Dieses Irdene (war:aus dem lyrischen Dialog)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
Max

Beitragvon Max » 05.06.2010, 10:50

Zweite version:

Dieses Irdene
das Versprechen
Es wächst, wenn du nur säst
Der verlässliche Bruder
des leuchtenden Worts

Wohin hätte der Wind uns getragen
das Licht uns verführt
ohne sein Gewicht
ohne seine Schwere



Erste Version

Gedanke II

Dieses Irdene
das Versprechen
Es wächst, wenn du nur säst
Der verlässliche Bruder
des leuchtenden Worts

Wohin hätte der Wind uns getragen
das Licht uns verführt
ohne sein Gewicht
ohne seine Schwere


Änderungen aufgrund Anmerkungen von Mucki,Lisa und Niko

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leonie
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Beitragvon leonie » 05.06.2010, 15:30

sähst? Von säen (müsste ohne "h" sein, denke ich) oder sehen (hieße es dann nicht "sähest?")?

Liebe Grüße

leonie

Mucki
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Beitragvon Mucki » 05.06.2010, 17:20

Hi Max,

dies hat mir im Lyr. Dialog schon gut gefallen. Es hat so etwas Sakrales, Getragenes, Schweres und Leichtes zugleich.
Ich lese darin zwei Ebenen, die in meinen Augen so wunderbar miteinander und auch auseinandergehen, sich sozusagen die Hand reichen, sie wieder entziehen und das sujet deines Gedichtes in ein Fragezeichen setzen. Diese Bewegung ist es, die mich fasziniert. Da ist einmal diese für mich unantastbare Ebene der ersten Strophe. (Es muss übrigens "säest" heißen), die auf mich eine sakrale Wirkung ausübt. Diese Wirkung entsteht bei mir durch die Worte "Irdene", die kursive Zeile, das Wort "Bruder" und die letzte Zeile der 1. Strophe. Hier würde ich "des leuchtendes Wortes" schreiben.
Übrigens: allein die erste Strophe ist schon ein Gedicht für mich.

In der zweiten Strophe kommt die Gegenbewegung, das Untergraben des Unantastbaren, der Blick auf die Realität. Wie schwer wiegt ein wahres Versprechen mit all seinen Konsequenzen. Hier klingt der "Kopfmensch" durch und doch wird gerade durch dieses "Wohin hätte der Wind uns getragen ..." trotz dieses Entziehens eine Leichtigkeit in diese Zeilen getragen, dass es mir ganz warm ums Herz wird. Hier werden alle Möglichkeiten des Menschseins in den offenen, verführerisch lockenden Raum geworfen, mit einer Prise Wehmut, ist doch der Mensch noch nicht bereit.
Sehr fein finde ich dieses Gedicht.

Saludos
Mucki

Renée Lomris

Beitragvon Renée Lomris » 05.06.2010, 18:15

Dieses Irdene
das Versprechen
Es wächst, wenn du nur sähst


Das Irdene = erinnert mich an den frz. Ausdruck qqc est terre-à-terre, ist konkret, ans reale, materielle (im pos. Sinne gebunden)

Hallo Max,

Auch mir ist dieses Gedicht im Lyrischen Dialog aufgefallen, und hat mir sehr gefallen.
nun würde ich es doch genau wissen: ist dies nun der zentrale Satz und die Verdichtung, wie ich sie verstanden habe, eine absichtliche Zusammenführung von "säest" und "säeh(e)st"

im Sinne von "hättest du doch gesät, gesehen" oder falls du gesät oder gesehen hättest. Dass das, was man sieht (erkennt) als Saat aufgehen könnte, erscheint mir besonders schön. Hab ich über-interpretiert?

lG
Renée

Max

Beitragvon Max » 05.06.2010, 21:11

Liebe Leonie,

oh klar, "säst" , entschuldigt.

Entschuldigung auch bei Dir, Renée, wenn Du überinteriert hast, liegt das allein an meinem Schreibfehler. terre-a-terre kannte ich nicht, aber es gefällt mir sehr und passt gut in den Kontext.

Liebe Mucki,

ja genau, die beidem Ebenen hatte ich ansprechen wollen. Danke für den schönen Kommentar.

Liebe Grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 19.06.2010, 12:39

Lieber Max,

Versprechen haftet stets die Schwere an, die grausige Verantwortung, erfüllen zu müssen, was keiner
wirklich garantieren kann. Ich finde diesen Text beeindruckend, er enhält auf wenig Platz ein gravierenden
Thema der Menschen.

Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 19.06.2010, 15:37

Liebe Elsa,

das finde ich eine sehr interessante Sichtweise auf diesen kln kleinen und beinahe unschuldigen Text ;-). Das Versprechen war eigentlich als eines gedacht, das dem LI gegeben wurde. Ich muss vielleicht ah noch einmal über die Zeilen nachdenken, von daher ein herzliches Danke dafür, dass Du mich dran erinnert und dich mit dem Text beschäftigt hast.

Liebe grüße
Max

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Elsa
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Beitragvon Elsa » 19.06.2010, 18:21

Lieber Max,

egals ob LI ob DU, kommt das nicht aufs Selbe raus?

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 19.06.2010, 20:05

Liebe Elsa,

als versprechen freilich schon - aber wenn es dem LI gegeben wurde, kann es doch hoffnungsvoll sein, oder?

Liebe Grüße
Max

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Beitragvon Elsa » 19.06.2010, 20:46

Lieber Max

Max hat geschrieben:Liebe Elsa,

als versprechen freilich schon - aber wenn es dem LI gegeben wurde, kann es doch hoffnungsvoll sein, oder?

Liebe Grüße
Max


Dagegen spricht für mich aber NACH der Hoffnung, die ins Versprechen gelegt ist, die Str.2:
Wohin hätte der Wind uns getragen
das Licht uns verführt
ohne sein Gewicht
ohne seine Schwere


Nicht?

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 21.06.2010, 22:06

Liebe Elsa,

diese Strophe kann doch aber beides sein: entweder ein trauerndes nachblicken, dem was nie gewesen ist oder aber ein beschreiben der Gefahr, der das LI entgangen ist ...

Liebe Grüße
Max

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Beitragvon Elsa » 21.06.2010, 22:13

Lieber Max,

ich lese im "verführt ohne sein gewicht, seine schwere" einfach eher die nicht gelebte sehnsucht, weißt du?

Liebe Grüße
ELsa
Schreiben ist atmen

Max

Beitragvon Max » 21.06.2010, 22:28

Liebe Elsa,

ich weiß schon ;-)

Drum weise ich ja darauf hin, dass man "verführt" nicht nur positiv lesen kann .-)

Liebe Grüße
max

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Beitragvon Elsa » 21.06.2010, 22:43

Jedem das Seine, lieber Max ;-)

Lieben Gruß
ELsa
Schreiben ist atmen


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