Besucher
Lehmige Schritte
und Mundgerüche
breiten sie in
weißen Zimmern aus
Sie falten Glacé
mit hornigen Händen
treten auf Reste
beäugen, befühlen
vertreiben
den alten Geist
Besucher
Hallo Amanita, für mich stehen die beiden Textelemente (vertreiben - den alten Geist) für Veränderung und fügen sich damit gut in den Gesamttext ein. "Vertreiben" würde ich noch an die vorhergehende Verbaufzählung einfügen.
Zuletzt geändert von Eule am 20.02.2011, 12:11, insgesamt 1-mal geändert.
Ein Klang zum Sprachspiel.
Liebe Amanita,
ich verstehe den Text gar nicht - kann also deine Frage nicht beantworten, denn das ist gerade die Frage: was ist gemeint mit "alter Geist"? Ein mal dagewesener Mensch, der verhaucht? Oder etwas von den Besuchern selbst? Oder etwas vom Ich?
Und was ist Glacé hier?
Du siehst, noch lauter Fragezeichen
liebe Grüße,
Lisa
ich verstehe den Text gar nicht - kann also deine Frage nicht beantworten, denn das ist gerade die Frage: was ist gemeint mit "alter Geist"? Ein mal dagewesener Mensch, der verhaucht? Oder etwas von den Besuchern selbst? Oder etwas vom Ich?
Und was ist Glacé hier?
Du siehst, noch lauter Fragezeichen

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Jetzt würde mich schon mal interessieren, was Arne herausgelesen hat ... mit "Veränderung" scheint er auf der richtigen Fährte.
Es geht um Fremde, die sich in etwas Vertrautes "einmischen" - ich habe aber bewusst das Wort "Fremde" vermieden, weil es natürlich keinesfalls um Fremdenfeindliches geht (das ist mir sehr wichtig), sondern um ein Ausgeliefertsein innerhalb einer bestimmten Situation.
Eine Freundin, die aus ihrem Haus ausziehen muss, berichtete mir:"Und dann latschen die fremden Leute durch meine privaten Zimmer und schauen sich alles an". DAS habe ich ja gerade zur Genüge - ich weiß nicht, wie viele mir unbekannte Leute durch das Haus meiner Mutter gelaufen sind, manche höflich, andere dreist - und fand es einen kurzen Text wert.
Es geht um Fremde, die sich in etwas Vertrautes "einmischen" - ich habe aber bewusst das Wort "Fremde" vermieden, weil es natürlich keinesfalls um Fremdenfeindliches geht (das ist mir sehr wichtig), sondern um ein Ausgeliefertsein innerhalb einer bestimmten Situation.
Eine Freundin, die aus ihrem Haus ausziehen muss, berichtete mir:"Und dann latschen die fremden Leute durch meine privaten Zimmer und schauen sich alles an". DAS habe ich ja gerade zur Genüge - ich weiß nicht, wie viele mir unbekannte Leute durch das Haus meiner Mutter gelaufen sind, manche höflich, andere dreist - und fand es einen kurzen Text wert.
Hallo Amanita,
als ich deine Zeilen las, hatte ich eine Art Museum vor Augen, in das Besucher in Massen einfallen, mit dreckigen Schuhen, die Leute alles anfassen, respektlos mit der Kunst umgehen und somit "den alten Geist", sprich die Ruhe und Würde, die in diesen großen, hellen Räumen herrscht, massiv stören.
Einzig mit dem "Sie falten Glacé mit hornigen Händen" komme ich nicht klar, da ich immer an Glacéhandschuhe denken muss.
Saludos
Gabriella
als ich deine Zeilen las, hatte ich eine Art Museum vor Augen, in das Besucher in Massen einfallen, mit dreckigen Schuhen, die Leute alles anfassen, respektlos mit der Kunst umgehen und somit "den alten Geist", sprich die Ruhe und Würde, die in diesen großen, hellen Räumen herrscht, massiv stören.
Einzig mit dem "Sie falten Glacé mit hornigen Händen" komme ich nicht klar, da ich immer an Glacéhandschuhe denken muss.
Saludos
Gabriella
Gabriella, genau diese Atmosphäre war gemeint.
Es muss nicht Glacé sein, aber die Assoziation mit den Handschuhen ist absolut richtig: Ich brauchte ein sehr feines Material, und das Wort gefiel mit klanglich. Es könnte/ dürfte auch ausgetauscht werden!
Es muss nicht Glacé sein, aber die Assoziation mit den Handschuhen ist absolut richtig: Ich brauchte ein sehr feines Material, und das Wort gefiel mit klanglich. Es könnte/ dürfte auch ausgetauscht werden!
Hallo Amanita,
"den alten Geist" passt doch dann sehr gut, finde ich.
Hier
würde ich das "Sie" einfach streichen, damit das "falten Glacé" sich nahtlos in die Aufzählung einreiht.
"hornige Hände" versus Glacé passt m.E. auch. Der grobschlächtige Auftritt der Besucher wird dadurch verstärkt.
Saludos
Gabriella
"den alten Geist" passt doch dann sehr gut, finde ich.
Hier
Amanita hat geschrieben:Sie falten Glacé
mit hornigen Händen
würde ich das "Sie" einfach streichen, damit das "falten Glacé" sich nahtlos in die Aufzählung einreiht.
"hornige Hände" versus Glacé passt m.E. auch. Der grobschlächtige Auftritt der Besucher wird dadurch verstärkt.
Saludos
Gabriella
Liebe Amanita,
ok, danke, dass du es beschrieben hast und ich kann sagen: wenn ich eine Vermutung hatte, dann genau diese Lesart, geht also auf, ich mag dann auch, wie er sich aus konkreten Erlebnissen etwas ins unkonkrete hebt und mehr die Stimmung umkreist
. Ich finde den alten Geist dann aber passend, wüsste nicht, was daran nicht stimmig sein sollte. Vor allem, weil er am Schluss steht: die Eindringliche machen den menschlichen Bewohner endgültig zu einem alten Geist.
liebe Grüße,
Lisa
ok, danke, dass du es beschrieben hast und ich kann sagen: wenn ich eine Vermutung hatte, dann genau diese Lesart, geht also auf, ich mag dann auch, wie er sich aus konkreten Erlebnissen etwas ins unkonkrete hebt und mehr die Stimmung umkreist
. Ich finde den alten Geist dann aber passend, wüsste nicht, was daran nicht stimmig sein sollte. Vor allem, weil er am Schluss steht: die Eindringliche machen den menschlichen Bewohner endgültig zu einem alten Geist.liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
-
Max
Liebe Amanita,
die Szene, die Du beschreibst, kenne ich, als der Besuchte aber auch als Eindringling, daher finde ich sie allemal ein Gedicht wert.
Mich stört das "weiß" der Zimmer, weil es für mich nicht nur rein, sondern sterilisierend klingt - ich war bei der ersten Lektüre mit der Kombination "weiß" und "besucher" sehr schnell Richtung Krankenhaus unterwegs. Das gefaltete Gacé ergibt für mich nur in der kombination mit den Handschuhen einen wirklichen Sinn und ich frge mich, ob es damit dann nicht zu sehr oberflächliche Reaktionen hervorruft.
ist es wirklich der alte Geist der ausgetrieben wird? Für mich war es eher, als sei alles mit einem mal fremd.
Liebe Grüße
Max
die Szene, die Du beschreibst, kenne ich, als der Besuchte aber auch als Eindringling, daher finde ich sie allemal ein Gedicht wert.
Mich stört das "weiß" der Zimmer, weil es für mich nicht nur rein, sondern sterilisierend klingt - ich war bei der ersten Lektüre mit der Kombination "weiß" und "besucher" sehr schnell Richtung Krankenhaus unterwegs. Das gefaltete Gacé ergibt für mich nur in der kombination mit den Handschuhen einen wirklichen Sinn und ich frge mich, ob es damit dann nicht zu sehr oberflächliche Reaktionen hervorruft.
ist es wirklich der alte Geist der ausgetrieben wird? Für mich war es eher, als sei alles mit einem mal fremd.
Liebe Grüße
Max
-
Gerda
Liebe Amanita,
ich glaube, ich verstehe diesen Text totz der bisherigen Erläuterungen immer noch nicht.
Die Art und Weise wie der Mundgeruch benannt wird, vermittelt mir den Eindruck, als würde die Verteilung aktiv und gewollt geschehen. Menschen die Mundgeruch haben bemerken das oft nicht einmal selbst und mir fällt es schwer zu glauben, es könne im Text so gemeint sein.
Warum sind der Munggeruch und die lehmigen Schuhe die Hauptstörfaktoren?
Das Weiß der Räume irritiert mich ebenso, wie Max. Zunächst dachte in an Krankenhaus, Labor o.ä.
(Ich gehe nicht soweit zu glauben, dass du ein Museum für moderne Kunst im Sinn hattest, sondern eher alte Baudenkmäler, Ausgrabungsstätten)
Sind es denn dieselben Menschen, die Dreck machen, auf dem sie auch herumtrampeln und die ihre Glacé- Handschuhe falten? Ich kenne die hellen Baumwollhandschuhe, die man trägt, wenn kostbare Kunstwerke angefasst werden müssen. Das ist wohl nicht gemeint - oder? (Von Handschuhen steht im Text ja ohnehin nichts, sonder nur "Glacé"...
Weshalb sind die Hände hornig?
Sollten es die Hände der Besucher sein, frage ich: Kommen an diese Stätte nur alte Menschen und schauen sich alte Schätze an?
Wahrscheinlich liegt es an mir, aber ich schaffe es nicht einen Zusammenhalt zu erkennen.
Liebe Grüße
Gerda
ich glaube, ich verstehe diesen Text totz der bisherigen Erläuterungen immer noch nicht.
Die Art und Weise wie der Mundgeruch benannt wird, vermittelt mir den Eindruck, als würde die Verteilung aktiv und gewollt geschehen. Menschen die Mundgeruch haben bemerken das oft nicht einmal selbst und mir fällt es schwer zu glauben, es könne im Text so gemeint sein.
Warum sind der Munggeruch und die lehmigen Schuhe die Hauptstörfaktoren?
Das Weiß der Räume irritiert mich ebenso, wie Max. Zunächst dachte in an Krankenhaus, Labor o.ä.
(Ich gehe nicht soweit zu glauben, dass du ein Museum für moderne Kunst im Sinn hattest, sondern eher alte Baudenkmäler, Ausgrabungsstätten)
Sind es denn dieselben Menschen, die Dreck machen, auf dem sie auch herumtrampeln und die ihre Glacé- Handschuhe falten? Ich kenne die hellen Baumwollhandschuhe, die man trägt, wenn kostbare Kunstwerke angefasst werden müssen. Das ist wohl nicht gemeint - oder? (Von Handschuhen steht im Text ja ohnehin nichts, sonder nur "Glacé"...
Weshalb sind die Hände hornig?
Sollten es die Hände der Besucher sein, frage ich: Kommen an diese Stätte nur alte Menschen und schauen sich alte Schätze an?
Wahrscheinlich liegt es an mir, aber ich schaffe es nicht einen Zusammenhalt zu erkennen.
Liebe Grüße
Gerda
Lehmige Schritte: stehen für Spuren, aber auch ganz profan für Dreck - wenn 20 Besucher gucken kommen, dann ist es einfach so.
Mundgerüche: auch Zigarettengeruch usw. - die Menschen reden und bringen Gerüche mit
weiße Zimmer: Andeutung von "privater Reinheit", meins, da lass ich nichts drankommen usw., auch: eine gewisse Leere/ Aufräumen/ Abräumen
Glacé: s. o.
hornige Hände: hat nichts mit "Alter" zu tun, ist nur ein Gegensatz zu feinen Materialien, die Leute "grapschen", sind grob, betatschen alles
+ indem sie sich und ihre Spuren "ausbreiten", vertreiben sie die gewohnte Atmosphäre, versetzen den Atem des Hauses mit ihrem (siehe: Mundgerüche) - haben sie alles verändert.
Mundgerüche: auch Zigarettengeruch usw. - die Menschen reden und bringen Gerüche mit
weiße Zimmer: Andeutung von "privater Reinheit", meins, da lass ich nichts drankommen usw., auch: eine gewisse Leere/ Aufräumen/ Abräumen
Glacé: s. o.
hornige Hände: hat nichts mit "Alter" zu tun, ist nur ein Gegensatz zu feinen Materialien, die Leute "grapschen", sind grob, betatschen alles
+ indem sie sich und ihre Spuren "ausbreiten", vertreiben sie die gewohnte Atmosphäre, versetzen den Atem des Hauses mit ihrem (siehe: Mundgerüche) - haben sie alles verändert.
Liebe Amanita,
ich habe zwei sprachliche Anmerkungen. Zum einen meine ich, dass man Schritte nicht ausbreiten kann. Wenn, dann vielleicht eher Fußspuren.
Dann meinst du mit "Geist" ja so etwas wie das "Wesen" der Räume, das, was ihnen innewohnt als Atmosphäre, gefüllt durch Erinnerung, etc.
Ich finde da "den alten Geist" tatsächlich nicht glücklich, weil er auch personifiziert verstanden werden kann als eine Art Gespenst, wo es ganz wünschenswert wäre, wenn es vertrieben würde. Hier aber ist es ja eher mit einem Befremden und einem Schmerz, vielleicht sogar Zorn verbunden (wenn ich es richtig verstehe)
Vielleicht ginge es mit einem Nebensatz in der Art: "alles, was dort zuhause war"
Liebe Grüße
leonie
ich habe zwei sprachliche Anmerkungen. Zum einen meine ich, dass man Schritte nicht ausbreiten kann. Wenn, dann vielleicht eher Fußspuren.
Dann meinst du mit "Geist" ja so etwas wie das "Wesen" der Räume, das, was ihnen innewohnt als Atmosphäre, gefüllt durch Erinnerung, etc.
Ich finde da "den alten Geist" tatsächlich nicht glücklich, weil er auch personifiziert verstanden werden kann als eine Art Gespenst, wo es ganz wünschenswert wäre, wenn es vertrieben würde. Hier aber ist es ja eher mit einem Befremden und einem Schmerz, vielleicht sogar Zorn verbunden (wenn ich es richtig verstehe)
Vielleicht ginge es mit einem Nebensatz in der Art: "alles, was dort zuhause war"
Liebe Grüße
leonie
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