Seit der Lebendigkeit

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Klara
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Beitragvon Klara » 17.11.2010, 09:50

Seit der Lebendigkeit

Unter dem Vorwand
keine Gedanken berühren zu wollen
nahm meine Mutter
(von Natur aus berührungslos)
die Enten aus dem Garten
eine nach der andern

(Sie war eine Schwarze
wie ihre Großmutter
Erst ich
wurde weiß)

Der Himmel leuchtete grün
Als die Enten an meiner Statt
schrien

Mit der Erklärung
keine Berührung erzwingen zu wollen
hörte die Mutter nicht hin
(von Natur aus gedankenlos)
sondern sprengte den Rasen vorm Haus

(Das habe ich
in meinem Traum aufgeschnappt)
Zuletzt geändert von Klara am 17.11.2010, 12:09, insgesamt 1-mal geändert.

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allerleirauh
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Beitragvon allerleirauh » 17.11.2010, 11:33

hallo klara,

das finde ich ganz wunderbar. dein gedicht übersetzt (nach meiner lesart) sehr reale zusammenhänge und (vermutlich) schmerzliche empfindungen in eine bildreiche surreale sprache.

ich würde vielleicht die klammern überdenken und die entsprechenden gedanken als apposition platzieren, aber das ist nur mein empfinden.

nach meinem dafürhalten ist es auch nicht nötig, das ganze in den abschließenden versen als traumsequenz zu enttarnen. das ist für mich als leserin eigentlich völlig unwichtig, ich finde ja einen weg, die bilder zu entschlüsseln.

liebe grüße
allerleirauh

Klara
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Beitragvon Klara » 17.11.2010, 12:14

Hallo allerleihrauh,
danke für deinen Kommentar!
Klammern sind so ne Macke von mir - stimmt.

Die Traumzeilen am Ende sind eigentlich gar nicht als Auflösung gedacht. Es geht mir vor allem ums Aufschnappen. Aber du gibst mir damit eine Anregung drüber nachzudenken, ob ich das weniger scheinoffensichtlich machen kann, denn die Intention ist eine andere.

Dank dir!
herzlich
klara

Mucki
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Beitragvon Mucki » 17.11.2010, 12:45

Hallo Klara,

seltsam, dass ich hier als Titel immer "Zeit der Lebendigkeit" lese. Und wenn ich dann die Zeilen inhaliere, scheint mir dies sogar sinnvoll, da es quasi dem Ganzen die Spitze aufsetzt.
Nach meiner Lesart wird hier etwas Grausames seitens der Mutter getan. Meine Idee wäre, hier mehr zu verdichten, einiges wegzulassen, z.B. die ersten zwei Zeilen, die Klammern und die letzten zwei Zeilen.
Der Inhalt würde m.E. auf diese Weise noch sehr viel eindringlicher rüberkommen.

Saludos
Mucki

Klara
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Beitragvon Klara » 17.11.2010, 18:29

Hallo Gabriella,
ZEIT DER LEBENDIGKEIT wäre doch mal ein grandioser Filmtitel! ;)
Klar hab ich diesen den Klang mitgedacht, auch wenn das nervt, weil da ja nicht ZEIT steht sondern SEIT, und warum genau das so ist, also warum da SEIT steht, weiß ich entweder nicht oder sage es nicht ;)

Nein, im Ernst jetzt: Danke für deinen Kommentar. Auch wenn es um Grausamkeiten gar nicht geht, glaub ich. (Aber wer weiß schon, was uns das Surreale sagen will... träumend... écriture automatique? existiert die? oder nur als Fiktion?)

Danke auch für deine Anregung zur "Verdichtung". Sei nicht böse, wenn ich sie im Moment nicht aufgreifen mag, obwohl sie wahrscheinlich etwas für sich haben.

(Diese "wahrscheinlich" und "glaub ich" sind keine Koketterie - bei diesem Text hab ich überlegt, ob ich ihn unter Experimentelles einstelle, weil es eine Art Experiment ist.)

Herzlich
klara

Quoth
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Beitragvon Quoth » 17.11.2010, 18:55

Liebe Klara, während Gabriella kühn die Kürzungsschere schwingt, wünsche ich mir mehr Text. Ich kapiere den Pigmentwechsel zwischen Mutter und Tochter nicht. Und: Was hat die gedanken- und berührungslose Mutter mit den Enten gemacht? Doch hoffentlich wenigstens ausgenommen, gerupft, gefüllt und gebraten! Und, böse, wie sie ist, hat sie den Rasen vorm Haus wirklich nur mit Wasser und nicht mit einer Dynamitladung gesprengt? Letzteres soll kein Scherz sein: Die hochkonzentrierte, auf Weglassen und Verdichten geeichte Textgestalt zwingt mich, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, und dabei entdecke ich in "sprengen" eine aggressive Bedeutungsvariante und kann nicht ausschließen, dass sie mitgemeint sein soll - wie in "seit" "Zeit"...
Der Text versucht wie Deine "Milden Exzesse" mit der Mutter abzurechnen. In den "Exzessen" kam ich der Mutter näher, und das war gut, vor allem zeigte sie dort auch eine Schwäche, die mich anrührte. Die fehlt mir hier.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Klara
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Beitragvon Klara » 17.11.2010, 19:00

nein nein, Quoth, keine Abrechnung! Auch nicht in den milden Exzessen!

Es ist auch kein Rätseltext oder so.

Das Schwierige ist, wenn man so was versucht, dass es immer nicht klappt, das MITschreiben, das NICHTdenken dabei. Man fügt dann eben doch Worte hinzu, die nicht stimmen, weil die stimmigen weg sind.

"sprengen" zum Beispiel ist so eines. Das hast du identifiziert: Es stimmt nicht im Text. Schon gar nicht als Granitladung - obwohl diese Assoziation interessant ist und dann vielleicht doch wieder stimmt. Auf dem Umweg.

Danke für die Rückmeldung.

Klara
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Beitragvon Klara » 17.11.2010, 19:01

...
und wieder lege ich Wert auf die Feststellung, dass das "Ich" eine Funktion ist, kein Mensch. Eine Text-Funktion. Keine klara. Ein Traum. Keine Realität. Die Enten - dito.
...
Edit: Vielleicht daher das Fehlen von Angerührtsein -
?

Mucki
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Beitragvon Mucki » 17.11.2010, 19:05

Die Enten, die hier geköpft oder erdrosselt (oder wer weiß was) werden, stehen hier symbolisch für etwas, das ist mir schon klar. Aber für was? :12:
Dein Text weckt ne Menge Assoziationen, Klara. ,-)


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