seismisches (love-wellen)

Bereich für Texte mit lyrischem Charakter: z.B. Liebeslyrik, Erzählgedichte, Kurzgedichte, Formgedichte, Experimentelle Lyrik sowie satirische, humorvolle und natürlich auch kritische Gedichte
keinsilbig

Beitragvon keinsilbig » 22.03.2010, 18:18

neue version:


da sind immer noch
spuren von dir

gesammeltes regenwasser
in den vertiefungen deiner fußabdrücke

hauch des erinnerns
bereit, erschüttert zu werden




ur-version:

da sind immer noch
spuren von dir

in den gängen
meines hörens
meines sehens
meines fühlens

gesammeltes regenwasser
in den vertiefungen deiner fußabdrücke

bereit beim
leisesten
nebelhaftesten
sanftesten

hauch des erinnerns
von dir erschüttert zu werden




.keinsilbig ´ 10


edit sagt: danke, aram!
Zuletzt geändert von keinsilbig am 23.03.2010, 18:54, insgesamt 2-mal geändert.

aram
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Beitragvon aram » 22.03.2010, 23:00

liebe kleinsilbig,

ich gefalle mir nicht als amputateur - doch finde ich diesen text wunderschön, (nur) wenn ich zwischenstrophen, klammertitel und 'von dir'-dopplung weglasse:



seismisches

da sind immer noch
spuren von dir

gesammeltes regenwasser
in den vertiefungen deiner fußabdrücke

hauch des erinnerns
bereit, erschüttert zu werden




Mucki
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Beitragvon Mucki » 23.03.2010, 01:13

Hallo keinsilbig,

ich stimme Aram zu. Durch diese Verdichtung, entsteht eine sehr viel stärkere Wirkung als durch die einzelnen zusätzlichen Beschreibungen.
keinsilbig hat geschrieben:gesammeltes regenwasser
in den vertiefungen deiner fußabdrücke

finde ich ganz wunderbar.

Saludos
Gabriella

aram
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Beitragvon aram » 23.03.2010, 01:48

p.s. alram gelobt besserung .-)

- und von der nick-schreibung abgesehen: nachdem ich nun erstmals in anderen deiner threads gelesen habe, woran dir liegt, kann ich kommentarisches 'vorschlagswesen' auf wunsch auch sein lassen und mich gegebenenfalls anders ausdrücken -

für mich ist sowas juxtaposition: eine schnelle art, unmittelbar am text durchzugeben, was bei mir ankam, und was nicht - wie ich textlich 'erlebe'.

damit stelle ich keinesfalls in abrede, dass die autorin dezitierte absichten mit dem titel verfolgen mag, mit den zwischenstrophen (deren erste - "in den gängen / meines hörens / (...)" mich für sich genommen anspricht), sowie mit dopplung und vorgegebenem ende - und mir ist bewusst, dass der letzte vers in der gegenübergestellten variante einen veränderten sinnkontext bedient - was möglicherweise reflektiert, dass ich mit dem ursprünglichen ungewiss blieb, ob seine anklänge gewollt sein und was anklingen solle.

liebe grüße - al.

keinsilbig

Beitragvon keinsilbig » 23.03.2010, 08:02

aufrichtigen dank euch beiden für lob und kommentar.


das aufzeigen deines alternativ-textes, aram, finde ich höchst spannend und auch in keinster weise als unangemessenes "eingreifen" in meinen text, wenn es eben so präsentiert wird, wie du es präsentierst - als vorschlag (anstelle einer korrektur oder "verbesserung") inkl. einer auseinandersetzung mit dem, was dem vorschlag gegenüberstehend in meiner version da ist.

wirklich spannend, was du da draus gemacht hast und ich sehe die wirkung auch. allerdings auch - wie du selbst sagst - wie dadurch die letzte strophe nicht mehr ist, was sie ist, weil ihr eigentlicher bezug dann fehlt.


wenn man - so wie ich - gerne beschreibt, um ein wenig im text-gefühl "zu wandern" - löst man sich natürlich auch nur schwer von sowas. ich lass es mal auf mich wirken und mit der zeit kommt die distanz, die mir da im moment noch fehlt, um nicht zu sehr an meinen beschreibungen und wiederholungen/doppelungen/parallelismen zu hängen... ;)


ich hab mich sehr über eure kommentare gefreut. danke.



gruß,

keinsilbig


ps: wer den begriff "love-wellen" googled, wird verstehen, warum ich auf den klammertitel nur ungern verzichten möchte. noch dazu, wo mein bild vorher im kopf war und ich nur wusste, dass es dafür einen begriff aus der physik gibt... als ich den dann fand, war natürlich die überraschung groß ;)

Louisa

Beitragvon Louisa » 23.03.2010, 09:45

huhu keinsilbig!

Aram hat meinen Text über die "Miniatur-Melancholie" vor einigen Jahren hier einmal fast genauso gekürzt und nur weil er das gemacht hat wurde er dann in einer Zeitung gedruckt. Ich würde also auf seine VerDichtungen sehr vertrauen.

Auch dein Text gewinnt durch die Straffung sehr viel an Weite und Tiefe. An deiner Stelle würde ich den Vorschlag wohl annehmen.

Schönen Tag!
l

Max

Beitragvon Max » 23.03.2010, 12:05

Liebe Keinsilbig,

ich finde den Text auch sehr schön, kann mich aber vielleicht mit der dichteren Version Arams noch mehr anfreunden. Die Zwischenstrophen haben schon einen eigenen Ton und ich finde sie daher auch wichtig, wenn ich alles abwäge, bleibt bei mir ber der Eindruck, dass der Text so viel an Dichte gewinnt, wenn man sie fortlässt, dass ich schließlich für dieses Fortlassen plädieren würde.

Liebe Grüße
Max

keinsilbig

Beitragvon keinsilbig » 23.03.2010, 13:06

danke, louisa und max,


für eure meinungen dazu.
die helfen mir definitiv weiter, das für mich abzuschätzen.

wenn ich es so reduziere - was "sagt" die letzte strophe dann für euch aus? ich kann sie irgendwie nicht "wertfrei" - also ohne ihre "altlasten" lesen und daher nicht einschätzen, ob sie dann noch was "kann"....


lieber gruß,

keinsilbig

Louisa

Beitragvon Louisa » 23.03.2010, 17:29

Hallo keinsilibig!

Ich finde der spannende "Hauch des Erinnern" (=gutes Bild!) wird hier viel deutlicher hervorgehoben (in Arams Version) - durch das Wörtchen "Hauch" geht aber trotzdem nicht das Sanfte verloren, was du in deiner Version so stark beschworen hast. Umso mehr du das beschwörst, desto schwächer wird der Eindruck bei mir. Ich finde so liegt in der Kürze eine viel größere Spannung in den Bildern und im Text. Man hat tatsächlich den Eindruck die Worte könnten jeden Moment anfangen zu zittern. Den hatte ich bei deiner Version gar nicht. Da war mir ehrlich gesagt zu viel Gerede für ein einziges Bild herumgebastelt. So bleibt nur noch das gute Bild stehen - und das lohnt sich meines Erachtens.

Schönen Abend,
l

keinsilbig

Beitragvon keinsilbig » 23.03.2010, 18:51

danke, louisa,


mit deiner erklärung kann ich viel anfangen und die ist für mich auch sehr eingängig und greifbar.
manchmal bastelt man aus lauter selbstverliebtheit ins bild und in die idee des bildes zuviel dran rum.

das "sanfte", "heraufbeschwörende" bin halt schon recht typisch ich.
wenn das dann weniger spannend ist, sollte (und muss) ich mir mal genauer überlegen, was von beidem mir vorrangig wichtig ist... so hab ich es noch nie so deutlich als das wahrgenommen.


danke also für den aufschlussreichen kommentar!


lieber gruß,

keinsilbig

Max

Beitragvon Max » 23.03.2010, 22:45

Liebe Keinsilbig,

in meiner Interpretation von Arams Version Deines Gedichts würde "Hauch des Erinnerns" summarisch die Situation zusammenfassen, den Eindruck, den die aktuelle Situation auf das lyr. Ich macht und das "bereit erschüttert zu werden" würde die Brüchigkeit alles Erinnerns anreißen - ebenso wie die Möglichkeits, dass das lyr. Ich von Erinnerungen erschüttert wird - in seiner Zweideutigkeit ein wertvoller Satz, finde ich.

Liebe Grüße
max

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Zakkinen
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Beitragvon Zakkinen » 24.03.2010, 14:28

Hallo kleinsilbig,
hatte nicht genug Zeit, für einen ausführlichen Kommentar - und erneut einen zu kurzen im Vorüberfliegen mochte ich Dir nicht antun. Vielleicht freut es Dich aber zu lesen, dass mir die neue Version sehr gut gefällt. Da ist genügend Raum für Phantasie, das Ganze ist von einer zarten, zerbrechlichen Klarheit. Ein wunderschönes, wenn auch trauriges, Gedicht.
Liebe Grüße,
Henkki

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Beitragvon leonie » 24.03.2010, 15:10

Liebe keinsilbig,

mir geht es auch so wie Henkki!

Liebe Grüße

leonie

keinsilbig

Beitragvon keinsilbig » 24.03.2010, 15:47

danke, henkki, danke, leonie,


es müssen mE nicht immer wortreiche kommentare sein, wenn auch die kurzen das wesentliche rüberbringen. hab mich sehr gefreut über eure zeilen!


lieber gruß,

keinsilbig


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