übung für den fall

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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fenestra
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Beitragvon fenestra » 21.11.2010, 18:02

übung für den fall



jetzt ist wieder ihre zeit

breitbeinig hocken sie in pfützen
tanzen ringelreihn in deinem scheinwerferkegel
hechten in großen sprüngen über die fahrbahn
stürzen sich aus bäumen herab
klatschen auf deine windschutzscheibe

jetzt kannst du üben

DRAUFHALTEN

eines nachts

wird aus


laub

fall

wild

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Eule
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Beitragvon Eule » 21.11.2010, 23:30

Hallo fenestra, ein sehr schöner, besinnlich-ironischer Text, passend zur Jahreszeit und vorfestlicher (Gaumen-)Freude. Mir gefällt die Vielfalt der enthaltenen inhaltlichen Bezüge und deren Darstellung gut ! Herzliche Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Quoth
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Beitragvon Quoth » 22.11.2010, 22:16

Liebe fenestra,
wenn ich bloß wüsste, wovon Du sprichst ... "wild", das letzte Wort, scheint's mir zu sagen - bei uns haben wir viel Sika - die hechten wirklich in großen Sprüngen über die Fahrbahn - aber "breitbeinig in Pfützen hocken" hab ich sie noch nie gesehen, und auch dass sie aus den Bäumen herabstürzen und auf die Windschutzscheibe klatschen ... Nein, Du meinst nicht nur Rehe, sondern auch - das Laub? Aber alles in einen Topf geworfen? Arne - hilf Du mir, Du scheinst alles verstanden zu haben, sprichst von "Gaumenfreude". Ist das denn wahr? Jagt fenestra mit dem Auto ihren Sonntagsbraten?
Mit begriffsstutzigem Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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Eule
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Beitragvon Eule » 23.11.2010, 01:39

Hallo Quoth, meine Lesart bzw. Interpretation war, dass es hier um die fallenden Blätter geht. Naja, und die sarkastische Aufforderung, im Straßenverkehr (und übertragen vielleicht auf den Lebenslauf) darauf nicht zu achten, sondern zu tun, als ob nun alles freier würde, bis zum Wild(un)fall. Und der müsste ja nicht für ALLE beteiligten schlimme Folgen haben, ein Schelm, wer da z.B. ans Essen dächte. ;-)
Ein Klang zum Sprachspiel.

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 23.11.2010, 12:10

Hallo,

in den ersten vier Zeilen dachte ich noch an Frösche und Kröten -- an die vielseits bekannte jährliche Krötenwanderung quer über die Fahrbahn. Und ich dachte daran, dass es nicht schön ist, den Lenker direkt auf die Tierchen zu halten. In den zwei folgenden Zeilen dann verwandeln sich die Frösche offenbar zu Metaphern für Laub. Naja, dann ist's ja gut, dann halte drauf :-)


Horrido

Pjotr

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 23.11.2010, 17:23

Da scheint doch tatsächlich bei dem einen oder anderen der Jagdtrieb zu erwachen ... ;)

Natürlich ist das Laub gemeint, auch wenn der Jagdaspekt bewusst anklingt.

alles in einen Topf geworfen?


Wie so denn das Quoth? Es heißt doch "es ist wieder ihre zeit". Und dann ist immer von denselben die Rede, von den Blätterhorden, "Laubtierchen" eben, die sich bei nächtlichen Autofahrten doch tatsächlich wie Tiere aufführen, oder? Ich jedenfalls zucke hundert Mal zusammen, weil ich immer denke: "das war aber eine Maus, ein Kröte..."

Genau, Pjotr, die Krötenwanderung im Frühjahr - ein schrecklicher Eiertanz fürs Auto! Die erste Version des Gedichtes lautete so:

novemberübung


jetzt ist wieder ihre zeit

breitbeinig hocken sie in pfützen
tanzen ringelreihn in deinem scheinwerferkegel
hechten in großen sprüngen über die fahrbahn
stürzen sich aus bäumen herab
klatschen auf deine windschutzscheibe

jetzt kannst du draufhalten üben

im frühjahr sind es
kröten

im sommer
igel

kaninchen

eine katze

irgendwann heißt es

du oder sie


Und im Prinzip geht es mir genau darum: Wenn du im Ernstfall bei 100 km/h auf laubglitschiger Straße eben nicht draufhältst, fährst du selbst gegen den Baum. Wie Arne sagt, ein Wildunfall
.... müsste ja nicht für ALLE beteiligten schlimme Folgen haben


Darauf wollte ich eigentlich hinaus: Dass du im Zweifelsfall töten müsstest, um dich selbst nicht zu gefährden. Nicht verständlich?

Danke für eure anregenden Beiträge und viele Grüße
fenestra

P.S.: Übrigens darf man Fallwild nicht einfach in die eigene Ofenröhre schieben, sondern muss es dem Revierjäger übergeben ....

Quoth
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Beitragvon Quoth » 24.11.2010, 21:36

Liebe fenestra,
aha! sagt hier jetzt der Nichtautofahrer und nimmt sich vor, sich aus Autofahrertexten in Zukunft herauszuhalten. Hab mich in Mnemosynes "Navlem" auch schon mal so blamiert. Es geht also um das fallende Laub und die daraus sich ergebenden Gefahren. Gerade heute ist uns wieder ein prächtiger Geweihträger begegnet - zum Glück war's nicht glitschig, der Wildfall trat nicht ein und es wurde kein Fallwild draus!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.


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