Passkontrolle

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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leonie
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Beitragvon leonie » 02.01.2011, 21:29

Sich selbst
dann und wann
abgleichen

als halte man
ein Photo
in der Hand

Feststellen,
dass in den Stürmen
das Haar gelitten hat

Das Gesicht aber
sich wahren ließ


Erstfassung:

Sich gelegentlich
mit sich selbst abgleichen.
Als halte man ein Photo in der Hand.

Feststellen, dass
in allen Stürmen
nicht nur das Haar
gelitten hat.

Das Gesicht aber
im Wesentlichen
sich wahren ließ.

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 03.01.2011, 19:14

hallo leonie,

ich kenne mankell kaum, habe bislang lediglich "Die italienischen Schuhe" und "Der Chinese" gelesen. aber mich interessiert, was genau dich zu diesem gedicht inspiriert hat. kannst du das enthüllen? :-)

ich mag den gedanken, der hinter den zeilen steckt. dass man das SELBST versuchen sollte zu wahren und, dass es vielleicht einer der größten erfolge im leben sein kann, wenn man diese aufgabe bewältigt. den "abgleich-gedanken" finde ich interessant. allerdings muss ich leiderleider anmerken, dass wohl nicht nur das haar (das mag bei herrn mankell der fall sein, ich kenne seinen schopf nicht) leidet in den stürmen...

sehr gern gelesen.

lga

Gerda

Beitragvon Gerda » 03.01.2011, 19:31

Liebe Leonie,

nur eine kleine Anmerkung zu deinen Versen: Wäre es nicht logischer, die Aussage zu treffen
...in allen Stürmen nicht nur das Haar gelitten hat
ließ sich das Gesicht im Wesentlichen wahren
Denn du hebst den Text mit dieser Feststellung auf die Metaebene. "Das Gesicht wahren" hat nichts mit Falten, Altersflecken oder Haarausfall zu tun.

Jedenfalls habe ich das so verstanden.

Liebe Grüße
Gerda

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leonie
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Beitragvon leonie » 03.01.2011, 19:41

Liebe a., liebe Gerda,

Ihr habe natürlich recht, es ist nicht nur das Haar, das ändere ich sofort.

Es ist einfach ein Gedanke, den ich geklaut habe, ich habe gerade "Daisy Sisters" gelesen und da steht eine der Protagonistinnen an der Passkontrolle und denkt in diese Richtung. Das habe ich etwas poetisiert und vertieft und wollte nicht so tun, als sei die Idee von mir.

Danke Euch beiden, ich freue mich!

Liebe Grüße

leonie

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 03.01.2011, 20:52

Hallo Leonie!

Ich bin ja inzwischen so weit, dass ich mich unter Gedichten gar nicht mehr zu Wort melden möchte aus Verzweiflung - aber du bist ja im allgemeinen sehr geduldig mit mir, daher schreibe ich hier doch mal was ;-)

Der Grund meiner Verzweiflung? Na ja, die Sprache wird notgedrungen immer unsinnlicher, "logifizierter", und ich kann mich einfach der allgemeinen Bereitschaft nicht anschließen, diese Unsinnlichkeit in die Dichtung zu übernehmen. Ich will immer dagegen ankämpfen, und zack! schon treibt mich der einleitende Anschnitt deines Gedichts in den Wahnsinn ;-)

Nimm das gelegentlich - das ist ein reines "Aufgabenwort", eine "Sinnsilbe", drei unbetonte "Arbeitssilben" - da schaltet sich sofort der Sinnlichkeitssucher ein :-) Auspucken tut er: dann und wann. Ob das jetzt besser ist, weiß ich nicht, aber fester, kerniger scheint es mir schon?

Dann die beiden(!) sich, das mit... Aber ich sag schon nichts mehr. Vielleicht nur noch, dass der Anfang des ersten Abschnitts bei mir wahrscheinlich so aussehen würde:

Dann und wann
das Selbst
mit sich abgleichen


(Oder "abgleichen mit sich"? Ich weiß gar nicht, ob das mit sich nicht weggelassen werden könnte? Das steckt in der Photo-Zeile etwas drin, finde ich... Aber ist "etwas" genug?)

Ist "halte" eigentlich die richtige Möglichkeitsform? Nicht "hielte"?

Im zweiten Abschnitt hätte ich nicht nur kein "nicht" ergänzt, sondern sogar das "nur" gestrichen - das Haar kann da ganz gut als Stellvertreter für den mitgemeinten Rest sehen, finde ich. Dass der Satz einfach nach Sinneinheiten durch die Zeilen fällt - weiß nicht... Ich könnte mir vorstellen, dass der Versuch, ohne den Nebensatz auszukommen, fruchtbar wäre.

Im dritten Abschnitt treibt mich (erwartungsgemäß) das im wesentlichen auf die Palme ;-) Aber ich wollte ja still sein, also bin ich's jetzt auch.

Ferdigruß :-)
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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leonie
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Beitragvon leonie » 04.01.2011, 12:19

Lieber ferdi,

ich brauche einen Moment, um in Ruhe zu antworten, aber schon einmal: danke, dass Du doch geschrieben hast!


Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 04.01.2011, 21:15

Lieber Ferdi, liebe leonie,

was spräche denn dann gegen

Dann und wann
das Selbst abgleichen

(das "mit sich" versteht sich doch von selbst, oder?).

Ich verstehe Ferdis Einwürfe, auch wenn ich vielleicht nicht alle selbst gefunden hätte. Ich hätte hingegen den Mankell geschlachtet ... es ist - soweit es mich betrifft - ein Hinweis, der mich weder für das Gedicht noch für Mankell weiterbringt, obwohl ich letzteren eigentlich ganz gut kenne, wenn auch vieles nur als hörbuch.

Liebe Grüße
Max

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leonie
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Beitragvon leonie » 05.01.2011, 10:58

Lieber ferdi, lieber Max,

Ihr habt ja recht :-) . Ich habe jetzt gekürzt und versucht, die Anregungen umzusetzen. Substantiviert möchte ich das Selbst jedoch nicht verwenden, ich überlege sogar noch, das Wort ganz zu streichen.

Ansonsten habe ich gekürzt, ferdi, ich muss da wieder disziplinierter werden, denke ich. Gut, dass Du mich darauf aufmerksam machst! Denn ich habe den Eindruck, dass nichts Wesentliches (hier darf ich? :-) ) verloren gegangen ist...
Ich finde Deine Stimme unter Gedichten wichtig, weil Du diesen besonderen Blick auf die Sprache und ihre Gestaltung hast, ferdi, es wäre schade, wenn Du nichts mehr sagst.

Max, den Mankell habe ich ja nur da stehen, weil ich nicht so tun wollte, als sei es meine Idee...Du hast schon recht, für den Text trägt die Bemerkung wenig aus...(Darf man das, sie einfach weglassen und klauen???)

Danke Euch beiden!

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 05.01.2011, 22:29

Oh, ich glaube, so weit darf man schon 'klauen' .. es gitb doch gerade Literaturpreise für Leute, die am dreistetsten klauen ;-)

Gerda

Beitragvon Gerda » 05.01.2011, 23:11

Liebe leonie,

es gefällt mir jetzt besser, nur die letzten zwei Verse klingen irgendwie steif, unpoetisch, vllt. liegt es am "aber", da klingt so etwas, wie "Sich selbst überzeugen müssen" an, oder nur an der Satzstellung ...?

Zum Thema "Klau" ...
Ich frage mich ernsthaft, was ist denn da geklaut?
Wenn Anregung durch die Szene in einem Buch schon Klau ist, dann fielen einige meiner Gedichte unter diesen "Klau".
Es ist doch entscheidend, was solch ein Anreiz auslöst und was die/der DichterIn daraus macht.

Liebe Grüße
Gerda

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leonie
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Beitragvon leonie » 05.01.2011, 23:20

Hallo, Ihr zwei,

ich habe den Mankell jetzt entfernt, zum andern muss ich nochmal nachdenken!

Danke und gute Nacht!

leo

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leonie
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Beitragvon leonie » 06.01.2011, 20:34

Hm, ich habe den Eindruck, dass sich bei den letzten beiden Strophen noch was ändern muss, diese ganzen "das" gefallen mir nicht. Ich habe aber noch keine richtig gute Idee...

Grübelgrüße

leonie

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Amanita
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Beitragvon Amanita » 06.01.2011, 21:36

Feststellen,
wie (evtl. sehr) in den Stürmen
das Haar gelitten hat

Sich das Gesicht
jedoch wahren ließ



... einfach mal so ins Blaue!

Max

Beitragvon Max » 06.01.2011, 23:12

Hallo Amanita,

das finde ich zu umständlich ... dass das Haar gelitten hat, ist direkter


Liebe grüße
Max


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