Winterdämmern

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Max

Beitragvon Max » 29.12.2010, 11:11

Endgültige Fassung

Winterdämmern

Eine weiße Decke über dem Sand
als müsse sie den Strand wärmen

Eisschollen
begrenzen den Spülsaum

Dazwischen ein Stiefel
nirgends Spuren

Der Tag schleicht ins Dunkel


Fassung II

Winterdämmern

Eine weiße Decke über dem Sand
als müsse sie den Strand wärmen

Die Welt trägt Schnee

Eisschollen
begrenzen den Spülsaum

Dazwischen ein Stiefel
nirgends Spuren

Der Tag schleicht ins Dunkel

Fassung I

Winterdämmern

Eine Schneedecke*
als müsse sie den Strand wärmen

Die Welt trägt Mütze

Eisschollen
begrenzen den Spülsaum

Dazwischen ein Stiefel
nirgends Spuren

Der Tag schleicht ins Dunkel



[*]vorher: Eine Schneedecke über dem Sand (Änderung dank leonie)

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 29.12.2010, 17:46

lieber max,

ich mag diese stimmungsvolle wortpostkarte...

(wobei der text für mich in erster linie über das stiefelbild funktioniert, das man als leser dem heranschleichenden, heraufdämmernden tag zuschreibt.)

lga, auch komplett eingeschneit

Max

Beitragvon Max » 29.12.2010, 20:01

Liebe A.,

danke .. es ist ja ein Versuch aufzutauen, auch literarisch, hab hier ja ewig nix mehr geschrieben (und ich wollte nicht gleich mit was Großen anfangen).

Liebe Inselgrüße
Max

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leonie
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Beitragvon leonie » 29.12.2010, 20:24

Lieber Max,

also bist Du dort gut gelandet!

Ich denke, man könnte noch verdichten, besonders am Anfang und am Schluss. Für das Ende denke ich zum Beispiel an:

spurlos schleicht (sich) der Tag
ins Dunkel.

(Am Anfang: muss beides sein: Sand und Strand?)

In jedem Fall ein feines Stimmungsbild, das sofort innere Bilder vor Augen führt.

Liebe Grüße, hab eine gute Zeit dort!

leonie

Max

Beitragvon Max » 29.12.2010, 21:34

Liebe Leonie,

danke für Dein feedback. Mit dem Verdichten zu Beginn hast Du recht ... ich werde mal einen teil rausnehmen,.

Zum Ende hin bevorzuge ich, glaube ich, meine Version. Bei Dir höngt das "spurlos" doch dicht am Tag, ich würde etwas bevorzugen, was zwischen dem Stiefel und dem Tag schwebt.

Danke und und liebe Schneegrüße
Max

Max

Beitragvon Max » 29.12.2010, 21:37

PS: Das "schleicht sich war auch meine erste Version - nicht reflexiv gefällt es mir aber besser.

Niko

Beitragvon Niko » 29.12.2010, 23:34

hallo max,

abesehen von "die welt trägt mütze", was mir doch einigermaßen verbraucht erscheint und nicht besser wird durch weglassen von "eine" vor mütze, gefällt mir dieses stimmungsbild gut.

"dazwischen ein stiefel
ohne spuren"

würde mir persönlich besser gefallen. aber am gesamteindruck ändert dies alles nix: gefällt.

liebe grüße: niko

Max

Beitragvon Max » 30.12.2010, 10:46

Hallo Niko,

oh, ich wusste nicht das nicht mit der Mütze - mir klang es gerade ganz originell, so kann man sich täuschen ;-).
Mit der vorletzten Strophe werde ich nochmal an den Strand gehen.

Danke für Deine Eindrücke!
Max

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 30.12.2010, 19:55

Hallo Max,

wie schön, dass sich manches nicht ändert. ;-) Ich plädiere dafür deine erste Zeile wieder in ihre Ursprungsform zu ändern. Zum einen fehlt mir der weiche "Einstiegsklang", das Ankommen an diesem "Ort" und zum anderen gibt es auch Steinstrände, auf denen man dann so oder so schlecht Spuren finden könnte.

Bei der Mütze muss ich Niko Recht geben, das habe ich auch schon zu oft gehört. Zudem finde ich es Schade, dass es für mich nicht zur "Zudecke" aus S1 passt. (Eh sei denn es ist Onkel Fritzens Zipfelmütze. :o))
Schön finde ich diese gedankliche Entwicklung vom Sand zum Strand zur Welt.
Vielleicht könntest du es auch so machen:

Eine (weiße) Decke über dem Sand
als müsse sie den Strand wärmen

Die Welt trägt Schnee


Den einen Stiefel habe ich nicht dem Tag ausgezogen, denn mit einem Stiefel schleicht es sich schlecht, :) und das Bild würde für mich auch nicht wirklich aufgehen, oder zumindest wüsste ich nicht wohin. Für mich ist es eher das Entdecken von Menschlichem, von Fehlendem, von Irritierendem, das Vermissen, vielleicht aber dann auch die Erleichterung, weil man ohne Spuren nichts unternehmen muss, oder kann.

Eine feine Momentaufnahme.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

Max

Beitragvon Max » 30.12.2010, 22:47

Liebe Flora,

ja, manches ändert sich nicht so schnell .. diesmal aber kann ich Deinen Vorschlag gut verstehen und werde ihn morgen früh noch einmal überlegen. Gerade klingt er mir sehr plausibel, aber das klang Leonies Vorschlag gestern auch ;-)

Liebe Grüße und herzlichen Dank
max

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Beitragvon leonie » 30.12.2010, 23:46

Hm, ich bin unentschlossen.

Vielleicht etwas "Verbiger"

Weiß deckt den Sand,
wärmt den Strand

Die Welt trägt Schnee

Aber das hat dann natürlich eine völlig andere "Melodie"...Ich finde es aber gerade bei so kurzen Texten reizvoll, auszuloten, was möglich wäre, um dann zu einer Endfassung zu gelangen...

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 31.12.2010, 14:25

Liebe Leonie,

ne, entschuldige, das ist es für mich nicht - das ist für mich nicht mit dem Rhythmus vereinbar, den ich vermittlen möchte. Ich krieche langsam wieder mal gen ursprüngliche Fassung ;-)

Liebe grüße
Max

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Beitragvon leonie » 31.12.2010, 14:32

Lieber Max,

das kann ich gut nachvollziehen, ich finde selber immer spannend, wie ich anhand der "Variationen" zu meinen eigenen Fassungen gelange. Oft per Ausschlussverfahren...

Liebe Grüße

leonie

Max

Beitragvon Max » 31.12.2010, 14:35

Liebe Flora,

ich versuche jetzt mal deine Fassung.
Merci:-)
max


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