[wildrötend der Morgen, wie bist du fern]

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 13.08.2010, 11:36

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wildrötend der Morgen, wie bist du fern
und wie fern sind all die schönen Worte

beschwörte ich dich nicht
gleich dem Regen im Brombeergebüsch
mit leisestem Lidschlag
und Händen
einem lauschigen Dache?

doch fortgespült
das Violett deines Kleides
und verloren mein Schoß
immer, da dein Haar nicht herniedersinkt
dein oktoberwarmes Zwinkern

wie weit war, was die Lippen sprachen
verirrt vielleicht
gleich den Kindern im Wald
wie weit war, was ich fantasierte
über dein Lachen, zauberloh
dein Zittern
und mein Zittern schien bedeutungsvoll

ich bin in tausend Städten
und doch stadtlos!

du bist nicht nah
wie solltest du auch
wo kaum ein Vogel hier
mein niederdüsterndes Gefieber wagt
mein grausig verlegenes Geraun

du bist nicht hier
nicht mal eines deiner Zwielichter
oder irrig Verlogenes

-

XVII

aus der Reihe:

"an den Wachsamen"


-

VFM

scarlett

Beitragvon scarlett » 13.08.2010, 20:21

Einfach zum Niederknien schön ist das!
(Und kein einziges weiteres Wort als "Kommentar")

LG,
scarlett

Xanthippe
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Beitragvon Xanthippe » 18.08.2010, 18:26

ich würde das gerne so richtig schön kommentieren. so mit würdigung all der sehr gekonnt gesetzen einzelheiten. da ich das nicht kann, schreib ich jetzt einfach mal; es hat eine weile gedauert, bis ich mich wirklich auf dieses gedicht einlassen konnte. als ich es dann aber konnte, habe ich scarletts kommentar verstanden.

african queen

Beitragvon african queen » 19.08.2010, 10:40

feine Blüten der Sehnsucht
lg
african queen

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 22.08.2010, 08:43

Hallo Zafar,

das ist wie ein mächtiger (machtvoller), verführerischer, süßer Nachtisch zur Nacht. Aber das "niederdürstende Gefieber" ist für mich dann der eine Biss zu viel. .-)
"niederdürstend" sagt mir gar nichts und "Gefieber" im Zusammenhang mit Vögeln auch nicht. Gefiepse? Fieber wagen??? Auch zu nah am "Gefieder"?
Ich empfinde diese Zeile aber auch klanglich zu dick aufgetragen, und würde in der Hinsicht dann zumindest das "nieder" weglassen.

Das violette Kleid irritiert mich etwas in Bezug auf den Wachsamen? Ich sah in der Strophe, auch durch das Niedersinken des Haares, eine Frau. Warum kein violettes Hemd?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 22.08.2010, 10:36

Liebe Flora,

es ist allerdings niederdüsterndes Gefieber, nichts dürstendes-durstiges-durstendes :blink2:

aber ja, du hast recht, diese Zeile und die danach sind schon recht mächtig...

das Niederdüstern würd ich aber gern belassen...vielleicht sollte es Gezweig oder Gelaub sein, mh?

"an den Wachsamen" ist nur der Titel der Reihe. Das heißt nicht, dass in all den Gedichten der Reihe der lyr. Sprecher immer weiblich und das angesprochene Du immer männlich ist. Überhaupt ist das bei mir bei Gedichten gar nicht so. Das kann von einem zum nächsten Gedicht wechseln, eben auch innerhalb einer Reihe; wobei es trotzdem nicht mehrere Ich und Du in einer Reihe gibt. Nur der Sprecher wechselt mal...oder ist manchmal auch nicht eindeutig als männlich oder weiblich identifizierbar...

Hier ist der Sprecher also durchaus männlich (zu verstehen), weswegen es auch ein Kleid ist, das violett ist, und kein Hemd.

Ich sah in der Strophe, auch durch das Niedersinken des Haares, eine Frau. Warum kein violettes Hemd?


verstehen wir uns vielleicht falsch? Ja, das Haar gehört einer Frau, eben. Deswegen ist es auch DEIN Haar, und DEIN Kleid; das der angesprochenen Frau... :blink1:


Herzlichst

Zafar

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 22.08.2010, 11:05

Hallo Zafar,

es ist allerdings niederdüsterndes Gefieber, nichts dürstendes-durstiges-durstendes
*lach* Ich habe das tatsächlich jedes Mal falsch gelesen. Wahrscheinlich hatte ich Durst. .-) Zeigt aber vielleicht auch darauf, dass mein Gehirn versucht hat sich einen Sinn hineinzulesen, den ich leider auch mit niederdüsternd nicht finde, mir fehlt da etwas, das im Kontext der Vögel für mich lesbar ist. Was wagen sie denn nicht?
Wenn du es mit Gezweig oder Gelaub ersetzen würdest, müsste es doch heißen:
wo kaum ein Vogel hier
sich in mein niederdüsterndes Gelaub wagt

Dann passt aber der Anschluss wieder nicht mehr, denn da sollen die Vögel ja das Geraun selbst nicht wagen, oder?

(edit: ich fand das "Dürstende" eigentlich ganz spannend. .-))

Hier ist der Sprecher also durchaus männlich (zu verstehen),
Mmmh, mir fällt es schwer hier einen Mann sprechen zu hören. Geht das nur mir so?

Diese Wechsel, die für den Leser nicht zu erkennen sind, finde ich schwierig und unnötig irritierend, zumal unter diesen Titeln, die doch auch schon Ansprachen sind und von daher eine Zuordnung nahelegen? Ich würde dann vielleicht versuchen mit unterschiedlichen Formatierungen oder ähnlichem zu arbeiten.

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 22.08.2010, 13:16

Flora hat geschrieben:*lach* Ich habe das tatsächlich jedes Mal falsch gelesen. Wahrscheinlich hatte ich Durst. .-) Zeigt aber vielleicht auch darauf, dass mein Gehirn versucht hat sich einen Sinn hineinzulesen, den ich leider auch mit niederdüsternd nicht finde, mir fehlt da etwas, das im Kontext der Vögel für mich lesbar ist. Was wagen sie denn nicht?
Wenn du es mit Gezweig oder Gelaub ersetzen würdest, müsste es doch heißen:
wo kaum ein Vogel hier
sich in mein niederdüsterndes Gelaub wagt

Dann passt aber der Anschluss wieder nicht mehr, denn da sollen die Vögel ja das Geraun selbst nicht wagen, oder?


nee, also ich wollte schon "etwas wagen" schreiben und nicht "sich in etwas wagen", aber ich verstehe schon dein Anliegen. Dennoch, ich benutze die Worte nicht immer dem (auch meinem eigentlichen) typischen Verständnis nach. Ja, von der Logik her hieße es in jedem Fall "sich in etwas wagen". Aber für mich spricht ein bloßes "etwas wagen" hier sogar beide Aspekte an, nämlich den "lokalen" (also sich irgendwo hin wagen) und den "ideellen" (irgendeinen Schritt, eine Eigenschaft etc wagen); ja. Vielleicht ist das zu kompliziert gedacht. Naja, so richtig gefallen tut mir die Zeile mit dem Gefieber/Geraun jetzt aber auch nicht mehr... :sad:

(edit: ich fand das "Dürstende" eigentlich ganz spannend. .-))


naja... :mrgreen: :blink2:

Hier ist der Sprecher also durchaus männlich (zu verstehen),
Mmmh, mir fällt es schwer hier einen Mann sprechen zu hören. Geht das nur mir so?

Diese Wechsel, die für den Leser nicht zu erkennen sind, finde ich schwierig und unnötig irritierend, zumal unter diesen Titeln, die doch auch schon Ansprachen sind und von daher eine Zuordnung nahelegen? Ich würde dann vielleicht versuchen mit unterschiedlichen Formatierungen oder ähnlichem zu arbeiten.


Nö, also mir fällt das nicht schwer, hier einen Mann sprechen zu lassen und zu sehen.

Warum nun der Reihentitel explizit die Rollen diktieren muss, kann ich auch nicht nachvollziehen. Für mich macht es durchaus Sinn, dass in einer gedichteten Liebesbeziehung auch beide Partner zum sprechen kommen. Auch wenn innerhalb der Reihe - das kann ich sagen - der Schwerpunkt sicher auf einem weiblichen Sprecher liegt, schreiben sich manchmal (oder öfter sogar) die "männlichen (oder zumindest als von einem männlichen Ich gesprochen empfundenen) Gedanken" dahin, quasi als Antwort. Schließlich ist es nie eine bloße "Anbetung" an "den Wachsamen", eine einseitige; vielleicht auch gar keine Anbetung, denn wer sagt denn, dass der Wachsame das Lyr. Du der Liebesbeziehung ist? Ich will das jetzt nicht verneinen oder bejaen, aber es kommt explizit zumindest kein Wachsamer in irgendeinem Teil der Reihe vor, ja.

Ich denke auch, dass durch "gewöhnlich" in Richtung Weiblichkeit (bzw Männlichkeit) assoziierbare Begriffe und Wendungen (etwa das Kleid) doch ein Sprecher eindeutig deutbar ( :razz: ) ist. Zumindest hier ist es doch eindeutig, oder? Ich weiß nicht, ob du jetzt auch von einem Wechsel innerhalb der Gedichte ausgehst. Das ist nicht der Fall. Und wenn da gewechselt wird (selten), dann mache ich das schon kenntlich (nämlich durch kursiv; auch direkte Rede).

Nein, also innerhalb dieses Gedichtes gibt es keinen Sprecherwechsel.

Das Ding ist einfach - und das verstehe ich - dass man als Leser immer eindeutig zuschreiben will, wer hier jetzt zu wem spricht; vor allem bei Liebesgedichten, was auch nicht unerheblich ist, da es schon einen Unterschied macht, ob ein Sprecher und dessen Metaphorik und Symbolik nun weiblich oder männlich gelesen wird. Immer kommen da ja auch Erfahrungswerte hinzu, etwa indem man das Geschlecht des Autors auf den Sprecher bezieht - was sicher nicht immer legitim ist - oder das Wissen, dass Autor XY meist in dieser und jener Sprecherform schreibt.

Von meiner Warte aus ist natürlich immer klar, ob der Sprecher nun weiblich oder männlich ist, auch bei "neutral" erscheinenden Texten (klar, habs ja auch geschrieben). Denn im Deutschen ist doch durch eine Ansprache "du" noch längst nicht geklärt, an was für ein "du" die Ansprache gerichtet ist (anders als im Arabischen etwa, wo es männl. und weibl. "du" gibt; wobei klassisch auch bei Gedichten an Frauen schon seit dem 7ten Jahrhundert immer die männl. Ansprache verwendet wird). Und ich möchte das auch nicht immer explizit definiert wissen oder sehen, denn ich meine schon, dass "ich" und "du" in Gedichten, sofern keine genau feminisierten (Kleid, Bluse, Busen, Hüften, wallendes Haar - sicher oft etwas klischeehaft, aber eben typischerweise, was ok ist) oder maskulinisierten (Hemd, Bart, Stimme, Statur usw) Passagen vorliegen, interpretierbar sind. Und ein männlicher Leser wird das vielleicht anders lesen als ein weiblicher. Das ist auch ok.

Wäre aber mal interessant für mich zu wissen, was dich hier eher einen weiblichen als männlichen Sprecher lesen lässt. Vielleicht bin ich einfach "betriebsblind" :mrgreen:

Das mit den unterschiedlichen Formatierungen verstehe ich deswegen nicht. Muss ich das als Autor vorschreiben?

Es ist nunmal auch so - was vielleicht durch die Einzelgedichte hier nicht ganz klar wird - das diese Reihe (auch andere) von einem gewissen Spiel mit dem Ansprechen, Verehren und Betrachten lebt. Schon das lyrisches Ich und Du des Reihentitels, also die an den Wachsamen Schreibende und der Wachsame sind seltsam, so seltsam wie ihre Beziehung. Vielleicht ist der Titel auch deshalb irreführend, weil ich ihn ins Deutsche nicht ganz trefflich übertragen habe, denn erst aus "ila man yasharu l-layla", eigentlich "an jemanden/den, der nachts wacht/wachsam ist", wurde irgendwann im Deutschen "an den Wachsamen", was eher dem Arab. "ila sahran", wobei sahran ein Eigenname ist, entspräche. Wobei ich im Hinblick auf die ganze Reihe in Deutsch den Titel "an den Wachsamen" doch schon wieder ganz passend finde, irgendwie. Ach, das ist ein Sprachzwiespalt.

Vielleicht wäre es ganz zuträglich, mal mehrere Gedichte am Stück zu lesen, aus der Reihe, aber 104 Teile sind einfach zu viel zum Einstellen, fürchte ich...

Herzlichst

Zafar

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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 25.08.2010, 08:08

Hallo Zafar,

Wäre aber mal interessant für mich zu wissen, was dich hier eher einen weiblichen als männlichen Sprecher lesen lässt. Vielleicht bin ich einfach "betriebsblind"
Abgesehen vom Schoß, den ich erst einmal eher einer Frau zuordnen würde, sind es wohl die Haltung des LIch, der Klang, die Bilder, die LIch für sich findet... auch wenn ich es nun bewusst darauf hin lese, höre ich noch immer eine weibliche Stimme und sehe ein langhaariges männliches LDu im violetten Kleid. .-) Ich sehe auch nicht, dass sich die Sprache hier spürbar von deinen anderen Gedichten unterscheiden würde, weshalb ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, hier einen Sprecherwechsel zu vermuten. Das fänd ich dann auch in der Reihe seltsam, wenn sich die Gedichte auf dieser Ebene so ähnlich sind, aber trotzdem die Sprecher wechseln sollen, und ich dann nach Details ausschauen müsste, um die Texte zuordnen zu können. Ich habe auch bei deinen anderen Reihen keine Sprecherwechsel erkannt, hätte ich müssen? Aber vielleicht geht es nur mir so.
Und ein männlicher Leser wird das vielleicht anders lesen als ein weiblicher.
Ja, das wäre interessant. Vielleicht meldet sich ja noch ein Mann dazu.
Scarlett, african queen, wie habt ihr es denn gelesen?

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 25.08.2010, 09:19

Liebe Flora,

du hast Recht. Sprachlich unterscheiden sich "männliche und weibliche Sprecher" nicht unbedingt drastisch. Das sehe ich persönlich auch nicht als Notwendigkeit an, da ich ja nun, wie gesagt, dachte, durch so Einzelheiten wie Kleider und Haare oder Hemden und starke Arme ( :-) ) wäre es nicht missverständlich.

Es läge mir wahrscheinlich auch nicht, jetzt zwischen männlicher und weiblicher Sprechweise im Gedicht großartig zu differenzieren beim Schreiben. Es kommt eben so, so manchmal, so dann eine "männliche Projektion" innerhalb von Reihen (auch schon mal als Einzelgedicht, aber da ich in letzter Zeit immer eher gleich unter Reihentiteln schreibe, werden die Einzelgedichte seltener). Ich kann das nur so sagen, dass es eben nicht obligatorischerweise einen durchgängig weiblichen Sprecher bei mir gibt. Oft genug empfinde ich meine Lyrischen Ichs, zB da, wo keine Kleider und Bärte und Schöße sind, auch nicht als unbedingt eine Weiblichkeit oder Männlichkeit diktierend. Nur weil ich, als Autorin, eine Frau bin, heißt das nicht, dass auch die LIs der Gedichte immer Frauen sein müssen. Sie können es natürlich sein, das ist Lesers Lesweise.

Ich weiß jetzt nicht, was ich anderes sagen soll, außer eben, dass mir das ganze hier nicht verwirrend erschien...vielleicht meldet sich ja mal noch jemand zu dem Thema.

Dann muss ich vielleicht doch drastischer männlich formulieren!

Obwohl das ja überhaupt keine bewusste Entscheidung bei mir ist. Das ist es nie. Und ich glaube, deswegen gibt es eben auch keinen Unterschied in der Sprache. Es ist gar kein so bewusstes männlich-sprechen-Lassen, kein taktiertes, kein vorher überlegtes. Es kommt und ist passend, als Momentaufnahme.

Ich habe auch bei deinen anderen Reihen keine Sprecherwechsel erkannt, hätte ich müssen? Aber vielleicht geht es nur mir so.


Ich weiß jetzt gar nicht, aus wievielen Reihen ich hier schon gepostet habe.

Jedenfalls, zB bei "an den, mit dem ich Gras" gibt es eigentlich keinen Sprecherwechsel. Dort ist es auch überdurchschnittlich oft ein "wir" von dem gesprochen wird.

Dagegen ist es in meinen "Mondversen" zunächst mal hauptsächlich ein männlicher Sprecher. Aber zwischendrin kommt auch das eigentlich Mondvers-Du, das weibliche, zu Wort.

Bei wieder einer anderen Reihe, "Baghdad, Du" ist es überhaupt nicht klar, ebenso die "Fremdblauen Verse"; beides irgendwie abstrakter. "Verse an Jean" sind eh irgendwie unmenschlich :razz:

Man kann also sagen, dass, manchmal einfach auch das eigentliche LyrDu als LyrIch zum Sprechen kommt, oder so.


Selbst verwirrt,

Zafar

african queen

Beitragvon african queen » 25.08.2010, 10:14

Liebe Flora, liebe Zafar,
bin nicht die Expertin in Literatur, kann dazu beitragen, insofern, daß mir beim Lesen so ein
Gedanke nicht in den Sinn gekommen ist,Worte sollten mich auf einer emotionalen Ebene
ansprechen und fesseln oder Bilder in mir aufsteigen, also die Phantasie angeregt wird.
Ob literarisch alles vollkommen bzw. korrekt gesetzt ist, für mich zweitrangig. Bitte zu
berücksichtigen, daß ich selbst nicht mit Texten auf diesem Niveau so intensiv arbeite.
lg
gertraud

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 26.08.2010, 12:08

Liebe Zafar,

deine Texte zeichnen sich durch eine große Homogenität aus, was den Stil betrifft. Der Stil ist durchgehend fantasievoll-pathetisch, es gibt das Rassig-dunkle darin, aber auch das Süßlich-verspielte. Überschäumende Gefühle zwischen Mann und Frau werden in einem Vokabular zelebriert, das Erzählungen aus Tausendundeinernacht zu entspringen scheint, in jedem Fall aber einer längst vergangenen Epoche:

Beschwören, gleich dem Regen
Herniedersinken
niederdüsterndes Gefieber
grausig verlegenes Geraun

Würde ich diese Texte in einem alten Buch orientalischer Liebesbriefe finden, würde ich sie genießen können. Als Lyrik von jetzt erinnern sie mich eher an Bollywood. Mir sind sie zu verschnörkelt und zu sehr mit hohlen Pathos versehen für die meist gar nicht so märchenhaften Beziehungen zwischen Mann und Frau.

Dennoch, du hast deinen Stil gefunden - und du findest Leser, die gern einmal aus dem Alltag aussteigen und mit dir schwelgen, das ist eine feine Sache!

Liebe Grüße
fenestra

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 26.08.2010, 13:05

Also das mit Tausendundeiner Nacht kann ich echt nicht mehr hören *grimmig*.

Auch weil ich das "europäische" Verständnis - die Rezeption innerhalb der arabischen Welt liegt eh anders - dieses Werkes überhaupt nicht nachvollziehen kann. Es sind eben überhaupt keine Märchen, und jedenfalls nicht nur Liebesgeschichten...

Kenn mich mit Bollywood auch nicht so aus; hab aber Shahrukh Khan noch nicht sowas singen gehört ;-)

Aha! Alternativ-Beruf: Bollywood-Film-Song-Schreiber, zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.

Diese zwei Zeilen sind aber tatsächlich zu "verschnörkelt"

mein niederdüsterndes Gefieber wagt
mein grausig verlegenes Geraun


Hab ich oben ja schon gesagt.

Was du allerdings als hohlen Pathos empfindest, weiß ich nicht. Zeigt eben einfach, dass dich dieser Stil, den du mir zuschreibst, anscheinend nicht erreicht. Das ist ok.

Ich denke auch nicht, dass dieses Gedicht oder andere, eine Märchenhaftigkeit der Beziehung zwischen Mann und Frau propagieren. Natürlich, Ansichtssache. Aber schade, dass du meine Gedichte als hohl, orientalisiert - was ist dann wohl erst Frederico Garcia Lorca? - gekünstelt, unzeitgemäß, alltagsentstiegen und schwelgerisch empfindest.

Freundlichst

Zafar

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 26.08.2010, 17:56

Aber schade, dass du meine Gedichte als hohl, orientalisiert ... gekünstelt, unzeitgemäß, alltagsentstiegen und schwelgerisch empfindest.


So habe ich es keineswegs ausgedrückt, sondern ich habe mir vielmehr alle erdenkliche Mühe gegeben, deinen kohärenten persönlichen Stil zu würdigen und zunächst positiv zu charakterisieren, obwohl er nicht mein Geschmack ist. Das ist offenbar völlig anders bei dir angekommen.

Ich hätte auch einfach schreiben können, dass ich deine Gedichte unerträglich kitschig finde.

lg
fenestra


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