das lied vom sichnichterinnernkönnen
(als hätte ich nie gelernt, dass tage namen tragen.)
ich bedeute dem morgen: werde hell.
aber ich kann den abend nicht halten, wenn er vergeht.
ich kann das wort nicht sagen.
ein wort, das an den rändern steht.
auf der klippe hocken wir, schauen hinab auf das meer.
und manchmal tut sich die erde auf.
dann schieben wir das sommergras zur seite,
scharren im sandigen boden und haben feuersteingeschmack im mund.
(als hätte ich nie gelernt, dass tage namen tragen.)
ich bedeute dem morgen: werde hell.
aber ich kann den abend nicht halten, wenn er vergeht.
ich kann das wort nicht sagen,
ein wort, das an den rändern steht.
du glaubst, dass eine strömung die menschen davonträgt.
sie sind dann nie gewesen.
du magst den gedanken - du willst keine tränen und keine trauer.
kein grab im sandigen boden und auch keinen stein.
(als hätte ich nie gelernt, dass tage namen tragen.)
ich bedeute dem morgen: werde hell.
aber ich kann den abend nicht halten, wenn er vergeht.
ich kann das wort nicht sagen,
ein wort, das an den rändern steht.
das lied vom sichnichterinnernkönnen
- allerleirauh
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Zuletzt geändert von allerleirauh am 28.10.2010, 19:26, insgesamt 2-mal geändert.
hey, das hast du gelesen am freitag!
und obwohl ich (ehrlich gesagt) eher unkonzentriert war aus nervosität wegen meines eigenen noch bevorstehenden "auftritt" ist das irgendwie hängengeblieben (ja, tatsächlich, "erstes mal" eigene texte vorlesen (oder überhaupt öffentlich vorlesen), aber bühne kenn ich schon ein bisschen, und sobald ich da "oben" bin, ist meistens alles gut, dann bin ich DA ;))
ich bin mir noch unschlüssig, ob ich das mit der wiederholung schlüssig finde, und insgesamt, ob mir das gedicht etwas anderes sagt als das, was da steht - muss ich noch ien paar mal lesen.
entschuldige die unkonzentrierte rückmeldung :)
herzlich
klara
und obwohl ich (ehrlich gesagt) eher unkonzentriert war aus nervosität wegen meines eigenen noch bevorstehenden "auftritt" ist das irgendwie hängengeblieben (ja, tatsächlich, "erstes mal" eigene texte vorlesen (oder überhaupt öffentlich vorlesen), aber bühne kenn ich schon ein bisschen, und sobald ich da "oben" bin, ist meistens alles gut, dann bin ich DA ;))
ich bin mir noch unschlüssig, ob ich das mit der wiederholung schlüssig finde, und insgesamt, ob mir das gedicht etwas anderes sagt als das, was da steht - muss ich noch ien paar mal lesen.
entschuldige die unkonzentrierte rückmeldung :)
herzlich
klara
Hallo a.
hier schleiche ich schon eine ganze Weile herum. .-)
Das Gedicht hat einen wunderbaren Klang, es trägt mich hindurch.
Die 1 im Titel, hängt da irgendwie etwas seltsam herum. Ist es der Anfang einer Reihe? Ich würde ihn rein aus ästhetischen Gründen darüberstellen, oder eine "I." daraus machen.
Beim "Lied" bin ich mir nicht sicher, ich kann es mir (außer vielleicht von Klara .-)) nicht gesungen vorstellen und empfinde es dann fast eher als Rechtfertigung für die Wiederholung. Was dann für mich die Frage anschließt, wozu diese Wiederholung gebraucht wird, ob sie nur Klang erzeugen soll. Am Anfang war ich nicht überzeugt, ähnlich wie ich auch die Klammerzeile nicht richtig einbinden konnte. Mittlerweile kann ich beides aber im Gedicht selbst verorten, sie sagen mir etwas über den Klang hinaus, und ich möchte sie daher nicht mehr missen.
Das "sichnichterinnernkönnen" lese ich in Bezug zu dieser Zeile: "sie sind dann nie gewesen." Eine Form des Selbstbetruges, wie auch die Feststellung im Refrain, dass LIch sagt, es "bedeute" (im Sinne von anweisen?) dem Morgen hell zu werden. Allem Gegenüber ist das LIch in Wahrheit machtlos. Das "kann" lese ich eher im Sinne eines nicht Dürfens, sich nicht Erlaubens, einer Rücksicht auf die Wünsche des LDu. Trauer wird versagt.
Den Feuersteingeschmack im Mund finde ich ganz wunderbar gesetzt.
Ein Gedicht, das mich zuerst klanglich für sich einnimmt, inhaltlich jedoch Zeit und mehrmaliges Lesen braucht, sich dann jedoch auch in der Hinsicht entfaltet und hält, was der Klang in den Raum vorauswirft. Danke fürs Einstellen.
Liebe Grüße
Flora
hier schleiche ich schon eine ganze Weile herum. .-)
Das Gedicht hat einen wunderbaren Klang, es trägt mich hindurch.
Die 1 im Titel, hängt da irgendwie etwas seltsam herum. Ist es der Anfang einer Reihe? Ich würde ihn rein aus ästhetischen Gründen darüberstellen, oder eine "I." daraus machen.
Beim "Lied" bin ich mir nicht sicher, ich kann es mir (außer vielleicht von Klara .-)) nicht gesungen vorstellen und empfinde es dann fast eher als Rechtfertigung für die Wiederholung. Was dann für mich die Frage anschließt, wozu diese Wiederholung gebraucht wird, ob sie nur Klang erzeugen soll. Am Anfang war ich nicht überzeugt, ähnlich wie ich auch die Klammerzeile nicht richtig einbinden konnte. Mittlerweile kann ich beides aber im Gedicht selbst verorten, sie sagen mir etwas über den Klang hinaus, und ich möchte sie daher nicht mehr missen.
Das "sichnichterinnernkönnen" lese ich in Bezug zu dieser Zeile: "sie sind dann nie gewesen." Eine Form des Selbstbetruges, wie auch die Feststellung im Refrain, dass LIch sagt, es "bedeute" (im Sinne von anweisen?) dem Morgen hell zu werden. Allem Gegenüber ist das LIch in Wahrheit machtlos. Das "kann" lese ich eher im Sinne eines nicht Dürfens, sich nicht Erlaubens, einer Rücksicht auf die Wünsche des LDu. Trauer wird versagt.
Den Feuersteingeschmack im Mund finde ich ganz wunderbar gesetzt.
Hier würde ich das zweite "wir" aus klanglichen und optischen Gründen streichen.auf der klippe hocken wir, wir schauen hinab auf das meer.
Ein Gedicht, das mich zuerst klanglich für sich einnimmt, inhaltlich jedoch Zeit und mehrmaliges Lesen braucht, sich dann jedoch auch in der Hinsicht entfaltet und hält, was der Klang in den Raum vorauswirft. Danke fürs Einstellen.
Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)
- allerleirauh
- Beiträge: 766
- Registriert: 26.06.2010
- Geschlecht:
liebe flora,
sorry, dass ich erst jetzt antworte. ich hatte deine entgegnung schon einmal gelesen, zumindet die 1 im titel getilgt, aber dann überkam mich ein alzheimer-anfall oder sowas. entschuldigung nochmals!
die von dir vorgeschlagene streichung ("wir"-6.vers) habe ich vollzogen.
was die wiederholung angeht, so kann ich meine intention schlecht erklären, aber ich will es versuchen.
im lied, wenn man das ganze als lied betrachten will (und ich könnte mir den text durchaus gesungen oder zumindest vertont vorstellen), erfüllt sie die refrainfunktion.
wenn ich den text aber als text nehme, der ja ein sehr ... melancholischer ... ist, dann erfüllt die wiederholung für mich eine ganz andere aufgabe. sie zeichnet zum einen eine ohnmacht ab. wenn man so will, erkennt das lyrICH eine tatsache an, die aus eigener kraft nicht zu ändern ist.
zum anderen ist für mir der wiederholte vierzeiler auch etwas, das stärke und sicherheit geben kann. wenn man sich einen tatbestand immer und immer wieder vor augen führt, ist es vielleicht leichter, ihn zu akzeptieren?
ich hoffe, das war jetzt nicht zuuu kryptisch. ich bin schlecht im erklären meiner eigenen texte.
lga
sorry, dass ich erst jetzt antworte. ich hatte deine entgegnung schon einmal gelesen, zumindet die 1 im titel getilgt, aber dann überkam mich ein alzheimer-anfall oder sowas. entschuldigung nochmals!
die von dir vorgeschlagene streichung ("wir"-6.vers) habe ich vollzogen.
was die wiederholung angeht, so kann ich meine intention schlecht erklären, aber ich will es versuchen.
im lied, wenn man das ganze als lied betrachten will (und ich könnte mir den text durchaus gesungen oder zumindest vertont vorstellen), erfüllt sie die refrainfunktion.
wenn ich den text aber als text nehme, der ja ein sehr ... melancholischer ... ist, dann erfüllt die wiederholung für mich eine ganz andere aufgabe. sie zeichnet zum einen eine ohnmacht ab. wenn man so will, erkennt das lyrICH eine tatsache an, die aus eigener kraft nicht zu ändern ist.
zum anderen ist für mir der wiederholte vierzeiler auch etwas, das stärke und sicherheit geben kann. wenn man sich einen tatbestand immer und immer wieder vor augen führt, ist es vielleicht leichter, ihn zu akzeptieren?
ich hoffe, das war jetzt nicht zuuu kryptisch. ich bin schlecht im erklären meiner eigenen texte.
lga
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wüstenfuchs
Gestern las ich beim müden Durchblättern von Trakls Gedichten "den Abend noch einmal halten..." und irgendwie blieb das hängen, nun lese ich hier fasziniert den Text, der den Abend nicht halten kann, vom fehlenden Wort und vom Feuersteingeschmack.
Habe mich auch gerne in dem liedartigen Text verloren,
beste Grüße
Fux
Habe mich auch gerne in dem liedartigen Text verloren,
beste Grüße
Fux
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