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Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Andreas

Beitragvon Andreas » 16.07.2010, 14:48

Der vor mir hat den Bon liegenlassen

1 Dose "Grillen mit Freunden"
2 Instant Suppen "Beischlaf mit Ehefrau"
1 Glas "Fernsehabend am Mittwoch"
1 Tiefkühlkost "Hausputz"
1 Sixpack "Autowäsche"

und ich stehe hier mit einer Banane.

Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.07.2010, 09:27

Hallo Andreas,

als ich deinen Text zum ersten Mal las, hab ich laut losgelacht. Die Situation ist so herrlich absurd.
Vor allem, wenn man es sich bildlich vorstellt.
Dein Text steht unter Lyrik und Kultur. Daraufhin habe ich deine Zeilen noch mehrfach gelesen, auf diesen gesellschaftlichen Aspekt hin.
Da fällt mir die Werbung von Real ein: "Einmal hin, alles drin"
Hier wäre (bis auf die Banane) der Einkaufsort wohl eher eine Tankstelle.
6 x Autowäsche nähme dann den größten Platz ein, dann der Beischlaf mit der Ehefrau, aber nur "Instant", also ruckzuck fertig, sprich Quicky, Hausputz wird auf Eis gelegt, Grillen mit Freunden ist gleichwertig mit Fernsehabend am Mittwoch, was ja auch wieder sehr aussagekräftig ist.
Die Idee finde ich klasse, doch ich frage mich, warum du die Zahlen davor nicht eskaliert hast, so dass sich ein wirkliches Ranking ergibt.

Tja, und der Protag steht - wie ein "Außerirdischer" völlig außen vor mit dem einzig Realen, einer Banane. Aber nur einer. Wer kauft nur eine Banane?
Also, im Prinzip ist auch dies irreal. Sozusagen etwas Real-Irreales in einer surrealen Konsumgesellschaft.
Faszinierender und gedankenanregender Text!

Saludos
Gabriella

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 19.07.2010, 00:05

Sage mir, was du kaufst und ich sage dir, was du tun wirst!

Feine Idee! Der Leser lässt das Warenband noch einmal vor sich ablaufen und erkennt das kleinbürgerliche Konsumentenglück im Warensortiment.

Das lyrische Ich zeigt mit der Banane, dass es nicht am derartigen Konsum teilnimmt. Man könnte die Waren des Vorgängers auch auf dem Band vorbeilaufen lassen bei der Kassiererin und der letzten Warenblock wäre dann der des lyr. Ichs. Vielleicht ein "Picknick am See" oder "Tapas bei Kerzenschein" - als das vorbeirollt, blickt die Kassiererin erstmalig auf ... ;)

Viele Grüße
fenestra

MarleneGeselle

Beitragvon MarleneGeselle » 20.07.2010, 13:17

Volles Leben, voller Zettel. Aber da würde ich einfach die Augen schließen und die Banane genießen. :baloon:

Andreas

Beitragvon Andreas » 21.07.2010, 11:32

Hallo zusammen,

nachdem doch in so kurzer Zeit schon mehr als von mir erwartet kommentiert wurde, möchte ich mich zumindestens kurz, im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten, dazu rückäußern.

Gabriella:
Deine Assoziation mit dem REAL Slogan hat mich amüsiert, ja es ist eine Gute. Was ich gar nicht mal beabsichtigt habe, das ist eine Art Ranking oder unterschiedliche Wertigkeit in den Dingen, die die Person vor mir auf dem Band liegen hatte. Kann man machen, tut aber nicht Not für den Kontrast der beiden Einkäufe. Ich hoffe, dass das aber deiner erkannten Intention keinen wirklichen Abbruch tut.

fenestra:
Deine optionale Gestaltungsmöglichkeit, das vorbeilaufende Warenband, ein Augendialog mit der Kassiererin vielleicht, ist etwas, was leicht ähnlich mal als Allonge auf meinem Konzeptpapier stand, was ich aber verwarf, weil ich es für die eigentliche Aussage als obsolet betrachtet habe. Genauer gesagt hatte das ursprüngliche Output noch 2 weitere Zeilen, die sinngemäß die Kassiererin nicht nur aufblicken, sondern auch (vermutlich) erstmalig lächeln ließen. Übrigens, warum denkst du genau wie ich direkt an weibliches Kassenpersonal in diesem Zusammenhang?

MarleneGeselle:
Nimmt man "volles" als Maßeinheit für die verbrachte Zeit, nicke ich das ab, andernfalls würde ich da fast lieber "leeres Leben" lesen. Deine Art, die Banane zu genießen, trifft allerdings meinen Nerv.

Und schon eile ich wieder von dannen.

Liebe Grüße
Andreas

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 22.07.2010, 11:54

Übrigens, warum denkst du genau wie ich direkt an weibliches Kassenpersonal in diesem Zusammenhang?


Erstmal ist zumindest hier in den Supermärkten 90% des Kassenpersonals weiblich und zweitens bot sich ein männliches lyr.Ich an, so dass sich wiederum ein Blickwechsel mit einem weiblichen Gegenüber als Prise "Flirt" in den Text hätte einbauen lassen. Wobei natürlich auch mal Männer miteinander flirten könnten ...

lg
fenestra


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