wie wild du bist

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 02.10.2010, 11:51



wie wild du bist

wenn du so ruhelos
mir durch´s haar fährst
das schüttere
und dich sträubst
gegen jeden anflug
von unbeschwertheit

wie du mein herz rührst
wenn du so kraftvoll tanzt
in deinem kleid aus ungekannten farben
und mich erröten lässt
wenn dein kuss
mein wundes herz erglüht
wie nötig du mir bist

lege dich nicht schlafen
ich muss dir noch ins auge sehen
und begreifen
Zuletzt geändert von Niko am 02.10.2010, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Zakkinen
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Beitragvon Zakkinen » 02.10.2010, 11:57

Hallo Niko,

ein schönes Werk von Dir. Das wunde Herz steht ein wenig im Pathosverdacht, doch recht soll's mir sein. In der zweiten oder dritten Zeile versuche ich beim Lesen immer ein du unterzubringen. Hast Du's mit Bedacht gelassen? In der zweiten Strophe hat es dann so viel davon, da könnt man auf eins verzichten.

Grüße
Henkki

Niko

Beitragvon Niko » 02.10.2010, 12:22

hallo henkki,

ne......das du war sozusagen bedachtlos vergessen. hab´s jetzt eingefügt. schon spannend, dass man soetwas vergessen kann! dank dir für den hinweis. auch mit der zweiten strofe hast du recht. aber wo soll ich da eins rausnehmen? ich finde, ließe ich eins weg, würde es den sprachfluss hemmen, die schwingung des textes würde verlieren. glaube ich zumindest.

dank dir für deine unglaublich schnelle rückmeldung!

liebe grüße: niko

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noel
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Beitragvon noel » 02.10.2010, 12:59

runum
rundweg
bewegend
für mich
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

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leonie
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Beitragvon leonie » 02.10.2010, 13:42

Lieber Niko,

das finde ich auch sehr gelungen und habe doch zwei Kritikpunkte:

"unbschwertheit" finde ich ein großes, starres Wort in diesem feinen Text. Gibt es vielleicht ein Bild dafür?

ich finde "wundes herz erglüht" zuviel des Guten. Zudem könnte es auf der Bildebene stimmiger sein, wenn du entweder beim "wund" oder beim "erglühen" bleibst. Ich persönlich würde mich für letzteres entscheiden und dann etwas wie "dunkles oder erloschenes, herz erglüht" überlegen.

Trotzdem in jedem Fall gern gelesen!

Liebe Grüße

leo

Niko

Beitragvon Niko » 02.10.2010, 15:06

hallo leonie!
unbeschwertheit zu ersetzen durch ein anderes bild - finde ich schwierig. im moment bin dazu jedenfalls nicht imstande. vielleicht mit etwas mehr abstand zum text (sozusagen frisch aus der kopfpresse) finde ich eine lösung.

"wundes herz erglühte" - das sind immer solche "glaubenskriege": darf ein gedicht schwülstig sein, wieviel davon ist verträglich, ist es überhaupt zulässig? der punkt ist doch, dass es immer im auge des betrachters liegt, der pathos, der schwulst, der kitsch. ich finde hier diese stelle dazugehörig, weil meiner meinung nach das, was man sonst immer vermeidet, zuzulassen, die empfindungen, das unterdrückte befinden, hier eine aussagekraft hat. vielleicht ist die kombination von wund UND erglühen etwas viel. aber ich glaube, die zeile wird durch das gedicht gerechtfertigt. - ich warte erstmal ab, was dies anbelangt, wie andere darüber denken. das heißt nicht, dass es vom tisch ist. ok?

hey noel!
dein kommentar freut mich sehr! was ist denn eigentlich "runum" *g - neeeeeeeeee......ick weeß, wat du meinst!

danke!

liebe grüße: niko

Quoth
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Beitragvon Quoth » 02.10.2010, 16:15

Lieber Niko,
Du bist zufällig gleichzeitig mit Louisa auf die Idee gekommen, ein Liebesglücksgedicht zu verfassen. Es scheint mir gelungen!
Ich habe ein anderes Problem als Leonie mit der vorletzten Zeile des zweiten Blocks: Ich lese da: "wenn dein kuss mein wundes herz (Akkusativ) erglüht". Wenn ich das so lese, müsste es korrekter Weise "erglühen lässt" heißen, was aber nicht sehr poetisch klingt.
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 02.10.2010, 18:48

Interessant, dass Quoth diesen Text für ein Liebesgedicht hält - ich habe es als Herbstgedicht gelesen.

Mir ist es in der Tat zu schwülstig - nicht nur das wunde, erglühende Herz, auch das Erröten, der Kuss, das Sträuben, ins Auge sehen (dass es ins Auge heißt, ist im Übrigen für mich ein Hinweis, dass es sich um keinen Menschen handelt, sondern um ein Phänomen, z.B. die Jahreszeit, sonst hieße es in die Augen).

Wie ist es, wenn man sich gegen jeden Anflug von Unbeschwertheit sträubt? Da sehe ich jemanden, der gewollt bedeutungsschwer, bierernst oder völlig humorlos ist.

Auf dieser Wellenlänge empfange ich im Moment einfach nicht.

Viele Grüße
fenestra

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 02.10.2010, 18:57

das finde ich jetzt sehr spannend. weil mir nämlich erst fenestras hinweis, dass es sich eben nicht um einen menschen sondern um ein phänomen handelt, das hier behandelt, angesprochen, thematisiert, (wie auch immer) wird, weil mir dieser hinweis das gedicht ganz neu anbietet.
auf eine sehr gute weise neu. bis zum tanzen, der kuss ist mir dann nicht einmal zu viel, es ist nur so, dass ich da kein bild finde für den kuss des herbstes, obwohl ich den gedanken sehr mag und den schluss sehr berührend finde.

Niko

Beitragvon Niko » 02.10.2010, 21:33

also doch!

ich freue mich, dass es dann doch erkennbar ist / wird, dass es sich um ein herbstgedicht handelt. nu - es steht in "freies weben". was aber als hinweis nicht genügte. in einem anderen gedicht, wo es um schuld ging, wurde mir gesagt, dass der begriff "schuld" nicht genannt werden müsse, es ginge auch ohne. das habe ich jetzt am herbst ausprobiert. und ich freue mich, dass beide lesarten nahezu lesbar sind. zumindest für das meiste. und...- der herbst kann auch eine geliebte sein. oft ist vom herbst die rede im zuge von tod und sterben und fallen und endzeitstimmung und welkem laub etc....-ich mag sie alle, schreibe selbst auch solche, aber - tom sei dank - ich wollte mal ein herbstgedicht schreiben, was anders funktioniert. dass es das nicht für alle tut ist schade. aber das ist wohl bei jedem gedicht so in irgendeiner form.

es gibt den kuss des todes, man lässt sich vom sommer und von der sonne küssen - warum nicht auch vom herbst! so man ihn von seiner positivsten seite sieht, finde ich diese küsse zauberhaft! und wie der kuss so ist oder sein sollte, der des sommers, der der sonne und hm.....naja......auch der des todes, berührt er. der herbst berührt mich. das kleid der ungekannten farben.

das erglüht" sollte eigentlich aufzählend und als verb eines satzes funktionieren. ist sicher grammatikalisch wieder mal eine grenzwanderung, wie max sagen würde ;-)

sträuben, erröten, ins auge sehen - ich kann daran nichts schwülstiges finden, liebe fenestra. im ganzen duktus zu schwülstig - das könnte ich noch irgendwie nachvollziehen. aber so ist es mit der liebe (zum herbst) bei mir - wenn ich liebesgedichte schreibe, dann schreibe ich so, wie ich empfinde. und wenn das schwülstig sein mag, dann ist es so. liebesgedichte kann ich nicht arg nüchtern schreiben. ebensowenig wie lustig gereimte gedichte über den tod. geht mir einfach ab, da bin ich versperrt. vielleicht humorlos und bierernst. so bin ich aber nicht wirklich (leider kennst du mich ja nicht von angesicht)

ich danke euch allen für´s kommentieren: niko

Quoth
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Beitragvon Quoth » 03.10.2010, 10:46

Ja, Niko, da ist Dir nicht nur ein schöner Text, sondern ein Kunststück gelungen - eine Art Kippbild, das man so oder so sehen kann, und beides ist in sich stimmig. Ich würde es so zusammenfassen: Der Versuch über den Herbst zu schreiben, ohne ihn zu benennen, hat Dich zu einem ungewöhnlich warmen Beziehungstext verführt. Wobei das "kraftvolle Tanzen" ein wenig befremdlich bleibt - aber ich hatte einen Freund, dessen Frau für ihn, wenn er missgestimmt war, tanzte - sogar mit einer Kerze auf dem Kopf!
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Niko

Beitragvon Niko » 03.10.2010, 11:05

danke für deine lieben worte quoth!
und irgendwie hat es sich schon so abgespielt, wie von dir beschrieben. ich wollte ein "herbst mal anders"-gedicht schreiben. und schrieb ein liebesgedicht. meine frau kann jetzt eifersüchtig auf den herbst sein! :-)

manchmal in discos, die heute sicher anders heißen, aber reingehen tu ich noch, beobachte ich menschen beim tanzen. und ich sage dir, es gibt tänzerInnen, die faszinieren dermaßen durch ihre art zu tanzen! manchmal trotz aller unauffälligkeit so kraftstrotzend, energiegeladen - unglaublich! ich hätte vielleicht "ausdrucksstark" statt kraftvoll nehmen können, aber das ist mir hier zu wischiwaschi.....
mit kerze auffem kopf tanzen...das hat was! schränkt aber sicher die bewegungsfreiheit ein, oder?

liebe grüße: niko, der sich nen wolf tanzt


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