dann nur (aus dem lyrischen dialog)
Hallo Niko,
für mich enthalten diese Zeilen eine ziemliche Resignation. LI hat sich nie auf die eigenen Beine gestellt ("dass die nabelschnur niemals riss"), jeder Schritt nur ein Streunen. Diese Tristesse kommt ziemlich stark rüber.
Ich frage mich, ob das hier
wirklich so ist? Wenn wir keine Fragen mehr haben, somit keine Suche, was bleibt dann als Antrieb?
Saludos
Gabriella
für mich enthalten diese Zeilen eine ziemliche Resignation. LI hat sich nie auf die eigenen Beine gestellt ("dass die nabelschnur niemals riss"), jeder Schritt nur ein Streunen. Diese Tristesse kommt ziemlich stark rüber.
Ich frage mich, ob das hier
Niko hat geschrieben:wenn jede frage eine antwort ist
bist du nur
dann
wirklich so ist? Wenn wir keine Fragen mehr haben, somit keine Suche, was bleibt dann als Antrieb?
Saludos
Gabriella
Lieber Niko,
ich bringe bei diesem Text die Bilder (asche, nabelschnur, schatten...) nicht zusammen und glaube, das liegt an ihrer Mächtigkeit, das sind alles Bilder, die einen richtig großen Raum für sich beanspruchen wollen, sei es, weil sie oft bearbeitet und dadurch aufgeladen sind (asche etwa) oder weil sehr ursprünglich, grundsätzlich wirken (etwa die nabelschnur) - ich sehe zwar, dass sie schon auch etwas gemeinsam haben hinsichtlich, was sie erzählen wollen, aber das wie sie es erzählen wirkt so konkurrenzgeladen, dass es zu keinem einheitlichen was kommt...so mein Eindruck.
liebe Grüße,
Lisa
ich bringe bei diesem Text die Bilder (asche, nabelschnur, schatten...) nicht zusammen und glaube, das liegt an ihrer Mächtigkeit, das sind alles Bilder, die einen richtig großen Raum für sich beanspruchen wollen, sei es, weil sie oft bearbeitet und dadurch aufgeladen sind (asche etwa) oder weil sehr ursprünglich, grundsätzlich wirken (etwa die nabelschnur) - ich sehe zwar, dass sie schon auch etwas gemeinsam haben hinsichtlich, was sie erzählen wollen, aber das wie sie es erzählen wirkt so konkurrenzgeladen, dass es zu keinem einheitlichen was kommt...so mein Eindruck.
liebe Grüße,
Lisa
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.
Hallo Niko, in diesem Text steckt viel Trauer und Nachdenklichkeit. In Zeile 2 stolpere ich über : ... mit deinen Schatten ... - warum gibt es hier mehrere, vielleicht erlebt(e) sich das lI in mehreren Abschnitten ? Die nächsten Zeilen finde ich sehr gut geschrieben und das Ende klingt wie eine offene Frage. Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.
-
Last
"asche" und "schatten" mögen als sehr weitläufige Metaphern verwendet werden. Diese Weitläufigkeit ist aber eine Voraussetzung für das Gedicht, dessen Pointe die Verschiebung der Identität des Sprechers in das "dann" ist, in jene kontinuative Konjunktion im Konditionalsatz, der dem Gedicht die Struktur verleiht. Die grammatische Struktur des Textes (aus zwei Konditionalsätzen, deren erster noch zwei Konsekutivsätze enthält) überträgt sich auf den Lebensweg, der nur noch aus der Verkettung von Ursache und Wirkung besteht.
Es geht um die schwere Identitätskrise eines Menschen, der nur noch sagen kann, was er ist, wenn er herausfindet unter welchen Bedingungen er lebt: um dann die richtigen Folgen daraus ziehen. Dieses Verhalten macht ihn zu einem logischen Schema und tötet seine menschliche Anwesenheit.
Die Konsekutivsätze markieren einen flüchtigen Ausbruch aus dem Schema. "dass die nabelschnur niemals riss", lässt auf eine überbehütete Kindheit schließen, in der das brave Kind, nach den Erwartungen der Mutter handelte (gibt ihr damit eine Mitschuld an der Identitätskrise, die Nabelschnur symbolisiert das selbstvermeidende Verhaltensmuster über die Lebenslinie hinweg, das sich inzwischen als Flucht ins Strukturelle ausdrückt). "dass jedes erreichen ein streunen war", deutet die Resignation gegenüber der Erfüllung eigener Bedürfnisse an, der als Verrat an der Mutter immer auch einen bitteren Beigeschmack innewohnte: Behütung wird Unterdrückung.
Trotzdem verharrt der Text nicht bei diesen Ausflüchten, sondern flieht in die totale Abstraktion des zweiten Konditionalsatzes: "wenn jede frage eine antwort ist / bist du nur / dann" Hier drückt sich das Schema völlig aus, die Verwandlung zur grammatischen Struktur ist abgeschlossen, es bleibt jedoch der Hoffnungsschimmer übrig, dass all das nur in besonderen Situationen gilt: jenen düsteren und nebulösen Selbstreflektionen, die sich eingangs in den Metaphern "asche" und "schatten" ausdrückten.
Mir gefällt das Gedicht und ich empfinde es als so sauber durchkomponiert, dass ich auch die weiträumigen Bilder, ohne größere Bedenken, akzeptiere. Die Textstruktur ist für mich entscheidend und von ihr aus bekommen für mich auch die Metaphern eine relativ konkrete Bedeutung: Die Selbstreflektion wirft ein Licht auf das Ich, welches unsichtbar bleiben möchte, deshalb hadert es bei all der Reflektiererei mit dem Schatten, den es dabei wirft. Die Asche geht ein Bündnis ein mit dem, was ich oben schon über das Streunen gesagt habe.
Es geht um die schwere Identitätskrise eines Menschen, der nur noch sagen kann, was er ist, wenn er herausfindet unter welchen Bedingungen er lebt: um dann die richtigen Folgen daraus ziehen. Dieses Verhalten macht ihn zu einem logischen Schema und tötet seine menschliche Anwesenheit.
Die Konsekutivsätze markieren einen flüchtigen Ausbruch aus dem Schema. "dass die nabelschnur niemals riss", lässt auf eine überbehütete Kindheit schließen, in der das brave Kind, nach den Erwartungen der Mutter handelte (gibt ihr damit eine Mitschuld an der Identitätskrise, die Nabelschnur symbolisiert das selbstvermeidende Verhaltensmuster über die Lebenslinie hinweg, das sich inzwischen als Flucht ins Strukturelle ausdrückt). "dass jedes erreichen ein streunen war", deutet die Resignation gegenüber der Erfüllung eigener Bedürfnisse an, der als Verrat an der Mutter immer auch einen bitteren Beigeschmack innewohnte: Behütung wird Unterdrückung.
Trotzdem verharrt der Text nicht bei diesen Ausflüchten, sondern flieht in die totale Abstraktion des zweiten Konditionalsatzes: "wenn jede frage eine antwort ist / bist du nur / dann" Hier drückt sich das Schema völlig aus, die Verwandlung zur grammatischen Struktur ist abgeschlossen, es bleibt jedoch der Hoffnungsschimmer übrig, dass all das nur in besonderen Situationen gilt: jenen düsteren und nebulösen Selbstreflektionen, die sich eingangs in den Metaphern "asche" und "schatten" ausdrückten.
Mir gefällt das Gedicht und ich empfinde es als so sauber durchkomponiert, dass ich auch die weiträumigen Bilder, ohne größere Bedenken, akzeptiere. Die Textstruktur ist für mich entscheidend und von ihr aus bekommen für mich auch die Metaphern eine relativ konkrete Bedeutung: Die Selbstreflektion wirft ein Licht auf das Ich, welches unsichtbar bleiben möchte, deshalb hadert es bei all der Reflektiererei mit dem Schatten, den es dabei wirft. Die Asche geht ein Bündnis ein mit dem, was ich oben schon über das Streunen gesagt habe.
-
Niko
so......endlich komme ich dazu, euch zu danken und zu antworten. immer hübsch der reihe nach. ich fange diesmal oben an .gif)
liebe gabriella!
dir ersteinmal nochmals zusätzlichen dank. denn du hast ein paar meiner gedichte wieder aus dem keller geholt, in dem sie gerade verschunden waren. das finde ich sehr nett von dir!
du schreibst:
die schlusszeilen sagen aber auch, dass man schlussendlich nie ganz abgeklärt sein kann.
resignierend empfinde ich den text trotz allem nicht. er zeigt, dass man immer fragend ist, immer in die zukunft sieht und dass man immer auch verwurzelt mit dem ist, was einen prägte (siehe nabelschnur). vielleicht lässt das "streunen" dich das empfinden. magsein, dass "streunen" nicht positiv klingt. aber es ist doch so, das wir von einer ecke unserer persönlichkeit irren und unsere grenzen suchen. das was in uns steckt, das, was nicht in uns steckt etc...
liebe lisa,
mit dem konkurrenzgeladen magst du richtig liegen. ich empfinde das ansatzweise jetzt auch so. die bilder aber passen schon zueinander: nabelschnur (geburt, heranwachsen), schatten (das, was uns das leben erschwert und / oder formt) und die asche, die das lebensende symbolisiert. ich vermute mal, das dichte aufeinanderfolgen der begriffe erschlägt den text.
lieber arne,
mit dem offenen ende klingt es für dich so, wie für mich. der plural von schatten ist nix anders als der ausdruck von mehreren einschnitten, veränderungen im leben. schatten gehen und neue schatten kommen.....
lieber last,
was soll ich sagen zu solch einer analytischen textkritik! ich staune hier und spüre erst durch deinen kommentar, was unter umständen unterbewusst in die zeilen gelangt sind. in vielem, was du schreibst, deckst du ja ohnehin meine ausführungen weiter oben ab. danke.......deine kritik wertet meinen text sehr auf!
liebe grüße an alle: niko
.gif)
liebe gabriella!
dir ersteinmal nochmals zusätzlichen dank. denn du hast ein paar meiner gedichte wieder aus dem keller geholt, in dem sie gerade verschunden waren. das finde ich sehr nett von dir!
du schreibst:
das ist eine gute frage. auf die ich als jemand, der immer noch fragen hat, natürlich am schlechtesten beantworten kann. ich persönlich wollte aber diese textaussage sybillinisch halten. ich glaube, dass man immer fragen hat. es wird nach meinem glauben immer eine frage mehr geben, als es antworten gibt. aber ich glaube auch, dass sich viele antworten aus den fragen selbst ergeben. und mit zunehmendem alter immer weniger fragen aus den antworten heraus stellen. man mag es "abfinden" nennen, oder wie du "resignierend". aber ich finde das überhaupt nicht so.Wenn wir keine Fragen mehr haben, somit keine Suche, was bleibt dann als Antrieb?
die schlusszeilen sagen aber auch, dass man schlussendlich nie ganz abgeklärt sein kann.
resignierend empfinde ich den text trotz allem nicht. er zeigt, dass man immer fragend ist, immer in die zukunft sieht und dass man immer auch verwurzelt mit dem ist, was einen prägte (siehe nabelschnur). vielleicht lässt das "streunen" dich das empfinden. magsein, dass "streunen" nicht positiv klingt. aber es ist doch so, das wir von einer ecke unserer persönlichkeit irren und unsere grenzen suchen. das was in uns steckt, das, was nicht in uns steckt etc...
liebe lisa,
mit dem konkurrenzgeladen magst du richtig liegen. ich empfinde das ansatzweise jetzt auch so. die bilder aber passen schon zueinander: nabelschnur (geburt, heranwachsen), schatten (das, was uns das leben erschwert und / oder formt) und die asche, die das lebensende symbolisiert. ich vermute mal, das dichte aufeinanderfolgen der begriffe erschlägt den text.
lieber arne,
mit dem offenen ende klingt es für dich so, wie für mich. der plural von schatten ist nix anders als der ausdruck von mehreren einschnitten, veränderungen im leben. schatten gehen und neue schatten kommen.....
lieber last,
was soll ich sagen zu solch einer analytischen textkritik! ich staune hier und spüre erst durch deinen kommentar, was unter umständen unterbewusst in die zeilen gelangt sind. in vielem, was du schreibst, deckst du ja ohnehin meine ausführungen weiter oben ab. danke.......deine kritik wertet meinen text sehr auf!
liebe grüße an alle: niko
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 8 Gäste