Reise
In die Fremde
war ich geworfen
als ich Wassermensch
atmen musste
Anfangs war ich nie einsam
und wusste es nicht
Rückwärts träumte ich
mich in den rosigen Leib
Suchte die Liebe
deren Wörter wollte ich
singen und essen
und malen
Ich weiß: Noch einmal
muss ich ins Fremde
verlerne zu sprechen
zu lieben, zu atmen
Das Wasser wird Staub
Reise
Hallo Amanita,
bieder ist dein Gedicht mit Sicherheit nicht! Ich finde es anregend, ich lese von Geburt, dem Gefühl im Mutterleib, dem Wunsch, in das dortige Gefühl der "Zweisamkeit" und Geborgenheit zurückzukehren.
Über die letzte Strophe muss ich noch nachdenken. Ich nehme an, dass du hier den unwiederbringlich irgendwann eintretenden Tod beschreibst, was die letzte Zeile bestätigen würde, somit insgesamt der Kreislauf des Lebens, daher auch der Titel "Reise".
Saludos
Gabriella
bieder ist dein Gedicht mit Sicherheit nicht! Ich finde es anregend, ich lese von Geburt, dem Gefühl im Mutterleib, dem Wunsch, in das dortige Gefühl der "Zweisamkeit" und Geborgenheit zurückzukehren.
Über die letzte Strophe muss ich noch nachdenken. Ich nehme an, dass du hier den unwiederbringlich irgendwann eintretenden Tod beschreibst, was die letzte Zeile bestätigen würde, somit insgesamt der Kreislauf des Lebens, daher auch der Titel "Reise".
Saludos
Gabriella
-
Gerda
Liebe Amanita,
ich würde deinen Text so verstehen wie Gabriella es schon geschrieben hat.
Allerdings habe ich den Eindruck, das Strophe 1 und 2 eigentlich die Plätze tauschen müssten, wenn ich von der intendierten Chronologie, ausgehe.
Das Thema ist nicht neu und auch, dass du es in die "Reise-Metapher" gegossen hast, überrascht mich nicht.
Die Vorstellung jedoch, dass sich ein Embryo bereits in einen rosigen Leib träumt halte ich nicht für wahrscheinlich und dieser Vers, so finde ich, macht den Text schon ein wenig kitschverdächtig.
Die für meinen Geschmack zu getragene Sprache verleiht dem Text "Gewichtigkeit", ich glaube dadurch verpufft etwas von der Wirkung, die er haben könnte.
Liebe Grüße
Gerda
ich würde deinen Text so verstehen wie Gabriella es schon geschrieben hat.
Allerdings habe ich den Eindruck, das Strophe 1 und 2 eigentlich die Plätze tauschen müssten, wenn ich von der intendierten Chronologie, ausgehe.
Das Thema ist nicht neu und auch, dass du es in die "Reise-Metapher" gegossen hast, überrascht mich nicht.
Die Vorstellung jedoch, dass sich ein Embryo bereits in einen rosigen Leib träumt halte ich nicht für wahrscheinlich und dieser Vers, so finde ich, macht den Text schon ein wenig kitschverdächtig.
Die für meinen Geschmack zu getragene Sprache verleiht dem Text "Gewichtigkeit", ich glaube dadurch verpufft etwas von der Wirkung, die er haben könnte.
Liebe Grüße
Gerda
Liebe Amanita,
ich finde, Gerda hat in ihrem letzten Absatz gut getroffen, warum der Text einen vielleicht nicht so anrührt (mich jedenfalls auch nicht so besonders), obwohl er ja tatsächlich ein Thema hat, wo jeder eine Sehnsucht hat (ich jedenfalls schon). Nicht zuletzt deshalb wurde das Thema schon so oft bearbeitet. Mich beschleicht zudem das Gefühl, dass der Text zwar sehr sinnlich arbeiten/sprechen will, aber eigentlich sehr kopfgemacht ist, es wird für mich nicht durch den Schmerz gegangen, sondern daneben entlang erzählt, in einer Vorstellung ganz dicht daneben denkgeträumt. So habe ich das Gefühl, als könnte die Erzählstimme nicht hingucken, wo sie hingucken will und zieht das ganze dann mit dem Denken durch. Es gibt sicher auch direkte Zugänge zu Dingen, die hinter einer gewissen Grenze liegen, aber wenn der direkte verstellt ist (und so scheint es mir hier), sollte der Text sich für dieses Problem öffnen und darin seine Auseinanersetzung mit seiner Sprache, seinen Bildern, seiner Konstruktion suchen.
Das fehlt mir hier noch.
liebe Grüße,
Lisa
ich finde, Gerda hat in ihrem letzten Absatz gut getroffen, warum der Text einen vielleicht nicht so anrührt (mich jedenfalls auch nicht so besonders), obwohl er ja tatsächlich ein Thema hat, wo jeder eine Sehnsucht hat (ich jedenfalls schon). Nicht zuletzt deshalb wurde das Thema schon so oft bearbeitet. Mich beschleicht zudem das Gefühl, dass der Text zwar sehr sinnlich arbeiten/sprechen will, aber eigentlich sehr kopfgemacht ist, es wird für mich nicht durch den Schmerz gegangen, sondern daneben entlang erzählt, in einer Vorstellung ganz dicht daneben denkgeträumt. So habe ich das Gefühl, als könnte die Erzählstimme nicht hingucken, wo sie hingucken will und zieht das ganze dann mit dem Denken durch. Es gibt sicher auch direkte Zugänge zu Dingen, die hinter einer gewissen Grenze liegen, aber wenn der direkte verstellt ist (und so scheint es mir hier), sollte der Text sich für dieses Problem öffnen und darin seine Auseinanersetzung mit seiner Sprache, seinen Bildern, seiner Konstruktion suchen.
Das fehlt mir hier noch.
liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Sicher ist das Thema nicht neu, aber ich persönlich finde es immer wieder interessant.
Und dein Einstieg, Amanita, gefällt mir sehr
da er für mich schon etwas Neues hat.
Und dein Einstieg, Amanita, gefällt mir sehr
Amanita hat geschrieben:In die Fremde
war ich geworfen
als ich Wassermensch
atmen musste
da er für mich schon etwas Neues hat.
Witzig ... ja, kopfgesteuert könnte sein, teilweise jedenfalls.
ABER: Ist das denn ein Negativ-Kriterium? Ich halte es für neutral! Ich schreibe gern mal distanziert ... wirkt das denn konstruiert auf Euch?
Gerade bei solchen Themen sperre ich gern bewusst das Pathos aus.
Könnte/ müsste man was ändern? Oder wäre die Baustelle zu groß, dass man besser alles einreißt und neu beginnt?
ABER: Ist das denn ein Negativ-Kriterium? Ich halte es für neutral! Ich schreibe gern mal distanziert ... wirkt das denn konstruiert auf Euch?
Gerade bei solchen Themen sperre ich gern bewusst das Pathos aus.
Könnte/ müsste man was ändern? Oder wäre die Baustelle zu groß, dass man besser alles einreißt und neu beginnt?
Hallo Gabriella,
der "Wassermensch"-gedanke ist für mich eher verquer - zusammen mit dem Atmen müssen (muss man ja als Wasserwesen auch @Definition Atmen) wirkt das dann auf mich aus "Hilflosigkeit" romantisiert. Und das Geworfenwerden ist ja seit einigen philosophischen Bewegungen schon sehr "klassisch" als Idee mit der Geburt verbunden.
Außerdem frage ich mich, ob es wirklich ein Atmenmüssen ist zu diesem Zeitpunkt. Trifft es das wirklich? Oder beschreibt man es eben genau erst hinterher so?
Liebe Amanita,
Na ja: Verkopft ist schon eher krampfig, denke ich. Was aber nicht heißt, dass mit dem Kopf schlecht sein muss. Hier habe ich eben vermeint zu spüren, dass du eigentlich nicht mit dem Kopf rangehen wolltest und es dann aber doch nur mit dem Kopf "bewältigt" werden konnte.
Ich bin weit davon entfernt, so einen Text schreiben zu können,wie dir vorschwebte. Meine Tipps sind sicher nicht sehr ...weitreichend und fragwürdig. Zudem bin ich wider Willen auch ein ziemlicher Kopffüßler. Trotzdem sag ich es jetzt mal: Ich glaube, dass du da etwas auf der Spur bist, das hab ich trotz allem Mäkeln gespürt. Ich würde daher versuchen von ganz verschiedenen Ansätzen her nochmal auf das zuzugehen, was du eigentlich einfangen wolltest.
Für mich ist der Kern des Textes:
Anfangs war ich nie einsam
und wusste es nicht
und dass du es am Wasser und am Körper entlang erzählen willst...da könnte man ansetzen...mein Gefühl.
liebe Grüße,
Lisa
der "Wassermensch"-gedanke ist für mich eher verquer - zusammen mit dem Atmen müssen (muss man ja als Wasserwesen auch @Definition Atmen) wirkt das dann auf mich aus "Hilflosigkeit" romantisiert. Und das Geworfenwerden ist ja seit einigen philosophischen Bewegungen schon sehr "klassisch" als Idee mit der Geburt verbunden.
Außerdem frage ich mich, ob es wirklich ein Atmenmüssen ist zu diesem Zeitpunkt. Trifft es das wirklich? Oder beschreibt man es eben genau erst hinterher so?
Liebe Amanita,
Na ja: Verkopft ist schon eher krampfig, denke ich. Was aber nicht heißt, dass mit dem Kopf schlecht sein muss. Hier habe ich eben vermeint zu spüren, dass du eigentlich nicht mit dem Kopf rangehen wolltest und es dann aber doch nur mit dem Kopf "bewältigt" werden konnte.
Ich bin weit davon entfernt, so einen Text schreiben zu können,wie dir vorschwebte. Meine Tipps sind sicher nicht sehr ...weitreichend und fragwürdig. Zudem bin ich wider Willen auch ein ziemlicher Kopffüßler. Trotzdem sag ich es jetzt mal: Ich glaube, dass du da etwas auf der Spur bist, das hab ich trotz allem Mäkeln gespürt. Ich würde daher versuchen von ganz verschiedenen Ansätzen her nochmal auf das zuzugehen, was du eigentlich einfangen wolltest.
Für mich ist der Kern des Textes:
Anfangs war ich nie einsam
und wusste es nicht
und dass du es am Wasser und am Körper entlang erzählen willst...da könnte man ansetzen...mein Gefühl.
liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Hallo Amanita,
vielleicht wäre dies eine Richtung, in die du gehen könntest. Wenn du z.B. einen Absatz einfügst vor "Rückwärts ..."
bezieht sich dieser Passus ganz klar nicht auf die embryonale Phase, sondern eben auf die Erwachsenenphase.
Dies wäre meine Idee, aber vielleicht verändert sie für dich zu sehr den Sinn:
In die Fremde geworfen
musste ich Wassermensch atmen
Anfangs war ich nie einsam
und wusste es nicht
Rückwärts träumte ich
mich in den Leib
suchte Liebe
wollte sie singen essen malen
Noch einmal
muss ich ins Fremde
sprechen lieben atmen
verlernen
Das Wasser wird Staub
Saludos
Gabriella
vielleicht wäre dies eine Richtung, in die du gehen könntest. Wenn du z.B. einen Absatz einfügst vor "Rückwärts ..."
bezieht sich dieser Passus ganz klar nicht auf die embryonale Phase, sondern eben auf die Erwachsenenphase.
Dies wäre meine Idee, aber vielleicht verändert sie für dich zu sehr den Sinn:
In die Fremde geworfen
musste ich Wassermensch atmen
Anfangs war ich nie einsam
und wusste es nicht
Rückwärts träumte ich
mich in den Leib
suchte Liebe
wollte sie singen essen malen
Noch einmal
muss ich ins Fremde
sprechen lieben atmen
verlernen
Das Wasser wird Staub
Saludos
Gabriella
-
Gerda
Liebe Amanita,
Schließt denn ein kopfgesteuerter Text Pathos aus?
Ich finde, das Pathos durchaus mit Hirn und Verstand zu tun haben kann, wenn es bewusst als Stilmittel verwendet wird.
Du schreibst, dass du diesen Text eher distanziert geschrieben hast.
Einen Text kopfgesteuert zu schreiben heißt nicht, dass er automatisch distanziert ist.
Finde das schwierig, in diesen Kategorien eine solche Trennung herbeizuführen.
Ich glaube, dass echtes Gefühl, zu Papier gebracht, durch den Kopf (Verstand) häufig gewinnen kann.
Das Auffinden von Metaphern ist sicherlich nicht reine Gefühlssache ...
Liebe Grüße
Gerda
Schließt denn ein kopfgesteuerter Text Pathos aus?
Ich finde, das Pathos durchaus mit Hirn und Verstand zu tun haben kann, wenn es bewusst als Stilmittel verwendet wird.
Du schreibst, dass du diesen Text eher distanziert geschrieben hast.
Einen Text kopfgesteuert zu schreiben heißt nicht, dass er automatisch distanziert ist.
Finde das schwierig, in diesen Kategorien eine solche Trennung herbeizuführen.
Ich glaube, dass echtes Gefühl, zu Papier gebracht, durch den Kopf (Verstand) häufig gewinnen kann.
Das Auffinden von Metaphern ist sicherlich nicht reine Gefühlssache ...
Liebe Grüße
Gerda
Ja, Gerda, so ähnlich sehe ich das auch: Das Schaffen neuer Zusammenhänge, diese Verwobenheit von "Kopf", Aleatorik, Erfahrung (inklusive Kunstrezeption), subjektivem Empfinden usw. ist für mich künstlerisches Arbeiten.
... dann meinte ich "unbewusstes" Pathos versus bewusstes Ausschließen/ Wegschließen von Pathos.
Klar, man könnte es (das Pathos) auch bewusst einsetzen, dafür gäbe es massenhaft Beispiele (bin aber jetzt zu müde!).
... dann meinte ich "unbewusstes" Pathos versus bewusstes Ausschließen/ Wegschließen von Pathos.
Klar, man könnte es (das Pathos) auch bewusst einsetzen, dafür gäbe es massenhaft Beispiele (bin aber jetzt zu müde!).
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