ich tanze so selten
dass meine schuhe
mich auslachen
wenn ich stürze
ich falle so kläglich
so durchdeutscht
ich spinne mir ein kopftuch
und trage es dorthin
wo es wächst und gedeiht
wo der schnee die
nacht bedeckt
nur in den tränen
der alten nicht
wenn sie anfangen
hört man kein singen mehr
da verstummt die nacht
da fällt auch dem mond nichts ein
Bosnischer Tanz
-
Max
Hallo Alsobin,
der Text lässt mich ein wenig zwiespältig zurück.
Was ich mag: die Sprache, die originellen Bilder und den Ton, der mich heimisch fühlen lässt.
Womit ich eher hadere: Einige Bilder, die mir zu nahe am Klischee sind, vor allem wohl hier
und dass ich den Eindruck habe, ich verstehe vielleicht die Aussage nicht ganz.
Liebe Grüße
Max
der Text lässt mich ein wenig zwiespältig zurück.
Was ich mag: die Sprache, die originellen Bilder und den Ton, der mich heimisch fühlen lässt.
Womit ich eher hadere: Einige Bilder, die mir zu nahe am Klischee sind, vor allem wohl hier
wo der schnee die
nacht bedeckt
nur in den tränen
der alten nicht
und dass ich den Eindruck habe, ich verstehe vielleicht die Aussage nicht ganz.
Liebe Grüße
Max
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Alsobin
Ich war während des Krieges in Bosnien, genauer in Zenica, wir haben dort (denn ich bin nicht alleine gefahren) Medica besucht, ein Zentrum für vergewaltigte Menschen und ganz in der Nähe hatten wir übernachtet, am Morgen gingen wir wieder zu Medica und dort saß eine alte Frau, sie redete mit sich selber und nahm uns überhaupt nicht wahr.
Eine Frau bei Medica erzählte uns ihre Geschichte, sie wurde mit ihrer Tochter zusammen von Tschetniks in ein Lager gebracht, dort musste sie mitansehen, wie ihre Tochter mehrmals am tag vergewaltig wurde
Eine Frau bei Medica erzählte uns ihre Geschichte, sie wurde mit ihrer Tochter zusammen von Tschetniks in ein Lager gebracht, dort musste sie mitansehen, wie ihre Tochter mehrmals am tag vergewaltig wurde
Hallo Alsobin,
was du schreibst, geht aus deinem Gedicht m.E. nicht mal ansatzweise hervor und man kann das nun wirklich nicht herauslesen.
Das ist eine so grausame Angelegenheit. Und du stellst es als einen "Bosnischen Tanz" unter Liebeslyrik ein. Das passt m.E. überhaupt nicht zusammen.
Ein übles Thema, dem man vermutlich nie gerecht werden kann ...
Saludos
Gabriella
was du schreibst, geht aus deinem Gedicht m.E. nicht mal ansatzweise hervor und man kann das nun wirklich nicht herauslesen.
Das ist eine so grausame Angelegenheit. Und du stellst es als einen "Bosnischen Tanz" unter Liebeslyrik ein. Das passt m.E. überhaupt nicht zusammen.
Ein übles Thema, dem man vermutlich nie gerecht werden kann ...
Saludos
Gabriella
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Alsobin
Das stimmt doch nicht, natürlich geht es hervor,
wer während des Krieges in Bosnien und dem
Genozid gegen die muselmische Bevölkerung
nicht hingesehen hat, der sieht es natürlich nicht.
Wenn die Alten ihre Geschichten erzählen,
was für Geschichten sollen sie erzählen,
was für Geschichten erzählen denn alte Juden
wenn sie beginnen.
wenn ich das geschrieben hätte wäre es
verständlich geworden und natürlich gehört es
wenn überhaupt zur Liebeslyrik, es sei denn
man definiert Liebe nur als etwas das zwischen
zwei Menschen stattfinden darf, dann hätte das
Gedicht allerdings überhaupt keine Berechtigung.
In Bosnien gibt es wie über all, alles, vielleicht
dort ein bißchen mehr wie hier.
Es gibt die Liebe, die Leichtigkeit und es gibt
das grausame.
Das grausame war der Krieg, der Tanz ist das Leichte,
dazwischen ist das Leben und die Liebe und sie pendeln
hin und her
wer während des Krieges in Bosnien und dem
Genozid gegen die muselmische Bevölkerung
nicht hingesehen hat, der sieht es natürlich nicht.
Wenn die Alten ihre Geschichten erzählen,
was für Geschichten sollen sie erzählen,
was für Geschichten erzählen denn alte Juden
wenn sie beginnen.
wenn ich das geschrieben hätte wäre es
verständlich geworden und natürlich gehört es
wenn überhaupt zur Liebeslyrik, es sei denn
man definiert Liebe nur als etwas das zwischen
zwei Menschen stattfinden darf, dann hätte das
Gedicht allerdings überhaupt keine Berechtigung.
In Bosnien gibt es wie über all, alles, vielleicht
dort ein bißchen mehr wie hier.
Es gibt die Liebe, die Leichtigkeit und es gibt
das grausame.
Das grausame war der Krieg, der Tanz ist das Leichte,
dazwischen ist das Leben und die Liebe und sie pendeln
hin und her
-
Max
Hm Alsobin,
für mich ist das ein starker Text, das sagte ich ja - allein vom Gefühl, das ich dabei bekomme.
Ich finde auch die Erfahrung, die Du aus dem Bosnienkrieg berichtest, sehr eindrücklich
Aber dass Du behauptest, man müsse diese aus dem Gedicht herauslesen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich halte auch nichts von einem Argument wie
Wenn alles so eindeutig ist, muss ja nicht diejenigen diffamieren, die es nicht sehen; dann reicht ein kleiner Hinweis, warum es so deutlich ist.
Liebe Grüße
Max
für mich ist das ein starker Text, das sagte ich ja - allein vom Gefühl, das ich dabei bekomme.
Ich finde auch die Erfahrung, die Du aus dem Bosnienkrieg berichtest, sehr eindrücklich
Aber dass Du behauptest, man müsse diese aus dem Gedicht herauslesen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich halte auch nichts von einem Argument wie
wer während des Krieges in Bosnien und dem
Genozid gegen die muselmische Bevölkerung
nicht hingesehen hat, der sieht es natürlich nicht.
Wenn alles so eindeutig ist, muss ja nicht diejenigen diffamieren, die es nicht sehen; dann reicht ein kleiner Hinweis, warum es so deutlich ist.
Liebe Grüße
Max
Das finde ich ganz toll!
Der Titel gibt einen Hinweis.
Es gibt viele Gedichte, gute Gedichte, die nicht sofort klar sind für jeden Leser.
(Auch mir wäre es ohne die Erläuterung nicht klar, aber ich glaube nicht, dass das, in diesem Fall, den Text disqualifiziert. Man könnte vielleicht ein erklärendes Sternchen machen - okay.)
So wie das Reden der Alten nicht verständlich ist, wenn man die Geschichte dazu nicht kennt.
So wie kein Mensch sofort klar ist, und auch nie wird, für niemanden, nicht mal für sich selbst.
(Okay, umson nötiger ist Präzision im Ausdruck, und das rechtfertigt kein Gewaber, aber das lese ich hier nicht. Ich lese hier das Bemühen um Präzision im Gefühl, im Mit-Fühlen.)
Ich mag die Sprache, die Bilder, den Versuch, mit Zuwendung und, ja, doch, Liebe, also Menschlichkeit - hinzuschauen. Und hinschauen zu lassen. Abseits von Tagesschau oder Moralkeule. Mit Worten, die direkt zu Herzen gehen.
klara
Der Titel gibt einen Hinweis.
Es gibt viele Gedichte, gute Gedichte, die nicht sofort klar sind für jeden Leser.
(Auch mir wäre es ohne die Erläuterung nicht klar, aber ich glaube nicht, dass das, in diesem Fall, den Text disqualifiziert. Man könnte vielleicht ein erklärendes Sternchen machen - okay.)
So wie das Reden der Alten nicht verständlich ist, wenn man die Geschichte dazu nicht kennt.
So wie kein Mensch sofort klar ist, und auch nie wird, für niemanden, nicht mal für sich selbst.
(Okay, umson nötiger ist Präzision im Ausdruck, und das rechtfertigt kein Gewaber, aber das lese ich hier nicht. Ich lese hier das Bemühen um Präzision im Gefühl, im Mit-Fühlen.)
Ich mag die Sprache, die Bilder, den Versuch, mit Zuwendung und, ja, doch, Liebe, also Menschlichkeit - hinzuschauen. Und hinschauen zu lassen. Abseits von Tagesschau oder Moralkeule. Mit Worten, die direkt zu Herzen gehen.
klara
-
silberregen
Hallo,
den Text finde ich stark! Gerade deswegen, weil er sich nicht aufdrängt, nicht Anteilnahme "erzwingt", ohne die Kopfebene zu verlassen. Wie die Alten auch nicht die grossen Zusammenhänge erzählen, sondern ihr damaliges Erleben, das auch das Leichte beinhalten kann und das, wie du auch schon schriebst, hin und her pendelt. Finde ich gut eingefangen, auch wenn mir der konkrete Bezug so auch nicht klar gewesen wäre, ohne Erklärung.
Mühe habe ich allerdings mit "ich spinne mir ein kopftuch". Auf Wortebene geht das für mich nicht so recht auf, weil Spinnen an sich die Fadenproduktion beinhaltet und nicht das Herstellen eines Stoffes.
den Text finde ich stark! Gerade deswegen, weil er sich nicht aufdrängt, nicht Anteilnahme "erzwingt", ohne die Kopfebene zu verlassen. Wie die Alten auch nicht die grossen Zusammenhänge erzählen, sondern ihr damaliges Erleben, das auch das Leichte beinhalten kann und das, wie du auch schon schriebst, hin und her pendelt. Finde ich gut eingefangen, auch wenn mir der konkrete Bezug so auch nicht klar gewesen wäre, ohne Erklärung.
Mühe habe ich allerdings mit "ich spinne mir ein kopftuch". Auf Wortebene geht das für mich nicht so recht auf, weil Spinnen an sich die Fadenproduktion beinhaltet und nicht das Herstellen eines Stoffes.
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