Der Herbst knattert
um die Häuser
und haut mir Fragen
ins Gesicht
Kühl und rostig knirscht er
Wie lange?
Leuchtend und stoppelnd faucht er
Wohin?
Meine Atemzüge
hüllt er ins Graue
taucht jeden Schritt
ins Knistern und Knacken
ich keuche und gehe
will wenden
muss weitergehen
Verzieh dich!
schrei ich und weiß doch
er lässt nicht locker
und mich nicht los
Erstfassung:
Der Herbst knattert
um die Häuser
und haut mir Fragen
ins Gesicht
Kühl und rostrot krakeelt er Wie lange
Leuchtend und stoppelig faucht er Wohin
„Halts Maul“ will ich schreien und weiß doch
er lässt nicht locker und mich nicht los
hüllt meine Atemzüge ins Graue
taucht jeden Schritt ins Knistern und Knacken
ich keuche und gehe, will wenden, muss weitergehen
Änderung: Schlusszeile gestrichen:
"bis auf den Grund"
Oktobergedicht (das 601. Herbstgedicht)
das 601. herbstgedicht, aber das allererste oktobergedicht. noch bevor der oktober anfängt.
ich mag es ansatzweise. d.h. ich finde schöne stimmungen und bilder, aber ich finde sie noch nicht so ausgedrückt, dass ich mich ihnen wirklich hingeben kann, dass ich ihnen folgen kann. die farben z.b. kühl und rostrot, das mag ich gerade weil es nicht zu passen scheint, diese rostrote farbe ist ja eine sehr warme farbe, aber gerade das ist ein schöner stimmungsvoller gegensatz, aber dann krakeelt er leider der herbst und das passt (mir) nicht. und dieses halts maul, ich weiß nicht, vielleicht ist das ja eine ganz dumme eigenart von mir, aber auch das stösst mich ab, das könnte man vielleicht anders ausdrücken. schön ist dann ja wieder dieser griff, in dem das lyrische ich sich befindet, da kann ich gerne und gut mitgehen. schade finde ich dann wieder den (mir etwas platt erscheinenden) schluss.
übrigens: ich mag den herbst. sehr sogar.
xanthi
ich mag es ansatzweise. d.h. ich finde schöne stimmungen und bilder, aber ich finde sie noch nicht so ausgedrückt, dass ich mich ihnen wirklich hingeben kann, dass ich ihnen folgen kann. die farben z.b. kühl und rostrot, das mag ich gerade weil es nicht zu passen scheint, diese rostrote farbe ist ja eine sehr warme farbe, aber gerade das ist ein schöner stimmungsvoller gegensatz, aber dann krakeelt er leider der herbst und das passt (mir) nicht. und dieses halts maul, ich weiß nicht, vielleicht ist das ja eine ganz dumme eigenart von mir, aber auch das stösst mich ab, das könnte man vielleicht anders ausdrücken. schön ist dann ja wieder dieser griff, in dem das lyrische ich sich befindet, da kann ich gerne und gut mitgehen. schade finde ich dann wieder den (mir etwas platt erscheinenden) schluss.
übrigens: ich mag den herbst. sehr sogar.
xanthi
-
scarlett
Liebe leonie,
wahrscheinlich ist das DIE Art, in der man noch akzeptable Herbstgedichte schreiben kann. Und ich will jetzt keine Diskussion eröffnen, à la akzeptabel - von wem? für wen?
Ich finde es gelungen, fein-schnoddrig, aber ich weiß nicht, ob es sich in meiner Erinnerung halten wird. Ein Moment-Lesegenuss, ein Kopfnicken, ein leichtes Grinsen ... aber danach?
Nichtsdestotrotz gern gelesen!
LG
scarlett
wahrscheinlich ist das DIE Art, in der man noch akzeptable Herbstgedichte schreiben kann. Und ich will jetzt keine Diskussion eröffnen, à la akzeptabel - von wem? für wen?
Ich finde es gelungen, fein-schnoddrig, aber ich weiß nicht, ob es sich in meiner Erinnerung halten wird. Ein Moment-Lesegenuss, ein Kopfnicken, ein leichtes Grinsen ... aber danach?
Nichtsdestotrotz gern gelesen!
LG
scarlett
Hi leonie,
mir gefällt's, gerade, weil es trotzig und eben anders ist.
Nur die Setzung würde ich anders gestalten, das wäre meine Idee:
Der Herbst knattert
um die Häuser
und haut mir Fragen
ins Gesicht
Kühl und rostrot krakeelt er
Wie lange?
Leuchtend und stoppelig faucht er
Wohin?
Halts Maul!
will ich schreien
und weiß doch
er lässt nicht locker
und mich nicht los
hüllt meine Atemzüge
ins Graue
taucht jeden Schritt
ins Knistern und Knacken
ich keuche und gehe
will wenden
muss weitergehen
Ich frage mich noch, wie man die Zeichensetzung und Groß-/Kleinschreibung hier halten sollte. Vielleicht alles klein und keine Zeichensetzung? Müsste man mal ausprobieren, hm?
Was meinst du?
Saludos
Mucki
mir gefällt's, gerade, weil es trotzig und eben anders ist.
Nur die Setzung würde ich anders gestalten, das wäre meine Idee:
Der Herbst knattert
um die Häuser
und haut mir Fragen
ins Gesicht
Kühl und rostrot krakeelt er
Wie lange?
Leuchtend und stoppelig faucht er
Wohin?
Halts Maul!
will ich schreien
und weiß doch
er lässt nicht locker
und mich nicht los
hüllt meine Atemzüge
ins Graue
taucht jeden Schritt
ins Knistern und Knacken
ich keuche und gehe
will wenden
muss weitergehen
Ich frage mich noch, wie man die Zeichensetzung und Groß-/Kleinschreibung hier halten sollte. Vielleicht alles klein und keine Zeichensetzung? Müsste man mal ausprobieren, hm?
Was meinst du?
Saludos
Mucki
Liebe leonie,
das ist ein interessantes Bild vom Herbst: Er zerrt an einem herum, stellt alles in Frage, widerwillig muss man hindurch. Im Grunde geraten wir durch den Herbst, die kürzeren Tage, in eine melancholische Stimmung und stellen daher von innen heraus alles in Frage. Mir gefällt die schnoddrige Art, wie diese Fragen ausgelagert werden und Herbst und lyrisches Ich im Dialog sind.
Die Groß- und Kleinschreibung und die Zeichensetzung finde ich allerdings, wie Gabriella, inkonsequent. Du machst keine Punkte am Satzende, also warum Kühl und Leuchtend groß schreiben? "Halts Maul" steht in Anführungszeichen, obwohl das lyr. Ich es nur schreien will. Das, was der Herbst krakeelt, steht aber nicht in Anführungszeichen, sondern wird nur groß begonnen. Das solltest du nochmal durcharbeiten. Wie wärs mit durchgehender Kleinschreibung (auch die Nomen) und alle wörtlichen Reden kursiv?
Statt rostrot könnte man rostig schreiben, passt besser zu kühl und knattern. Statt zu krakeelen könnte der Herbst auch knirschen, wie rostiges Eisen eben. Nur so ein paar Gedanken.
Mir sind Herbstgedichte in diesem Jahr gar nicht über - es gibt so eine Vielfalt hier!
Viele Grüße
fenestra
das ist ein interessantes Bild vom Herbst: Er zerrt an einem herum, stellt alles in Frage, widerwillig muss man hindurch. Im Grunde geraten wir durch den Herbst, die kürzeren Tage, in eine melancholische Stimmung und stellen daher von innen heraus alles in Frage. Mir gefällt die schnoddrige Art, wie diese Fragen ausgelagert werden und Herbst und lyrisches Ich im Dialog sind.
Die Groß- und Kleinschreibung und die Zeichensetzung finde ich allerdings, wie Gabriella, inkonsequent. Du machst keine Punkte am Satzende, also warum Kühl und Leuchtend groß schreiben? "Halts Maul" steht in Anführungszeichen, obwohl das lyr. Ich es nur schreien will. Das, was der Herbst krakeelt, steht aber nicht in Anführungszeichen, sondern wird nur groß begonnen. Das solltest du nochmal durcharbeiten. Wie wärs mit durchgehender Kleinschreibung (auch die Nomen) und alle wörtlichen Reden kursiv?
Statt rostrot könnte man rostig schreiben, passt besser zu kühl und knattern. Statt zu krakeelen könnte der Herbst auch knirschen, wie rostiges Eisen eben. Nur so ein paar Gedanken.
Mir sind Herbstgedichte in diesem Jahr gar nicht über - es gibt so eine Vielfalt hier!
Viele Grüße
fenestra
-
Max
Liebe Leonie,
das Interessante an dem Text finde ich vor allem den Wechsel der Tonart gegenüber vielen anderen Texten von Dir, das ist sehr spannend.
Inhaltlich würde ich Amanita folgen und sagen: Wenn das Gedicht in Strophe 3 hinter "locker" aufhören würde, wäre es vermutlich auch ok.
Liebe Grüße
Max von der Insel, auf der nocch September ist
das Interessante an dem Text finde ich vor allem den Wechsel der Tonart gegenüber vielen anderen Texten von Dir, das ist sehr spannend.
Inhaltlich würde ich Amanita folgen und sagen: Wenn das Gedicht in Strophe 3 hinter "locker" aufhören würde, wäre es vermutlich auch ok.
Liebe Grüße
Max von der Insel, auf der nocch September ist
- Thomas Milser
- Beiträge: 6069
- Registriert: 14.05.2006
- Geschlecht:
Moin Leo,
jetzt hab ich gerade vorher meine Stimmen abgegeben für September (wahrscheinlich habe ich mich von deinem Titel irreführen lassen, hätteste das mal heut eingestellt :o).
Ich bin freudigst angetan, dich lyrisch "auftauen" zu sehen, wenn ich das mal so jovial-salopp sagen darf. Frech und rotzig einem Thema mal "von hinten" zu kommen, und dicke Backen machen. Ich finde das klasse, und im Gegensatz zu scarlett genieße ich auch die Kurzweil für den Moment. Und gehe jetzt mal auf den Deich und guck, ob er knattert :o)
Gut unterhalten,
Tom
jetzt hab ich gerade vorher meine Stimmen abgegeben für September (wahrscheinlich habe ich mich von deinem Titel irreführen lassen, hätteste das mal heut eingestellt :o).
Ich bin freudigst angetan, dich lyrisch "auftauen" zu sehen, wenn ich das mal so jovial-salopp sagen darf. Frech und rotzig einem Thema mal "von hinten" zu kommen, und dicke Backen machen. Ich finde das klasse, und im Gegensatz zu scarlett genieße ich auch die Kurzweil für den Moment. Und gehe jetzt mal auf den Deich und guck, ob er knattert :o)
Gut unterhalten,
Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Ich wollte einmal einen anderen Ton versuchen und die "fragende" Seite des Herbstes bezüglich der eigenen Vergänglichkeit darstellen.
Liebe Xanthi,
ich muss nochmal überlegen wegen dieser Ausdrücke, ob ich genau sie brauche, weil ich auch noch eine Umstellung erwäge, grundsätzlich geht es aber ja genau um den Kontrast: das schöne/lyrische, das aber hässliche Fragen stellt.
Liebe Amanita, lieber Max,
zumindest ein Satz ist ja schonmal weg!
, beim anderen stelle ich vielleicht noch um.
Liebe scarlett,
ich finde das genauso bedauerlich wie Du, dass ich manchmal den Eindruck habe, Gedichte müssen heutzutage einen bestimmten Ton haben, damit sie akzeptiert werden.
Ich schreibe meine eigentlich nicht, damit sie akzeptiert werden, sondern um meine eignen Möglichkeiten auszuloten, Neues für mich zu finden, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten, etc.
Und da will ich auch mal was "Garstiges" dabei haben. Freut mich, dass es Dir gefällt...
Liebe Mucki,
über Deine Vorschläge denke ich nach, Interpunktion wird sich auf jeden Fall noch verändern...
Liebe fenestra,
auch Deine Ideen überlege ich noch genau, wittzig in meinem Kopf war "rostig" (ich hatte kein Papier dabei, als ich es entwarf), niedergeschrieben wurde es "rostrot". Ich schaue nochmal! Ich kann auch gut noch mehr Herbstgedichte vertragen und liebe den Herbst grundsätzlich sehr!
Lieber Max,
s.o.
Lieber Tom,
danke, das freut mich, dass es in die engere Wahl gekommen wäre, wenn Du es rechtzeitig entdeckt hättest...
Danke Euch allen, ich mache mich dann nochmal an die Arbeit!
leonie
vielen Dank für Eure Rückmeldungen! Ich wollte einmal einen anderen Ton versuchen und die "fragende" Seite des Herbstes bezüglich der eigenen Vergänglichkeit darstellen.
Liebe Xanthi,
ich muss nochmal überlegen wegen dieser Ausdrücke, ob ich genau sie brauche, weil ich auch noch eine Umstellung erwäge, grundsätzlich geht es aber ja genau um den Kontrast: das schöne/lyrische, das aber hässliche Fragen stellt.
Liebe Amanita, lieber Max,
zumindest ein Satz ist ja schonmal weg!
, beim anderen stelle ich vielleicht noch um.Liebe scarlett,
ich finde das genauso bedauerlich wie Du, dass ich manchmal den Eindruck habe, Gedichte müssen heutzutage einen bestimmten Ton haben, damit sie akzeptiert werden.
Ich schreibe meine eigentlich nicht, damit sie akzeptiert werden, sondern um meine eignen Möglichkeiten auszuloten, Neues für mich zu finden, unterschiedliche Aspekte zu beleuchten, etc.
Und da will ich auch mal was "Garstiges" dabei haben. Freut mich, dass es Dir gefällt...
Liebe Mucki,
über Deine Vorschläge denke ich nach, Interpunktion wird sich auf jeden Fall noch verändern...
Liebe fenestra,
auch Deine Ideen überlege ich noch genau, wittzig in meinem Kopf war "rostig" (ich hatte kein Papier dabei, als ich es entwarf), niedergeschrieben wurde es "rostrot". Ich schaue nochmal! Ich kann auch gut noch mehr Herbstgedichte vertragen und liebe den Herbst grundsätzlich sehr!
Lieber Max,
s.o.
Lieber Tom,
danke, das freut mich, dass es in die engere Wahl gekommen wäre, wenn Du es rechtzeitig entdeckt hättest...
Danke Euch allen, ich mache mich dann nochmal an die Arbeit!
leonie
ja glatter. an einigen stellen gefälliger. was mir noch immer fehlt ist das gefühl. also die möglichkeit zu fühlen, was du aussagen wolltest. der widerspruch, die einheit von schön und schrecklich. diesen würgegriff der häßlichen fragen.
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