ohne Titel

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Teya

Beitragvon Teya » 29.01.2011, 22:56

Ich sage
ich liebe dich
du sagst
ich ichich ich.

Herby

Beitragvon Herby » 01.02.2011, 08:28

Hallo Teya,

ich hab dich noch gar nicht begrüßt, daher erst einmal ein herzliches Willkommen in unserer Runde hier :smile:

Dein Text kommt mir in seiner Aussage auf den ersten Blick recht eindeutig vor - so eindeutig, daß ich schon überlegt habe, ob ich ihn unterschätze. A liebt B, der/die in der Beziehung nur/hauptsächlich an sich selbst denkt. Wobei mir auffiel, daß das, was ich zunächst für einen Tippfehler hielt, ja vielleicht intendiert ist: das "ichich" nimmt nicht nur die Verbposition ein, sondern hat auch zwei Silben wie das zuvor verwendete Verb "liebe".

Dennoch lässt mich der Text leicht unbefriedigt als Leser zurück, weil ich die Umsetzung der oben dargelegten Idee (wenn sie denn so überhaupt zutreffen sollte) etwas dünn finde, da würde ich mir noch mehr Tiefe wünschen.

Liebe Grüße,
Herby

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 01.02.2011, 08:35

Was ich gut finde: Es ist und bleibt in der Schwebe, ob das "Du" vor Aufregung stottert oder ein hoffnungsloser Egozentriker ist. Im letzten Fall fragt man sich aber, was das Ich am Du eigentlich liebt.

Die Schlichtheit des Textes begeistert mich!

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 01.02.2011, 09:08

Hallo Teya,

ich finde das ist raffiniert gemacht, weil die Zuordnung für mich nur auf den ersten Blick eindeutig ist. Aber ein anderer Tonfall könnte das ganze kippen lassen. Schön, wie man hier mit der Stimme spielen kann und ganz unterschiedliche Beziehungshintergründe auftauchen. Vielleicht ist auch die letzte Zeile ein Vorwurf, oder eine Feststellung.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 01.02.2011, 11:40

Hallo Teya,

ich lese es so, dass A sagt: Ich liebe dich
und B kann es nicht aussprechen, stottert, will es auch sagen, kann es aber nicht, bringt es nicht über die Lippen. So geht es ja vielen. Dein Kurzzeiler ist quasi ein Spiegel der heutigen Beziehungs-Gesellschaft.

Saludos
Gabriella

Gerda

Beitragvon Gerda » 01.02.2011, 15:44

Hallo Teya,

in die wenigen Worte ist an Bedeutung schon einiges hineininterpretiert worden.
Stottert das Gegenüber des Lyrich? schafft es nicht aus dem "ich" das "(d)ich" zu machen?
Welche Aussage hätten die Zeilen würde ich dieses unterstellen? (Mensch mit Behinderung=arm dran??)
Möglicherweise will sie/er auch sagen ich "(n)ich(t)" ...?
Soll es komisch sein? Ich weiß es nicht.
Ich habe Texte, die Fragen aufwerfen grundsätzlich gern. Hier kann ich drehen und wenden, für mich bleibt dieser schlicht zu banal, hängt für mich in der Luft.

Liebe Grüße
Gerda

Niko

Beitragvon Niko » 01.02.2011, 21:01

"fragt auch mal jemand, was mit mir ist?" - die frage sehe ich auch hinter dem "ich, ich, ich"

sehr feiner text!

liebe grüße: niko

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Zefira
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Beitragvon Zefira » 01.02.2011, 23:00

Ich sehe in der zweiten Person ein kleines Kind - und das macht dieses Gedicht für mich wunderschön ...

lG Zefira
Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser holen.

(Ikkyu Sojun)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.02.2011, 00:14

Zefi, das ist ja eine wunderbare Lesart! Da wäre ich nie drauf gekommen.
Ja, dann ist es wirklich ein sehr anrührendes Gedicht.

Gerda

Beitragvon Gerda » 02.02.2011, 00:44

Gabriella und Zefi,

sagt man zu einem kleinen Kind nicht eher: Ich hab dich lieb?, statt ich liebe dich? (Meine Großen waren auch mal klein und selbst jetzt ...)

Grüße in Nacht
Gerda

Mucki
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Beitragvon Mucki » 02.02.2011, 00:58

Kommt wohl auf die Eltern an. Ich selbst kenne das auch nicht in dieser Form, aber ich finde, dass man diese Zeilen durchaus auch so lesen könnte.
Schon kurios, wie viele Möglichkeiten der Interpretation es hier gibt.

Teya

Beitragvon Teya » 02.02.2011, 02:51

Hallo zusammen,

freut mich, wie unterschiedlich ihr die vier Zeilen lest. Nachdem ich sie online gestellt hab und erstmal gar kein Kommentar kam, dachte ich schon, dass einfach keiner was mit ihnen anfangen kann. Umso schöner, dass jetzt das Gegenteil zutrifft, zumindest für einige von euch.
Ich finde eure Gedanken dazu wirklich schön. Und kann auch mit der Meinung leben, dass da außer einer krummen Form nicht viel ist. So viel Raum sollte das Gedicht lassen, das war auch ein bisschen die Intention dabei.

Lieben Gruß,
Teya


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