Blitzwut

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 18.07.2010, 13:16

2. Fassung (danke leo und carl für die überlegungen)

Blitzwut

die leisen Geheimnisse
zwischen uns teilst du
längst mit einer anderen

sie weiß von deinem Drachen
auf der Lende und
welche Angst dir Altern macht

unsere Codes einander sprachlos
zu verstehen – ob du sie teilst
mit ihr – sprengt mir das Pochen

unterm Brustbein rollt der Donner
schwefelgelb rotiert das Blut
rot steigt Hitze in die Stirn

dahinter quält das Bild
von dir mit einem Lachen
das nicht mehr mir gehört

großmütig bin ich nicht
wünsch dir die Pest
ganz ehrlich


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Zuletzt geändert von Elsa am 28.08.2010, 12:31, insgesamt 3-mal geändert.
Schreiben ist atmen

Niko

Beitragvon Niko » 18.07.2010, 14:16

liebe und hass sind enge verwandte. beide haben gefühl und verbundenheit als vorfahren. und die eigenen kinder können isolation oder freiheit heißen.
so ähnlich würde ich eine antwort auf den nietzsche - spruch formulieren.

hallo elsa!
dies gedicht hat wenige lyrische und verdichtende elemente für mich. das mag beim transportieren eines so unmittelbaren empfindens vielleicht auch der richtige weg sein, das zu transportieren.
die erste strofe hat eine bestimmte metrik, die mir sehr gefällt. perfekt wäre sie so:

unterm Brustbein rollt der Donner
schwefelgelb rotiert das Blut
rot steigt die Hitze in die Stirn


das aufs ganze angewendet, fände ich hervorragend. in der zweiten strofe frage ich mich bei:
....das Bild
von dir mit einem Lachen
das nicht mehr mir gehört


wie das lachen eines anderen einem gehören kann. auch wenn ich verstehe, was du meinst, hat es für mich etwas besitzergreifendes. und macht mir unwohlsein.

liebe grüße: Niko

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 18.07.2010, 16:40

Liebe Niko,

Danke für deinen Kommentar.

Der Text macht hoffentlich "unwohlsein", wie du sagst, denn es ist nicht schön, wenn man kleinmütig ist und hasst, nicht wahr? Wer hasst, ist auch besitzergreifend, daher ist dein Gefühl dem Text gegenüber schon richtig.

Liebe Grüße
ELsa
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noel
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Beitragvon noel » 18.07.2010, 17:48

ist man kleimütig wenn man hasst?
im umkehrschluss großmütig, wenn man liebt?
nein!!!
wer liebt, kann sich vergessen machen. wer leibt, lebt in
einer sphäre fünf klaffter über dem boden.
es ist nichts was einen auszeichnet, es ist ein glück, für den der
liebt (keinesfalls zwangsläufig für den, der geliebt wird)
so wie "zu lieben" keinen großmut darstellt, stellt für mich
hass keinen kleinmut dar. es passiert einem, dafür sind wir menschen...
& mit beiden muss man so umgehen, dass man den gehaßt, oder geliebten
nicht "überrollt".


der anfang: donner, schwefelgelb, rot--> die gewittermetapher ist eindrücklich &
nicht verbraucht, da du die worte fein wähltest.

der übergang zu dem BILD das quält, gefälllt mir gut, denn es umfasst
' das sich ein bild machen" & 'die verlorene zukunft'


die letzte zeile... dies "ganz ehrlich"
das finde ich nicht so...
insgesamt fällst du ab der strophe mit den "leisen geheimnissen"
aus der wut, die den text zu beginn gut trugen
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level).

Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 18.07.2010, 17:58

Liebe Noel.

Vielen Dank für deine Betrachtungen zu Liebe/Hass.
Ich denke schon, wenn man großmütig sein könnte, indem man jenem/jener, die einen verlässt, obwohl man innigst liebt und sautraurig darüber ist, nicht hasst, wäre man besser dran. Aber wie du sagst, wir sind Menschen und daher kann es passieren.

Der Text ist recht frisch, ich merke mir alle Komm. für den Fall, dass ich noch dran herumändere.

Liebe Grüße
ELsa
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Mucki
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Beitragvon Mucki » 18.07.2010, 18:02

Liebe Elsie,

so richtig schön wütend der Text, das gefällt mir!
Auch diese Passage
Elsa hat geschrieben:dahinter quält das Bild
von dir mit einem Lachen
das nicht mehr mir gehört

mag ich, weil es die quälende Eifersucht ausdrückt und klar ist, dass eben gemeint ist, dass dem LI das Lachen des DU nicht mehr geschenkt wird.
Insgesamt finde ich den Text stimmig, nur das "ganz ehrlich" am Schluss würde ich rausnehmen, da es m.E. überflüssig ist. Aus den Zeilen geht hervor, dass alles, was LI da rausbrüllt genauso gemeint ist, wie es da steht.

Saludos
Mucki

Niko

Beitragvon Niko » 18.07.2010, 18:50

da hast du etwas falsches interpretiert, elsa! hass ist einfach nicht gesellschaftskompatibel. es gibt einen spruch der besagt: wer nicht hassen kann, kann auch nicht lieben. und ich denke, da ist etwas dran. und mal ehrlich gesagt: hass ist allemal besser als gleichgültigkeit. denn diese tötet uns. hass aber kann befreien, neue wege öffnen, kann vor allem seelischen ausgleich wieder herstellen (da denke ich an hass als vorstufe zum vergeben / akzeptieren). hass ist ein wichtiges ventil. denn manchmal ist soviel in uns angestaut, dass wir wahnsinnig würden, wenn es nicht zu einer entladung käme.
besitzergreifend ist etwas anderes. wenn der eine partner zb sagt, dass der andere "mir gehört". oder sein lachen "mir gehört". alles, was durch eine partnerschaft dazu kommt, ist ein geschenk und kein besitz. will man aber den anderen besitzen, so entsteht ein extremes ungleichgewicht. weil sich dadurch die ursprungssituation (das erste kennenlernen, das schätzen und lieben lernen des anderen) verändert und durch diese schieflage eine zerstörung des "wir" immer wahrscheinlicher ist.

liebe grüße: Niko

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 19.07.2010, 11:48

Liebe Mucki, vielen Dank, freut mich, dass dirs zusagt. Über die letzte Zeile denke ich noch nach ...

Lieber Niko, ich glaube, wir reden da von 2 verschiedenen Dingen. Was du hier über den Hass schreibst, ordne ich unter der Wut ein, die einen durchaus wie ein Raketenantrieb weiterbringt und auch gesund ist, Wutbomben machen frei und eröffnen einem neue Perspektiven.

Hass aber nicht, mM. Denn Hass nagt, bleibt in einem drin, macht einen kaputt.

Was Besitzen betrifft, ja, das sehe ich auch so.

Liebe Grüße
ELsa
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Trixie

Beitragvon Trixie » 19.07.2010, 15:09

Hallo Elsa,

wenn Hass und Wut zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind (was ich persönlich sehr unterstreiche), wieso hast du dann ein Zitat über Hass/Liebe angeführt und dann ein Wutgedicht geschrieben? Wenn man den Drachen auf der Lende weglässt, kann man es sogar auf besten Freund oder Elternteil oder Geschwisterteil oder sowas projezieren, zum Beispiel wenn die Eltern wider Willen der Kinder wieder heiraten oder das liebste Geschwisterteil einen Partner findet oder so. OK, das ist arg überzogen und eher pubertär, dennoch impulsiv und es ist ja der Impuls - ich hatte was, das hast du mir weggenommen, das is unfair, ich bin hilflos und deshalb wütend - der dieses Gefühl so zum Schwingen bringt.

Ich brauch das Zitat nicht, es sieht zwar hübsch aus, aber es stiftet eher Verwirrung, denn die Wut/Eifersucht/laute Verzweiflung/Ent-Täuschung werden auch so klar und deutlich.

Den Titel find ich toll, Blitzwut, ist das ein feststehender Ausdruck oder selbst "erfunden"?

Insgesamt kann ich es übrigens soooooo gut nachvollziehen!!!!!! Manchmal ist da die hilflose Leere, das Selbstmitleid, das Kraftlose, schulternhängende Gefühl, und manchmal ist da dieser tobende Sturm in einem, den du hier punktgenau beschrieben hast, und das auch noch in so einen passenden "lyrischen" Ton verpackt, klasse, gefällt mir so gut, dass ich mir wünschte, ich hätte das so gut in Worte packen können. Du sprichst mir quasi aus der Seele und das is, glaub ich, echt gut ;-)!

Liebe Grüße
Trix

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 19.07.2010, 15:44

Liebe Trix,

Du hast schon recht, ich könnte das Zitat weglassen. Ich habe gedacht, es wäre eine nette Idee zur Gegenüberstellung, dass Hass eben nagt und Wut alles rauslässt, wonach es dann wieder gut ist :-) Meinstens.

Wenn man den Drachen auf der Lende weglässt, kann man es sogar auf besten Freund oder Elternteil oder Geschwisterteil oder sowas projezieren, zum Beispiel wenn die Eltern wider Willen der Kinder wieder heiraten oder das liebste Geschwisterteil einen Partner findet oder so. OK, das ist arg überzogen und eher pubertär, dennoch impulsiv und es ist ja der Impuls - ich hatte was, das hast du mir weggenommen, das is unfair, ich bin hilflos und deshalb wütend - der dieses Gefühl so zum Schwingen bringt.
Klar, man kann es auf alle möglichen Beziehungen anwenden, hier eben die Liebesbez.
Es ist fraglos pubertär, wenn man dem andern die Pest an den Hals wünscht, man könnte auch sagen, dass man zum Urviech wird nach einer Kränkung, die man nicht verstehen kann/will.

Ich brauch das Zitat nicht, es sieht zwar hübsch aus, aber es stiftet eher Verwirrung, denn die Wut/Eifersucht/laute Verzweiflung/Ent-Täuschung werden auch so klar und deutlich.
Ja, du hast recht, ich lasse es mal stehen, weil sich Komms. drauf beziehen, aber ich werde es ansonsten streichen.

Den Titel find ich toll, Blitzwut, ist das ein feststehender Ausdruck oder selbst "erfunden"?
Ich hoffe, ich habs erfunden, aber man weiß ja nie ...

Insgesamt kann ich es übrigens soooooo gut nachvollziehen!!!!!! Manchmal ist da die hilflose Leere, das Selbstmitleid, das Kraftlose, schulternhängende Gefühl, und manchmal ist da dieser tobende Sturm in einem, den du hier punktgenau beschrieben hast, und das auch noch in so einen passenden "lyrischen" Ton verpackt, klasse, gefällt mir so gut, dass ich mir wünschte, ich hätte das so gut in Worte packen können. Du sprichst mir quasi aus der Seele und das is, glaub ich, echt gut ;-)!
Das freut mich sehr, Trix, weil meistens mag man ja über so "niedere" Gefühle nichts sagen, aber ich bin sicher, alles Menschen haben die. So!

Lieben Gruß
Elsa
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Trixie

Beitragvon Trixie » 19.07.2010, 15:54

Hi Elsa,

ach, ich glaube, im Freundeskreis fällt doch öfter mal so ein "Wie ich es hasse, wenn dieser Idiot mit seiner neuen Tussi durch die Gegend stolziert, da könnt ich kotzen" oder sowas ,-) Aber ich glaube, das ist was anderes.

Urviech find ich toll! Ja, ich denke, es hat was kindliches, genau wie kindliche Begeisterung, wenn man solche Gefühle auch zulassen und rauslassen kann. Und das ist bestimmt was Gutes, das reinigt gewiss auch, wobei man nicht zu lange daran festhalten sollte, sich festbeißen, ja, sondern eher nach "vorne" gucken und sich ablenken. Aber das heißt nicht, dass man sowas verleugnen sollte.

Deshalb, dafür, dass du es schreibst, daumen hoch ,-)!

Liebe Grüße
Trix

PS: Ich erinnere mich gerade - ich habe auch mal Sätze gesagt wie "wenn ich dieser kleinen Schl*** begegne, dann kann ich für nix mehr garantieren, ich werd der so in die Fr*** hauen, das schwör ich dir!" in einem dieser Momente...

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 20.07.2010, 11:47

Liebe Trixie

ach, ich glaube, im Freundeskreis fällt doch öfter mal so ein "Wie ich es hasse, wenn dieser Idiot mit seiner neuen Tussi durch die Gegend stolziert, da könnt ich kotzen" oder sowas ,-) Aber ich glaube, das ist was anderes.
Ja, das ist was anderes, das bleibt nicht drin in einem und nagt auch nicht.

Urviech find ich toll! Ja, ich denke, es hat was kindliches, genau wie kindliche Begeisterung, wenn man solche Gefühle auch zulassen und rauslassen kann. Und das ist bestimmt was Gutes, das reinigt gewiss auch, wobei man nicht zu lange daran festhalten sollte, sich festbeißen, ja, sondern eher nach "vorne" gucken und sich ablenken. Aber das heißt nicht, dass man sowas verleugnen sollte.

Deshalb, dafür, dass du es schreibst, daumen hoch ,-)!
Hihi, danke!

PS: Ich erinnere mich gerade - ich habe auch mal Sätze gesagt wie "wenn ich dieser kleinen Schl*** begegne, dann kann ich für nix mehr garantieren, ich werd der so in die Fr*** hauen, das schwör ich dir!" in einem dieser Momente...
Ui, das kenne ich auch!

Liebe Grüße
Dein Urviech ;-)
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 22.07.2010, 23:30

Liebe Elsa,

den Text selbst mag ich in seiner Offeneheit und Ehrlichkeit. Aber ich habe das Gefühö, er könnte auch gut und gerne ohne den alten Nietzsche auskommen, oder?

Liebe Grüße
Max

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Beitragvon Elsa » 23.07.2010, 09:29

Lieber Max,
vielen Dank, ich streich den Nietzsche jetzt sowieso, den brauch kein Mensch ;-)

Herzlich,
ELsa
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