Beitragvon Lisa » 25.09.2010, 22:57
Liebe Renee,
ich mag diesen Text, er trifft mich - vielleicht auch, weil ich mich schon oft im Feinen und Groben hin und her gezogen habe und das Ende ähnlich setzen müsste (was ja nicht heißt, dass es so ist). Sprachlich geschickt, wie du zum einen die vorletzte Zeile mit dem beginnenden "eine" durch die sprachliche Nähe zum Feinen auf eben dieses Feine beziehst und zugleich damit die unausgesprochene (vielleicht gerade daher feststehende) Konsequenz schaffst, dass sich Renee eben auf das Grobe bezieht.
Und diese beiden Zeilen bauen auf einem vorhergehendem Text auf, der sich durch seine Vokabeln (Salz, Korn,, weben) geschichtlicher, "allmenschlicher" gibt und das finde ich gut erzählt und glaubwürdig, weil ich sagen kann: Ja, so kenne ich das auch. So empfinde ich das auch. Und die Konsequenz hängt auch damit zusammen, dass es diesen großen Bezugrahmen gibt, denn dieses Gefühl grob oder fein zu sein, diese Begriffe auf einen selbst anzuwenden, geschieht nicht aus einem selbst, sondern unter den anderen.
Der Text bildet für mich sehr fein ab, wie fremde Wertvorstellungen sich im Inneren zu Selbsturteilen aufrichten können, die man selbst schwerer als alles andere zu überwinden vermag, eben gerade, weil man selbst "ausführt".
Einzig etwas unbefriedigt lässt mich die Reihe "Stück, Ton, Wort" zurück - hier scheint mir der Kontakt zum Schmerz abgerissen zu sein und man ergeht sich dann ins Literarische und mündet im Wort...geht es wirklich darum? Oder: nur darum? Mir erscheint das zu ...~.
Nebenbei: In deiner Antwort an leonie finde ich meta-Überlegungen, dessen Formulierungen mich neidisch machen. Ich finde es bewundernswert, wie klar du dich da ausdrücken kannst und würde es mir gern in ein Büchlein schreiben, in das ich spieke, wenn es mir in Situationen wichtig wäre, mich fein auszudrücken.
liebe Grüße,
Lisa
ps:Und wie fein, dass der Titel dann wieder andersherum lautet: da steht das Feine am Ende, ich deute das hierarchisch
Vermag man eine Geschichte zu erzählen, die noch nicht geschehen ist?
Es verhält sich damit wohl wie mit unserer Angst. Fürchten wir uns doch gerade vor dem mit aller Macht, was gar nicht mehr geschehen kann, eben weil es schon längst geschehen ist.