Servus Pjotr,
Pjotr hat geschrieben:Servus Gerda,
ehrlich gesagt kann ich die negativen Kritiken überhaupt nicht nachvollziehen.
… ich auch nicht ... aber ich bin ja auch mehrfach be- und getroffen
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ich danke dir noch einmal ganz herzlich für diese spontane und wohlwollende Rückmeldung. Du hast mir gestern zusammen mit Elsa die gute Laune zurückgegeben!
Wie soll man als Verfasserin eines Textes reagieren, wenn man genau spürt, dem Text begegnet niemand gerecht und fair. Gegen solche Kritik ist man als Autor machtlos.
Aber ich schaue mir jetzt lieber das an, was du als Potential im Text erkannt hast.
Pjotr hat geschrieben:Ich bin zwar kein Poet und dementsprechend irrelevant ist vermutlich mein Kommentar, aber ich bin Gestalter im Seh- und Hörbereich, habe sehr empfindliche Sinne, und was die mir gerade eindrücken, will ich mal spontan auflisten:
Das ist aber gerade deshalb besonders interessant für mich, weil ich glaube, dass du ein gutes Gespür für eine gewisse Bühnereife hast.
Pjotr hat geschrieben:Zunächst noch ein technischer Punkt. Binnenreim. Den Begriff kannte ich nicht. Ist beispielweise "Lippen" und "pflücken" ein Binnenreim? Weil beides in einer Zeile sitzt?
Einen Stabreim nennt man einen Reim auf dieselben Anfangsvokale.
http://de.wikipedia.org/wiki/StabreimEin Binnenreim ist eine Reim, der nicht am Anfang und Ende des Verses steht, sondern im „Binnentext“.
http://www.reimix.de/reimlehre/binnenreim/Ich spiele gern mit Mischformen aus beidem.
Pjotr hat geschrieben:Die erste Zeile, mindestens die, erinnert mich ein bisschen an Wilhelm Busch; vielleicht liegt das binnen jenen Reimen. Gefällt mir gut. Hat etwas freches, etwas buschiges eben. Freundlich-spöttisches. Das spöttische liegt vielleicht dem Inhalt zugrunde. Die freundliche Komponente hingegen entspringt, glaube ich, der runden Melodie und dem treibenden Rhythmus in dieser Zeile (und einigen anderen); beim Lesen höre und sehe ich eine Hand auf Klaviertasten, den Daumen weit links, kleiner Finger ganz rechts, sehr große Intervale spielend, und die Hand macht dabei eine rollende Bewegung wie ein kleines, auf Wasserwellen treibendes Holzstück. Interessant ist der rhythmische Abschnitt bei "Wohlklang", danach hatte ich einen Stopp erwartet, aber frecherweise wird die Linie sofort wieder aufgefangen mit "pflücken", exakt im Rhythmus. Bevor also meine Sinne, beim Fliegen durch die Wörter, hinten aus dem "Wohlklang"-Wort herausfallen (jedes Wort hat einen Ein- und Ausgang), sind sie durch das "pflücken"-Wort schon wieder oben auf dem hohen e der Notenskala, da wo der kleine Finger hintippt, wenn nicht gerade der Daumen die tiefen Tasten bearbeitet, also wenn nicht gerade das Holzstück nach Backbord schwingt.
Jetzt bin ich immer noch bei der ersten Zeile erst. Vielleicht später mehr. Muss zum Essen.
Jedenfalls, das, was die Vorkritiker wahrscheinlich als sperrig empfinden, höre ich als angenehme Kontrastpunkte in einem rollenden Gesamtwerk, es rollt auf runden Sohlen weite Schritte, und holt immer wieder Luft, aber dieses Luftholen passt dennoch irgendwie exakt in den Fluss, so wie bei Take Five von Paul Desmond oder Living In The Past von Jethro Tull, um zwei geniale 5/4-Takter zu nennen.
Herrlich, dass du mir derart folgen kannst .Die Klangbilder spielen eine große Rolle bei diesem Gedicht… Du bist tatsächlich eingetaucht.
Pjotr hat geschrieben:Wenn ich Zeit habe, werde ich noch weitere Zeilen nennen, bei denen das meiner Wahrnehmung nach zutrifft.
Oh ja, mach nur, aber fühle dich bitte nicht gedrängt.
Du hast mir mit deinem Kommentar schon ganz viel Freude bereitet.
Pjotr hat geschrieben:Zum Inhalt kann ich momentan nichts sagen, nur zur Ästhetik der Formen und Farben.
Das ist aber doch schon sehr viel und wenn der Klang transportiert werde kann, kommen die Worte auch an, glaub mir …
Pjotr hat geschrieben:P.S.: Ich las gerade Elsas Wahrnehmung des Inhalts: "Enttäuschung und Kriegsstimmung sind das Ergebnis", schreibt sie. Zwar hatte ich zum Inhalt nichts gesagt, aber dermaßen schwarz, das kann ich sagen, ist der Inhalt bei mir nicht angekommen. Was für eine Überraschung. Enttäuschung? Vielleicht, aber mit neuer Zuversicht. Kriegsstimmung? Sehe ich, persönlich, keine in dem Text.
Na ja, Elsas Meinung deckt sich schon ziemlich mit der meinen.
Aber nach jedem „Gemetzel“ kann man neu beginnen, zu denken, zu schreiben, zu zanken usw. usf.
Ich bin echt gespannt, lieber Pjotr und grüße dich herzlich.
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
Gerda