Noels "kerberos" Paraphrase in Distichen

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Quoth
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Beitragvon Quoth » 25.11.2010, 22:11

Noel: kerberos
Paraphrase in Distichen

Paradiesisch umzirkt erquickten wir unter dem Baum uns,
hörten von ferne Gebell, aber es störte uns nicht.
Äpfel gab es in Fülle, in Fülle auch Würmer und Vögel,
denen ließen wir sie, waren einander genug,
woben aus unserem Haar Gewänder, die uns ersetzten
das verlorene Fell in der durchfröstelten Nacht.

Du erfandest das Schreiben, um unsre Gedanken zu retten
vor des Vergessens Gewalt, immer bedrohlich auch hier,
schriebst nur die Konsonanten und ließest hinweg die Vokale,
maltest von rechts nach links, Linkshänder, welcher du bist,
ich aber spiegelte es und nahm die Vokale hinzu, so
dass Symmetrie sich ergab, alles hat schön sich ergänzt.

Glaubten wir denn an nichts? Es genügte der Glaube an uns uns
und an das Menschengeschlecht, das uns gerade entsprang.
Wenn ich doch wüsste, warum wir diesen Ort je verließen,
wenn ich doch wüsste, wann – leider vergaß ich es und
haste ziellos voran, wag’ nicht die Augen zu schließen,
höre von ferne stets bellen den höllischen Hund.
Zuletzt geändert von Quoth am 01.12.2010, 15:57, insgesamt 3-mal geändert.
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Quoth
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Beitragvon Quoth » 25.11.2010, 22:13

Hallo Noel,
ich hoffe, diese Umsetzung erscheint Dir nicht als geistiger Diebstahl. Auf der Suche nach einem Stoff, den ich in Distichen bearbeiten könnte, ging mir immer wieder Dein Text durch den Kopf. Natürlich habe ich ihn sehr subjektiv erweitert und gedeutet, hoffe ihm aber, in anderer Form, etwas Angemessenes gegenübergestellt zu haben.
Gruß
Quoth
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ferdi
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Beitragvon ferdi » 28.11.2010, 22:41

Hallo Quoth!

Ich hatte direkt nach dem Reinstellen schon mal vorbeigeschaut, und da hatte ich den Eindruck, das einige der Pentameter "hinten raus" ein Silbenproblem hatten - aber das hast du dann sofort behoben, oder? Eins steht noch - Linkshänder, der du bist - ich nehme an, das ist dann Absicht?!

So & an sich gefallen wir die Verse - da ist doch ziemlikch deutlich dein ganz eigener Ton hörbar :-)

Warum hast du das ganze eigentich nicht unter "Intertextuelles" eingestellt?! Da gehört es doch eigentlich hin, finde ich...

Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

Mucki
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Beitragvon Mucki » 28.11.2010, 23:11

Hallo Quoth,
ferdi hat geschrieben:Warum hast du das ganze eigentich nicht unter "Intertextuelles" eingestellt?! Da gehört es doch eigentlich hin, finde ich...

jep, das stimmt. Quoth, darf ich diesen Faden verschieben?

Saludos
Gabriella

Quoth
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Beitragvon Quoth » 29.11.2010, 09:00

Hallo, Ferdi, dabei hätte ich auch die Linkshänderzeile durch ein "welcher" fast mühelos "reparieren" können!
Gütigerweise rügst Du nicht, dass die Zäsur in den Hexametern immer in die dritte Einheit fällt, was für eine gewisse Monotonie sorgt. Meinst Du die mit dem "ganz eigenen Ton"? Wenn Du da Umstellungsideen hättest ...

Intertextuelles steht unter "Gemeinschaftsprojekte", deshalb habe ich es dort nicht gesucht und gefunden. Denn ein Gemeinschaftsprojekt ist dies nicht, ich habe Noel vorher nicht um Erlaubnis gefragt und bisher hat sie auch eher ungnädig geschwiegen.
Ja, bitte, wenn es besser dahin passt, dann verschieb nur immer, Gabriella.
Gruß
Quoth
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 29.11.2010, 13:08

Hallo Quoth,

um Erlaubnis braucht man auch nicht zu fragen. Die Idee von "Die blaue Muse - Intertextuelles" ist ja, dass hier jedes Mitglied sich von einem anderen Text aus dem Forum inspirieren lassen und dies dann umsetzen kann. Lies am besten noch mal die FAQ dort durch. Es steht unter Gemeinschaftsprojekte, da hier eine Interaktion innerhalb der Gemeinschaft "Blauer Salon" stattfindet.
Jep, ich verschiebe, da es dort auf jeden Fall passt, viel eher als Schreibwerkstatt.

Saludos
Gabriella

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 29.11.2010, 23:39

Hallo Quoth!

Na ja, "Monotonie"... weiß nicht :-) Ist hier auch darum kein so großes Problem, weil die Hexameter nicht aufeinandersitzen, sondern durch die Pentameter getrennt werden. Und darüber hinaus ist die Zäsur nur ein Gesichtspunkt. Hölderlin hat in seinen Hexametern zu 77% die männliche Zäsur in der dritten Einheit und so gut wie nie eine weibliche Zäsur - da müssten die Verse ganz gräuslich eintönig klingen. Und das tun sie nachweislich nicht :-)

Nein, "eigener Ton" meinte mehr sowas wie das Besetzen so wichtiger Stellen wie der Hebung vor der Zäsur durch Pronomen wie "sie" oder "es", oder der letzten Pentameterhebung durch "und"; außerdem die große Bereitwilligkeit, ans Ende der Verse eine einzelne Silbe zu stellen (über das Für und Wider schreib ich noch was im Hexameterfaden bei Gelegenheit), und dabei sogar das zerschnittene "so dass"zu wagen und das "uns uns" - alles Dinge, die deine Distichen wiedererkennbar machen.

Ferdigruß!
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Quoth
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Beitragvon Quoth » 01.12.2010, 16:01

Hallo Ferdi,
dass ich in puncto Zäsur nahe bei Hölderlin liege, ist einigermaßen tröstlich. Die von Dir aufgezählten "Schönheitsfehler" ließen sich mit harter Feilarbeit vielleicht beseitigen, aber so erscheinen sie mir als Kontrastpunkte wie die Schönheitspflästerchen in den Gesichern von Rokoko-Damen.
Gruß
Quoth
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ferdi
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Beitragvon ferdi » 02.12.2010, 14:22

Hallo Quoth!

Hm, eigentlich habe ich keine "Schönheitsfehler aufgezählt", sondern auf Eigenarten deines Hexameters hingewiesen. Ganz wertneutral. Ich glaube auch nicht wirklich, dass sie den Vers schwächen! Sieh's mal so: Der Hexameter hat unterschiedliche Bestandteile, die alle Einfluss aufeinander haben. Deswegen muss man aufpassen, dass man die Bestandteile so gewichtet und aufeinander bezieht, dass der Vers am Ende stimmig ist. Welche Gewichtung der Schreibende vornimmt, ist die ihm von seinem Geschmack und vom Vers gestellte Aufgabe. Und ich finde, du hast sie gut gelöst! Das einzige Problem ist, dass man, je weiter man von der "Standard-Einstellung" abweicht, beim Leser ein immer tieferes Verständnis der Versstruktur voraussetzt. Einfachstes Bespiel bei dir ist das "ich aber", von dem ich sehr stark vermute, dass es die unbefangeneren Leser nicht als "X x x", sondern als "x X x" lesen werden, wodurch die Hexameterbewegung unscharf wird. Aber das hatten wir ja schon mal ;-)

Ferdigruß!
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RäuberKneißl

Beitragvon RäuberKneißl » 02.12.2010, 23:14

Ach ihr bibi - bibliophilen Hex-Hex-o-Meter-Zähler! Irgendwas hat mich bei eurer Diskussion erinnert und abgelenkt und -lockt zu Jimi Hendrix, seiner alten Monterey-Aufnahme, Foxy Lady, wahrscheinlich einzig und allein des schönen gutturale U's wegen.
Genug der irritierenden Exkurse. Lass euch kein U als X vormachen - der Hendrixometer blieb der Sprachforschung erspart. Doch wem sag ich das ...

Weiter so!

Quoth
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Beitragvon Quoth » 04.12.2010, 21:11

Hallo, RäuberKneißl,
freut mich, dass Du uns mit "Weiter so!" Mut machst. Wie der Hendrixometer funktioniert, müsstest Du einem, dem sein Sohn gerne mal vorwirft, dass Jimi Hendrix "an ihm vorbei gegangen" sei, näher erklären!
Gruß
Quoth
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