poesiealbum

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 20.08.2010, 01:08

poesiealbum



die zeitfäden
haha
die spanne ich jetzt
fest wie spinnenseide

knete aus
trockenem mösenschleim
tonmännchen

unter die decke
und hänge led-strahler dran
in warmweiß

und beleuchte
geschichtspfützen

hisse die juistflagge
spucke ins poesiealbum

sinke in
speichelkissen

und halte ab jetzt
die fresse
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

aram
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Beitragvon aram » 20.08.2010, 01:19

lieber tom,

schon vor wochen wies mich eine gemeinsame freundin in wien darauf hin, dass tomsche texte dieses jahrgangs sehr zu empfehlen sind.

ich finde, sie hat auch darin völlig recht.-)

in verbundenheit
aram

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 20.08.2010, 01:22

thanx, brother ...

Manchmal muss man durch dicke Wände ... scheiß auf die Texte ...
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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 20.08.2010, 03:06

Das genialste dabei: "geschichtspfützen". Treffender und eleganter geht's nicht mehr.

P.

Klara
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Beitragvon Klara » 20.08.2010, 09:21

das... finde ich super-gelungen!
rundum eckig, kantenrund.
k

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leonie
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Beitragvon leonie » 20.08.2010, 10:43

Ach, Tom, das mit dem Fresse halten überleg Dir doch bitte nochmal...

Wär ja schade, wenn man sowas wie diesen oder die Dieter-Texte nicht mehr lesen könnte (obwohl: die finden ja auch andere Wege.

Okay: Fresse halten, wenns sein muss, aber bitte nicht den Stift in die Mülltonne treten (ähm, ich meine natürlich den Bleistift)...

Liebe Grüße

leonie

Nifl
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Beitragvon Nifl » 20.08.2010, 12:19

Huhu Tom,

manchmal liest sich der Blaue Salon wie ein sozialistisches Forum beim Verkünden des 99prozentigem Wahlergebnisses.
Ich reibe mir dann die Augen und denke "Warum glaube ich diesen Kuschelpartys nicht?"

Immerhin verleitet es mich dazu, Texte nicht nur zu lesen, sondern auch zu kommentieren.

die zeitfäden
haha
die spanne ich jetzt
fest wie spinnenseide


Zeitfäden/spinnen/Seide ... wenn man pustet, staubt es. Allerdings finde ich es in diesem Kontext spannend neu aufbereitet, freute mich schon auf weitere Worte des Poesiealbums im neuen Gewande. Besonders spannend (*hihi) das "spanne", weil es nicht die Weichheit, sondern die Festigkeit der Seide ausweist und das "haha" irre/aggressiv konnotiert.

Leider wurde ich enttäuscht, denn Mösenschleim findet sich nicht in Poesiealben, aber vermutlich wurden die Zeitfäden zur halbstarken Jugend des LyI gespannt "Seht, was ich für Worte kenn" oder von einem Dichter ersonnen, der sich mit der Keule distanzieren möchte, hin zur Dampfhammerlyrik. Tönerne Frauensekrete (Nekrophilie?) werden zu Tonmännchen. Aha. Habe erst "Mädchen" gelesen und das würde mir auch mehr zusagen, als eine Art Sehnsucht zurück...

Nun wird den Männchen eine ganze "Ironie-Installation" geboten ... durch eine "weiß ist ja gar nicht warm Mittelmäßigkeitserkenntnis"

und beleuchte
geschichtspfützen

...dies hätte ich nicht abgesetzt von der Installation...

hisse die juistflagge

kann ich inhaltlich in dem Text nicht unterbringen

Schleim, Pfützen, Speichel spucken... Fresse. Willst du diese Sequenz ä Konsequenz ä beides?

und halte ab jetzt
die fresse

Irgendwie habe ich das Gefühl, du möchtest im Blauen den Begriff prägen: "Fishing for comments"

Nix für ungut.

LG
Nifl
"Das bin ich. Ich bin Polygonum Polymorphum" (Wolfgang Oehme)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 20.08.2010, 12:55

Nifl hat geschrieben:Irgendwie habe ich das Gefühl, du möchtest im Blauen den Begriff prägen: "Fishing for comments"


Nein, Nifl, ich stelle die Texte im Salon ein, damit möglichst niemand etwas dazu sagt :o)

Ich kann das nicht erklären, was ich im Moment schreibe. Es rockt einfach raus (endlich wieder!), und ich kontrolliere da nichts. Gestern abend habe ich mit dem Fahrrad auf einer dicht befahrenen Straße am Rand angehalten, mein Notizbuch rausgeholt, und diesen Text angefangen. Dann habe ich 100 Meter weiter nochmal angehalten, und weitergeschrieben. Dann bin ich in eine Kneipe, und noch während des ersten Biers war das Ding da.

Sicher, man könnte jetzt die Zusammenhänge im Text sezieren, nach der Sinnhaftigkeit von Ausdrücken suchen, alles nochmal abwägen und ausbalancieren. Kann man aber auch lassen.

Ich hatte das mal mit einer Gitarrenimprovisation verglichen. Da trägt dich was im Hintergrund, liefert den Stimmungsteppich, und du rotzt das Solo runter. Das wars. Kannst du nachher auch nicht sagen: Ach wäre ich da und da mal ins Moll rübergegangen ... is nich mehr ... wurde bereits gesendet.

Ich gönn mir einfach den Spaß, neben komponierten und kontrollierten Texten (womit ich derzeit nicht auf Stimmenfang gehe), einfach mal einen rauszuhauen ... es kann ja auch mal der bloße Groove und Klang sein, der einen Text trägt, oder nö?
99 Prozent der verehrten Leserschaft (vorläufige Hochrechnung des NIFL-Instituts) gefällts ja offensichtlich :o)

Tom
Menschheit, Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu... (Charles Bukowski)

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Pjotr
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Beitragvon Pjotr » 20.08.2010, 15:38

Nifl, also, was meine Kommentare betrifft, die sind ehrlich gemeint. Wenn die wie Kuscheln aussehen, dann sei's drum. Künstlich negativ kommentieren zwecks Unkuschel kann ich nicht.

P.

Nifl
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Beitragvon Nifl » 20.08.2010, 16:01

Hi Tom,

Ich gönn mir einfach den Spaß, neben komponierten und kontrollierten Texten (womit ich derzeit nicht auf Stimmenfang gehe), einfach mal einen rauszuhauen ...

finde ich gut, weiter so. Mir ist nur nicht klar, wozu du ihn dann besprechen möchtest.


negativ kommentieren zwecks Unkuschel kann ich nicht.

nö, ich auch nicht.

LG
Nifl
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.08.2010, 17:16

Hallo Tom,

Ich hatte das mal mit einer Gitarrenimprovisation verglichen. Da trägt dich was im Hintergrund, liefert den Stimmungsteppich, und du rotzt das Solo runter.

Der Unterschied zum improvisierten Gitarrensolo ist wohl unter anderem der, dass die Zuhörer dort auch vom Hintergrund getragen werden, der Stimmungs/Klangteppich nicht nur für den Autor/Solist existiert. Hier fehlt das aber. Der unbedarfte Leser kann mit der Juist-Flagge z.B. aus dem Text heraus einfach nichts anfangen.
Improvisieren ist eine Kunst! Es funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn man alle Regeln und Möglichkeiten seines Instrumentes und des Komponierens so verinnerlicht hat, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt, sondern spontan umsetzen kann.
Ein Solo/Gedicht wird für mich nicht besser oder schlechter, oder authentischer, echter, ob es nun improvisiert ist oder in stundenlanger Arbeit durchkomponiert und abgemischt. Auseinandersetzung und Arbeit kann auch ein Annähern an das bedeuten, was man fühlt und aussagen möchte, nicht nur ein Entfernen.
Am Ende zählt, was man "hört".
Dass man solche Texte zur heiligen Kuh erklärt, und meint dass man daran nicht mehr arbeiten, oder (auch selbst) kritisieren dürfte, weil es dann nur verlieren kann, halte ich für ein bequemes Gerücht, aber nicht für eine Rechtfertigung fürs Vergeigen. .-)

Hier ist der erste Notizbuchhalt für die erste Strophe ein gelungener Einstieg, dann verliert es für mich den Faden und entgleitet dem Künstler.
Insgesamt ist mir ist zu viel Gesabber im Text, so dass ich am Ende dachte, gut, dass er den Mund zumacht. :o))
Entschuldige, wie war das... Reibung erzeugt Wärme. :mrgreen:

Liebe Grüße an den Faun
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Thomas Milser
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Beitragvon Thomas Milser » 20.08.2010, 18:35

Liebe Florens und Nifels,

zur Heiligen Kuh erklären möchte ich das bestimmt nicht. Aber es ist wie bei den Dieter-Texten: Für den einen Leser erschließt es sich oder hat einen Wohlklang, für den anderen überhaupt nicht. Der Eine findets kitschig, der Andere anrührend. Tja, was macht jetzt der Künstler?
Nach Frank Zappa gibt es keine falschen Noten, solange der Künster sie (bewusst oder unbewusst) gespielt hat. Nur Noten. Welcher Harmonie man dabei folgt und ob überhaupt, ist eine andere Sache. Dissonanz, Feedback oder mit dem Handballen gegen den Hals schlagen kann auch Bestandteil eines Stücks sein.

Immerhin polarisieren die Texte ziemlich, und das Fehlen einer Mitte ist mir sehr angenehm. Und da kriegt man diese Texte wohl auch nicht rein. Ich glaube nicht, dass ich die Texte unbedingt bearbeiten mögen muss, um sie hier einzustellen. Und wenn sie dann jemand zerreißt, kann ich das gut verstehen und damit wohl leben. Es kommen auch wieder andere Sachen, die sich zum Feilen besser anbieten. Bestimmt! Einstweilen freue ich mich über Echos, aus den verschiedensten Richtungen.

Und halte vielleicht doch mal ne Weile die Fresse ... :o)

LieGrü
Tom.
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 20.08.2010, 21:49

Hallo Tom,

Tja, was macht jetzt der Künstler?
Das Gleiche wie immer? Schauen, ob das Lob oder die Kritik ihm etwas sagt, seine Sicht auf den Text verändert, ob er sich dadurch sicherer oder unsicher wird bezüglich der angemerkten Punkte, ob es ihn weiterbringt, ob es die eigene Einschätzung bestätigt, oder daran rührt und dann entscheiden, ob er damit und daran arbeiten möchte, oder nicht. Ich finde es ja nur schade, wenn man das aus irgendwelchen Theorien heraus von vorneherein ausschließt, oder den Text und seine möglichen Schwachstellen vor sich selbst damit rechtfertigt, und sich damit auch irgendwie selbst den Weg verstellt.

Und halte vielleicht doch mal ne Weile die Fresse ... :o)
Ich habe gute Hoffnung, dass du nur dann den Mund hältst, wenn es für dich besser ist. .-)

Einstweilen freue ich mich über Echos, aus den verschiedensten Richtungen.
Gut. Und ich freu mich auf Tomtexte, die mich wieder auf der anderen Polarseite erwischen. :o)

Liebe Grüße
Flora
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Trixie

Beitragvon Trixie » 21.08.2010, 00:07

hi tom,
echo von trix: ich mag den mösenschleim nicht. und die strophe mit ins speichelkissen sinken.
ansonsten kann ich einen gewissen groove fühlen, aber es ist für mich irgendwie wirklich "nur" ein "tom-schreibt-aufn-bierdeckel-und-schickt-ohne-nochma-zu-lesen-ab" und somit echt nix besprechenswertes ;-) poesialbummäßig halt. nur eben ein tomsches poesialbum.
und nich wirklich ein improvisiertes gitarrensolo, eher so ein in der stammkneipe mit den fingern auf die tischkante trommeln und den kumpels sagen "ey, habt ihr das gehört? das klang gut, nö?" und die winken nur ab und sagen "jaja, komm sauf noch einen mit uns" ;-). was dem abend sicherlich nich schadet. nee, echt, is ok, find ich :-).
grüßle
trix


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