Beitragvon Eule » 08.02.2011, 22:38
Hallo Xanthippe, der Text enthält starke, interessante Bilder, aber auch viel Pathos, er wirkt wie eine Klage über ein "großes" Menschheitsthema in einem kleinen Einzelschicksal, und dieses perspektivische Pendeln wirkt daher zuerst ein wenig rhetorisch.
Zeile 1+2: Die Frage am Beginn klingt schon nach einer "Anrufung", nach Rätselsprache, der "Kahlschlag aller Träume" ist ein ähnlich totales, symbolisches Bild für persönliches Scheitern und die Suche nach Lebenssinn.
Dann wird die Sprache individueller, das lI macht deutlich, das trotz aller guten Gegengründe der Vernunft die Persönlichkeit des Einzelnen gefragt ist, sich mit seinem Schicksal auseinanderzusetzen.
Begreift man den Text als Versuch, eine entsprechende Lebenssituation verallgemeinernd zu beschreiben, macht die sprachliche Gestaltung wieder Sinn, und auch die Suche des Einzelnen nach einem "allgemeinen Sinnrahmen" ist sicher ein menschliches Phänomen. Trotzdem bleibt bei mir, nach dem Lese- und Interpretationsvergnügen, ein kleines Fragezeichen zu dieser Unstimmigkeit, dieser Diskrepanz zwischen Inhalt und Form stehen.
Ein Klang zum Sprachspiel.