Ich kenne ein Gericht

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Quoth
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Beitragvon Quoth » 20.12.2010, 14:05

Ich kenne ein Gericht zur kalten Zeit,
es gibt nichts Besseres zum Hungerstillen,
wenn man es einkauft, ist es groß und breit,
kann mit dem krausen Laub viel’ Töpfe füllen.
Durchs ganze Haus zieht schon der milde Hauch
der Sättigung, wenn ich es fein zerhacke
und voller Freude hole aus dem Rauch
die schmelzend zarte, fette Schweinebacke.
Dazu Herdäpfel, möglichst klein, gepellt
sowie gebraten in der Butterpfanne,
das gibt den schönsten Winterschmaus der Welt,
dazu ein Weizen aus ererbter Kanne ...
Wenn du mich sanft aus dem Genussrausch weckst,
seh ich vergnügt, wie du die Lippen leckst.
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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leonie
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Beitragvon leonie » 21.12.2010, 19:30

Lieber Quoth,

gehe ich recht in der Annahme, dass Du Grünkohl meinst? Obwohl ich das eher mit Pinkel kenne, aber das ist vielleicht regional unterschiedlich...

Schweinebacke wurde einer meiner Lehrer genannt, nicht ganz zu Unrecht, ich verbinde aber von daher eher etwas Ekeliges damit :-) (er war wirklich schlimm und schmierig...)

Vielleicht kannst Du ja Dein Gedicht mal bei Leuten einreichen, die diese großen Grünkohlessen veranstalten, wo Könige gekürt werden, damit es da zu Ehren kommt... :-)

Ich finde es jedenfalls eine witzige Idee, dieses krause Kraut zu bedichten...

leonie

Quoth
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Beitragvon Quoth » 22.12.2010, 09:06

Liebe Leonie,
Du hast richtig geraten, es handelt sich um "brassica oleracea sabellica"! Pinkel habe ich noch nie gegessen, hierzulande (SH) streut man sogar Zucker auf dieses herzhafteste aller Gemüse. Es rankt sich allerlei Brauchtum und Identitätsgedusel darum, aber damit habe ich nichts zu tun. Während ich mit dem Schnee, der so viele Wintergedichte füllt, obgleich er doch nur wie ein Leichentuch aussieht, gar nichts anfangen kann, entzückt mich die zu dieser Jahreszeit erlaubte deftige Ernährungsweise - ich habe ihr schon die Quitte gewidmet - den Puter aber werde ich Euch ersparen (obgleich er mit einem com davor ja fast auf den Tasten liegt), um bei der vegetarischen Fraktion nicht völlig durchzufallen!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Herby

Beitragvon Herby » 22.12.2010, 16:56

Werter Quoth,

lese ich deine Verse, entstehen vor meinem geistigen Auge Stilleben und Szenerien im Stil der flämischen oder niederländischen Meister :smile: Aus dem Gedicht spricht eine Lebens- und Genussfreude, die mich sehr anspricht.

Ich hoffe allerdings, es schmälert mein Lob nicht das Bekenntnis, dass ich noch niemals im Leben eine Schweinebacke, Grünkohl oder gar "Pinkel" (was, bitte, ist dies ? :eek: ) gegessen habe - und ich stamme aus einem Metzgershaushalt!!

Herzliche Grüße,
Herby

Quoth
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Beitragvon Quoth » 22.12.2010, 20:23

Das ist unfassbar, Herby!

Fahre jetzt mal nach Oldenburg in Oldenburg, und Du wirst mit Grünkohl und Pinkel (eine Grützwurst) förmlich überschwemmt. Ich habe lange im Rheinland gelebt und dort um diese Zeit den Panhas/Pannas genossen. Gibt's hier nicht. Der Regionalismus ist nirgends so stark ausgeprägt wie in den Essgewohnheiten, und zu denen gehört im Norden dieses wohl deftigste aller Gemüse, der Grün- oder Braunkohl, die Beilagen wechseln. Es ist ein Essen, das imstande ist, eis-, schnee- und kältegeplagte Erdbewohner über den ganzen Winterjammer hinwegzutrösten. Geh auf den nächsten Wochenmarkt und besorg Dir Grünkohl, es gibt ihn auch schon abgestrippelt, pro Person etwa ein Pfund. Ich kenne auch Vegetarier, die ihn lieben und ihn, wie den Saft des Holunders, für einen wahren winterlichen Gesundbrunnen halten! Ansonsten schmeckt fast alles Geräucherte dazu, und darin wirst Du Dich bei Deinem Elternhaus auskennen, sowie ganz gebratene kleine Kartoffeln.
Guten Appetit!
Und danke für den Vergleich mit holländischen/flämischen Stillleben, deren Üppigkeit werde ich nie erreichen!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Beitragvon leonie » 22.12.2010, 20:59

Pinkel ist eine Wurst, aber ich kenne mich da nicht so gut aus, da ich kaum Fleisch esse...

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Lisa
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Beitragvon Lisa » 27.12.2010, 23:10

Fahre jetzt mal nach Oldenburg in Oldenburg


Dem kann ich nur zustimmen, leider, die Bollerwagenbeilage fehlt auch leider nie - bin ja dort geboren. Aber ich hab mir zur Regel gemacht: Iss nie von dem, was dich überschwemmt! Herby, ich habe das trotzdem nie verstanden mit dem "Pinkel" .-)

Wahh!

.-)

liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 14.01.2011, 16:30

Hallo, Quoth,

dieses gut zubereitete Gedicht von dir habe ich erst jetzt entdeckt! Grünkohl ist eines der wenigen Essen, bei denen ich die Fleischbeilage als Hauptsache empfinde, da ich den Kohl selbst nur als zu weich gekochten, ausgelaugten Brei kenne. Auch mir selbst ist er noch nicht zufriedenstellend gelungen, obwohl wir ihn sogar im eigenen Garten hatten und - wie es sich gehört - nach dem Frost erst ernteten. Hingegen sind die meisten lokalen Wurstspezialitäten wie Pinkel, Mettendchen und auch das oft dazu gereichte Kasseler ausgesprochen lecker. Allerdings liegt das Ganze schwer im Magen, weswegen eine vorausgehende oder anschließende Boßeltour bei Schnee und Eis mit gut bestücktem Bollerwagen gar keine schlechte Angewohnheit ist. Lisa, soll ich dir mal Bescheid sagen? ;)

Quoth
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Beitragvon Quoth » 16.01.2011, 09:43

Liebe fenestra,
hast Du hier den guten alten Grünkohl entdeckt ... Der "zu weich gekochte, ausgelaugte Brei" ist ja ein grauenvolles Küchenresultat! Die Kunst, bei Gemüse genau die richtige Kochdauer zu finden, beherrsche auch ich noch nicht ganz - aber herzhaft hat er bei mir immer geschmeckt. Mein Tipp: Nach dem Blanchieren etwa 10 min im Dampfkochtopf unter vollem Druck. Meine Mutter tat eine kleine Handvoll Graupen oder auch Haferflocken dran, um das durchaus kaubedürftige Gemüse ein wenig glatter zu machen ... Ich würde noch mal einen neuen Versuch wagen! Auf den Märkten wird "er" hier am Biogemüsestand noch angeboten.
Gruß
Quoth
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