Glücksgedichte II

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Louisa

Beitragvon Louisa » 30.10.2010, 01:10

Der Mond schmolz wie Zitroneneis ins Laub
und so schmolz ich dahin an seiner Seite,
die Decke war die Nacht, ein dunkler Vogel
sang uns bunte Farben in den Sinn.

Ich sah Romeo und nicht die Lerche,
aber ach! Mein Liebster
schnarchte -

Er sah wunderschön und friedlich,
beinahe beflügelt aus und wenn ich
über seine Wange strich, oh Wunder!
Hörte er zu schnarchen auf. Jedoch -

Mein stilles Glück war nicht von Dauer -
so lag ich schweigsam auf der Lauer
und begann verzweifelt ihn zu küssen.
Ich wähnte mich bereits erfolgreich,

Als ich hauchte: Du, mein Liebling
erinnerst mich an eine Bohrmaschine!

Er öffnete kein Aug, verzog keine Miene
und sprach im Schlaf zu mir:

"Very nice ... Very nice ..." und schnarchte.
Ich hörte zu und hielt Wache bis ins Morgen-
grauen, um 6 Uhr küsste ich ihn wach, er fragte:
"Hast du gut geschlafen?" Ich sagte lächelnd:
"Nein."

(Das muss wahre Liebe sein.)

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 30.10.2010, 09:59

ach was soll ich immer so große worte machen. ich mag deine gedichte einfach.

Niko

Beitragvon Niko » 30.10.2010, 13:07

die erste strofe ist für mich herausstechend, weil sie die dichteste ist und sich noch absetzt von dem dann doch sehr erzählerisch werdenden rest. das ende des textes macht ihn natürlich zum gewinner der masse. und ich zähle mich dazu.
glücksgedichte in höchst lyrischer verdichtung wäre auch wohl eher kontraproduktiv. ich glaube, dass gerade dies erzählende leichte dieses glücksgefühl massiv unterstreicht.
ich mag diesen teil II genauso wie den vorangegangenen. auch wenn´s für mich auf eine art zu "plätscherig" ist

liebe grüße: niko

Louisa

Beitragvon Louisa » 31.10.2010, 15:28

Dankeschön ihr zwei :blumen:

Sagt mal, sieht die Schrift bei euch auch gerade und riesig aus? So ist es nämlich, wenn euer PC diese verschnörkelte Schriftart nicht kennt - und der Ersatz sieht ja grauenvoll aus :smile: !

Schönen Sonntag!
l

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 31.10.2010, 16:09

ja gerade und riesig. aber ob verschnörkelt mir besser gefallen würde. na egal. ich wollte gerade mal schnell sagen (obwohl es gar nicht hier gehört), dass ich gestern einen extrem lustigen abend hatte, dank deines "behindiblicks". großartige erfindung das.

Quoth
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Beitragvon Quoth » 01.11.2010, 09:42

Hallo, Louisa,
Deine Freude am Nonsensehaften in Ehren, aber müsste es zu Beginn der zweiten Strophe nicht heißen: "Ich hörte Romeo - und nicht die Nachtigall"? Denn dass um die Zeit keine Lerche singt, ist eh klar, und dunkel ist es auch, so dass Sehen eine geringere Rolle spielt als Hören.
Wie die Schlaflosikgiet neben einem schnarchenden Mann zu einem Glücksgedicht der Frau gerinnen kann, das gehört wohl zum Kapitel "Unergründlichkeit der Frauenseele".
Schreckliche Schrift! Wie eine Traueranzeige!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Louisa

Beitragvon Louisa » 01.11.2010, 11:45

Hallo Xanthippe!

Oh, hast du den Behindi-Blick selbst erleben können oder ihn nur in meinem Beitrag wahrgenommen :smile: ? Das ist ein tolles Phänomen, ja :smile: !

Quoth, ich ändere die Schrift der Glücksgedichte heute Abend denke ich :smile: ... wenn nur ich das Original sehen kann bringt es ja nischt!

Ich dachte, dass es bei Shakespeare heißt: "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche!"

Weil doch die Lerche ein Vogel des Morgends ist - ersehnt die schlaflose Dame in meinem Text natürlich die Lerche herbei, die den schnarchlosen Morgen verkündet ;-) ! Sie sieht aber nur Romeo -

Du siehst, ich habe einen Sinn im Unsinn für mich versteckt...

Schönen Tag!
l

Quoth
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Beitragvon Quoth » 02.11.2010, 18:57

Louisa, ja, die Schrift ist so besser. Was hast Du denn da für eine Font, die sich nur bei Dir und nicht bei allen darstellt?

Nochmal zur Lerche: Diese Zeile steht, bevor man als Leser erfährt, dass Romeo schnarcht, deshalb kann von Sehnsucht nach dem Morgen und der Lerche noch keine Rede sein. Der vorher erwähnte "dunkle Vogel" kann im Romeo-Kontext nur die Nachtigall sein.

Und zum Glück trotz Schnarchens: In diesem etwas-auf-sich-Nehmen, was am Partner nicht gut ist, ja, sogar belastend, liegt ein kleines persönliches Opfer, und vielleicht ist das ja wirklich das höchste Liebesglück! Vorzüge eines Partners genießen - geschenkt - ja, fad! Aber Schattenseiten ertragen, ihnen das Beste abgewinnen ... Du stellst es erheiternd dar, aber es ist wirklich was Feines.
Gruß
Quoth

Trotzdem: Vielleicht mal den SnoreMender ausprobieren?
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Louisa

Beitragvon Louisa » 03.11.2010, 17:22

...ok, quoth - ich verstehe deine anmerkung...ich schaue es mir bei Gelegenheit die Tage noch einmal an und versuche es zu verbessern-

Dieses Ding sieht ja furchtbar unerotisch aus ;-) ! Da höre ich lieber das Schnarchen - außerdem gewöhnt man sich ja auch an alle Macken mit der Zeit ;) oder? Wenn es die Gewöhnung nicht gäbe könnte man die Ehe sofort abschaffen :smile: !

Schönen Abend,
l


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