die luft ist dünn da oben

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
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Elsa
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Beitragvon Elsa » 19.06.2010, 14:39

die luft ist dünn da oben

auf den gipfeln der entscheidungen
schweiß kostet es und tränen
die höhen zu erklimmen

ausgefüllt von atemnot und angst
der stürmische abstieg um ein wort
zu sagen: nein

rasch ausgestoßen unter herzholpern
beginnt warten angereichert mit
geschocktem du – doch selbst
steht man bereits im wind des neuen


korr. 2.Z in Str.2 ergänzt: der stürmische abstieg um (danke Flora für die Hilfe)
Zuletzt geändert von Elsa am 01.07.2010, 23:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Niko

Beitragvon Niko » 20.06.2010, 22:07

hallo elsa!
was mir an dem gedicht gefällt, ist die zuordnungskapazitäten. es gilt für eine liebesbeziehung bis hin zu - woran ich dachte - politischen bühnen.
was mir weniger gefällt ist die umsetzung. ich persönlich hätte es mir da lyrischer, vielleicht sogar kryptischer gewünscht.
dennoch bleibt es für mich ein gedicht, dass zum nachdenken über inhalte sehr anregt.

liebe grüße: Niko

scarlett

Beitragvon scarlett » 21.06.2010, 20:29

Liebe Elsa,

ich halte das für einen sehr guten Text! Ja, es hat mir fast den Atem verschlagen, als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe.

Die Schwierigkeit, eine Entscheidung zu treffen, anhand des Bildes einer Gebirgsbesteigung zu beschreiben, ist schon ziemlich extravagant.
Die enge Perspektive, die durch das Gehen vorgegeben wird, bei dem man schließlich meist auf seine Füße achten muss, sich nur auf sich selbst konzentrieren muss, weitet sich zum unglaublichen Frei- und Weitblick als Lohn für die Mühe. Am Gipfelt fühlt man sich meist ziemlich allein mit sich und dem, was man für das Dastehn in Kauf genommen hat, seien auch noch so viele Menschen um einen herum, es ist ein ganz besonderer Moment.

Das "warten mit geschocktem du" - eine irre Formulierung!

Und ja, meist ist es tatsächlich so, dass man bereits frischen oder zumindest anderen Wind um die Nase spürt, wenn man entscheidet, dem anderen hingegen raubt es den Atem.

Ganz ganz toll!

Herzlichst,
Mo

Max

Beitragvon Max » 21.06.2010, 22:34

Liebe Elsa,

mir gefällt das Gedicht, weil es ein klares Bild benutzt und dieses deutlich herausarbeitet und variiert.
Vielleicht ist es auch viel weniger das "Nein", auf das es Antwort als die eigene Meinung, die "Ja" sein kann oder auch "Nein".

Liebe Grüße
Max

Mucki
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Beitragvon Mucki » 22.06.2010, 00:49

Liebe Elsie,

mich hast du hier voll am Haken. Die Bewegung, dieser Prozess, der sich da vollzieht sowie die Mehrdeutigkeit (was Niko auch ansprach) in deinem Gedicht gefällt mir so gut.
Und das hier:
Elsa hat geschrieben:beginnt warten angereichert mit
geschocktem du

ist wirklich klasse!

Saludos
Mucki

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 22.06.2010, 09:38

Vielen Dank für die positiven Kommentaren *strahl*

Lieber Niko, du hast recht, es kann durchaus auch nicht nur im Bereich der Liebe spielen, ja.
Zu lyrisch/nicht lyrisch: Naja, das ist halt schon meine Art zu dichten. Gewiss gibt es elegantere Stile als meinen, aber das ist meiner nicht.

Liebe Mo, hab mich sehr gefreut über deinen ausführlichen Komm. der ganz meiner Intention hier entspricht!

Lieber Max, klar, kann auch das eigene "Ja" (zu sich selbst) sein, oft ist es dann für das Gegenüber unterm Strich ein "Nein".

Liebe Mucki, das freut mich sehr, ich hab dich gern am Haken ;-) Über das "geschockte" Du bin ich selbst höchstlich erfreut :-)

Liebe Grüße am Morgen
ELsa
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Ylvi
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Beitragvon Ylvi » 22.06.2010, 09:57

Hallo Elsa,

das Bild, das du gewählt hast, auch mit dem Ende, dass man bereits den Wind des Neuen spürt, gefällt mir. Auch das Ja zu sich, das da im Nein anklingt.
Wobei das Nein, das da auf dem Gipfel ausgesprochen wird, für mich so klingt, als sei der andere mitgegangen, hätte die Entscheidungsfindung demnach miterlebt, sich auch dort hinaufgequält und könnte den Wind dann ja auch spüren, was dann allerdings das "geschockte" wiederum nicht glaubhaft sein lässt.
Ich denke, diese Entscheidungsgipfel erklimmt man doch eher alleine und kehrt dann anders zurück?
Da wackelt für mich die Bildebene etwas.
Auch nimmt mir die erste Zeile so viel an Bild und Aussage vorweg, dass ich den Rest dann nurmehr als Erklärung lesen kann. Und da fehlt mir dann sprachlich nicht wie Niko meinte das lyrisch-kryptische, sondern eher ein wenig deine Natürlichkeit, die ich sonst oft in deinen Gedichten finde, das Unmittelbare, Echte, Ungekünstelte und dadurch auch Berührende. Die Zeilen wirken auf mich in sich verdreht, "erdichtet", was es mir dann schwer macht mitzugehen.
Vor allem das "angereichert mit geschocktem du", das Mucki und scarlett so begeistert, hört sich in meinen Ohren sehr seltsam an, ich muss da an angereicherte Lebensmittel denken und schockfrosten. .-)

Wie du siehst, geht es also für mich nicht so ganz auf. Vielleicht beim nächsten Mal wieder. :-)

Liebe Grüße
Flora
Das ist das Schöne an der Sprache, dass ein Wort schöner und wahrer sein kann als das, was es beschreibt. (Meir Shalev)

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 22.06.2010, 11:07

Liebe Flora,

danke für deine Überlegungen. Immer kann man ja nicht jeden ... ;-)

Nein, das DU geht da nicht mit nach oben, das LI teilt seine Entscheidung mit, wenn es zurück ist vom Gipfel, aber der Wind, ja der Wind von dort oben wird innerlich mitgenommen.

Liebe Grüße und dankeschön,
ELsa
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Beitragvon Ylvi » 22.06.2010, 14:21

Hallo Elsa,

Nein, das DU geht da nicht mit nach oben, das LI teilt seine Entscheidung mit, wenn es zurück ist vom Gipfel, aber der Wind, ja der Wind von dort oben wird innerlich mitgenommen.
Mmmh, das gefällt mir, aber es ist nicht unbedingt aus dem Gedicht heraus so lesbar, oder? Vielleicht könntest du noch eine Zeile einbauen, die vom Hinabsteigen nach der Entscheidung fürs "Nein" erzählt und am Ende dann vielleicht nicht, dass man darin steht, weil das ja schon suggeriert, dass man noch auf dem Gipfel ist, sondern diese Idee des Inneren aufgreifen?

Liebe Grüße
Flora
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Beitragvon Elsa » 28.06.2010, 19:59

Liebe Flora,

ich habe jetzt weiter nachgedacht, was hältst du von:

ausgefüllt von atemnot und angst
der stürmische abstieg um
ein wort zu sagen: nein


Wär das eine Option?

Liebe Grüße
ELsa
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Beitragvon Ylvi » 01.07.2010, 16:03

Hallo Elsa,

ah, hier wollte ich doch gleich schreiben. Entschuldige. Das wäre für mich ein sehr guter Vorschlag. Spannend fände ich auch, wenn du den Zeilenumbruch anders setzt, schau mal so:

ausgefüllt von atemnot und angst
der stürmische abstieg um ein wort
zu sagen: nein


Weil dann diese Zeile auch für sich selbst stehen und wirken könnte.

Mich würde noch interessieren, warum du es ins Allgemeine hebst und hier nicht aus der Ich-Perspektive heraus erzählst?

Liebe Grüße
Flora
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Beitragvon Elsa » 01.07.2010, 23:24

Liebe Flora,

das ist eine sehr überzeugende Idee, dank, das mach ich gleich!

Flora hat geschrieben:Mich würde noch interessieren, warum du es ins Allgemeine hebst und hier nicht aus der Ich-Perspektive heraus erzählst?


Damit es mal was anderes ist. Ich versuche immer wieder mal, etwas abgesetzt vom Ich zu formulieren.

Liebe Grüße
ELsa
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