicht als reflektierend verstanden wird, sich das Zitat also unbeteiligt, bzw. ungebraucht bis unbrauchbar im Text befindet und von sich aus keine erwähnenswerte Wirkung auf den Text entfalten kann, dann fehlt dem Gedicht ein Eckpfeiler, ohne den es kaum stehen kann.
Wenn andererseits die Sprache sich durch Reim und Versmaß versperrt und manche Formulierungen als nicht mehr zeitgemäß empfunden werden (so verstehe ich den Vorwurf des "Altertümelndens"), dann leidet darunter der Gesamteindruck des Gedichts enorm, bis hin zum gänzlichen Missfallen.
Interessant wäre dann vielleicht noch, welche Vokabeln den altertümelnden Eindruck verursachen? Wobei meiner Meinung nach nur die Worte Lupinen und entschwanden dafür in Frage kommen, weshalb ich eher den Eindruck habe, dass es der Duktus als Ganzes ist, der stört. Insbesondere die Verse 3 und 10, die vom Jambus in den Daktylus wechseln, könnten überpointiert sein und sich somit altbacken anhören.
LG
Last
ja, was soll ich dazu sagen? Die Kritikpunkte sind natürlich nachvollziehbar.
Wenn der Umgang mit dem Zitat missrät, weil er nicht als reflektierend verstanden wird, sich das Zitat also unbeteiligt, bzw. ungebraucht bis unbrauchbar im Text befindet und von sich aus keine erwähnenswerte Wirkung auf den Text entfalten kann, dann fehlt dem Gedicht ein Eckpfeiler, ohne den es kaum stehen kann.
Wenn andererseits die Sprache sich durch Reim und Versmaß versperrt und manche Formulierungen als nicht mehr zeitgemäß empfunden werden (so verstehe ich den Vorwurf des "Altertümelndens"), dann leidet darunter der Gesamteindruck des Gedichts enorm, bis hin zum gänzlichen Missfallen.
Interessant wäre dann vielleicht noch, welche Vokabeln den altertümelnden Eindruck verursachen? Wobei meiner Meinung nach nur die Worte Lupinen und entschwanden dafür in Frage kommen, weshalb ich eher den Eindruck habe, dass es der Duktus als Ganzes ist, der stört. Insbesondere die Verse 3 und 10, die vom Jambus in den Daktylus wechseln, könnten überpointiert sein und sich somit altbacken anhören.
LG
Last
Ja, Du wirst recht haben: Das Versmaß spielt für meinen Eindruck eine wesentliche Rolle.
Aber vor allem ist es der Zusammenhang, Zusammenklang: Wörter wie erscheinen, entschwinden usw. zusammen mit den vielen apostrophierten Versionen plus Versmaß - alles bringt mich ins Altertümliche!
Aber vor allem ist es der Zusammenhang, Zusammenklang: Wörter wie erscheinen, entschwinden usw. zusammen mit den vielen apostrophierten Versionen plus Versmaß - alles bringt mich ins Altertümliche!
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Last
Liebe Amanita,
jetzt habe ich einige Zeit darüber nachgedacht und denke, dass ich dir gebührend Rückmeldung auf deine Kritik geben kann - auch wenn ich (noch?) keine Veränderungen vorzunehmen gedenke.
Am Versmaß kann ich freilich nichts ändern, immerhin gehört es zum tragenden Gerüst des Gedichts. Und auch wenn es natürlich nicht 'altertümelnd' klingen sollte, ist ein nostalgischer Tenor beabsichtigt (der vielleicht etwas zu stark ausfällt?). Jedoch vertrete ich die Ansicht, dass der affektive Teil der Literatur, wenn vorhanden, bis an die Grenze der Ironie gesteigert werden sollte; worin mir sicherlich nicht jeder zustimmt, - heutzutage herrscht oft eine Vorliebe für das Schlichte vor (die ich zwar auch teile, sie aber aus einer Perspektive betrachte, die eine affektive Übersteigerung nicht ausschließt).
Grundsätzlich veränderbar wären hingegen einzelne Worte, - es sei denn, sie haben so wie sie jetzt da stehen eine hervorgehobene Bedeutung.
Ich habe mal die von dir kritisierten Stellen markiert, damit klar ist, worüber wir reden. Vielleicht schaltet sich ja doch noch jemand in die Diskussion ein und kann genau hier ansetzen. Und vielleicht schaust auch du nochmal kurz rein, ob das auch alle zu kritisierenden Stellen sind.
Nur Einer streunte durch die Gegend,
mit zugekniff'nem Aug', abwägend
das ärmliche Licht der Lupinen;
auch die Passanten
verzogen ihre Minen,
die seinen Blick wohl missverstanden,
die glaubten wohl: er gelte ihnen.
Zwei Augenblicke, die gleich einem
in einem Blickwinkel erscheinen,
im ärmlichen Licht der Lupinen;
auch die Bekannten
erwogen bloß, was ihnen
in ihrem Aug' einmal erschienen,
bevor sie seinem Blick entschwanden.
Nun zu meiner "Verteidigung":
LG
Last
jetzt habe ich einige Zeit darüber nachgedacht und denke, dass ich dir gebührend Rückmeldung auf deine Kritik geben kann - auch wenn ich (noch?) keine Veränderungen vorzunehmen gedenke.
Am Versmaß kann ich freilich nichts ändern, immerhin gehört es zum tragenden Gerüst des Gedichts. Und auch wenn es natürlich nicht 'altertümelnd' klingen sollte, ist ein nostalgischer Tenor beabsichtigt (der vielleicht etwas zu stark ausfällt?). Jedoch vertrete ich die Ansicht, dass der affektive Teil der Literatur, wenn vorhanden, bis an die Grenze der Ironie gesteigert werden sollte; worin mir sicherlich nicht jeder zustimmt, - heutzutage herrscht oft eine Vorliebe für das Schlichte vor (die ich zwar auch teile, sie aber aus einer Perspektive betrachte, die eine affektive Übersteigerung nicht ausschließt).
Grundsätzlich veränderbar wären hingegen einzelne Worte, - es sei denn, sie haben so wie sie jetzt da stehen eine hervorgehobene Bedeutung.
Ich habe mal die von dir kritisierten Stellen markiert, damit klar ist, worüber wir reden. Vielleicht schaltet sich ja doch noch jemand in die Diskussion ein und kann genau hier ansetzen. Und vielleicht schaust auch du nochmal kurz rein, ob das auch alle zu kritisierenden Stellen sind.
Nur Einer streunte durch die Gegend,
mit zugekniff'nem Aug', abwägend
das ärmliche Licht der Lupinen;
auch die Passanten
verzogen ihre Minen,
die seinen Blick wohl missverstanden,
die glaubten wohl: er gelte ihnen.
Zwei Augenblicke, die gleich einem
in einem Blickwinkel erscheinen,
im ärmlichen Licht der Lupinen;
auch die Bekannten
erwogen bloß, was ihnen
in ihrem Aug' einmal erschienen,
bevor sie seinem Blick entschwanden.
Nun zu meiner "Verteidigung":
- Dass ich Aug' (wiederholt) apostrophiere und somit auf das Ganze, Auge, verzichte, empfinde ich als sinnfällig. Insbesondere in der ersten Strophe entsteht ja in Verbindung mit dem nachfolgenden Komma eine Zäsur zwischen "Aug'" und "abwägend", die ich - auch in Hinblick auf Max' Vorwurf, der fehlenden Reflexion - als den Text tragend erachte.
- Auch das "erscheinen" gehört diesem kunst-reflexiven, den Text tragenden Vokabular an.
- "entschwanden" soll zwar mit dem Erscheinen eine Aporie bilden, - ich könnte mir aber auch einen neu formulierten Vers vorstellen, der das modernere(?) Wort "verschwanden" an diese Stelle setzt.
LG
Last
Hallo Last!
Nur eine kleine Zwischenbemerkung - gerade das doppelte ""Apostrophieren" vor Vokal erhöht den altertümelnden Eindruck stark, weil diese früher unvermeidbare "Hiat-Vermeidung" ja nun wirklich und zu recht Geschichte ist. Aber vielleicht wirkt ja gerade, weil es so aussieht, als ob du dieser Regel folgst, deine Absicht einer Zäsurstärkung nicht beim Leser?! Ich jedenfalls lese auch mit "Auge" eine deutliche Zäsur un d sehe da keinen Unterschied.
Ferdigruß!
Nur eine kleine Zwischenbemerkung - gerade das doppelte ""Apostrophieren" vor Vokal erhöht den altertümelnden Eindruck stark, weil diese früher unvermeidbare "Hiat-Vermeidung" ja nun wirklich und zu recht Geschichte ist. Aber vielleicht wirkt ja gerade, weil es so aussieht, als ob du dieser Regel folgst, deine Absicht einer Zäsurstärkung nicht beim Leser?! Ich jedenfalls lese auch mit "Auge" eine deutliche Zäsur un d sehe da keinen Unterschied.
Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
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