dem wort

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Niko

Beitragvon Niko » 11.06.2010, 19:21




dem wort


ich will dich liebstes
wort neben mir
will dich auf meiner haut
in meinem mund

dich entmummen berühren
erlauben und trocknen
an liderabenden
aber schweig
und sei





.

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fenestra
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Beitragvon fenestra » 12.06.2010, 11:50

Hallo, Niko,

dieser Text ist interessant! Ein Wort, das schweigen soll, das man auf der Haut spürt!

Hier bieten sich viele Assoziationen an, um welches Wort es sich handeln könnte. Der Name der Geliebten vielleicht oder auch die Idee von ihr. Das wär mir aber fast zu eindimensional. Vielleicht auch einfach eine Stimmung, ein Lebensgefühl, eine Vorahnung von etwas Kommenden.

Sinnlich finde ich diese Passage:

dich entmummen berühren
erlauben und trocknen


Dabei lese ich immer "entlauben" (belauben ginge auch). Erlauben ist mir ein zu abstraktes Wort für diesen Text, es zerstört die greifbaren Bilder.

Viele Grüße
fenestra

Louisa

Beitragvon Louisa » 14.06.2010, 02:14

Hallo Niko!

Der Text hat mich ein bisschen zum Schmunzeln angeregt, weil ich den Schlusston als ziemlich patriarchalisch und streng wahrnehme - "Schweig und sei!" :eek: :eek: :eek:

Kann man das nicht auch etwas freundlicher sagen ;-) ?

Ansonsten könnte mir der Umgang mit dem Wort noch etwas sinnlicher beschrieben werden à la: Wonach schmeckt es denn? Wie genau liegt es denn auf der Haut (wie ein Kleidungsstück, wie Schweißperlen, wie ein Windhauch, wie ein Ölfilm.............) ? Weißt du?

Aber die Idee und den Aufbau finde ich gut!

Schöne Nacht!
l

FawzZalum

Beitragvon FawzZalum » 14.06.2010, 06:59

Lieber Niko,

ich habe zunächst irgendwie an Erich Fried denken müssen...aber das bringt mich dann auch in Richtung von Louisas Kommentar, denn es fehlt mir dann auch etwas die spürbare Nähe, die mit den ersten beiden Zeilen angedeutet wird.

das Verb erlauben scheint mir auch etwas unpassend hier, oder besser, ich kann den Bogen zu den anderen Dingen, die gewollt werden, nicht schlagen.

Fenestras Vorschlag finde ich hinreißend...aber ob das zu deiner Intention, deinem Stil hier passt? Ein entlauben würde auch zu nahe am entmummen stehen, während man ein belauben durchaus auch in viele Richtungen deuten könnte...in einem Liebesgedicht.

Das Wort entmummen in Zusammenhang mit vermummem oder vermummt erschreckt mich irgendwie...meine Gedanken werden hier irgendwie polizeilich, ich denke an vermummte Täter, und irgendwie lenkt mich das ab...

Meinst du eigentlich wirklich Lider-Abende? Hab beim ersten Mal lesen irgendwie gleich Liederabende gelesen...


Herzlichst

Zafar

Niko

Beitragvon Niko » 14.06.2010, 16:37

menschenskinder......der text war völlig außerhalb meines forumsfensters...... sorry.....

aaaaaaaaaalso:

liebe fenestra!
ja.....das erlauben, entlauben..... im grunde schwebte mir er - lauben vor. also schon eine botanische note. ich sehe aber ein, dass natürlich das erlauben gelesen wird, wie man es kennt. von daher taugt das wort nichts und ich werde es ändern müssen.

liebe louisa!
warum bringt dich der gesamte text zum schmunzeln, wenn der schlusston patriachaisch und streng (ich empfinde das überhaupt nicht so!) in deiner lesart ist?
Ansonsten könnte mir der Umgang mit dem Wort noch etwas sinnlicher beschrieben werden à la: Wonach schmeckt es denn? Wie genau liegt es denn auf der Haut (wie ein Kleidungsstück, wie Schweißperlen, wie ein Windhauch, wie ein Ölfilm.............) ? Weißt du?
ja, ich weiß. aber es wäre ein anderes gedicht. eins was sich selbst zu sehr auf eine bestimmte art focussieren würde. und genau das wollte ich hier nicht. ich wollte mehrere lesarten zulassen können. und - nicht das ich meine, mich mit gewalt verteidigen zu müssen - "unsinnlich" finde ich die zeilen absolut nicht. aber klar: jeder hat seine eigene empfindungswelt und liest dementsprechend. vielleicht kommt ja mal ein neuer text für dich sinnlicher daher....

liebe zafar:

Das Wort entmummen in Zusammenhang mit vermummem oder vermummt erschreckt mich irgendwie.
ein entmummtes wort ist doch gerade eines, dem der mögliche schrecken genommen wird!
Meinst du eigentlich wirklich Lider-Abende? Hab beim ersten Mal lesen irgendwie gleich Liederabende gelesen...
ja.....ich meine liderabende. aber die assoziation zu liederabend ist natürlich so gewollt..

liebe grüße: Niko

Max

Beitragvon Max » 15.06.2010, 23:31

Lieber Niko,

vielleicht kann ich gar nicht viel Neues beitragen.

Der Text hat für mich einige schöne Passagen, gerade Strophe 1 erinnert mich auch an Fried, der da sogar noch expliziter ist.
"Entmummen" als Wort mag ich, die "liderabende" finde ich nur deshalb lesbar, weil es "liederabende" gibt, es ist also für mich im strengen Sinne gar kein Wortspiel mehr. Das "erlauben" versteh ich selbst nach Deiner Erklärung nicht so recht und der Schluss ist wirklich ein wenig dominant, non?

Liebe Grüße
Max

Niko

Beitragvon Niko » 16.06.2010, 22:39

hallo max!
und der Schluss ist wirklich ein wenig dominant, non?

kommt drauf an.... wenn man zeilenübergrifend liest, so empfinde ich es als absolut undominant:

an liderabenden aber schweig und sei. MIR klingt das eher wie ein verlangen, wie eine sehnsucht. etwas, was man zuhaucht. nicht aber wie ein kommando.

liebe grüße: Niko


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