Pardon, wann soll das denn beginnen,
abgezählte Zigaretten und Wein
für die Gesundheit, ein
Mann so tadellos wie Tannen
Ich schwimm im Rausch dunklen Riesenrochen
hinterher und such nach Explosionen
deiner Blicke tief im Meer –
Und morgen werd ich´s schon vergessen haben,
vielleicht spüre ich noch Rochenstachel
in den Rippen und ich schmecke noch die Kippen,
neben mir ein Mann so wild wie Cocapflanzen…
Pardon, wann hört man auf zu tanzen
wenn es später wird und richtet sich
nach Öffnungszeiten, wann will man
nicht mehr auf Kamelen durch den Zirkus reiten?
Ich weiß es nicht, wann man vernünftig wird
und wenn ich’s wusste hab ich’s schon vergessen,
ich will mit einem lauter unbekannte Tiere essen
und alles was ich lernte kann verrecken -
Weil wir in einer Riesenhand voll Tagen
von all dem Wissen nichts mehr haben,
aber liegen will ich dann in deinen Armen
unter Tempelblumen schlafen, sicherlich
mit einem Kater.
Ich weiß es nicht, wann man vernünftig wird
Hallo Louisa!
Das gefällt mir eigentlich ohne Abstriche gut. Wann es Zeit ist, mit dem tanzen aufzuhören, bekommst du schon mit, keine Sorge (Auch wenn man sich mal nie vorstellen hätte können, dass es so derbe im Rücken zwicken kann
)
Ferdigruß!
Das gefällt mir eigentlich ohne Abstriche gut. Wann es Zeit ist, mit dem tanzen aufzuhören, bekommst du schon mit, keine Sorge (Auch wenn man sich mal nie vorstellen hätte können, dass es so derbe im Rücken zwicken kann
)Ferdigruß!
Schäumend enthüpfte die Woge den schöngeglätteten Tannen. (Homer/Voß)
Hi, Louisa,
wieder mal ein frischer, rasanter Text von dir mit originellen Bildern. Und im Sprachrhythmus wirst du immer sicherer.
Hier würde ich das und weglassen oder
und ich schmecke noch die Kippen
schreiben
(Seltsam, beim ersten Lesen hatte ich Klippen gelesen - wegen des Rochens ... ;) )
Beim Essen unbekannter Tiere muss ich schlucken bzw. mich verschlucken - ich weiß, dass du's nicht so meinst, aber irgendwie irritiert es mich in unguter Weise.
Die letzte Strophe schwächelt etwas. Wieso ist da plötzlich ein Du? Vorher waren da doch verschiedene wilde Männer, oder? Ist das lyr. Ich doch schon vernünftig und bindungsfähig geworden? Auch den Kater finde ich nicht so originell und dass man von all dem Wissen nichts mehr haben soll, naja, damit wird aus dem ursprünglich verrückten, auf die ganze Welt neugierigen lyrischen Ich eher so ein Null-Bock-Schulverweigerer.
Wie gesagt, für die letzte Strophe würde ich mir noch ein schöneres kleines Feuerwerk deiner bunten Ideen wünschen.
Liebe Grüße
fenestra
wieder mal ein frischer, rasanter Text von dir mit originellen Bildern. Und im Sprachrhythmus wirst du immer sicherer.
vielleicht spüre ich noch Rochenstachel
in den Rippen und schmecke noch die Kippen,
Hier würde ich das und weglassen oder
und ich schmecke noch die Kippen
schreiben
(Seltsam, beim ersten Lesen hatte ich Klippen gelesen - wegen des Rochens ... ;) )
Beim Essen unbekannter Tiere muss ich schlucken bzw. mich verschlucken - ich weiß, dass du's nicht so meinst, aber irgendwie irritiert es mich in unguter Weise.
Die letzte Strophe schwächelt etwas. Wieso ist da plötzlich ein Du? Vorher waren da doch verschiedene wilde Männer, oder? Ist das lyr. Ich doch schon vernünftig und bindungsfähig geworden? Auch den Kater finde ich nicht so originell und dass man von all dem Wissen nichts mehr haben soll, naja, damit wird aus dem ursprünglich verrückten, auf die ganze Welt neugierigen lyrischen Ich eher so ein Null-Bock-Schulverweigerer.
Wie gesagt, für die letzte Strophe würde ich mir noch ein schöneres kleines Feuerwerk deiner bunten Ideen wünschen.
Liebe Grüße
fenestra
-
Louisa
Danke euch drein!
Ich habe nicht so viel Zeit, weil das Frühstück auf mich wartet, aber: Fenestra, wieso erschrecken dich denn die "unbekannten Tiere" ? Ich dachte nur an vollkommen fremde Speisen.
Was den Mann/die Männer betrifft: "Ich" will keinen Mann der an Tannen erinnert, freut sich aber über einen Mann (das Du), welcher an Cocapflanzen erinnert... Das ist wohl undeutlich?
Auf das andere gehe ich später ein!
Danke sehr!!!
l
PS: Möchte heute jemand von euch nach Köpenick auf das Katzengraben-Stadtfest kommen? Da soll ich zwischen 15 und 17 Uhr aus meinem Roman vorlesen.... Ich habe schon einen sicheren Zuhörer
....
Ich habe nicht so viel Zeit, weil das Frühstück auf mich wartet, aber: Fenestra, wieso erschrecken dich denn die "unbekannten Tiere" ? Ich dachte nur an vollkommen fremde Speisen.
Was den Mann/die Männer betrifft: "Ich" will keinen Mann der an Tannen erinnert, freut sich aber über einen Mann (das Du), welcher an Cocapflanzen erinnert... Das ist wohl undeutlich?
Auf das andere gehe ich später ein!
Danke sehr!!!
l
PS: Möchte heute jemand von euch nach Köpenick auf das Katzengraben-Stadtfest kommen? Da soll ich zwischen 15 und 17 Uhr aus meinem Roman vorlesen.... Ich habe schon einen sicheren Zuhörer
....Fenestra, wieso erschrecken dich denn die "unbekannten Tiere" ?
Mich erschreckt die Formulierung "unbekannte Tiere essen". Ich bin zwar keine Vegetarierin, sondern schon immer das, was man neuerdings "Flexitarier" nennt (wenig Fleisch, bewusster ausgewählt), trotzdem würde ich unbekannte Tiere lieber mit Haut und Haaren bzw. Federn sehen, als auf dem Teller. Sonst beschliche mich das Gefühl, dass ich vielleicht den letzten Komodowaran der Insel esse oder die Nachtigall, die gerade auf dem Weg zurück an meinen Lieblingsbach war ... Mitunter ist (war) das unbekannte Tier gar ein unentdecktes und bisher unbeschriebenes und wird es nun immer bleiben.
Das Brutale liegt vielleicht auch im Plural "Tiere essen". Wenn wir von Austern, Schnecken, Krametzvögeln u.ä. mal absehen, isst man ja keine Tiere, sondern nur Teile davon. Geschlachtet wird aber das Ganze, weshalb Vegetarier einem berechtigterweise vorwerfen, "Tiere zu essen".
Keine Ahnung, wie viele Leser/Hörer außer mir noch diese Assoziationen haben. Aber immerhin ist Berlin die Hauptstadt der Vegetarier (es gibt sogar eine vegetarische Mensa) und ich möchte nicht, dass du bei deiner nächsten Lesung faule Tofu-Bällchen an den Kopf kriegst. ;)
Dass der Mann, wild wie Cocapflanzen, später zum DU mutiert, war mir absolut nicht klar. Ich hielt den Coca-Mann für ein Beispiel in einer ganzen Reihe interessanter wechselnder Männer, was gut zu dem Image der nicht vernünftig werden wollenden Frau passt.
Liebe Grüße
fenestra
-
Louisa
Hallo Fenestra!
Endlich Wochenende und Zeit auf deine Nachrichten einzugehen!
Vielen Dank noch mal für deine Vorschläge - den Rhythmus-Holperer bei den Kippen habe ich gerne nach deinem Vorschlag umgestaltet.
Noch einmal zu den Tieren: Tja, ich habe überlegt, ob ich schreiben sollte: "VON lauter unbekannten Tieren essen" - aber ich habe es jetzt noch nicht geändert, weil ich eigentlich denke, dass man doch vielleicht mitbekommen könnte, dass es sich hier einfach um unbekannte Speisen aus anderen Ländern handelt wie Heuschrecken, Krokodile, Schlangen, Seeigel... "unbekannte Tiere" eben
... und wenn mich jemand fragt: "Was isst du denn da für ein Fleisch?" - Dann sage ich ja auch nicht: "Ein Stück Rindfleisch eines in Massenviehzucht gehaltenen Tieres." - sondern auch nur "Rind!" - aber man weiß wohl, dass ich nicht eine ganze Kuh verschlinge 
Was ich auch noch verstehen würde wäre: "Fleisch von unbekannten Tieren essen" - Wie findest du das?
Die Vegetarier hier machen mich auch schon ganz verrückt, ja
! Ich habe nichts gegen Menschen, die kein Fleisch essen, aber diese bösen BLicke auf andere Mitmenschen mit Wurstbroten und diese subtilen Missionierungsversuche und vor allem dieses Reden über Essen als wäre Essen eine Art Religion! (Mir fallen da solche Dialoge ein wie: "Na wie geht es dir?" - "Gut, ich habe heute wieder verschiedene Sprossen kultiviert. Heute ging es mir sehr gut mit meinen Mungo-Bohnen. Ich fühle mich sehr befreit und ausgeglichen. Der Tag beginnt glücklich mit Mungo-Bohnen. Kennst du Dinkelcremesuppe?"
Das macht mich krank
! Ich möchte dann immer wieder schreien: "Wunderbar! Wusstest du, dass Adolf Hitler auch Vegetarier war?" 
Wie auch immer
-
Zu den vielen Männern: Ach, ich finde es auch nicht so schlimm, wenn es offen bleibt, ob es nun um ein Du oder viele Dus geht... mir leuchtet das alles ein
Zu der letzten Strophe: Ich kann verstehen was du meinst mit Feuerwerk und Schulverweigerer... Wobei ich letzteres in gewissen Situationen sogar begrüße... und ehrlich gesagt stehe ich auch immer noch zu der These, dass angehäuftes Wissen im Enddeffekt nicht sonderlich viel nützen kann. Für mich gibt es da einen Unterschied zwischen Einfallsreichtum, Fantasie und antrainierter Bildung (die sicherlich nicht schädlich ist, aber auf keinen Fall das Maß aller Dinge oder besonders lebensnotwendig) - letzteres interessiert mich nur, wenn es das erste (den Einfallsreichtum) fördern kann.
Aporpos Schulverweigerer - ich habe auf meiner neuen Fachhochschule wieder Deutsch-Unterricht und bei unserer Vorstellung beschwerte sich die Dozentin zunächst darüber, dass es ja oftmals Fehlzeiten bei den Schülern gegeben hätte in den letzten Jahren, woraufhin ich, als ich an der Reihe war, meinte: "Mein zweites Buch heißt "Schulschwänzer" - woraufhin sie mich sehr glücklich anstrahlte und mir entgegnete: "Das ist ja ganz, ganz toll, das sie sich mit dieser Problematik auseinandersetzen! Sie haben bestimmt viele Erfahrungen in dieser Hinsicht erlebt!" -woraufhin ich ebenso freudestrahlend meinte: "Ja! Aber eigentlich geht es darum, dass tote Dichter in den Deutschunterricht kommen, sich mit Drogen zuballern und die Schüler zum Schwänzen und zum Beispiel Kokain annimieren!" woraufhin sie mich eine längere Zeit lang betrachtete wie in einer Art Trance-Zustand... Wir werden bestimmt gute Freunde werden
!
Damit will ich sagen: Auch Schulschwänzer haben ihren Reiz
... und mir gefällt das Ende eigentlich ganz gut
... Ich finde die Idee lustig, dass man als Toter verkatert im Grab liegt
... so lange es ein rauschendes Fest gewesen ist und keine lebenslange Trunksucht.... ich plaudere aber auch ganz schön viel hier... Na ja, ich denke noch weiter über den Text und deine Anmerkungen nach!
Merci
l vom Kaffeekränzchen
Endlich Wochenende und Zeit auf deine Nachrichten einzugehen!
Vielen Dank noch mal für deine Vorschläge - den Rhythmus-Holperer bei den Kippen habe ich gerne nach deinem Vorschlag umgestaltet.
Noch einmal zu den Tieren: Tja, ich habe überlegt, ob ich schreiben sollte: "VON lauter unbekannten Tieren essen" - aber ich habe es jetzt noch nicht geändert, weil ich eigentlich denke, dass man doch vielleicht mitbekommen könnte, dass es sich hier einfach um unbekannte Speisen aus anderen Ländern handelt wie Heuschrecken, Krokodile, Schlangen, Seeigel... "unbekannte Tiere" eben
... und wenn mich jemand fragt: "Was isst du denn da für ein Fleisch?" - Dann sage ich ja auch nicht: "Ein Stück Rindfleisch eines in Massenviehzucht gehaltenen Tieres." - sondern auch nur "Rind!" - aber man weiß wohl, dass ich nicht eine ganze Kuh verschlinge 
Was ich auch noch verstehen würde wäre: "Fleisch von unbekannten Tieren essen" - Wie findest du das?
Die Vegetarier hier machen mich auch schon ganz verrückt, ja
! Ich habe nichts gegen Menschen, die kein Fleisch essen, aber diese bösen BLicke auf andere Mitmenschen mit Wurstbroten und diese subtilen Missionierungsversuche und vor allem dieses Reden über Essen als wäre Essen eine Art Religion! (Mir fallen da solche Dialoge ein wie: "Na wie geht es dir?" - "Gut, ich habe heute wieder verschiedene Sprossen kultiviert. Heute ging es mir sehr gut mit meinen Mungo-Bohnen. Ich fühle mich sehr befreit und ausgeglichen. Der Tag beginnt glücklich mit Mungo-Bohnen. Kennst du Dinkelcremesuppe?"Das macht mich krank
! Ich möchte dann immer wieder schreien: "Wunderbar! Wusstest du, dass Adolf Hitler auch Vegetarier war?" 
Wie auch immer
- Zu den vielen Männern: Ach, ich finde es auch nicht so schlimm, wenn es offen bleibt, ob es nun um ein Du oder viele Dus geht... mir leuchtet das alles ein

Zu der letzten Strophe: Ich kann verstehen was du meinst mit Feuerwerk und Schulverweigerer... Wobei ich letzteres in gewissen Situationen sogar begrüße... und ehrlich gesagt stehe ich auch immer noch zu der These, dass angehäuftes Wissen im Enddeffekt nicht sonderlich viel nützen kann. Für mich gibt es da einen Unterschied zwischen Einfallsreichtum, Fantasie und antrainierter Bildung (die sicherlich nicht schädlich ist, aber auf keinen Fall das Maß aller Dinge oder besonders lebensnotwendig) - letzteres interessiert mich nur, wenn es das erste (den Einfallsreichtum) fördern kann.
Aporpos Schulverweigerer - ich habe auf meiner neuen Fachhochschule wieder Deutsch-Unterricht und bei unserer Vorstellung beschwerte sich die Dozentin zunächst darüber, dass es ja oftmals Fehlzeiten bei den Schülern gegeben hätte in den letzten Jahren, woraufhin ich, als ich an der Reihe war, meinte: "Mein zweites Buch heißt "Schulschwänzer" - woraufhin sie mich sehr glücklich anstrahlte und mir entgegnete: "Das ist ja ganz, ganz toll, das sie sich mit dieser Problematik auseinandersetzen! Sie haben bestimmt viele Erfahrungen in dieser Hinsicht erlebt!" -woraufhin ich ebenso freudestrahlend meinte: "Ja! Aber eigentlich geht es darum, dass tote Dichter in den Deutschunterricht kommen, sich mit Drogen zuballern und die Schüler zum Schwänzen und zum Beispiel Kokain annimieren!" woraufhin sie mich eine längere Zeit lang betrachtete wie in einer Art Trance-Zustand... Wir werden bestimmt gute Freunde werden
!Damit will ich sagen: Auch Schulschwänzer haben ihren Reiz
... und mir gefällt das Ende eigentlich ganz gut
... Ich finde die Idee lustig, dass man als Toter verkatert im Grab liegt
... so lange es ein rauschendes Fest gewesen ist und keine lebenslange Trunksucht.... ich plaudere aber auch ganz schön viel hier... Na ja, ich denke noch weiter über den Text und deine Anmerkungen nach!Merci

l vom Kaffeekränzchen
-
Last
Hier wird es sehr interessant für mich, nicht nur im Gedicht, sondern auch in der Diskussion. Ich bin wohl so jemand, der zu einem Zeitpunkt „vernünftig“ geworden ist und obendrein war das dann noch ein Moment, der mich vom dauerkiffenden Schulschwänzer zum Musterschüler machte.
Ich finde das Bild der Vernunft, das im Gedicht geprägt wird, schwer zugänglich, das Bild der Unvernunft übrigens auch. Das liegt wohl mitunter daran, dass das lyr. Ich sich als ambivalenter Charakter darstellt. Mit „pardon“ leitet es seine Einwände ein, was ironisch gemeint sein mag, und trotzdem das Gesagte wieder relativiert. Gegen einen Mann wie Tannen hat es was und entscheidet sich für den wilden Kerl, gibt sich dabei aber einer klassischen Geschlechterrolle hin ohne darüber zu reflektieren.
Schwierig ist auch die Wissensthematik, die wohl der entscheidendste Einfluss auf den Text ist. Am zugänglichsten drückt sie sich im Titel aus: „Ich weiß es nicht, wann man vernünftig wird“ statt: „Ich weiß nicht, wann man vernünftig wird.“ Außerdem wird dem Lernen entwicklungspsychologisch das Vergessen gegenübergestellt.
Neben der Liebes- und der Wissensthematik stammen dann Bilder aus den Bereichen Kindheit und Drogenerfahrungen. Die staffieren die Un-Vernunft des lyr. Ichs fantasievoll aus, romantisieren aber auch sein Verhalten. Für das Gedicht ist das in Ordnung, denn dadurch wird es unterhaltsam. Eine Wirklichkeit wird dadurch aber nicht getroffen. Und an dieser Stelle muss ich auf meine persönliche Erfahrung zurückgreifen: eine Droge, die Dinge vergessen lässt, gibt es nicht und es sind auch keine romantischen Motive, die zum Drogenkonsum (und zum Schulschwänzen) veranlassen.
Vernunft und Fantasie sind keine Gegenspieler, sie können zwangsläufig nur zusammen funktionieren. Wer versucht sich ausschließlich für die eine Seite zu entscheiden, tut das nicht, weil diese so viel schöner ist als die andere, sondern weil er sich mit der anderen nicht zurecht findet. Glücklich wird so niemand.
Unter'm Strich kein schlechtes Gedicht. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich ihm zu nähern. Zustimmen kann ich dem Geschriebenen aber nicht. Für mich – und bitte, Louisa, versteh das jetzt nicht so hart wie es sich im ersten Moment anhören könnte – für mich ist das Gedicht von vorne bis hinten eine Ausrede.
Ich finde das Bild der Vernunft, das im Gedicht geprägt wird, schwer zugänglich, das Bild der Unvernunft übrigens auch. Das liegt wohl mitunter daran, dass das lyr. Ich sich als ambivalenter Charakter darstellt. Mit „pardon“ leitet es seine Einwände ein, was ironisch gemeint sein mag, und trotzdem das Gesagte wieder relativiert. Gegen einen Mann wie Tannen hat es was und entscheidet sich für den wilden Kerl, gibt sich dabei aber einer klassischen Geschlechterrolle hin ohne darüber zu reflektieren.
Schwierig ist auch die Wissensthematik, die wohl der entscheidendste Einfluss auf den Text ist. Am zugänglichsten drückt sie sich im Titel aus: „Ich weiß es nicht, wann man vernünftig wird“ statt: „Ich weiß nicht, wann man vernünftig wird.“ Außerdem wird dem Lernen entwicklungspsychologisch das Vergessen gegenübergestellt.
Neben der Liebes- und der Wissensthematik stammen dann Bilder aus den Bereichen Kindheit und Drogenerfahrungen. Die staffieren die Un-Vernunft des lyr. Ichs fantasievoll aus, romantisieren aber auch sein Verhalten. Für das Gedicht ist das in Ordnung, denn dadurch wird es unterhaltsam. Eine Wirklichkeit wird dadurch aber nicht getroffen. Und an dieser Stelle muss ich auf meine persönliche Erfahrung zurückgreifen: eine Droge, die Dinge vergessen lässt, gibt es nicht und es sind auch keine romantischen Motive, die zum Drogenkonsum (und zum Schulschwänzen) veranlassen.
Vernunft und Fantasie sind keine Gegenspieler, sie können zwangsläufig nur zusammen funktionieren. Wer versucht sich ausschließlich für die eine Seite zu entscheiden, tut das nicht, weil diese so viel schöner ist als die andere, sondern weil er sich mit der anderen nicht zurecht findet. Glücklich wird so niemand.
Unter'm Strich kein schlechtes Gedicht. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich ihm zu nähern. Zustimmen kann ich dem Geschriebenen aber nicht. Für mich – und bitte, Louisa, versteh das jetzt nicht so hart wie es sich im ersten Moment anhören könnte – für mich ist das Gedicht von vorne bis hinten eine Ausrede.
Hallo, Louisa,
gefällt mir gut, der Text, aber ich gebe zu: Wäre er von meiner Tochter verfasst, ich würde mir Sorgen machen um sie!
Dass das lyrische Ich mit einem Kater schlafen will, ist wohl nicht so ganz ernst gemeint, oder?
Gruß
Quoth
gefällt mir gut, der Text, aber ich gebe zu: Wäre er von meiner Tochter verfasst, ich würde mir Sorgen machen um sie!
Dass das lyrische Ich mit einem Kater schlafen will, ist wohl nicht so ganz ernst gemeint, oder?
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
-
Louisa
Hallo Last!
Ja... ich kann verstehen, was du schreibst, aber für mich gehören Drogen, Wildheit, Cocapflanzen-Männer und fremde Tiere sicherlich in die Kategorie "Unvernunft" - ich finde nur nicht, dass man der Vernunft immer einen so edlen und hohen Stellenwert einräumen muss - Was ich sagen wollte ist nur, dass auch in der Unervunft, genauso wie in der Vernunft viel Spannendes und Schönes stecken kann... genauso natürlich auch diese Dinge, die du ansprichst: Das Verdrängen, das Realitätsfremde, das Zugrundegehen, das Ungerechte - das sind sicherlich auch alles Teile der Unvernunft, die aber meines Erachtens auch sehr viel mit Literatur zu tun haben - wenn es das nicht gäbe und wenn es niemand gäbe, der sich auch diesem Bereich widmen könnte (zumindest phasenweise) wären meiner Meinung nach zahlreiche wunderbare Gedichte nie entstanden.
Ich sage ja nicht: Nieder mit der Vernunft! Aber schon: Her mit der Gleichberechtigung von Vernunft und Unvernunft!
Männer und Frauenrollen sind glaube ich von Beziehung zu Beziehung verschieden. Ich kenne Mädchen aus meiner Schulzeit, die lauter Einser auf dem Zeugnis hatten und sich gewünscht haben Hausfrau zu werden...
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass so ein Text ja vielleicht auch eine gewisse Provokation und Pauschalierung in sich tragen muss, um überhaupt einen Gedanken anzuregen. Meint ihr nicht?
Qooth, keine Sorge - ich weiß zwar nicht wie man vernünftig wird, aber ich bin es dann manchmal doch in ausreichendem Maße

l
Ja... ich kann verstehen, was du schreibst, aber für mich gehören Drogen, Wildheit, Cocapflanzen-Männer und fremde Tiere sicherlich in die Kategorie "Unvernunft" - ich finde nur nicht, dass man der Vernunft immer einen so edlen und hohen Stellenwert einräumen muss - Was ich sagen wollte ist nur, dass auch in der Unervunft, genauso wie in der Vernunft viel Spannendes und Schönes stecken kann... genauso natürlich auch diese Dinge, die du ansprichst: Das Verdrängen, das Realitätsfremde, das Zugrundegehen, das Ungerechte - das sind sicherlich auch alles Teile der Unvernunft, die aber meines Erachtens auch sehr viel mit Literatur zu tun haben - wenn es das nicht gäbe und wenn es niemand gäbe, der sich auch diesem Bereich widmen könnte (zumindest phasenweise) wären meiner Meinung nach zahlreiche wunderbare Gedichte nie entstanden.
Ich sage ja nicht: Nieder mit der Vernunft! Aber schon: Her mit der Gleichberechtigung von Vernunft und Unvernunft!
Männer und Frauenrollen sind glaube ich von Beziehung zu Beziehung verschieden. Ich kenne Mädchen aus meiner Schulzeit, die lauter Einser auf dem Zeugnis hatten und sich gewünscht haben Hausfrau zu werden...
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass so ein Text ja vielleicht auch eine gewisse Provokation und Pauschalierung in sich tragen muss, um überhaupt einen Gedanken anzuregen. Meint ihr nicht?
Qooth, keine Sorge - ich weiß zwar nicht wie man vernünftig wird, aber ich bin es dann manchmal doch in ausreichendem Maße


l
-
Louisa
PS: Quoth, deine Frage irritiert mich doch sehr - Sagt man bei euch nicht "Kater" für einen schweren Schädel nach zu viel Alkohol? Abgesehen davon will ja auch nicht das "ich" mit einem Kater schlafen sondern "ich will mit dir....mit einem kater schlafen" .........ähem! Keine Sodomie ist das hier oder wie auch immer man das nennt, um Gottes Willen.
"Fleisch von unbekannten Tieren essen" - Wie findest du das?
Etwas entschärft wäre es dann. Ich mag auch keine missionarisierenden oder militanten Vegetarier. Aber noch weniger mag ich Tierquälerei um des Essens willen (und überhaupt in jeder Hinsicht), also Massentierhaltung, Hummer lebendig kochen, Delphine in Schleppnetzen verrecken lassen usw.. Daher hätte ich persönlich bei Fleisch unbekannter Tiere kein gutes Gefühl. Aber in diesem Gedicht bist du ja bewusst nicht political correct, sondern eben unvernünftig. Ist dann schon okay so!
Dass Vernunft und Fantasie einander bedingen, sehe ich auch so! Gleichberechtigung für Vernunft und Unvernunft - das könnte dagegen leicht nach hinten losgehen. Fantasie und Unvernunft sind nicht dasselbe. Vielleicht müsste es anders ausgedrückt werden: Gleichberechtigung von Vernunft und Mut zum Risiko, zu Neuem, zu Verrücktem? Vielleicht meinst du das sogar so! :)
Liebe Grüße
fenestra
"Fantasie und Unvernunft ist nicht dasselbe," schrieb fenestra. Mit "Ich weiß es nicht, wann man vernünftig wird" zitierst Du, Louisa, einen typischen Elternsatz: "Wann wirst du endlich vernünftig?" Vernunft im strengen, vielleicht philosophischen Sinne ist damit nicht gemeint, sondern nur Zweckmäßigkeit im Verhalten, wobei die Lebensziele, denen das Verhalten dienen soll, stillschweigend vorausgesetzt werden: Einen Mann finden, heiraten, Kinder haben, heute auch: einen Beruf ausüben, der Ansehen und Geld einbringt. Diese Reduktion des Begriffs Vernunft auf moralisch passendes, ja, opportunistisches Verhalten ist es, der hier widersprochen wird, es ist Opposition gegen kleinbürgerliche Enge und Elternängste, nicht gegen die Vernunft als solche, ja, diese lässt sich sogar gegen ihren verengten Begriff ins Feld führen: Ist es nicht vernünftig für eine junge Frau, durch Selbsterfahrung den eigenen, ureigenen Weg selbst herauszufinden, mündig zu werden und sich so von allen von außen oktroyierten Erwartungen zu befreien? So gesehen, ist das lyrische Ich Deines Textes sehr vernünftig und hat es nicht nötig, in die Arme einer vermeintlichen Unvernunft zu fliehen.
Gruß
Quoth
Gruß
Quoth
Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.
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