no vember - ein monat steigt aus

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 08.11.2010, 17:53

In diesem Jahr benimmt sich der November bisher einigermaßen erwartungsgemäß, er tobt sich aus, regnet ab und lässt uns frieren. Letztes Jahr war das zumindest in der ersten Novemberhälfte überhaupt nicht so. Daher stammt dieser Text:


no vember – ein monat steigt aus


no vember
wenn im altweibergewirk
die grasfrösche murren
und das surren der bienen um senf und ölrettich
rastlos rüberweht

blühinstallationen in gelb weiß und amber
siebzehn grad
und immer noch
immer noch die bienen
eben vorm fenster fiel tot eine lerche herab

no vember

wenn die reben vom stamm faulen
und die heideballen auf den gräbern dörren
heißt es
erben vom kürbiskopf

die ersten weihnachtsmänner
wildern hinter signalroten schildern
die drosseln quasseln subsongs unter butten
wie waberlohe glühen blätter
und statt wetter
geht der südwind
keine wehfrau des winters

o vembern soll es
wär dies verb omen

die wärmestuben will ich lüften
wundgelegne wenden
wegzoll fordern von denen
die das wittum verheizen

den winterschlaf einleiten
in die brom vene

licht aus!
vember on!

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ferdi
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Beitragvon ferdi » 10.11.2010, 11:54

Hallo Fenestra!

Ein schönes Gedicht, auch wenn ich mich an den November des letzten Jahres gar nicht mehr wirklich erinnern kann ;-) Mir scheint es nur ein wenig lang zu sein, oder aus einem anderen Winkel gesehen: für seine Länge hat es mir fast zuwenig "Zug", dümpelt ein wenig vor sich hin... Aber das nur so am Rande, insgesamt eine gelungene Sache, sicherlich.

Ferdigruß!
Zuletzt geändert von ferdi am 10.11.2010, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)

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Eule
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Beitragvon Eule » 10.11.2010, 12:14

Hallo fenestra, Dein mit viel Humor und Hintersinn geschriebener Text ist genau das richtige für diese trüben Tage ! Klasse gemacht ! Viele Grüße !
Ein Klang zum Sprachspiel.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 10.11.2010, 16:03

Hallo fenestra,

klasse, was du alles aus dem Wort November rausholen kannst!
Dies ist wieder ein typisches fenestra-Gedicht, dessen Experimentelles, Verspieltes und Rhythmisches ich so mag.
Sehr gelungen auch die Umkehr vom Titel zum Schluss.

Saludos
Gabriella

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leonie
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Beitragvon leonie » 10.11.2010, 17:09

Liebe fenestra,

das finde ich wieder total originell und fenestrig.

Die sprachliche Gestaltung: Binnenreime, Alliterationen, Anagramme, Anspielungen (besonders die letzte Strophe finde ich ganz fein), ganz toll, finde ich. Das "r" hast Du hier super eingesetzt, finde ich!
Es gibt ein paar kleine Stellen, wo sich das Anagramm ein klein wenig in den Vordergrund drängelt, besonders bei "erben vom" und "brom vene". Aber ich denke, das kann hier nicht anders sein, und es es wäre zu schade, auf diese Stellen zu verzichten.

Den Titel finde ich einfach wunderbar, so müssen Titel sein!

Liebe Grüße

leonie

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 11.11.2010, 12:12

Hallo, liebe Novemberdurchwehte,

danke für diese schönen Rückmeldungen!

Lieber ferdi, den milden November hätte ich ohne dieses Gedicht sicherlich auch vergessen - auch dazu können Gedichte manchmal gut sein! Die Länge wird durch die Anagramm-Trittsteine überbrückt, hoffe ich. Die längere anagrammfreie Strophe mit den Weihnachtsmännern hat durch die Binnenreime eigentlich genug Tempo. Ansonsten ist das von dir empfundene Dümpeln ja vielleicht genau das Gefühl, das sich einstellt, wenn der November einfach nicht so richtig durchgreifen will. ;)

Lieber Arne, danke für das Lob! Dieses Jahr ist der November wirklich ziemlich trübsinnig.

Und an deiner Reaktion, liebe Gabriella, merke ich immer, wenn mir der Rhythmus in einem Text gelungen ist! Dann bist du gleich zur Stelle, danke dir!

Liebe leonie, freut mich sehr, dass es dir gefällt! Wegen der Anagramme im Vordergrund: Ich habe sie ja kursiv gesetzt, vielleicht sollte ich das lieber nicht tun? Andererseits merkt dann vielleicht wirklich niemand etwas davon ...

Viele Grüße
fenestra


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